Von
 

 

Titel: Rafael

Teil: 14

Autor: Lona

Email: Lonasan@web.de

Genre: Reale Welt, Japan, Übersinnlich, Horror

Bewertung: ab 16

Warnung: Gewalt(?) SAP ^^“

Inhalt: Rafael ist ein Kind, das durch eine Vergewaltigung zur Welt kam. Er wird aus seiner Familie verstoßen, weil in ihm das Blut eines Dämonen schlummert. Zuerst ist er ziemlich niedergeschlagen, aber dann merkt er, dass er erst jetzt anfängt richtig zu Leben....

 

 

 

Teil 14

 

Jedem seine eigene Welt!

 

Alles schmerzte und auch meine Flügel waren so schwer verletzt, dass ich nicht hochfliegen konnte. Ich hatte noch Glück auf einer Kurve liegen geblieben zu sein. Eine weitere oder eine falsche Bewegung und ich würde weiterfallen, direkt in die heiße Lava. Aber ich war sowieso zu müde, um mich zu bewegen und mir tat alles weh.                                      

 

„Rafael!!“ Es war Zen, der damit beschäftigt war gegen Dim zu kämpfen, aber zu mir schaute. Ich ahnte, was er zu tun beabsichtigte und schrie so laut wie ich konnte, was sich als sehr leise herausstellte: „Wage es nicht, mir hinterher zu springen!“ Er verstand, schien aber seine Wut an Dim rauslassen zu wollen, als er plötzlich einen harten Schlag führte und Dim ein wenig zurücktaumelte, dann aber wieder angriff. Geschickt wich Zen dem Angriff aus und rammte sein Knie in Dims Magen, sodass dieser auf die Knie fiel und keuchte. Zen war ihm überlegen, er streckte das Schwert aus und ließ die scharfe Seite leicht Dims Hals berühren. Er schaute böse auf ihn herab, während er anfing zu reden: „Und ...“

 

„Fühlst du dich jetzt gut? Rache....was ist das schon. Ging’s dir besser, nachdem du dich an deinem Vater gerächt hast?“

 

Stille, aber Zen hatte jetzt anscheinend wirklich vor ihn zur Rede zu stellen und seine schwache Seele schien ihm unterwürfig zu sein: „Antworte mir! Geht’s dir besser?! Hast du was erreicht? Was Gutes erreicht? Ist deine Wut verschwunden? Antworte! Geht’s dir jetzt besser?!“

 

Ein bisschen zögernd schüttelte Dim den Kopf, vorsichtig um sich nicht an der Waffe zu verletzen, dann nahm ich ein sehr leise geflüstertes „Nein“ wahr und  „es geht mir nur schlechter....“

 

„Also, glaubst du, es würde sich etwas ändern, wenn du dich an der ganzen Welt rächst?!“

Dim schwieg wieder, dann zeigte Zen mit der freien Hand in meine Richtung. „So fängt das an, Dim!“

 

//Er nennt ihn beim Namen.// Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

 

Zen redete weiter: „Ich dachte, du liebst ihn...behandelt man jemanden so, wenn man ihn liebt? Bereust du es nicht, deine Mutter in den Wahnsinn getrieben zu haben? Willst du wirklich die ganze Welt und somit alles vernichten? Du sagst, du hast nichts, aber du wirst erst wirklich alles verlieren, wenn du deine Rache vollendest, wirklich alles!“

 

„Du kannst mich nicht verstehen, niemand kann mich verstehen....“

 

„Immer wieder die gleiche Antwort, aber wenn dich niemand versteht, dann auch Timorus nicht...“

 

„Es..“

 

Zen ließ Dim nicht mehr zu Wort kommen:  „Nein, du hörst nur nicht zu, ob dich nun jemand versteht oder nicht.... du hörst einfach  nicht zu....“

 

„Doch...es passt nur nicht zu meiner Lage...“

 

„Glaubst du das?“

 

„Ja...“

 

„Oder willst du nicht zugeben, dass auch andere Recht haben und folgst Timorus, weil er deiner Meinung zustimmt?“

 

Schweigen.

