Darf es so sein? Part 5

Hier folgt also Teil 5 von:

 

 

Darf es so sein?

 

Kapitel 5:Bereuen

 

Jan saß im Krankenhaus auf der Wartebank und hoffte, dass die Schwester bald kommen würde, um ihm zu sagen, wie es Masaru ging. Er machte sich langsam ernsthafte Sorgen, schon seit geschlagenen drei Stunden operierten sie seinen Freund dadrinnen. Seinen Freund? Nein, er hatte ihn nur als ein Spielzeug angesehen, weil sein Vater für ihn bezahlt hatte. Aber durch seine Dummheit, war das hier alles auch geschehen, er hatte vergessen, dass auch andere Menschen Gefühle, Ängste, Sorgen hatten. Er musste sich bei Masaru entschuldigen. Wenn dieser noch lebte! Und wenn Masaru starb war er daran schuld. Er wollte Masaru nicht verlieren. Er musste an ein Sprichwort denken, dass er mal gelesen hatte: Man merkt immer erst was man hat, wenn man dabei ist es zu verlieren! Er wollte sich ja ändern, nur Masaru sollte leben.

Die letzten vier Stunden spielten sich wieder vor seinen Augen ab: Masaru, der plötzlich vornüber gekippt war, ohne dass Jan auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte, ihn aufzuhalten. Er hatte ihm doch sogar gesagt, dass er Höhenangst hatte. Warum hatte er nur wieder seinen Kopf durchsetzen müssen? Jan hatte nur noch sehen können wie Masaru auf dem Boden aufgeschlagen war, fünf Meter unter ihm hat er gelegen. Jan war sofort die Treppe hinunter gestürzt, um nach Masaru zu sehen, dieser Lag bewußtlos in einer Schneewehe. Jan hatte erst alles mögliche versucht, um Masaru wieder wach zu kriegen, aber dieser schien gar nichts zu merken. Schließlich hatte er Masaru ins Wohnzimmer auf die Couch gezerrt, erst da war ihm aufgefallen, wie verdreht dessen Beine waren. Sofort rannte er zum Telefon und rief den Notarzt, zehn Minuten später war dieser da, die mussten wie die Teufel gerast sein. Sie gaben Masaru eine Infusion und schleppten ihn auf einer Trage in den Wagen, auf Jans Frage, was denn nun wäre, bekam er keine Antwort, Jan durfte zwar miteinsteigen, hatte aber die ganze Fahrt über keine Gelegenheit mehr, auch nur irgendetwas zu fragen, denn zum einen musste er mit ansehen, wie die Ärzte so gut es ihnen schon möglich war an Masaru rumhantierten, und zum anderen musste er Fragen über Masaru beantworten, Name, Eltern etc. Als der Wagen hielt bekam Jan nur noch mit wie man Masaru auf schnellstem Wege in den OP brachte, wie in Trance war er hinterhergegangen und hatte sich auf der Bank vor dem Saal niedergelassen.

Hier saß er nun schon seit drei Stunden, nein inzwischen waren es dreieinhalb, er fühlte wie ihm die Tränen über die Wangen rannen, er konnte sie nicht mehr zurückhalten.

Schritte auf dem Flur!

Jan hob den Kopf, ein Mann im weißen Kittel kam auf ihn zu. Schnell wischte er sich die Tränen weg und stand auf. Kurz vor ihm blieb der Arzt stehen:"Sind sie der Freund von Masaru Ikonoyama?"

Jan nickte bestimmte. Ja, er war der Freund von Masaru, der Freund und nicht sein Besitzer.

"Gut dann folgen sie mir bitte." Sie gingen in ein Büro, das genauso steril wirkte, wie der Rest des Hauses, Jan hasste Krankenhäuser. Der Arzt setzte sich hinter seinen Schreibtisch und deutete Jan mit der Hand an, sich auch zu setzen. Der Artz faltete die Hände und begann, für Jans Geschmack, ziemlich emotionslos zu sprechen.

"Ihr Freund hatte nochmal Glück im Unglück, Herr Kristen. Wir hatten erst befürchtet, dass die Wirbelsäule ernsthaft etwas abbekommen hatte, was sich aber als Irrtum erwies. Mit etwas Glück wird Masaru in einem Jahr wieder laufen können, denn einige Nerve wurden bedenklich angeknackst, man muss ihnen Zeit geben sich zu regenerieren, bis dahin wird er im Rollstuhl leben müssen. Er wird noch etwa eine Woche stationär hier bleiben, dann können sie ihn wieder mit nach Hause nehmen. Kommen sie dann bitte einmal im Monat zur Untersuchung mit ihm her. Wenn sie ihn sehen wollen, er liegt auf Zimmer 85, bleiben sie aber nicht zu lange. Ich weiß auch nicht, ob er schon wieder aus der Narkose erwacht ist. Sonst wünsche ich ihnen noch alles Gute."

