Magicans Cross KAPITEL 9

 

                                                            KAPITEL 9

 

Dunkle Wolken zogen über den grauen Horizont. Blitze zuckten wie bizarre Lichtspiele im Himmel. Regen prasselte und spritzte von den Giebeln der Dächer und nässte alles, was keinen Unterstand hatte. Zwei Gestalten, die eine hell, die andere dunkel, standen im Schatten der Tore. Eine dritte hielt die Stellung auf der großen Fläche des Schlosshofes, auf welchem immer Spiele ausgetragen und Feste gefeiert wurden. In den kurzen Teilen einer Sekunde, wenn eine Entladung aus der Düsternis schoss, konnte man jedes einzelne Muster, jedes Ornament, deutlich in dem schwarzen Marmorboden, der noch vor kurzer Zeit weiß gewesen war, erkennen. Entgegengesetzt zu den dreien, standen auf der anderen Seite Andros und Greg, falls letzterer überhaupt noch in seinem mutierten Körper lebte. Sato sah trotzig zu den beiden Gegnern. Er stand alleine dort. Mira, hinter dem Torpfosten des ersten Einganges hatte keine Übung im Angriff, und musste sich verstecken. Naym hingegen, stand offen und ungedeckt am Rand. Er schien als wäre ihm alles egal, was in gewissem Maße sogar zutraf. Er  machte keine Anstalten Sato zu helfen und ließ sich die dunkle schwarze Strähne, triefend vor Nässe, über die linke Gesichtshälfte fallen. Immer noch starrte der junge Mann, wenn auch etwas verwirrt, Andros an. Dieser erwiderte seinen Blick kalt und starr: „Was glotzt du mich so an? Hast nichts besseres zu tun?“ Sato schüttelte mit gespielter Fassungslosigkeit den Kopf und entgegnete entrüstet das ihm wohl nie jemand Manieren beigebracht hätte und er ihn nur an einen guten Bekannten erinnern würde, der sicherlich nicht so unfreundlich wäre. Er fuhr fort: „Abgesehen davon bemerke ich, dass sie mit dem Gefangenen namens Greg geflohen sind, der jetzt neben ihnen steht und endlich das Aussehen erlangt hat, das zu seinen Charakter passt. Mit anderen Worten, im Namen des Königs über Andrios nehme ich sie wegen Befreiung und Komplizentums eines Gefangenen fest.“ „Soso, im Namen des Königs... wie merkwürdig.“ , der andere lachte höhnisch. Mira lief ein Schauer über den Rücken, da diese Stimme so kalt und unberechenbar erschien. „Aber wenn du willst, kannst du gerne mit mir um meine Festnahme kämpfen. Allerdings rate ich dir, wenn dir dein Leben lieb ist, von deinem absolut hirnverbrannten Plan mich auf zu halten, ab zu lassen.“ Sato lächelte etwas. „Ja, mein Leben ist mir eigentlich sehr lieb, aber ich wage es zu bezweifeln, dieses durch dich zu verlieren.“ Wieder ein abfälliges Lachen. „Du sprichst deine Worte gewählt, doch ich denke, dass du bald nicht mehr sprechen kannst. Aber nun gut, wenn du gerne einen Kampf haben möchtest...“, Andros sprang hoch, machte einen Salto rückwärts, landete auf einem der verregneten, glitschigen Dachsimse und grinste belustigt. Dann deutete er auf Greg: „Kämpfe du.“ Den absolut abscheulichen und abgrundtief hässlichen Gegner fixierend, stellte sich Sato in Kampfbereitschaft. Er holte den Griff seines Schwertes hervor und ließ die Klinge, welche die Dunkelheit geradezu durchschnitt, herausspringen. Es leuchtete seicht und leicht pulsierend in verschiedenen Blautönen, mal intensiver, mal schwächer in seinen Händen. Greg ihm gegenüber stehen, hatte zwar keine Waffe, doch seine Arme hatten sich um das vierfache gedehnt und waren bepackt mit Muskeln, die man besonders gut dadurch sehen konnte, das keine Haut darüber spannte, sondern nur ab und zu ein paar vereinzelte, schuppenartige Fetzten. Die Knie waren extrem nach vorne gebogen und er stand auf dem vorderen Fußballen, aus dem schwarze, scharfe Klauen nur so sprossen. Sein Gesicht hatte kaum noch Ähnlichkeit mit dem alten. Die Augen waren dünn und lang geworden, der Unterkiefer war etwas nach vorne gerückt. Lange Eckzähne kamen aus ihm und dem Oberkiefer. Gelblich standen sie hervor und Speichel tropfte fast so stark wie der Regen von ihnen herab. Die Ohren sahen aus, als wenn sie mit Knochen durchpiekst und dann mit Fledermaushaut überspannt wären. Von den Haaren war keine Spur zu sehen. Er hatte Klingen an den Händen, festgeschnürt durch lederne Bänder. Sato blieb ruhig stehen, sammelte die Kräfte seiner Wassermagie. Greg stürmte los. Hallende Schritte. Lautes Kampfgeschrei. Sato sprang zur Seite und versuchte seinen Gegner aufzusäbeln, doch dieser war trotz seines massigen Körpers nicht gerade langsam. Geschickt wich er aus und versuchte seinerseits an zu greifen. Auch der Wassermagier war schnell zur Seite gesprungen. Unbeeindruckt sah Andros dem Schauspiel zu. ‚Magie gegen Körperkraft’, dachte Sato und rannte in eine Ecke, in der er nur schwer erreichbar war um seinen Zauber frei zu setzen. „Feigling!“, erklang es vom Dachsims. „WAVE!“, schrie der Magier aus Leibeskräften und schleuderte der Mutation eine riesige Welle entgegen, die Greg sofort unter sich begrub. Einige Sekunden lang war es still. Bis auf den Regen und den Donner war nichts zu hören. Mira lächelte, doch dieses verging ihr sofort wieder. Der wabbelige Wasserhaufen, der an einen Pudding erinnert hatte, fing an zu brodeln. Gischt schäumte als Greg lachend aus dem magischen Wasserbecken emporstieg. Er hatte knochige Flügel sie ihn schnell und mit kräftigen Schlägen nach oben brachten. „Shit!“, der leise Fluch klang wie ein Echo über den Hof. Das Monster lief in einem trabenden Schritt auf die Ecke, in der sich Sato verbarg, zu. ‚Was hat er vor?’, dachte der Magier als die Schritte immer schneller und weiter wurden. Das Tempo stieg unheimlich an. Auf einmal sprang Greg. Seine riesigen Klauen rasten auf die Wände links und rechts neben Sato zu. Dieser flüchtete aus der Ecke, sprang hervor und rannte unter seinem Gegner hindurch. Keine Sekunde zu früh. Lautes Krachen war zu hören. Die Wände waren vollkommen eingestürzt. Ein drei Meter großes Loch, thronte jetzt an der Stelle, an der er eben noch gestanden hatte. Es krachte erneut. Die Decke darüber hatte keinen Halt mehr gehabt und war nach unten gebröckelt. Greg stand in mitten eines Haufens von Trümmern. Die großen Steine die auf ihn hinab fielen, nahm er genau so locker hin, wie die Regentropfen. „Sie Idiot!