 

„Mach, was du willst,“ meinte Zen leise, dann ließ er sein Schwert vor Dim fallen und machte ein paar Schritte zurück.

 

 

Ich fragte mich, wieso er das machte.//Vorhin ließ er nicht mal mich ohne ein Zögern das Schwert in die Hand nehmen und jetzt, jetzt gibt er es Dim, dem, der es zu einem Gegenstand des Bösen machen kann. Wieso?//

 

„Los nutz deine Chance, Schlüssel! Räche dich an allem,“ ertönte wieder Timorus’ Stimme und Dim nahm tatsächlich das Schwert an sich, stand auf und hob es an. Zen stand ein wenig abseits und beobachtete Dim. „Ja, nimm dir alles! Vernichte alles, was du je besessen hast,“ sagte Zen bitter und irgendwie müde, dann fügte er leise hinzu, sodass ich es noch schwach verstehen konnte: „Ich kann nicht gegen jemanden kämpfen, der bereits verloren hat, der gegen sich selbst verloren hat. Auch wenn es ein leichter Sieg für Timorus ist, auch wenn ich aufgebe ... ich kann einfach nicht...“

 

Aber Dim hörte ihn nicht mehr, seine Augen waren immer noch so trübe wie vorhin, aber er war es, der über seine Handlungen bestimmte. Er hob das Schwert und ein Kreis bildete sich um ihn auf dem Boden. Zen stand einfach da und ich konnte mich eh nicht bewegen, aber vielleicht war es auch eine Art sich zu entschuldigen, denn ich wusste nicht, was ich machen sollte, wenn ich es könnte.

 

Und dann redete Dim: „Ich bin der Schlüssel und ich habe mich für das Tor der Dunkelheit entschieden, dieser Gegenstand wird nun einer der Gegenstände der Finsternis und das Gleichgewicht vernichten und dem Reich der Dunkelheit die Macht überlassen!!!“

 

In diesen Moment leuchtete das Schwert rot auf und die Flügel an der Klinge fingen an zu flattern. Ein lauter Schrei folgte. Er kam vom Schwert, auch wenn ich das nicht glauben konnte. Dann sank auch Zen mit einem Schrei zu Boden und hielt sich seine Brust. Die Schmerzensschreie wurden Eins und Zen weinte sogar vor Schmerz. Aber Dim machte weiter, wissend, was danach folgte.

 

Plötzlich hörte ich eine zarte Stimme bei mir, nein, mehrere Stimmen, so zart und weich.

 „Zen ist des Schwertes Wächter geworden.“

 „Er ist eins mit ihm, wenn das Schwert zu einem der Gegenstände der Finsternis gemacht wird, stirbt dein Freund auch ...“

„..und danach die ganze Welt.“

„Du musst uns helfen, Rafael...“

„Bitte...“

 

„Aber wer seid ihr?“ fragte ich leise, auch das kostete mich viel Kraft und kleine Tränen waren sogar in meinen Augen, verursacht von Zens Schreien und seinem Leiden.

 

Kleine und doch sehr helle Lichter tauchten auf und umgaben mich, sie drehten sich um mich und die kleinen Stimmen erklangen wieder. „Gottes Boten, wir tragen seine Botschaft...“ „Na ja, eigentlich die Entscheidung des Parlaments...“ „Aber das tut nichts zu Sache...“ „Du musst uns helfen...“

 

„Ich habe nicht die Macht dazu, nicht mal genug Kraft zum Aufstehen habe ich...“ flüsterte ich weinend. Die Zweifel in mir kamen wieder hoch, also war ich doch so schwach, dass ich alleine nichts ausrichten konnte, nicht mal dem geliebten Menschen helfen konnte. Wie sollte ich dann der Welt helfen können?

 

„Wir geben dir Macht...,“ hörte ich wieder die zarten Stimmen.