Jan stand auf und gab dem Arzt die Hand, er hätte ihn zwar am liebsten umarmt, ließ es aber besser bleiben. Erleichtert ging er zum Zimmer 85, Masaru lebte. OK, er saß für die nächste Zeit im Rollstuhl, aber damit würden sie schon klar kommen. Das heißt, wenn Masaru überhaupt noch etwas mit ihm zu tun haben wollte. Er seufzte leise und hoffte, dass Masaru, ihm alles verzeihen könnte, wenn er sich erstmal entschuldigt hatte. Vorsichtig trat er in das Zimmer.

Der Raum war abgedunkelt, so dass Jan den anderen Jungen nur als Umriss, in seinem Bett erkennen konnte. Vorsichtig ging er näher, die regelmäßigen Atemzüge Masarus verrieten, dass dieser immer noch nicht aufgewacht war. Leise um Masaru nicht aufzuwecken, setzte er sich auf einen Hocker neben dem Bett. Masaru war bleich wie eine Leiche, die Arme und die Stirn waren verbunden, die Verbände färbten sich inzwischen rot. Behutsam nahm Jan die Hand des anderen in seine, er erschrak, wie kalt sie war, wie bei einem Toten. Aber Masaru war nicht tot. Vorsichtig küsste Jan die Hand von Masaru, dann stand er auf und verließ das Zimmer, er musste erstmal nach Hause und seinem Vater alles erkären. Er hatte nicht bemerkt, dass Masaru ihn die ganze Zeit aus den Augenwinkeln beobachtet hatte, Masaru traten Tränen in die Augen, als Jan ging. Er wollte ihm zeigen, dass er wach war, er wollte wissen was mit ihm passiert war, aber irgendetwas tief in ihm hatte ihn abgehalten.

Als Jan von zu Hause aus, dann bei Roland anrief, wäre ihm dieser fast durchs Telefon gehüpft, was Jan sich denn dabei gedacht hätte, fuhr er ihn an. Jan begann sofort wieder zu weinen und schluchzte durch den Hörer, dass er doch das alles gar nicht gewollt hätte, Roland war verwirrt über den Gefühlsausbruch seines Sohnes, so dass er nur noch sagen konnte: "Heute können wir eh nichts mehr tun, morgen bin ich auch wieder zu Hause, dann fahren wir zusammen ins Krankenhaus. Bis dann." Er hörte Jan immer noch weinen, legte aber trotzdem auf, er wusste jetzt gar nicht, wie er mit seinem Sohn umzugehen hatte.

Jan war den Hörer in der Hand, weinend vor der Kommode, auf der das Telefon stand, zusammengebrochen. Das Telefonkabel war zu kurz, so dass das Telefon kurzerhand einfach hinunterfiel. Jan merkte nichts mehr, er hörte nicht wie das Telefon laut krachend auf dem Boden aufschlug, er nahm auch das leise Tuten aus dem Telefonhörer nicht mehr war. Er lag nur da und weinte, ertrank in einem Meer aus Tränen. Aussichtslos, alles ohne Ausweg, Masaru würde ihm doch nie vergeben können. Warum verlor er nur immer die Menschen, die ihm etwas bedeuteten, der Rest der Welt konnte von ihm aus untergehen, nur Masaru sollte leben. Der Teppich unter ihm wurde immer nasser von seinen Tränen.

Nach einer halben Ewigkeit schaffte Jan es ganz benommen aufzustehen, er stellte das Telefon wieder auf das Schränkchen und legte den Hörer auf, dann wankte er die Treppe hoch in sein Zimmer. Die Tränen liefen ihm immer noch über das blasse Gesicht, er ging in sein Zimmer und legte sich in sein Bett, aber er lag nur da, schlafen konnte er nicht, dazu weinte er immer noch zuviel. Unter Tränen schüttelte er den Kopf, er musste schlafen, er musste morgen früh als Erster bei Masaru sein, er stand wieder auf, schlurfte zu Masarus Bett, und legte sich dort hin. Jan kuschelte sich an Masarus altes Stoffkrokodil und irgendwann schlief er dann auch ein, doch die Tränen versiegten nicht mal im Schlaf.

