Darf es so sein? Part 6

Hach! Hier bin ich auch schon wieder!

 

 

Darf es so sein?

 

 

Kapitel 6: Unsichtbare Barrikaden

 

 

 

"Endlich überstanden!", stöhnte Jan, "so langweilig war der Unterricht noch nie. Oder?" Jan schob Masaru in seinem Rollstuhl vor sich her, dieser nickte nur zustimmend. Lachend kamen sie in ihr Zimmer. Masaru rollte zu seinem Schrank und holte seine Jacke.

"Wo willst du denn hin?", fragte Jan skeptisch.

"Nach draußen, wohin denn sonst? Ich hocke schon seit 2 Monaten drinnen fest, ich dreh langsam durch!", grinste Masaru seinen Freund an, "kommst du mit?"

Jan zuckte resignierend mit den Schultern:"Dich kann man ja nicht allein lassen!" Beide grinsten sich an und schon machten sie sich auf den Weg nach draußen.

Für alle die es durch Masarus Bemerkung noch nicht kapiert haben, es sind inzwischen zwei Monate seit dem Unfall vergangen, in dieser Zeit passierte nichts was große Bedeutung hätte, außer dass Jan sich wieder mit seinem Vater vertrug und sich als ein sehr besorgter und bemühter Freund für Masaru erwies. Mit einem Wort, alles wurde besser. Nur war seit diesem Gespräch im Krankenhaus zwischen den beiden Jungen nichts mehr vorgefallen, obwohl sie nicht darüber sprachen, traute sich keiner den anderen auch nur flüchtig zu berühren, aus Angst vor einer unbekannten Situation.

Masaru rollte langsam hinter Jan über den Steinweg, der sich einen Spaß daraus machte, an jedem Ast zu ziehen, so dass der andere den ganzen Schnee abbekam. Irgendwann reichte es Masaru und er machte einen Schneeball, den Jan keine zwei Sekunden später schon im Gesicht hatte. Das blieb selbstverständlich nicht ungesühnt, so dass eine wilde Schneeballschlacht entbrannte, bei der Masaru hoffnungslos unterlegen war. Bald ähnelte er mehr einem Schneemann, als einem normalen Menschen.

"Jan!", japste der junge Japaner, "hör auf, du hast gewonnen!"

Jan hielt mitten im Wurf inne und ließ den Schneeball fallen, übermütig lachte er über den anderen, der verzweifelt versuchte den Schnee aus seiner Kapuze zu bekommen, was dann aber wieder zur Folge hatte, dass ihm umso mehr davon in die Jacke und unter den Pulli rutschte. Masaru quiekte inzwischen mehr oder weniger verzweifelt vor Kälte.

"Scheiße ist das kalt!", wütend sah er Jan an, "hör auf zu lachen und hilf mir mal, es sei denn du legst es darauf an, dass ich mich erkälte!"

Immer noch kichernd ging der Blondschopf zu Masaru, doch dieser überlegte es sich im letzten Moment noch "etwas" anders und pfefferte dem überraschten Jan eine geballte Schneeladung ins Gesicht. Verdutzt starrte Jan den anderen Jungen an, der von einem Ohr zum anderen grinste.

"Wir gehen besser rein und tauen uns auf", Jan klang verhältnismäßig beleidigt.

Später lag Jan auf seinem Bett und las, Masaru saß in seinem Rollstuhl und mühte sich gerade damit an, an eines der Bücher zu kommen, die für ihn leider zehn Zentimeter zu hoch standen!

"Jan?"

"Hm?", neugierig blickte Jan von seinem Manga auf. Durch Masaru war er darauf gekommen, dass Mangas vielleicht doch nicht nur Schrott waren und nach einem Monat war er regelrecht süchtig danach gewesen, vor allem hatten es ihm Bastard und Angel Sanctuary angetan. Wobei er sich bei ersterem gerade durch Teil 14 der französischen Fassung quälte.

"Hilfst du mir mal? Ich komme nicht an das Buch ran!"

