Darf es so sein? Part 3

Und weiter gehts mit:

 

Darf es so sein?

Ok, ich gebs zu, der Titel ist doof, aber mir fiel nichts

besseres ein, jetzt aber weiter im Text.

3.Kapitel: Tränen

Als Masaru am nächsten Morgen aufwachte, fuhr er erschrocken auf, erst als er Jan vor sich sah, der sich grade umzog, wurde ihm wieder bewußt, was in den letzten 24 Stunden geschehen war. Mit der Hand tastete er nach seinem Stoffkrokodil, es war nicht mehr da. Suchend schaute er sich um, es lag nur neben dem Bett, hastig zog er es zu sich und erntete dafür einen vernichtenden Blick von Jan, der kurz darauf auch das Zimmer verließ.

Masaru stand langsam auf und schlurfte zu einer Tür im hintersten Teil des Zimmers, hinter der sich ein kleines Badezimmer befand, er wusch sich und zog sich an, dann ging er zum Speisezimmer.

Nur Jan war dort und aß seinen Toast. Keiner sonst war im Raum. Masaru fühlte sich unwohl in seiner Haut.

"Jan?", der blonde Junge hob den Kopf, "wo sein Roland?"

Jan schnaubte verächtlich:"Geht mich das etwas an?" Sein Blick wurde wieder wütend.

"Nicht sauer werden, ich habe nur gefragt!", winkte Masaru ab, seine Wange hatte inzwischen angefangen höllisch weh zu tun, dort wo Jan ihn gestern geschlagen hatte und er bekam Angst vor dem Jungen.

Jan stand wortlos vom Tisch auf.

"Wo du gehen hin?"

"Unterricht." Mehr nicht, nur dieses Wort. Sollte er selbst nicht auch Unterricht kriegen, oder meinte Roland, dass er erst die Sprache beherrschen müsse, das musste er Jans Vater noch fragen.

Er fand Roland nach ewigem Suchen und war überrascht, als dieser sagte, dass er ihn selber unterrichten würde, damit er bald auf einer Höhe mit Jan war, und sie so zu zweit unterrichtet werden konnten.

Nach etwa einem drei Viertel Jahr, beherrschte Masaru die deutsche Sprache, fast so gut wie alle anderen im Haus. Nur mit Jan war er immer noch nicht warm geworden, dieser war vor einem im Monat, im Juli, acht Jahre alt geworden, aber als Masaru ihm gratulieren wollte, hatte er die Hand nur grob beiseite geschlagen. In einem Monat würde er selbst endlich Geburtstag haben, Masaru freute sich ungeheim darauf. Er glaubte immer, dass wenn er älter wurde, sich alles furchtbar verändern würde, bis jetzt war er leider immer enttäuscht worden.

Es war ein Tag wie jeder andere gewesen, Jan und Masaru hatten den gemeinsamen Unterricht überstanden und Jan war wieder auf sein Zimmer gegangen, während Masaru wieder im Park umherlief.

Masaru grübelte schon den ganzen Morgen über etwas nach, gestern abend hatte er sich doch nicht verhört. Jan hatte geweint, Masaru war kurz davor gewesen, zu ihm zu gehen und ihn zu trösten, aber er fürchtete wieder zusammengeschlagen zu werden. Also war er liegengeblieben und irgendwann auch eingeschlafen, aber er glaubte Jans Weinen immer noch zu hören.

Masaru hatte endlich Geburtstag. Freudig wachte er auf, bis er seine Freude mitten im Aufstehen selbst einen Dämpfer verpasste, er war das Eigentum dieser Leute, er bekam sicher nichts. Der ganze Mut verließ ihn, während er sich leise anzog, um Jan nicht zu wecken, der noch schlief. Als er im Speisesaal ankam, saß Roland dort mit einem großen Paket auf dem Schoß.

"Alles Gute, Kleiner! Ich hoffe es war bis hierher mit Jan auszuhalten!", er grinste, aber seine Augen waren traurig.

Er überreichte Masaru das Paket und als dieser es öffnete, entdeckte er das in dem Riesending, viele kleine Päckchen verstaut waren. Neue Kleidung, ein riesiger Teddybär, Turnschuhe und ein Buch, welches natürlich auf Deutsch war.

Masaru strahlte über das ganze Gesicht, dann sah er Jan in den Raum kommen, der kalte Blick hatte sich immer noch nicht verändert. Jan setzte sich auf seinen Platz und begann zu essen, als wäre das hier ein Tag wie jeder andere.

Verzweifelt schaute Masaru zu Roland, doch dieser schüttelte nur traurig den Kopf.

 

Es kamen noch insgesamt sieben dieser Geburtstage für Masaru, ohne dass das Eis zwischen ihm und Jan je schmolzen, Masaru litt inzwischen furchtbar unter Jans Gleichgültigkeit, seiner Kälte, seiner Stärke. Es schien, als würde er sich mit jedem Tag weiter von dem Jungen entfernen, dessen Freund zu werden eigentlich seine Aufgabe war. In all den Jahren hatte er an Jan nur eine Besonderheit festgestellt, es war immer die gleiche Nacht, in der der Junge weinte, egal wie alt er war. Es war immer die Nacht von Juli auf September, in der Jan sich in den Schlaf weinte. Jedesmal hatte Masaru gezögert, zu ihm zu gehen, ihn zu trösten, ihn nach dem Warum zu fragen, aber diesesmal würde er es schaffen. Jans sechzehnter Geburtstag lag schon eine Woche zurück, heute würde er zu Jan gehen, egal wie dieser darauf reagieren würde.