“, schrie Mira schrill und ängstlich: „Sie haben ein Monster geschaffen!“ „Das war“, fing Andros sichtlich amüsiert an: „ja auch mein Ziel.“ Ein Schrei unterbrach sie. Mit entsetzten Augen, sah Mira, wie der Wassermagier gegen eine Wand geschleudert wurde, die daraufhin einbrach. „SATOOOO!!!!!!!!!!“, schrie sie und machte Anstalten los zu rennen. Naym hielt sie leicht fest. Mira brüllte ihn an, dass er wohl einen Packt mit Andros hätte, doch der schüttelte nur den Kopf und lies sie los. „Es wäre Suizid. Kamikaze.“ Mira starrte ihn groß an. „Hilf du ihm!“ Wieder bewegte er seinen Kopf leicht zur Seite. Die Halbelfe ballte ihre Fäuste. Sie gab ihm eine Ohrfeige und stampfte zurück. „Ahh...“, Sato richtete sich mühsam auf. Seine Rüstung war verschmutzt von dem Staub der Steine. Blut tropfte aus seiner Seite. Auch Greg war leicht verletzt. In seinem Angriff, war Sato ihm in die Quere gekommen und hatte ihm eine tiefe Schnittwunde im Arm zugefügt, wurde allerdings selbst durch die Luft geschleudert. Keuchend stand er auf und sah direkt auf Greg, der selbst in Monstergestalt zu jammern schien, was allerdings nicht seine Stärke beeinflussen würde. „Watery Wings!“ Sato wuchsen ebenfalls Flügel, die aus Wasser waren, und so schienen, als wären sie von kleinen, silbernen Schuppen überspannt. Mühsam flog er wieder in die Mitte des Platzes. Einige Stellen des Bodens waren von Steinschlägen leicht verkratert. Die Mutation des Menschen kam auf ihn zugestampft. Müde und benebelt von dem heftigen Sturz, erhob Sato die Hand vor sein Gesicht um dieses zu schützen. Greg lachte finster, sein reptilienartiger Mund verzog sich zu einem widerlichen Grinsen. Er war als Monster sicher zwei mal so groß wie der Wassermagier und hob seine Pranke, die geballt zu einer Faust war. Sato grinste und sprang schnell zur Seite. „Okay Greg, ich fange dann mal an zu kämpfen!“ Greg sah doof drein, und hatte kaum realisiert das sich Sato bewegt hatte, als schon dessen Schwert tief in seiner Schulter saß. Gequält brüllte der Mutant und drehte sich um. Siegessicher stand der Wassermagier vor ihm: „Greg, du bist noch genau derselbe wie vorher, nur das dein Aussehen sich verändert hat...“ Er holte sein Schwert hinter dem Rücken hervor und stürmte auf Greg zu. Dessen Augen waren weit aufgerissen. Er schrie laut und übertönte schon fast das Gewitter, bis sein Kopf herabfiel und noch einige Meter weiter rollte. Mit einem dumpfen Geräusch sackte sein Körper in sich zusammen und lag schließlich neben dem Kopf. Sato drehte sich weg, er wollte sich diesen Anblick ersparen. Traurig sah er zu Boden. Mira hatte sich- trotz aller Wut gegen diesen- an Naym geklammert und sich in dessen Hemd vergraben. Sie schluchzte leise. Ein Klatschen hallte in regelmäßigen Abständen durch die Nacht. ‚Klatsch, klatsch, klatsch’ „Das habt ihr aber toll gemacht!“, die höhnische Stimme Andros verursachte einen Schauer auf Satos Haut: „Du hast ihn in den Tod geschickt, es hätte nicht so sein müssen!“, meinte dieser, doch Andros lächelte ihn nur kalt an: „Hätte es nicht? Egal, war jedenfalls ein Plan, der nicht gescheitert ist. Ein idealer Weg um Greg aus dem Weg zu räumen und euch dabei noch rum zu hetzten.“ Der Wassermagier ballte die Fäuste: „Das wirst du bezahlen, für deine Unmenschlichkeit kann es nur eine Strafe geben!“ „Versuch es doch!“, erwiderte der andere und sprang leichtfüßig von dem glitschigen Dachsims. Regen umspülte, gemischt mit Blut, seine Füße. Er nahm Gregs Kopf auf, legte ihn in seine Hände und wiegte ihn hin und her, wie man es sonst tut, wenn man ein Gewicht schätzen möchte. Rote Flüssigkeit lief von seinen Fingern herab, während er in die ausdruckslosen, starren Augen blickte. Er nahm das Haupt zwischen beide Hände und drückte zu. Ein paar Sekunden später knackte es. Gehirnmasse tropfte klebrig auf den Marmor und schwamm in einem Rinnsal des Regenwassers und Blutes mit davon. „Ich hätte gedacht das er mehr aushalten würde... wie enttäuschend. Seine Knochen sind ganz dünn durch die Streckung geworden. Schade, schade, schade...“, mit diesen Worten schmiss Andros die restlichen Schädelplatten weg. Dann ging er zu Sato und schmierte ihm ein bisschen Blut an die Wange: „Tut er dir etwa leid?“ Dieser drehte sich weg und lief mit schnellen Schritten in eine sichere Entfernung. Ihm war speiübel. Der andere sah ihn grinsend an: „Du willst sicher kämpfen.. nun, dies sei dir nicht vergönnt“ Sato stand ruhig in der Mitte des leicht verkommenen Marmorbodens und sein Lächeln war aus dem sonst so sanften Gesicht verschwunden. „Na, hast Angst?“, höhnte Andros und schrie ’Ice Spear’ Ein Speer aus Eis kam aus seiner Hand, als wäre er ein Teil von ihm und flog in unglaublicher Geschwindigkeit auf den Wassermagier zu. „Wasser, schütze mich, gib mir deinen Schutz, Water Shield!“, rief Sato aus und sprach die Worte so schnell er nur konnte, damit sie ihn noch vor der Ankunft des Eisspeers schützen konnten. Nutzlos prallte die Attacke ab. Das Eis zersplitterte wie ein heruntergefallener Spiegel in tausend und abertausend Teile, die von Blitzen geblendet, leuchtend zu Boden fielen. Wie blinkende Staubkörner sackten sie herab.“ „Nicht schlecht.“, vermerkte Andros und sah Sato amüsiert an: „Aber leider nicht stark genug: BLIZZARD“ Eine Sturmböe zog auf und bedeckte den Himmel knapp über dem Wassermagier, der schnell aus dem Weg sprang und sich auf körperlicher Basis dem Kampf widmete. Er stieß hervor und versuchte Andros zu verletzten, doch dieser wich ihm aus uns versetzte ihm einen harten Schlag in den Rücken, so dass der Größere liegen blieb. Mühsam rappelte dieser sich auf und blickte Andros wütend an. „Watery Punishment!“, sprach Sato aus und der andere Magier musste ein wenig zurückweichen, aber viel passierte nicht, da er zu schnell gewesen war. „AHHHH!“, schrie jemand hinter ihn. Er drehte sich um und sah Sato mit seinem Schwert auf sich zu kommen. „Sch.... “ fing Andros an, hatte aber keine Zeit mehr um das Wort zu ende zu sagen. Sato kam mit beiden Füßen elegant auf dem Boden auf.  Hinter ihm stand sein Feind. Der Schwertkämpfer drehte sich zufrieden um: „Besser so, Arschloch?