"Wird echt Zeit, dass du wieder laufen lernst!", neckte Jan seinen Freund und stand auf, "welches Buch hätten der Herr denn gerne?"

"Das Bernstein Teleskop", kam es von Masaru.

Jan verzog abfällig das Gesicht:" Das klingt entweder sehr kitschig oder sehr wissenschaftlich!"

Masaru seufzte:"Das ist der dritte Teil von einer Fantasyreihe, der erste Teil heißt "Der Goldene Kompass" und der zweite "Das Magische Messer"! Könnte dir vielleicht auch gefallen."

"Nein danke!", Jan winkte ab,"Fantasy ist nun echt das letzte was ich lesen würde. Ich bleibe schön bei meinem Grisham und meinem Clancy! Das ist wenigsten noch zu drei Vierteln auch real möglich!"

"Ja, ja. Ich weiß es inzwischen! Deshalb verschlingst du die Mangas auch so!",Masarus Stimme triefte vor Ironie.

Jan verdrehte gespielt die Augen:"Das ist doch was völlig anderes!"

"Gibst du mir jetzt bitte das Buch?", forderte Masaru, der inzwischen ungeduldig mit seinen Fingern auf der einen Lehne seines Rollstuhls trommelte.

Jans Finger gingen die Buchrücken ab, bis er das Buch fand, das Masaru wollte. Als Jan seine Finger so sanft an den Büchern entlangbewegte, erinnerte sich Masaru wieder an die Schmerzen, die diese verursachen konnten. Er wollte nicht daran denken, er hatte Jan doch verziehen. Jan würde ihm nie wieder weh tun. NIE! Aber wie konnte er sich da so sicher sein? Ein eiskalter Schauer lief seinen Rücken hinunter.

"Hier hast du es, du Tagträumer!", Jan wollte ihm das Buch geben, Masaru schreckte aus seinen Gedanken hoch und verängstigte Blicke trafen Jan.

"Da....Dan...Danke", stotterte Masaru nach einiger Zeit und nahm das Buch, dabei berührte er aus Versehen, Jans Finger, er schrie auf, ließ das Buch fallen und begann hemmungslos zu weinen. Seinen Kopf in die Hände gestützt, vor Weinkrämpfen zitternd, saß er vor Jan. Er hatte wieder Angst, diese schreckliche Angst. Eigentlich hatte er so wie die beiden sich zur Zeit verstanden, nichts dagegen, dass Jan ihn berührte. Aber eine Stimme tief in ihm schrie immer mehr, dass dieser Junge ihm auch wehtun konnte. Sehr wehtun, sogar! Er wollte Jan verzeihen, sein Herz hatte es gekonnt, aber sein Körper weigerte sich strikt dagegen. Seine Finger brannten wie Feuer, dort wo Jan ihn eben berührt hatte.

"Tut mir leid."

Immer noch heulend sah Masaru in Jans Gesicht, dieser hatte sich vor ihn gekniet, damit sie sich auf einer Blickhöhe befanden.

"Was?", die Stimme des schwarzhaarigen Jungen zitterte.

"Dass ich dich berührt habe. Es war keine Absicht. Du hast immer noch Angst vor mir, richtig?"

Zaghaft nickte Masaru, schüttelte aber gleich darauf sehr energisch den Kopf, als er merkte, wie Jans Augen sehr traurig wurden:"Nein, ich hab keine Angst vor dir, aber vor deinem Körper! Du bist wirklich sehr nett zu mir, Jan. Ich habe nicht das geringste bißchen Angst vor dir, aber als deine Finger eben meine berührt haben, musste ich daran denken, wie schmerzhaft diese Berührungen ausfallen konnten. Ich wollte es nicht, wirklich nicht!", die letzten Worte hatte Masaru fast geschrieen.