 

„Falls ihr glaubt, ich werde ihn töten, irrt ihr euch!“

 

„Aber er tötet deinen Freund.“

 

„...und dann mich...ich weiß...“

 

„Wieso? Wieso willst du ihn nicht töten?“

 

„Ich kann es nicht ...ich habe kein Recht jemandem das Leben zu nehmen, jedenfalls keinem Menschen...auch  ihm nicht.“ Ich grinste müde vor mich hin. „Zen hat es auch nicht getan, als er konnte....“

 

„Er ist ja auch ein Mensch!“

 

„Und ich...ach ja, ich bin ein Dämon, nicht wahr!“ Plötzlich packte mich die Wut und ich wurde umso lauter: „Ihr bittet einen Dämon um Hilfe, weil er normalerweise ohne zu zögern töten würde! Aber als mein Vater euch bat ihn aufzunehmen, hieß es, er wäre ein Dämon und würde zu viel töten, nicht wahr?“

 

„Aber du bist ein Halbdämon!“

 

„Ach und zur anderen Hälfte ein Mensch, aber ich habe das Gefühl, ihr mögt weder Dämonen noch Menschen!“

Die Lichter schienen zu tuscheln, sagten, dass das nicht stimmte.

 

„Und Dim? Er ist euch egal und Zen ist ja auch nur ein Mensch, so hieß es!“

 

„Du verwirrst uns, junger Dämon, worauf willst du hinaus, was willst du?“

 

„Zeit und Kraft.“

 

„Wie?“

  
“Könnt ihr mir Kraft geben wieder aufzustehen und Zeit um mit Dim zu reden?“

 

„Aber das Reden hat doch nichts gebracht! Und außerdem würde...“ Plötzlich hörten die Lichter auf zu reden, leuchteten auf und sagten dann: „Es heißt das können wir und sollen wir. Der Herr legt alles in deine Hände, junger Halbdämon. Nur du kannst diese Welt noch retten. Wir wünschen dir viel Erfolg.“

 

Dann verschwanden die Boten Gottes und ich fühlte plötzlich neue Energie in mir, nahm wahr, dass Zen nicht mehr schrie, es waren keine Geräusche mehr da, auch keine Energiequellen, nichts. Ich wusste, dass ich genug Kraft hatte aufzustehen und das tat ich, meine Flügel waren auch wieder heil, aber sie waren nicht mehr schwarz sondern weiß, wenn auch Dämonenflügel und es schien, dass alles um mich herum verdunkelt wurde und ich leuchtete. Ich flog hoch zu den anderen, aber sie bewegten sich nicht, gaben keine Geräusche von sich, nichts, alles war wie erstarrt.

 

Ich näherte mich langsam meinem Zen. Er lag da auf dem Boden vor Schmerzen zusammengekrümmt, sein Haar weiß wie bei einem alten Mann und er war sehr mager. Ich hielt mir eine Hand vor den Mund um nicht aufzuschreien, aber ich beherrschte mich, ich verstand, dass die Zeit angehalten wurde. Ich drehte mich um zu Dim, der das Schwert hochgehoben hatte, der Energiekreis immer noch um ihn. Ich betrachtete das Schwert, es war rot gefärbt, die Flügel hatten viele Federn verloren, Bluttropfen waren an den Knochen diesen hängen geblieben. Ich schaute wieder zu Dim, sein Gesichtsausdruck war schmerzlich, die Augen leer, enttäuscht und einige Tränen auf seinen Wangen beim Rollen stehen geblieben. Wieso weinte er jetzt, wenn es doch seine Entscheidung gewesen war?

 

Ich näherte mich Dim und berührte seine Wange, sie war warm und ich wischte eine Träne weg, dann blendete mich irgendein Licht...

 

 

Ich mache meine Augen wieder auf. Ich bin nicht mehr auf der Kampffläche, wo wir gekämpft haben, sondern in einem unbekannten Zimmer.  Ich verstehe nicht, wie ich hierher komme, aber bestimmt haben diese Lichter oder Gott selbst die Hände im Spiel.  

 

Licht...Sonnenstrahlen scheinen durch das Fenster und lassen die Holzschränke noch heller wirken, als sie schon sind. Der Boden ist aus einem Linoleum, dass sich den Farben der Schränke anpasst und da ist ein Doppelbett, mit einer  beigefarbenen Decke.