“ Auch sein Feind drehte sich um. Ein kleiner Schnitt zierte seine Wange. Blut tropfte leicht heraus, lief über dessen Wange und bahnte sich den Weg zum Kinn: „Du... du hast mich verletzt, meine Verteidigung gebrochen, du... du musst sterben!“ Sato wich schnell in eine der Ecken des Schlosshofes aus und wartete auf weitere Angriffe. Andros ging in einem ruhigen Schritttempo auf diesen zu. Seinen Fäuste baumelten geballt an seinen Seiten. An seinen Knöcheln färbte sich die Haut hell und die Adern traten durch den Druck leicht hervor. Ein Blitz, kurze Dunkelheit, Andros stand genau vor Sato. „Aber wie...“, fing dieser an und war schon voll damit beschäftigt die blitzschnellen Hiebe, die sein Gegner austeilte, abzuwehren. Schließlich stand er ganz an der Wand und hatte keine Bewegungsfreiheit mehr. Eine Rechte bohrte sich in die Steine neben seinem Ohr. Doch kein überhebliches Lächeln berührte länger dessen Lippen. Er zog die Hand wieder heraus, Sato sprang hoch, über Andros Kopf hinweg und ging auf die Mitte des Innenhofes zu. „ANGEL FLY!“, brüllte dessen Gegner und flog hoch in die Luft. Direkt über dem Kopf des Wassermagiers hielt er an. Durch das Unwetter, den Regen und die stetige Dunkelheit jedoch, konnte er Andros nicht sehen. Suchend blickte er nach oben, doch als er ihn schließlich entdeckte, war es schon zu spät. „STIRB.“ Der Magier kam blitzschnell herab, die Faust voran, durch Flügelschläge beschleunigt. Ein Schatten, ein Knall, der Boden war fast vollständig zertrümmert. Ein grausames Lachen kam aus Andros Kehle. Staub umwaberte ihn wie ein leicht transparentes Meer. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Mira auf die Fläche des Kampfes. Ihr Mund stand weit offen: „Sa...Sato?!?“ Ihr Körper fing an leicht zu zittern. Als es sich verstärkte brach sie zusammen und fing an bitterlich zu weinen. „Warum??? Warum hast du ihm nicht geholfen?“, fragte sie in die Richtung in der Naym gestanden hatte. Keine Antwort. Sie sah sich suchend um. Ein leises Keuchen neben ihr ließ sie aufschrecken. Sato versuchte mühsam sich auf zu richten. Ein Blutrinnsal lief aus seinem Mund. Der Staub behinderte die Sicht vollkommen. Selbst die unaufhörlichen Blitze schienen sich zurück zu halten. Sterne verblassten, es wurde still. Das Prasseln des Regens hatte kurz aufgehört. „Baka!“, schrie eine etwas sanfte, dunkle Stimme. Trotzdem schwang Wut in ihr mit. Tiefe, bittere Wut. „Wagt es nicht noch einmal! Rührt nicht die an, die ich mag, NIE WIEDER!“ „Was?“, fragte Andros spöttisch. „Soll ich jetzt Angst haben? Ich zittere schon wie Espenlaub“ „Eminium paes“, meinte die Stimme, die Sato als Nayms erkannte: „Dämon in mir, gib mir deine Kraft, schenk mir das Licht des Todes!“ Der Regen fing wieder an. Die Luft wurde reingewaschen und der Staub legte sich. Die dünne Gestalt hob sich schwarz von dem roten Untergrund ab, der Naym in einem blutigen Licht beleuchtete. Plötzlich zogen sich Risse in den Boden. Der Marmor zersprang. Schwarz-rotes Feuer loderte aus den Erdspalten. Ein raues Geräusch durchbrach das Grollen im Boden: „Seid gegrüßt Wächter.“ Der Dämon,  fledermausartig geflügelt und fast vollständig in Schwarz getaucht schwebte vor dem Jungen. Dieser erwiderte leise: „Hallo. Gibst du mir deine Kraft, ohne den Menschen die ich mag zu schaden?“ „Ja Wächter. Ich mag dich, werde deine Wünsche erfüllen“, mit diesen Worten tauchte die Gestalt in Nayms Körper. Dieser schloss die Augen, sah einen Moment lang gequält aus, als wenn er gefoltert worden wäre. Wenige Sekundenbruchteile verstrichen. Ein Zucken in seinem Finger ließ ihn wieder lebendig aussehen. Ein leichtes Blinzeln vom Auge, bevor er es ganz öffnete. Andros sah schon fast erschrocken aus, Mira krallte sich in Satos Rüstung fest. Letzterer sah nur bedauernd drein. Er kannte es schon, das blutrote Leuchten in den Augen Nayms. Dessen Hemd wölbte sich an den Schulterblättern. Es spannte sich immer weiter. „Ahh!“ Ein merkwürdiger Laut war zu hören. Das Hemd war am Rücken stellenweise zerrissen. Die Flügel , welche der Dämon gehabt hatte, waren aus Nayms Haut heraus gebrochen. „Was bist du?“, fragte Andros Stimme. „Ich bin kein was, ich bin ein wer.“, erwiderte Naym, dessen Stimme sich nun mit der des Dämons gemischt hatte und nun zwischen der sanften Wut, rau und ungebändigt klang. „Ich bin Nameless Chyld, das namenlose Kind des Dämonen in mir selbst.“, er ballte die Fäuste: „Ich kann gar nicht sagen wie sehr mir die Toten leid tun werden wenn sie mit dir die Unterwelt teilen müssen!“ Die Flügel klappten mit einem zischenden Geräusch aus und streckten sich leicht in die Luft, als wenn der Junge sie ausprobieren wollte. „Wir sind beide geflügelt, jetzt bist du nicht mehr im Vorteil“ „Und womit wirst du kämpfen?“, er setzte wieder sein Grinsen auf. Naym kniete sich zu Boden, er tauchte seine Hand in die Erde, bis der gesamte Unterarm drinsteckte. Es sah aus, als würde er in Wasser greifen. Was er heraus zog war eine Art Samuraischwert, nur das die Klinge pechschwarz war und der Griff weiß wie Knochen. „Dein Ende erlöst mich von ein paar Teilen meines Schmerzes, also freue ich mich über dein Opfer, Andros!“, schrie der Halbdämon. „Auch wenn ich dich nicht versteh, okay! Kämpfe!!!“ Naym blieb wie Sato vorher auch stehen, während Andros dieses mal auch nichts anderes tat. Auf einmal holte der Schwarzmagier mit seiner Hand aus. Verwirrt blickte Andros auf Gregs Leichnam auf dem die Fingerspitze von Naym deutete. Kleine schwarze Blitze strömten daraus hervor und schwebten wie Rauch auf den reglosen Körper zu. Sie umschlungen ihn und verschwanden schließlich in Nase, Mund, Augenhöhlen und Ohren. Sie krochen in den Leib, so dass dieser erzitterte. „Schön, aber nicht wichtig.“, sagte der Gegner, dem es jetzt egal schien was mit seiner verstorbenen Marionette passierte. Er streckte die Finger und ballte sie zu einer Faust. Es knackte leise: „Bist du bereit?“, fragte er Naym, doch dieser antwortete nicht, sondern schien sehr vertieft in irgendwelche Beschwörungsformeln zu sein. Man hörte etwas von Apocalyptatis oder Satanaas heraus, aber es kümmerte Andros nicht. Er lächelte selbstsicher und war im Begriff auszuholen, um Naym während seiner Unbeweglichkeit zu schlagen, als Sato von hinten dessen Arm packte. „Ich lass dich nicht einfach im Stich, Naym!