"Schon gut",Jan sah Masaru die ganze Zeit in die Augen,"mach dir keine Vorwürfe. Ich bin doch selbst dran schuld. Und es tut mir immer noch leid, aber ich kann leider nicht die Zeit zurückdrehen und alles ungeschehen machen. Auch wenn ich es sehr gern würde", seine Finger wollten gerade eine Strähne von Masarus Haar zurückstreichen, aber als er merkte, was er tat, zog er die Hand wieder weg,"hör mir jetzt gut zu: DU trägst an nichts die Schuld. Klar? Ich hab dir das angetan und ich kann dir sehr wenig helfen alles zu verarbeiten, aber glaub mir, ich würde die nie weh tun. Masaru! Ich würde dir nie weh tun. Das klingt vielleicht jetzt noch sehr hochgegriffen, aber glaub mir. Bitte!" Jans Stimme hatte sich in ein heiseres Flüstern verwandelt, verwirrt sahen in zwei haselnußbraune Augen an.

"Ich werd's versuchen!", sagte Masaru. Irgendwie war er sehr erleichtert, dass es endlich raus war, worüber er nie hatte reden können. Wie kam das denn auch rüber, wenn man Angst vor seinem einzigsten Freund hatte?

"Dann ist ja gut!", Jans Augen blitzten schon wieder etwas schelmisch auf, "hier hast du dein Buch!" Er drückte Masaru den Wälzer in die Hand und diesmal berührte er dessen Finger nicht nur zufällig. Erschrocken starrte der Japaner ihn an, doch Jan grinste nur. Diese Berührung war überhaupt nicht unangenehm, musste Masaru verwundert feststellen, am liebsten wäre er ewig so sitzen geblieben, doch da rief eines der Hausmädchen die beiden Jungs zum Essen hinunter, was zur Folge hatte, dass Jan aufsprang und zur Tür lief.

"Wir kommen sofort runter!", rief er ein Stockwerk nach unten. Masaru hatte das Buch inzwischen auf seinen Nachtisch, neben das Foto seiner Schwester gestellt. Von ihr hatte er innerhalb der letzten zehn Jahre genauso viel gehört, wie von seinen Eltern. Absolut NICHTS! Ein bißchen verbittert wandte er den Blick ab, und sah sich seine Hände an, entgegen seiner Vermutungen waren dort keine Brandflecken von Jan, sie waren wie immer.

"Los träum nicht, du hast alle zehn Finger!", witzelte Jan wieder, obwohl er genau wusste, was sein Freund in diesem Augenblick dachte, aber er wollte ihn jetzt nicht weiter mit Reden bedrängen. Masaru würde das alles schon hinkriegen. Er musste sich selbst nur zügeln und dem verängstigten Jungen die nötige Zeit lassen.

Masaru hatte den Rollstuhl gedreht und rollte auf die Tür zu. Jan ging gemächlich hinterher. Das Essen verlief ziemlich ruhig, da Roland nicht da war und Masaru wie auch Jan beim Essen eh nie allzu viel redeten.

Danach nahm Masaru erstmal ein Bad, wobei er sich heute zum erstem Mal von Jan, anstatt eines Dieners in und aus der Wanne helfen ließ. Seine Angst war sehr zusammengeschrumpft, der andere berührte ihn aber auch nur so wenig wie möglich.

Masaru lag auf seinem Bett und las das Buch, welches ja eigentlich wie ein Auslöser agiert hatte, gleichzeitig schaffte er es aber noch irgendwie den Fön in der Hand zu halten und seine schulterlangen Haare gewissenhaft zu trocknen, es war ja schließlich noch Winter und er hatte keinen Bedarf daran krank zu werden. Gespannt blätterte er eine Seite um, dieses Buch war wirklich klasse. Jan kam gerade vom Duschen, er trug schon seinen Pyjama und rubbelte seine kurzen blonden Haare mit einem Handtuch trocken.

"Hätte ich deine Mähne würd ich mich erschießen, Masaru! Warum lässt du die sie nicht kurz schneiden. So zehn Zentimeter kürzer, ständ dir sicher auch gut, und du hättest dieses ewige Geföne nicht mehr", lästerte er und setzte sich vor den Fernseher um "Stargate" zu schauen.

"Soviel zur Realität!", dachte Masaru spöttisch, als er sah womit Jan sich berieseln ließ, aber laut sagte er in einem absolut schnippischen Ton, "meine Haare gefallen mir aber so viel besser und deshalb bleiben sie so."