Masaru lag im Bett und wartete. Bald hörte er das Schluchzen, das der andere sogut wie möglich zu unterdrücken versuchte. Vorsichtig stand er auf und ging auf das Bett von Jan zu, dieser hörte die Schritte und verstummte augenblicklich, aber obwohl es so dunkel war, konnte Masaru deutlich sehen, wie der schmale Junge unter der Decke zitterte.

"Jan?", fragte Masaru leise, während er sich auf das Bett setzte.

Keine Antwort, nur ein leises Schluchzen.

Masaru begann Jan mit der Hand über den Kopf zu streicheln, dieser zuckte kurz zusammen, sagte aber immer noch nichts.

"Warum weinst du immer in dieser Nacht?", Masarus Stimme klang ruhig und warm.

Er hatte es also gemerkt, obwohl er versucht hatte, es über all die Jahre zu verbergen, Jan schniefte:"In dieser Nacht.....", er verstummt plötzlich, konnte er so etwas Masaru überhaupt anvertrauen, würde der nicht sofort zu seinem Vater rennen und diesem alles erzählen.

Masaru schien Jans Gedanken zu verstehen:"Ich erzähle deinem Vater nichts, wenn es dir darum geht!"

Jan nickte und erst jetzt traute er sich Masaru anzusehen, jetzt nach acht Jahren, sah er Masaru zum ersten Mal richtig an! Ein hübscher Junge mit schwarzem Haar und sanften, hellbraunen Augen. Hatte er ihm unrecht getan, als er so abweisend war?

Masaru streichelte immer noch über Jans Kopf, so hatte er Jan noch nie erlebt, die Kälte in seinen Augen war etwas "Menschlichem" gewichen. Masaru musste niesen, erst jetzt fiel ihm ein, wie kalt es doch geworden war, am liebsten wäre er bei Jan mit unter die Decke gekrochen, aber wer wusste schon wie dieser darauf reagieren würde.

Jan wollte gerade ansetzen zu erzählen, als er merkte, dass die Hand von Masaru vor Kälte zitterte, ohne lange zu fackeln, zog er diesen einfach mit unter die Decke.

"Damit du mir nicht krank wirst!"

Masaru sah Jan verdutzt an, er fühlte, dass er rot geworden war, aber ehe er etwas sagen konnte, spürte er, dass Jan den Kopf an seine Brust gelehnt hatte und zu erzählen begann.

"In dieser Nacht, vor genau acht Jahren ist meine Mutter gestorben, bei einem Autounfall, den mein Vater verursachte. Beide waren auf einer Feier gewesen, Vater hatte zuviel getrunken und Mutter war auch nicht mehr ganz nüchtern, ihnen wurde angeboten, sich nach Hause bringen zu lassen. Aber Vater lehnte ab, weil er zu stolz war. Also fuhr mein Vater, aber er hatte sich nicht mehr gut genug unter Kontrollte, so dass er den Wagen, als er einem Ast aufwich, frontal vor einen Baum fuhr. Er hatte nur einige Prellungen, aber Mutter war tot, ihr Airbag war nicht aufgegangen, sie war direkt mit dem Kopf gegen die Scheibe gestoßen. Der einzige Trost war, das sie nicht hatte leiden müssen und schnell gestorben war. Und alles nur wegen Vaters verfluchtem Stolz!", die letzten Worte hatte er fast geschrieen, Masaru fühlte wie sein Hemd unter Jans Tränen immer feuchter wurde.

Masaru streichelte Jan wieder über den Kopf und zog ihn zu sich.

"Jan?", fragte Masaru nach einer Ewigkeit, "hast du darüber schon mal mit jemandem gesprochen?"

Jan hob den Kopf, so dass Masaru und er jetzt auf einer Höhe waren. Er schüttelte traurig den Kopf:"Nein, du bist der Erste, dem ich das erzähle. Ich muss mich bei dir entschuldigen."

Masaru sah ihn erstaunt an:"Wofür?"

"Für mein Verhalten, seit du da bist, ich glaube ich wollte schon mit dir befreundet sein, aber ich hatte Angst, dass ich dich genauso verliere, wie meine Mutter. Ich möchte nie wieder einen Menschen verlieren, der mir viel bedeutet. Kannst du mir verzeihen?"

Jan kuschelte sich enger an Masaru, er wollte, dass es für immer so blieb wie jetzt. Aber warum?

"Natürlich, ich weiß keinen Grund warum nicht. Heißt das, dass wir jetzt Freunde sind?"

Als Antwort bekam Masaru einen Kuss (!) von Jan, dass er erschrocken und rot bis über beide Ohren zurückwich, aber Jan lächelte nur und zog den anderen wieder zu sich:"Wir sind Freunde, Masaru. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, habe ich mir in dieser Nacht, immer gewünscht, dass du mich hörst und zu mir kommst, um mich zu trösten." Er kuschelte sich wieder an seinen Freund und kurz darauf, konnte Masaru hören, dass Jan eingeschlafen war. Masaru grübelte noch länger über Jan nach, vor allem über den Kuss, dann schlief auch er ein.

 

 

Irgendwie endet jedes Kapitel damit, dass jemand einschläft! *_*

Da muss ich mich noch bessern. Warnung: Ab hier wirds kitschig. *fg*

Danke fürs Lesen!

Sal

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