“, rief er und versuchte der Kraft von Andros etwas entgegen zu setzten. Ein Stöhnen war zu hören. Ein Finger der Leiche regte sich, stütze einen Arm auf, dann den anderen, erhob sich auf die schweren Beine. Er oder es, wie auch immer das zu beschrieben war, nahm die Teile seines Schädels, setzte sie zusammen, bis diese wieder zu dem vollständigen Haupt verschmolzen, nahm den  Kopf und setzte ihn auf das abgeschlagene Ende der Wirbelsäule. Das Gesicht war ausdruckslos. Die Augen waren leer. Oder eher, die Augen waren nicht mehr da. Nur noch dunkle, tiefe Seen aus Nichts blickten starr in die Gegend. Kein Hohn, kein Spott, Greg war verstummt und ging nun, langsam aber immer schneller werdend auf Andros zu. Der Schwarzmagier sah leidig zu der gequälten Kreatur. ‚Greif an’, dachte er und der Untote rannte los. Nicht einmal Kampfgeschrei stieß er aus. Es war nahe zu unheimlich. Andros sah es. „Was...ist das?“, fragte er, klang aggressiv und verwirrt. Er riss Satos Arm herum, dieser schrie kurz, bevor er rücklings auf dem Boden landete. „Greg, was soll das? Bist du etwa noch immer nicht tot?“ Der Angesprochene reagierte nicht: „Hörst du nicht, was...“ „Er ist tot. Was erwartest du?!?“, Sato ballte die Fäuste: „Und wegen dir muss er nun noch einmal seine Körperkraft nutzen, selbst nach dem Sterben! Es ist deine Schuld!“ Naym hörte wie die Stimme des Wassermagiers verhallte. ‚Nein, meine’, dachte er und bewegte Greg. „Halt!“, ein anderer Klang mischte sich zwischen den Regen: „Was erlaubst du es dir eigentlich diesen Idioten nach dem Tod noch für so etwas zu benutzen?“, Ikiru brüllte Naym aus Leibeskräften an, bis Hiuchi ihm die Hand vor den Mund hielt. Er hatte bereits Andros entdeckt. Der Lebensmagier befreite sich von dessen Hand und fluchte weiter: „Der Tod soll das Ende des Leidens, der Anfang der Ruhe sein, und du ist so verdorben das du ihn störst???“ Naym wandte sich ab und sah auf den Boden. Greg war stehen geblieben und vorne über umgekippt. „Halt die Klappe, nimm Mira und flieh zu Kayuko!“, der Rothaarige flüsterte Ikiru das alles ins Ohr, in dem Wissen, das dieser und die Halbelfe keine guten Angriffszauber beherrschten. Er selbst ging
das ‘Schlachtfeld‘ zu: „Andros...Was soll das?“, rief er, erhielt jedoch keine richtige Antwort, sondern ein: „Hiuchi, schön dich zu sehen. Ich metzel gerade deine Freunde nieder.“
Verwirrt sah Ikiru zurück, die immer noch entsetzte Mira am Arm haltend und die Treppe des Turmes hochstürmend. Als er oben ankam, sah er als erstes Kayuko. Sie stand mit dem Rücken zu ihm und sah aus ihrem Fenster raus auf den Hof, wo Sato Hiuchi bemerkt hatte. Er verbeugte sich leicht: „Hallo Hoheit...“ „Nenn mich Kayuko, ist mir lieber.“, erwiderte sie, immer noch dem Fenster zugewandt. Draußen, wo der Blick ihrer sanften, blauen Augen hinfiel, hatte Hiuchi angefangen mit Andros zu ‚verhandeln’ „Du Sackgesicht! Lass den Scheiß! Bursting Thunder!“ Der Himmel wurde schlagartig blutrot. Ein Blitz zuckte herab, umspielt von rotem Glitzern, welches von der Magie kam. Andros wich mit einem geschickten Sprung aus und landete vor dem Feuermagier, welcher ihn etwas verschreckt ansah. Der Größere nahm dessen Kinn, zog es an sich heran und drückte seine Finger so sehr daran, dass es Hiuchi weh tat: „Nana, nicht so übermütig. Ihr habt schon verloren... mach dir keine Mühe und misch dich nicht ein, ich will dich nicht unbedingt verletzen. Außer es muss sein natürlich...“ er machte einen Satz nach hinten und lächelte etwas spöttisch. Naym hatte Sato aufgeholfen und stand nun unschlüssig da. Vor ihnen lag Greg, der nun wieder auseinander fiel. „Ich tue Unrecht daran den Leichnam zu beschwören. Ich... bin nicht zu gebrauchen.“, meinte er und drehte sich um. Leicht hoben sich Andros Mundwinkel und er erhob sich über Naym. Dieser rührte sich kein Stück, schien betrübt oder erschrocken über sich selbst. „Idiot! Pass auf!“, schrie Ikiru und hatte sich neben Kayuko ans Fenster gedrängt, stieß sich dann wieder von der Fensterbank aus ab und rannte so schnell er konnte die Treppen des Turmes hinab. Knapp vor dem Innenhof blieb er im Torrahmen stehen. Sato verstand nicht was Andros vorhatte, er pfefferte ein paar Wassermagien durch die Luft und doch passierte nichts. Der Gegner streckte beide Hände in die Richtung des Schwarzmagiers: „FREEZE!“ „BARRIER OF HOLY LIGHT!“, setzte Ikiru ihm entgegen. Naym drehte sich um und sah gelassen drein. Während ein Geschoss aus Eis auf diesen zuraste, baute sich ein grelles Leuchten davor auf. Als die letzte Lücke der Barriere sich schloss zerschellte die Eismagie an der Wand, die Ikiru erzeugt hatte. Sekundenbruchteile später war diese zu Eis erstarrt. Es fing bedrohlich an zu knarren und kratzen, und auf einmal brach alles zusammen. Tausende Splitter, wie aus Glas, tänzelten herab, spiegelten die Blitze und blendeten die Kämpfer. Naym drehte sich mit Sato zusammen zu Ikiru um. Der hatte einen merkwürdigen glasigen Blick in den Augen und sah ausdruckslos drein. Der Blonde lief los und fing Ikiru gerade rechtzeitig auf, bevor dieser bewusstlos auf den Boden gefallen wäre. Regungslos hing er in Nayms Armen, hatte die Augen geschlossen, atmete flach, wurde von ihm an den Rand getragen und sanft auf die Treppe gelegt. Besorgt sah Sato hinterher, wandte sich dann aber schnell um, um Andros keine Angriffsfläche zu bieten. Dieser lächelte: „Och, hab ich ihn etwa überanstrengt? Das tut mir jetzt aber mal wieder so wahnsinnig leid...wer möchte noch? Ich meine außer dem armen Nekromanten, der ja viel eher mit heftigen Gewissensbissen kämpfen muss.“ „warum machst du das Ganze eigentlich? Kannst du mir das verraten???“, Sato blickte den Blauhaarigen herausfordernd an. „Ach, das möchtest du gar nicht wissen...Wächter...“, meinte er und ein scharfer Unterton lag in seiner eisigen Stimme. „Er hat Recht...“, meinte Hiuchi leise zu sich selbst: „Das würdest du sicher nicht wissen wollen.“ Zu Andros gewand meinte er dann: „Bitte, hör doch auf mit dieser sinnlosen Metzelei...“ „Hey hey, Gehirnwäschen gelten nicht.“, meinte dieser locker: „Sowieso, finde ich das es gerade etwas langweilig wird. Also, wer kämpft, wer will wer hat noch nicht?