Die Sonne strahlte durch die gläsernen Balkontüren hinein, Jan wurde durch die Wärme wachgekitzelt. Er blinzelte geblendet in das helle Licht, er senkte den Blick umd die Sonnenstrahlen nicht mehr direkt abzukriegen, dabei fiel sein Blick auf das Stoffkrokodil in seinen Armen. Masarus Kuscheltier war immer noch naß geheult, da fiel Jan erst alles wieder ein, sofort stürzte er aus dem Bett, ein hastiger Blick auf die Uhr ließ ihn fast nach hinten umkippen, schon ein Uhr mittags. So spät. Er hastete aus der Tür und rannte beinahe Roland über den Haufen, dieser hielt seinen Sohn jedoch blitzschnell am Handgelenk fest:" Wo willst du hin, Jan?"

"Zu Masaru, wohin denn sonst, glaubst du ich will jetzt Oma besuchen!",schnauzte er seinen Vater an und wollte sich wieder losreißen.

"Jetzt mach aber mal ruhig, so wie du aussiehst lass ich dich nicht aus dem Haus! Ich war schon bei Masaru, er hat aber noch geschlafen, außerdem muss ich gleich wieder weg, aber unser Chauffeur bringt dich sicher hin!", damit bugsierte er Jan zurück in sein Zimmer und schlug hinter dem Jungen die Tür zu. Roland ging so schnell er konnte aus dem Haus, er konnte jetzt nicht mit seinem Sohn umgehen, so besorgt war dieser noch nie gewesen, nicht einmal damals, als seine Mutter den Unfall gehabt hatte.

Jan ging wortlos ins Bad, irgendwo hatte sein Vater ja auch recht, als er sich im Spiegel sah, glaubte er erst einen Geist zu sehen. Sein Gesicht war kalkweiß, was seine etwas struppigen, leuchtenden, blonden Haare nur noch mehr unterstrichen, in seinem Gesicht leuchteten allein seine grün-blauen Augen. Seine Augen waren noch immer gerötet vom vielen Weinen und von den Ringen unter seinen Augen wollte er lieber gar nicht sprechen. Er verbrachte zehn Minuten damit sein Gesicht unter kaltes Wasser zu halten, um wieder halbwegs Farbe zu bekommen. Die Ringe unter den Augen waren zwar immer noch etwas zu sehen, aber wenigstens waren seine Augen nicht mehr gerötet und er war auch kein Geist mehr. Langsam ging er zurück in sein Zimmer, seine Klamotten waren zerknittert und etwas klamm von seinen Tränen, die darauf gefallen waren, er schlüpfte schnell aus ihnen heraus und ging zum Schrank. Was zog man an, wenn man einen Freund im Krankenhaus besucht? Er hatte keine Ahnung und wieso stellte er sich jetzt eine so sinnlose Frage, nach längerem Nur-in-Shorts-vor-dem-Schrank-rum-Stehen entschied er sich für eine schwarze Jeans und einen hellbauen Pullover. So, fand er, sah er doch halbwegs normal aus, er kämmte sich nochmal schnell durch die Haare, die sich strikt weigerten glatt anzuliegen. Seufzend legte er den Kamm weg. Warum verhielt er sich überhaupt wie ein verliebtes Mädchen, das seinen Schwarm besuchen wollte? War es nicht so? Er verstand seine Gefühle nicht mehr so ganz. Etwas unsicher ging er aus dem Zimmer und marschierte in die Küche, wo der Chauffeur gerade zusammen mit der Köchin einen Kaffee trank, er nickte beiden zu und der Chauffeur stand sofort auf und eilte aus dem Haus. Jan zog noch schnell seinen blauen Parka an, bevor er dem Chauffeur folgte. Die Fahrt verlief schweigend, als Jan vor dem Krankenhaus ausstieg, sagte er dem Chauffeur, dass er in einer Stunde wieder da sein solle. Die Zeit, überlegte Jan, müsste reichen, um sich bei Masaru zu entschuldigen.

Schweren Herzens betrat er das Gebäude.