 

 Neben der Tür steht ein ebenfalls heller Tisch. Im Großen und Ganzen herrscht hier eine angenehme Atmosphäre, aber diese wird gleich darauf zerstört.

 

Wie in einer Zeitlupe beobachte ich das Geschehen. Als die Tür aufgeht und eine rothaarige Frau fällt, sie verletzt sich ihren Kopf an der Tischkante, es fängt an zu bluten und sie landet am Boden. Ein dunkelhaariger Mann kommt hinein, er hat eine Waffe in der Hand und schreit sie an. Und dann höre ich eine andere Tür aufgehen und ein Schrei, der eines Kindes.

 

...Plötzlich sehe ich Bilder vor meinen Augen, auf die ich gerne verzichten konnte. Wie ein kleiner Junge von diesem Mann geschlagen wird, wie er weint und ebenso seine Mutter. Viele Ausschnitte aus dem Leben des Jungen, so kommt es mir vor. Er weint oder guckt böse, er lächelt nur selten und sieht mich nie an.....

 

Ich verfolge wieder das, was im hellen Zimmer passiert. Ein rothaariger Junge im Alter von zwölf Jahren steht im Flur und sieht dem Geschehen zu. „Verschwinde Richard! Du hast hier nichts verloren!“

 

Es verwirrt mich, dass der Junge Richard genannt wird, aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass Dims zweiter Name so lautete. Dann hebt der Mann die Waffe: „Verschwinde, sonst erschieße ich dich, kleiner Scheißer!“ „Nein,“ schreien sowohl die Mutter als auch das Kind, die Mutter um das Kind besorgt und der Junge, weil er nicht vorhatte wegzugehen. „Halt den Mund, Hure!!!“ Der Mann schießt in die Richtung seiner Frau, verfehlt sie aber. In diesem Moment läuft der Zwölfjährige auf seinen Vater zu, schnappt seinen Arm und zieht an der Waffe. Der Mann schimpft, aber schließlich fällt die Waffe doch aus seiner Hand und es fällt ein Schuss. Mit weitgeöffneten Augen macht der Junge ein paar Schritte zurück und fällt erschrocken auf die Knie. Die Kugel hat seinen Vater am Hals getroffen, sodass er fast auf der Stelle tot ist und blutend am Boden landet.

 

Ich schaue dem Ganzen still zu, ich weiß auch nicht, was ich hier soll, ich kann die Vergangenheit doch nicht ändern. Aber eins ist  klar, Dim hat uns eine ein bisschen falsche Geschichte erzählt.  Er hat einen Schock, schaut ins Leere, dann blinzelt er und sein Blick verharrt auf mir. Sofort war seine Mutter bei ihm und sagt ihm, er soll nicht weinen. Aber der Junge weint nicht, sondern schaut direkt über die Schulter seiner Mutter zu mir. 

 

 

Dann verschwimmt alles und ich bin wieder an einer anderen Stelle, in einer anderen Zeit. Ich schätzte Dim auf etwa 13, als er an einem Tisch sitzt, unter einem weit geöffnetem Fenster und etwas schreibt, nein, er malt, er malt ein Bild. Ich nähere mich dem Tisch und schaue auf das Blatt. Mit Ölfarben hatte er auf einem seltsamen Stoff ein wunderschönes Bild gezeichnet. Es ist ein ruhiger See und drum herum viele grüne Bäume, der Himmel blau, nur wenige Wolken sind da und Dim arbeitet gerade an dem weißen Licht der Sonne, dass sich im See spiegelt und die Blätter der Bäume ein wenig glitzern lässt.   

 

„Das ist der Wald, den ich heute sah, als ich spazieren war. Weißt du, wir sind umgezogen. Hier ist es sehr schön,“ höre ich den Jungen sagen. Er sieht mich nicht an, aber ich spüre,  dass er mit mir redet. „Du kannst sehr schön zeichnen, Dim!“  „Danke...weißt du, ich will unbedingt ein Künstler werden.“ Jetzt dreht sich der Junge zu mir um und schaut mir in die Augen. Seine blauen Augen sind so groß und so klar, wie bei einem Kind ohne jegliche Sorgen. Er lächelte mich fröhlich an. „Du solltest öfters lächeln,“ meinte ich sein Lächeln erwidernd.