“ Hiuchi schüttelte traurig seinen Kopf. Die roten Haare wehten ihm über die Augen, welche geschlossen waren. „INFERNO!“, ein Wall aus Feuer peitschte Andros heiß entgegen und setzte alles in Brand was in dem Weg zu seinem Gegner stand. Selbst der Boden brannte, als wenn Benzin darauf verschüttet worden wäre. „Feuereifer, ergreife meinen Körper, beherrsche die Magie, ZEAL!“ Seine Haare schienen zu brennen. Seine Kraft hatte sich etwas verstärkt, aber da er den Zauber nicht oft gebrauchte, war dieser nicht so stark. „Och, jetzt bist du sauer? Wie niedlich...“, er lächelte schon wieder höhnisch und baute einen Schild vor sich auf. „SNOW DEFENSE!“ Ein Frostkristall erschien auf seiner Handfläche und wurde immer größer bis er den gesamten Körper schützte. Das Inferno schmolz den Schild langsam ab. Es dampfte und als der Schutz gänzlich weg war, konnte man Andros nicht mehr sehen. Wie man später merkte, war das kein Wunder, denn dieser war auf einmal weg. Naym sah nach oben und entdeckte ihn, wie er gerade Sato angreifen wollte: „Sato! Pass auf!“ Dieser sah auf, rief eine schützende Wassermagie herbei und streckte sein Schwert Richtung Himmel.  „BLIZZARD!“, rief der Angreifer und zwinkerte dem Wassermagier zu. Der Eissturm braute sich direkt über den drei Kämpfern zusammen. Wie unter einer Glaswand hörten sie das beständige prasseln gegen den Schild: „Ahh, mir wird so kalt...“, Sato klammerte seine Arme um sich selbst und fror am ganzen Leib, doch seine Konzentration galt noch immer der leicht wabernden Barriere, welche immer fester zu werden schien. „Sie vereist, genau wie das Schild von Ikiru. Der Mann muss ein sehr kaltes Herz haben um so eine effektive Eismagie zu beherrschen.“, meine Naym, wie immer ruhig. Hiuchi sah zu Boden: „Ja, muss wohl so sein.“ Außerhalb des dichten Schneesturms stand Andros und grinste. Er sprang auf Ikiru zu, erhob sich in die Luft und griff den Bewusstlosen an. Eine Kugel aus Wasser schoss blitzschnell auf diesen zu und zerfetzte an den Stellen das Eis seines Blizzards, wo es Stalaktiten gebildet hatte.  Wind brachte Ikirus Haare zum wehen. Es schien stärker zu werden und bildete einen Wall um den Weißmagier. Die Wasserkugel spaltete sich daran und fiel harmlos zu Boden. Verwirrt sah Andros in zwei blaugrüne Augen die ihn ernst ansahen. „Nay?“, fragte er: „Was machst du hier?“ „Kenn ich sie?“, erwiderte dieser und blickte etwas dumm drein. „Nay, pass auf, er möchte dich bestimmt verwirren oder so!“, rief Charlie mit einem misstrauischen Unterton und wurde von Nay leicht hinter diesen geschoben. „Klein-Charlie! Noch so unschuldig! Wie nett von euch mich zu ‚besuchten’!“, grinste Andros: „Aber wisst ihr, im Moment stört ihr mich.“ Der Feuermagier drängte sich wieder vor: „Kämpfe duuuu, duuuuuu Feigling! Einfach jemanden töten wollen der bewusstlos ist, das ist widerlich!“ Fireball!“Nay hielt den Kleinen, welcher gerade auf den Gegner zustürmen wollte, fest. Es stellte sich als sehr nützlich heraus, denn der Fireball war nicht mal angekommen, als er sich schon in ein kleines Rauchwölkchen auflöste. Dabei war dieser nicht unbedingt klein gewesen. „Lächerlich“, kommentierte Andros: „Aber süß.“ Charlie schaute sein Gegenüber entnervt an: „Ich kenne sie nicht und sie bezeichnen mich als süß – noch dazu kennen sie unsere Namen, wer sind sie?“ „Das tut nichts zur Sache.“, meinte dieser. „Sie wollen kämpfen, nicht wahr?“, fragte Nay und begutachtete Andros prüfend. „Natürlich, aber du kannst mich gerne duzen.“, dieser grinste und hielt seine Faust vor dem Körper: „Bereit?“ Ohne eine Antwort ab zu warten griff er an. „Pass auf den Jungen da auf.“, flüsterte Nay Charlie noch zu, bevor er einen Gegenangriff startete. Dieser lief so schnell er konnte auf die Treppe zu: „Hey, du, wach auf!“, aber Ikiru rührte sich nicht. Charlie baute vor den beiden einen Feuerschild auf und fragte sich, was der Schneesturm im Spätsommer bei einem Gewitter zu tun hatte. Er hörte zwei versetzte Laute und drehte sich zu den beiden um, die gerade kämpften. Anscheinend hatten sie sich beide fast gleichzeitig getroffen. Andros rannte auf Nay zu, dieser sprang hoch, breitete Flügel aus und flog in der Luft. Der andere stieß sich wenig später ab und schwebte auch ohne entsprechende Schwingen. Er versuchte Nay einen Schlag zu versetzten, doch dieser war geschickt zurückgewichen. Der Schlagwechsel erfolgte schneller als Charlie es je erlebt hatte, und er  merkte mal wieder wie sehr er Nay unterschätzt hatte, obwohl er ihn schon für sehr stark anerkannte. Eine Magie flog, eine andere folgte und wurde von einem Schild abgeblockt. Nervös blickte der Kleine nach oben. Die beiden kamen ihm etwas näher, so dass er Ikiru unter die Arme griff und ihn ein paar Treppenstufen weiter hoch hievte. Andros Faust kam direkt auf Nay zu, dieser wich wieder aus und die Gesichter beider streiften sich fast. Erschrocken starrte der Feuermagier nach oben: „Diese Ähnlichkeit... wie Zwillinge...“ Andros wurde von Nay getroffen. Er wurde zurück gestoßen und flog gegen den vereisten Schild Satos. Auf diesem rappelte er sich auf und erhob sich. Auf einmal krachte die Barriere ein und die Eisplatten fielen auf die drei Personen die darunter standen. Auf dem Boden lag der Wassermagier und um ihn herum standen die zwei anderen. „Satooooooo!“, schrie Charlie quer über das Feld. Nay drehte sich nach unten um zu sehen was passiert war. Sein Gegner erwischte ihn mit einer Magie, doch dies schien ihm nicht allzu viel aus zu machen, allerdings war der Schlag danach schmerzvoller. Der Magier krachte gegen eine Wand, welche daraufhin zerschellte. Nay stand wieder auf und wollte sich bei Andros revanchieren, aber der grinste ihn nur an: „Mir wird es zu voll hier, ich gehe.“ Mit diesen Worten löste er sich in ein bläuliches Glitzern auf. Der Schneesturm hörte so schnell auf  wie er gekommen war. Verdutzt sahen die Magier ihm nach. Kayuko lächelte, immer noch am Fenster stehend. Mira sah über ihre Schulter. „Was ist denn?“, fragte sie aufgeregt. Mit einem sanften Lächeln wandte die Blauhaarige sich um und ging zu den Treppenstufen: „Es ist alles in Ordnung, denke ich. Kommst du mit?