Diesmal war die Gardinen von Masarus Zimmer nicht zugezogen, die Sonne strahlte hell ins Zimmer, Masaru saß in seinem Bett und las, als Jan eintrat. Sein Kopf fuhr erschrocken herum, Jan war eingetreten ohne vorher anzuklopfen, ihre Blicke trafen sich für eine halbe Ewigkeit. Türkises Meer auf braune Erde. Bereuen auf Angst.

Jan konnte Masarus Blick nicht mehr standhalten, zuviel Angst und Leid lagen in ihnen, und für alles war er verantwortlich. Den Blick auf den Boden gerichtet ging er weiter, setzte sich an Masarus Bett und musterte weiter den Boden, als wäre dieser furchtbar interessant. Er traute sich nicht Masaru anzusehen, dieser Junge, den er so gequält hatte und der ihm doch so viel bedeutete. Eine Träne rann über seine Wange, ohne dass er es merkte.

Masaru aber beobachtete seinen Freund genau, er konnte Jan aus unerklärlichen Gründen, nicht böse sein, dazu mochte er ihn einfach zu sehr. Aber wusste Jan das auch. Eine Träne? Jan weinte! Vorsichtig streckte Masaru seine Hand vor und strich die Träne weg, Jan sah erschrocken auf.

"Warum weinst du, Jan? Ich lebe doch noch und dein Vater hat mir schon genau erklärt was mit mir los ist. Das kriegen wir schon hin!", aufmunternd lächelte er den anderen an, Masaru hatte keine Angst mehr vor Jan, sie war wie weggefegt von dem einen auf den anderen Augenblick.

Erstaunt sah Jan ihn an:" Wir?"

"Klar!", Masaru sah in spöttisch an, "es sei denn ihr wollt mich nicht mehr bei euch haben."

Da war es endgültig vorbei mit Jans Selbstbeherrschung, er schmiss sich dem Jungen um den Hals und brach in eine Tränensintflut aus:"Bist du denn gar nicht sauer auf mich? Nach allem was ich dir angetan habe?"

Masaru schlang die Arme um Jan und antwortete vorerst gar nicht, so saßen sie etwa fünf Minuten da. Jan hörte langsam auf zu weinen und kuschelte sich noch dichter an Masaru:"Jetzt sag schon."

"Was willst du das ich dir jetzt antworte?", Masaru klang nachdenklich, "wenn ich sage, dass ich dir verziehen habe, sagst du mir sicher, dass ich lügen würde, weil man nach so etwas ziemlich sicher sauer auf den anderen ist. Wenn ich aber sage, dass ich wütend bin, heulst du gleich wieder los."

"Was sagst du dann?"

"Ich mag dich Jan, ich habe lange genug um deine Aufmerksamkeit gekämpft und ich war froh, als du endlich nicht mehr so verschlossen warst, du wirktest jedenfalls nicht mehr so unglücklich."

"Aber du warst es, du warst unglücklich!", in Jans Augen traten wieder Tränen.

"Nicht unglücklich, ich habe gelitten. Das ist ein Unterschied. Ich hatte zeitweise sogar richtig Angst vor dir, aber in deine Augen war wieder etwas menschliches zurückgekehrt, das wollte ich unbedingt bewahren, dafür war ich bereit alles zu tun."

Jetzt rannen wieder die Tränen:"Du Trottel! Und das alles wegen mir. Ich war doch so schrecklich zu dir!"

Masaru klang immer noch wie die Ruhe selbst:"Das warst du, da bin ich ganz ehrlich, aber ich habe es doch überstanden, du bist kein Eisklotz mehr Jan, du bist wieder ein Mensch. Und ich bin stolz darauf, dass ich dich wieder zurück geholt habe, in diese Welt."

Jan löste sich von Masaru und sah in ein absolut friedliches Gesicht, dass ihn sanft anlächelte.

"Außerdem hast du es ja jetzt bemerkt, Jan. Ich mag dich zu sehr, um dir jetzt ewig Vorwürfe machen zu können, wir fangen das mit der Freundschaft einfach nochmal von ganz vorne an. Ok?"

"Ich bereue alles und hätte nicht gehofft, dass du mir verzeihen kannst...........", Jan kam nicht dazu weiterzureden, denn plötzlich versiegelten Masarus Lippen die seinen.

 

 

Teil 5 ist endlich fertig! Bin ich K.O.! DAS war ja so stressig,

Feiern, Arzttermine, Schule und und und ......und dann auch noch

ne Fanfic schreiben......bin fix und alle!

Aber es geht weiter! Wenn sich meine Finger wieder erholt haben! ^^°

Bis dann Sal

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