Jan drehte sich zu ihm um:"Eine andere Antwort hätte mich auch enttäuscht!" Sie grinsten sich wieder an, eine Mauer war gefallen. Jan sah den Sci-Fi-Schrott und Masaru las. Um zehn machten sie das Licht aus und legten sich schlafen.

Gebannt lauschte Jan den ruhigen Atemzügen von Masaru, der schon zu schlafen schien. Jan überlegte ob das zwischen ihnen auch wirklich so etwas wie Freundschaft war, denn wenn er las oder fernsah, waren Freundschaften zwischen Jungs immer ganz anders. Lockerer, keine Angst vor Berührungen, weil es so gut wie nie zu Berührungen kam, vom Geben der Hände mal abgesehen. Genauso ungewöhnlich schien es auch, dass man zusammen in einem Bett schlief, von Küssen und anderen Dingen ganz zu schweigen. War das zwischen Masaru und ihm wirklich nur Freundschaft, glaubte er dem was er sah und las, dann wars es das nicht. Dann war es Liebe. Jan liebte Masaru, wie er erstaunt feststellen musste, aber liebte man einen normalen Freund nicht auch, aber Jan fühlte, dass seine Liebe zu Masaru ganz anderer Natur war. Nicht nur freundschaftlich. Wirklich?! Jan verstand sich selbst nicht mehr, leise grummelnd drehte er sich auf die Seite, als Masarus Stimme ihn aufhorchen ließ.

"Jan? Schläfst du schon?", eine schüchterne, weiche Stimme.

"Ja, bin tief im Land der Träume!", kam es leicht sarkastisch zurück.

"Mir ist kalt, Jan."

"Willst du noch ne Decke? Ich bring dir eine."

"Ja", kam es leise, irgendwie unsicher zurück.

Jan jumpte aus seinem Bett und stolperte im Dunkeln erstmal über den Teppich, flog der Länge nach hin.

"Autsch! Dieser §%&/(/&)=?)Teppich!"

Masaru kicherte leise unter der Decke.

"Sei ja still, wenn du weiter lachst, lass ich dich weiterfrieren!", schnauzte Jan und rappelte sich mühsam auf. Er ging zu einem der Schränke, kramte eine Wolldecke raus und schlurfte zu Masarus Bett. Jan wollte gerade die Kolter über Masaru ausbreiten, als unter dessen Decke seine Hand vorschnellte und Jan darunter zog.

"Wah! Was soll denn das, Masaru?", Jan war ziemlich verwirrt.

"Ich ziehe dich der Decke um vieles vor!", kam es ziemlich ruhig zurück, "bleib bitte bei mir!"

Jan war viel zu überrannt von Masarus plötzlicher Aktion, so dass er den kleineren Jungen einfach zu sich zog und ihm durch die Haare streichelte, immer noch nicht wirklich dessen bewußt was er da tat, ob es Masaru nicht wieder zurückschrecken ließ. Doch nach einiger Zeit hörte Jan völlig ruhige Atemzüge dicht neben sich, Masaru war eingeschlafen. Vorsichig küsst Jan den anderen auf die Stirn, dann schlief auch er ein.

Info:

Die Bücher, die Masaru aufzählt, gibt es wirklich, stehen sogar in

meinem Bücherregal und sind allen Fantasy-Fans nur wärmstens

zu empfehlen, inzwischen gibt es die Serie von Philipp Pullman (der

war auch für das Buch "Rubin im Rauch" verantwortlich, was

allerdings mehr geschichtlich war, was aber nicht heißen sollte es

wäre schlecht) glaube ich auch als Taschenbuch, so dass man nicht

wie ich es getan habe, 50 DM pro Buch zahlen muss. Das war jetzt aber,

glaube ich, genug Schleichwerbung.....

Endlich geschafft! Teil 6 ist fertig und da mich meine Lehrer hassen, will

heißen eine Menge Arbeiten schreiben, dauert es bis Teil 7 noch etwas!

Bis denn

Sal

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