“, Mira bejahte und raste vor der Königen die Treppen herab. Wenn Charlie mit  seinen auffälligen Haaren nicht knapp hinter Ikiru gesessen hätte, wäre sie sicher auf diesen getrampelt. So sprang sie über beide hinweg und landete elegant am Ende der Treppe. „AHHHH!“, kreischte sie und noch heller: „SATO!“ und rannte zu diesem. Hiuchi sah auf: „Es geht ihm gut. Keine Sorge.“ Sie nickte dem Rothaarigen freudig zu und schubste Naym weg um selbst Platz zu finden. Dieser ging zu den anderen, sah sich Ikiru an. „Er ist ebenfalls nur etwas überlastet.“ Er wollte sich gerade umdrehen um weg zu gehen, als Charlie ihn zurückhielt: „Wie heißt du überhaupt? Du hilfst uns und willst einfach so verschwinden?“ Dieser sah zurück und sah den Kleinen ausdruckslos an: „Mein Name ist Naym. Wir werden uns sicher noch öfter sehen.“ Er ging zum Hauptportal und seine Silhouette verschwand wie ein Schatten in der Dunkelheit. Es war mittlerweile Abend und die Gewitterwolken verzogen sich. Sato und Ikiru wurden in deren Zimmer gebracht, wobei Mira den Wassermagier und Hiuchi dem Lebensmagier beiwohnte. Nach ein paar Stunden war Sato wieder wohlauf. Ikiru jedoch schlief noch als die Sonnenstrahlen zwischen die Lücken in dem Laubdach des Baumes vor dem Fenster schien und ein dunkler Schatten den Schwarzhaarigen und Hiuchi, welcher mittlerweile auch ins Land der Träume gewandert war, beobachtete. Langsam tat Ikiru ein Auge auf, dann das zweite, bis die grüne Iris fast vollständig zu sehen war. Er blickte an die Zimmerdecke und schließlich auf die roten Haare, die auf seiner Bettdecke ausgebreitet waren. Mühsam setzte er sich auf. Der Schatten verschwand. Ikiru wandte sein Gesicht abrupt zum Fenster. „Ich hab da doch was gesehen...“, murmelte er und wuschelte leicht über die Haare seinen schlafenden Freundes: „Heyyy, Hiuchi, wach...“, ein Grummeln unterbrach ihn und der Kleinere musste feststellen das es sein Magen gewesen war, der eine Revolte ausgeführt hatte, weil er nichts mehr zum verdauen bekam. ‚Hunger...’, dachte sein Magen. Es klopfte an der Tür und Kayuko kam lächelnd herein. In der Hand hielt sie ein Tablett mit allen möglichen Früchten und einer Kanne Tee darauf. Sie stellte es auf den kleinen Nachttisch und zwinkerte Ikiru zu, als dessen Magen erneut knurrte. „Ahh...ähm, Guten morgen Kayuko-san!“, begrüßte er sie unsicher: „Das hätte doch nicht sein müssen, ich meine, ich hätte mir auch selber etwas holen können...geht es allen gut? Sato, Mira und diesem anderen da?“ Immer noch lächelnd entgegnete sie: „Ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Morgen. Ich habe mir gedacht, dass du Hunger hast und im Moment habe ich sowieso nichts zu tun, von daher gern geschehen. Mira kümmert sich um Sato, aber der ist gestern schon wieder aufgewacht, Nay wurde schon von Charlie versorgt, welcher sich nichts getan hat und Hiuchi musst du wohl selbst fragen.“ „Hm? Was ist mit mir?“, fragte Hiuchi unsicher, öffnete ein Auge, streckte sich und gähnte dabei herzhaft. Seine Haare sahen etwas zerzaust aus, wilde Strähnen hingen ihm ins Gesicht, die verschlafenen, blauen Augen wanderten zwischen Ikiru und Kayuko hin und her: „Ikiru!!! Geht es dir gut?!“ Der Angesprochene lächelte den Feuermagier an und nickte: „Das selbe wollt ich dich auch gerade fragen. Ja, es geht mir sogar sehr gut, ich hab nur Hunger...“ unschuldig blickte er nach unten, griff mit einer Hand nach einem verästelten Weintraubenzweig und fing an zu essen. „Sie sind ohne Kerne...“, meinte Kayuko, vielleicht nur um auch wieder etwas zu sagen und sah den schmatzenden Ikiru glücklich an. „Und richtig lecker!“, freute dieser sich und schob Hiuchi eine Traube in den Mund. „Das ist schön, ich denke, dass ich jetzt gehen werde“, sagte die Königin und ging aus der Tür hinaus, schloss diese leise mit einem Lächeln im Gesicht. „Hallo Kayuko!!!“, der kleine Charlie stand vor ihr und sah sie freundlich an: „Sag mal, wo ist hier die Küche? Ich wollte etwas zum essen holen aber ich hier brauch man ja eine Landkarte um ins eigene Zimmer zurück zu finden!“, trotzig blickte er zu Boden. „Ich“, bot sein Gegenüber an: „werde dich begleiten.“ Sie gingen einen langen Gang entlang, bestiegen Treppen und öffneten zahlreiche Türen, bis sie in einem gemütlichen Raum ankamen, wo so ziemlich alle Möbel aus Holz waren und auf verzierten Tischen Berge von Früchten standen. „Ein Paradies...“, staunte Charlie und sah das Sonnenlicht in Streifen sanft auf den Boden fallen. „Nimm dir was du braucht. Du kannst zwar nicht alles auf einmal haben, aber ich denke so hungrig bist du nicht, oder?“ Er schüttelte den Kopf und holte einen aus dunklem Stroh geflochtenen Korb hervor. Er stopfte ein paar Nahrungsmittel hinein und erklärte nebenbei: „Nay bring ich auch etwas mit, vielleicht hat er ja Hunger...es geht ihm übrigens...glaube ich, er redet ja nicht drüber, wieder besser..." Kayuko blickte ihn nun ernst an: „Ich hoffe es doch, denn nun muss er die Position des Königs übernehmen. Es wird wahrscheinlich nicht leicht für ihn sein, so wie es für mich auch nicht leicht war, nachdem Vater von einer Untergrundbewegung ermordet wurde. Es ist eine solch schwere Last es allen Recht zu machen, und doch, weiß niemand es richtig zu schätzen.“ Charlies Grinsen klang ab, bis er nur noch traurig lächelte: „Ja, da bleibt wohl nur noch wenig Zeit...“, er nahm noch zwei Äpfel und legte sie sanft in den Korb, so dass sie keine anderen Lebensmittel erdrückten. Der Kleine nahm ihn und schlenderte, den Kopf nach unten hängen lassend, neben der Blauhaarigen her. Sie kamen schließlich vor Nays Zimmer an. „Willst du mit reinkommen?“, fragte Charlie zögerlich, woraufhin Kayuko nickte: „Ja, aber nur kurz“ Er klopfte drei mal an die Tür und man konnte ein leises „Herein.“, hören. Der Grünhaarige öffnete die Tür einen Spalt: „Ich bin es, deine Schwester kommt auch mit...“ Keine Antwort erklang und er fasste es einfach als Bejahung auf. Als er eintrat stand Nay bereits vor ihm und nahm ihm den schweren Korb aus der Hand, stellte ihn auf den Boden und flüsterte leise: „Arigatou...lässt du mich kurz mit ihr allein?“, er sah den Kleinen bittend an. „Jaja..“, erwiderte dieser säuerlich und ging geradewegs an Kayuko vorbei wieder hinaus. Sie blickte ihm fragend nach, zuckte mit den Schulten und setzte sich auf das Bett ihres Bruders. „Du möchtest mit mir reden?“ Nay schüttelte den Kopf: „Nein, aber ich glaube du mit mir. Jedenfalls hab ich schon seit einiger Zeit das Gefühl das du mir etwas sagen willst.“ Bedrückt sah Kayuko zu Boden: „Nun...du weißt es doch genau, du weißt sicher was ich denke, nur das du es noch einmal hören willst um zu bestreiten das es auch in deinem Wissen ist.“, ihre Stimme kam nur dumpf und sehr leise durch die Tür. Charlie drückte sein Ohr an diese. Er wusste zwar nicht warum, aber er spürte das unsägliche Verlangen dem Gespräch zu lauschen. Er erkannte wieder Nays dunklere Stimme: „Ja, du hast recht. Ich weiß es. Ich vermute du kannst dir denken was mit ihm und mir ist, oder? Schon als wir ankamen...“, er sah zu Boden. „Natürlich... Du kannst nicht allzu viel vor mir geheim halte, denn wenn man dich so lange kennt wie ich, kann man dich fast lesen, wie ein offenes Buch. Nur das du in einer anderen Sprache geschrieben scheinst.“ Auf Kayukos Lippen erschien wieder dieses gütiges Lächeln, doch sie schien trotzdem nicht glücklich. „Ja, ich weiß, es würde schwer werden mit ihm. So schwer, das ich nicht weiß wie ich es schaffen soll… schließlich bin ich der König und was ist das für ein Bild... wenn ich mit einem Jungen...“, Nay strich sich die Haare aus den Augen und stütze seine Arme übereinandergelegt auf seine Knie. Charlie sah starr in die Leere und presste seine Ohren so fest an die Tür, dass diese weh taten. Kayuko ging ein paar Schritte. Sie hallten im Zimmer nach. Erschrocken entfernte Charlie sich von der Tür, robbte an die gegenüber liegende Wand und lehnte sich leicht zitternd dagegen. ‚Nay verlieren?...’, dachte er und musste sich beherrschen seiner Traurigkeit nicht freien Lauf zu lassen. Kayuko war zu Nay gegangen. Sanft strich sie mit ihrer Hand über Nays Kopf: „Du musst tun was du für richtig hältst...“ Kurz hielt sie seinen Kopf an ihren Körper, nahm dann sein Kinn und hob es hoch, so dass er ihr in die Augen sah: „Mein Bruder, ich werde deine Entscheidung akzeptieren und keineswegs missbilligen. Wenn du ihn liebst, sei unbesorgt, es wird schon gut werden.“ Sie ließ ihn los und schritt elegant zur Tür, drehte ihren Kopf zu Nay und flüsterte: „Viel Glück.“ Die Blauhaarige drückte die Türklinke herab und als die Tür aufschwang, knarrten die Angeln leise. Charlie grinste sie breit an, doch seine Augen entsprachen nicht seinem Erscheinungsbild: „Na, endlich fertig?“, meinte er, zwinkerte und stand auf. Sie lächelte zurück und nickte während sie bejahte. Sie verlor kein weiteres Wort und tappte den Flur in die selbe Richtung zurück, aus der sie vorher gekommen waren. Der Kleine ging etwas lustlos wieder zu Nay und knallte die Tür hinter ihm zu: „Gomen, ich wollt sie nicht so fest zu schlagen. Arme Tür.“, er strich an der Maserung des Holzes entlang und grinste breit. „Man muss Türen auch gut behandeln, sonst gehen sie vielleicht nicht mehr auf wenn man ins Zimmer möchte, wer weiß?“ Nay sah ihn verwundert an. „Jaja, ich weiß ich rede nur Schwachsinn, wie immer..“, auf einmal registrierte Charlie das er wirklich nur irgendetwas sagte um sich abzulenken. Etwas schuldbewusst sah er zu Boden. „Du, Nay, was macht man eigentlich als König?“, er versuchte ein interessierten Gesichtsausdruck an zu nehmen,  aber es gelang ihm nicht so wie er wollte, also blickte er nicht in Nays Gesicht, sondern auf den Parkettboden. „Ich weiß es nicht genau, man ist für Gesetzte verantwortlich, man muss dem Volk das geben was es braucht, ohne dass das Land eingeht oder andere Länder darunter leiden. Abgesehen davon muss man es dem gesamten Volk...“, bis dahin kam Nay, als Charlie ihn unterbrach: „recht machen, nicht wahr?“ Der andere nickte nur. „Ich weiß es von Kayuko. Wenn man so viele Pflichten hat, hat man sicher nur wenig Zeit...und man muss für den Fortbestand der Familie sorgen, oder?“, wieder nickte Nay. „Dann liegt es ja nahe, das das Ganze Unsinn ist...“, beendete Charlie. Nay sah auf: „Was meinst du damit?“, fragte er. „Nichts...“, erwiderte der Feuermagier und setzte hinzu: „Geht es dir besser? Ich habe etwas zu Essen mitgebracht, weil ich dachte du könntest Hunger haben.“, er selbst nahm sich eine Frucht und kaute genüsslich darauf herum. „Warum lenkst du ab. Ich möchte gerne erfahren was ‚Nichts’ ist.“, Nays Stimme war etwas befehlender und härter geworden. „Och....“, meinte der Kleine und sah weiter auf den Boden aus Mahagoniholz. „Nichts besonderes.“ Nay schaute ihn ernst an: „Wenn es nichts besonderes ist, wird es dir sicher keine großen Umstände machen, es mir zu sagen.“ Charlie funkelte sein Gegenüber nun wütend an: „Nur weil du so ein König bist, hast du noch lange nicht das Recht mir alles zu befehlen! Wenn ich es dir nicht sagen will, dann sag ich es nicht, is mir doch scheißegal ob du über ein Land herrscht, über mich NICHT!“, er war ins Schreien übergegangen. Nay sah ihn weiterhin voller Ruhe an: „Ich möchte es nur wissen, wenn du mit etwas Probleme hast, was meine Pflichten anbelangt. „Ja, verdammt, und was ich für Probleme damit habe! Ich hab keinen Bock auf diesen Hochadel, auf diese Monarchen, ich wollte doch nur Freiheit und jemandem den ich vertrauen könnte, und was stellt sich heraus? Der ach-so-nette Wassermagier muss nun mit Hochwohlgeboren angesprochen werden, auf das ihm alles in den Arsch gesteckt wird und er nun in seinem Schloss hocken und fressen kann bis er platzt!“, erfüllt mit Wut schlug der Kleine an die Wand. „Das reicht.“, erwiderte Nay, dessen Stimme ebenfalls lauter wurde: „Hör auf so einen Schwachsinn zu erzählen! Denkst du ich habe mir das alles hier ausgesucht? Was meist du denn weshalb ich abgehauen bin? Damit ich gefeiert werde wenn ich zurückkomme? Damit man mich weiter zu einem dieser Blaublütigen Idioten machen kann? Um eine Marionette dieses Landes und dessen Bewohner zu sein? Nein Danke!“ Schon fast von Hass erfüllt, blitzten die Augen des Kleinen: „Man, du Sackgesicht! Du bist so ein widerlicher Egoist! Ich, ich, ich, ja, klar, nur du bist wichtig. Erst dein Volk im Stich lassen, von wegen Freiheit, und dann, wenn du wiederkommst, mich, denn hier hast du ja ein tolles Schloss und alles was du brauchst. Immer nur an dich denken, deine Freiheit, deine angebliche Gefangenschaft! Hier sind noch nicht einmal Gitter, außer im Knast! Hast du schon mal daran gedacht wie sehr du mich damit enttäuscht hast?!? Zuerst küsst du mich und dann ‚Goodbye’ sagen? Das ist ja zum kotzen, du Bastard!“ Aufs Äußerste gereizt stand Nay auf, ging mit schnellen Schritten auf den Kleinen zu, der noch immer wie ein Rohrspatz schimpfte, drängte ihn in eine Ecke. Plötzlich stand Angst in Charlies Gesicht geschrieben. Der Größere drängte ihn weiter, packte mit den starken Händen die kleinen Schultern und schrie ihn an: „Du hast ja keine Ahnung davon! Was ist denn mit dir? Wer ist hier egoistisch? Man weiß bei dir nicht ob du einen magst oder nicht! Fireballs auf einen schmeißen, ist das Freundschaft, kann das Liebe sein?“, er drückte noch fester: " Du weißt gar nichts ! Nicht wie mein Vater war, nicht was mit meiner Mutter passiert ist, nicht wie wir behandelt wurden, damit man Kayuko und mich ins Schema der Familie hätte pressen können! Also halt deinen Mund, wenn du nicht genau weißt wovon du sprichst!“ „Wichser, du tust mir weh!“, der Grünhaarige schlug die Hände des anderen weg und rannte aus dem Raum. Im Vorbeilaufen brülle er: “ Ich hasse dich!“ Bevor die Tür ins Schloss knallen konnte, hielt Nay seine Hand dazwischen, schlug die Tür so sehr auf, das sie wieder zuschlug, als er aus dem Raum war. Es begann eine Jagd durch die Gänge des gesamten Schlosses, Treppen hoch und Treppen runter. Der Kleine lief in den Keller, wäre beinahe die Stufen herunter gefallen, hatte sich dann aber wieder gefangen. Nay wurde langsamer und ging in aller Ruhe hinterher, hinein in das Gewölbe. Er schloss das kleine Tor von Innen zum Keller zu und nahm den Schlüssel in die Hand, warf ihn einmal hoch und sagte: „Sackgasse, hier gibt es keinen anderen Ausgang Kleiner. Du musst keine Angst haben, ich möchte doch nur mit dir reden!“, das Echo hallte durch den kalten, grauen Raum. Es war dunkel. In den zahlreichen Holzregalen, lagerten Weinsorten in großen Flaschen und Fässern. „Verschwinde!“, eine Stimme kam aus dem Nichts und verschwand überall hin. Es echote so laut, das es Nay schmerzte. „Kleiner...Charlie...hasst du mich denn wirklich? Beantworte mir meine Frage und ich lasse dich gehen wo immer du hinmöchtest!“

„Ja! Und wie ich dich hasse!“, schrie Charlie und seine Stimme klang ernst, wie selten zuvor. Nays Hand hob sich leicht. In ihr lag der Schlüssel. Glitzernd, aus hellem Silber, konnte man auf den ersten Blick sehen welcher für den Keller war. Aus der Düsternis, an die sich jedoch beide gewöhnt hatten und daher wieder recht gut sehen konnten, hob sich die Gestalt des Feuermagiers ab. Er stand auf einem der Fässer, welches in einem besonders hohen Regal stand. Er sprang und landete auf dem Boden ohne sich etwas zu tun. Feste Schritte kamen auf Nay zu der den Kopf nun gesengt hielt. Charlie nahm den Schlüssel, mit einem gewissen Misstrauen das Nay ihn packen würde, doch nichts geschah. „Hab keine Angst“, meinte dieser noch einmal, und obwohl er geflüstert hatte, schien es unglaublich laut. Erschrocken zuckte der Feuermagier zusammen, riss sich dann aber am Riemen und tappte samt Schlüssel auf die kleine Pforte zu. Er steckte ihn ins Schloss und drehte langsam den Gegenstand nach links. Es klickte und das Schloss sprang auf. Charlie zog den Bart des Gegenstandes wieder heraus. Er blieb stehen. Momente verstrichen in denen er Nay stumm anblickte. Dieser sah aus wie ein Elend auf zwei Beinen. Es tropfte leise. Ein Klirren schepperte und echote durch den Raum. Der Kleine hatte den Schlüssel fallen lassen. Er drehte sich auf dem Absatz um und sah zu dem anderen. „Nay?“, fragte er leise und seine Stimme klang zittrig. Der andere blieb still und kein Laut kam über seine Lippen. Charlie wandte sich zu dem Größeren und tapste leise zu ihm. Außer seinen Schritten war nur das Tropfen zu hören. Ein Weinfass hatte ein Leck. Die Pfütze breitete sich langsam aus und kleine Rinnsäle liefen in den Unebenen des Bodens. Rotwein. Er roch etwas säuerlich und ähnelte vom Aussehen her Blut. „Platsch“, einer von Charlies Schritten führte in die Pfütze, er ging näher an Nay heran und lief so um ihn herum das er direkt vor ihm stand. „Nay...ich...“, er sah in die ernsten blau-grünen Augen, die ganz gelassen auf ihn herabblickten. Charlie konnte den Blick nicht ertragen. Ihm wurde kalt und er sah zu Boden, auf die kleinen roten Fußspuren die er hinterlassen hatte: „Ich... ich habe gelogen.“, er ging einen Schritt nach vorne. Noch eine rote Spur. „Ich...“, eine kleine Träne lief sein Gesicht herab und er schmiss sich an seinen Freund. „Es...tut mir leid. Ich hasse dich nicht...Ich habe dich und Kayuko belauscht und dachte dann, das du mich alleine lassen würdest...oder wirst wenn du König bist...“, er schniefte und vergrub sein Gesicht in Nays Hemd: „Gomen...“ Nay reagierte nicht. Er stand genau so ruhig wie vorher da. Seine Hände schlossen sich nicht um Charlie, sondern hingen neutral an seinen Seiten herab. „Sag doch was!“, bat der Kleine kläglich und sank weinend auf die Knie. „Es enttäuscht mich, dass du so etwas sagen konntest ohne zu zögern. Wie soll ich dir da vertrauen, dass du es nicht ernst meintest?“ Nays Blick sah auf den Kopf des anderen herab. Dieser hatte sich in Kniehöhe in seine Hose gekrallt: „A...ber, du weißt doch das ich manchmal Sachen sage die ich nicht so meine...“, ein lautes Schluchzen hallte wieder „Hör auf zu heulen. Das passt nicht zu dir. Ich verzeihe deiner Art und weiß das es eine Lüge war. Tu mir einen Gefallen und ärger die Leute auf dem Marktplatz nicht immer, Baka.“ Der Grünhaarige sah auf. Er hatte mit dem Tränen vergießen aufgehört und sah überrascht zu Nay auf, der ihm die Hand entgegen hielt: „Aber du musst wissen das deine Einwände in gewissem Maße wahr sind.“ Der Feuermagier nahm seine Hand und zog sich daran hoch: „Ich weiß.“ Leise ging er aus dem Keller, wartete nicht ob Nay ihm folgte und ging auf den Markt.

 

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