 

„Bist du ein Engel?“ fragt er mit großen glitzernden Augen. „Deine Flügel sind so wunderschön!“ 

//Ach ja, die sind jetzt ja weiß,// erinnere ich mich wieder. Dann schüttele ich den Kopf: „Nein, ich bin kein Engel....wirklich nicht...“ Ich wuschle dem Jungen durch das noch kurze rote Haar. „...aber ein Freund...“ Der Junge lacht wieder: „Und wie kommst du hier her?“

 

Plötzlich wird an der Eingangstür geklopft. „Mach auf, Dim,“ hören wir eine weibliche Stimme sagen. „Das ist meine Mutter...,“ meint Dim nur leise. Dann hören wir wie das Schloss aufgeht und die Mutter mit dem Schlüssel in der Hand reinkommt . „Was machst du hier schon wieder...eindeutig keine Hausaufgaben!“

 

Der Junge ignoriert ihre Vorwürfe und läuft  lächelnd auf seine Mutter zu und zerrt an ihrem Hemd: „Mama, ich habe einen neuen Freund!“ Er zeigte zu mir, aber seine Mutter schaute nur knapp durch mich hindurch. Dann schubst sie ihren Sohn zurück zum Schreibetisch und setzt ihn auf den Stuhl: „Statt mit Wänden zu reden und zu zeichnen, solltest du lieber Hausaufgaben machen. Sonst wirst du später nie eine vernünftige Ausbildung kriegen!“ meint sie streng. „Aber heute ist Wochenende, ich habe nichts auf.“ sagt der Junge entschuldigend. „Willst du gut sein, gibt es für dich kein Urlaub!“ bekräftigt die Mutter streng  und geht  weg. „Lerne vor...“ meint sie, bevor sie die Tür schließt.

 

„So ist sie immer zu mir,“ sagt Dim zu mir. „...sie sagt, ich soll fleißig lernen, damit ich später ihre Rente bezahlen kann, da ich ja an dem Tod ihres Mannes Schuld bin und keiner Geld verdient!“

 

„Ach, was redest du da, Dim. Sie will das doch für dich!“

 

„Das glaubst du doch selber nicht!!!“

 

Ich wollte noch was sagen, aber kam nicht dazu, denn mir wird die Stimme genommen und ich löse mich auf.

 

„Hey, warte doch! Ich wollte nicht grob sein, hey....“ Ich höre seine Stimme immer leiser werden, bis sie vollkommen verschwindet.

 

Der Wind spielt mit meinen blonden welligen Haaren, als ich feststelle , dass ich oben in der Luft schwebe und unter mir ein See ist. //Das ist doch die Stelle, die Dim gezeichnet hat.//Und da sehe ich ihn auch. Es ist immer noch der selbe Junge. Ich weiß, dass er 14 ist,  er ist gewachsen. Ich fliege zu ihm und dann sehe ich ihn einen großen Stapel von Papier tragen, denn er in den  See wirft. Er weint und beobachtet dann mit mir zusammen wie seine Kunstwerke zuerst auf der Oberfläche schwimmen, sich dann immer mehr mit Wasser vollsaugen und untergehen.

 

„Wieso hast du das gemacht?“ frage ich ihn, er erschreckt, als er meine Stimme hört und dann zu mir aufschaut. Ich bin noch nicht ganz auf der Erde, als er auf mich zuläuft und sich heulend in meine Arme schmeißt. „Sie hat gesagt, ich bin untalentiert, dass ich nichts tauge, dass ich faul und nutzlos bin!!!“

 

Ich umarme den Jungen und lasse meine Füße den sicheren Boden unter den Füßen spüren. „Wer? Deine Mutter?“

 

„Ja!“ Der Junge schluchzt, während ich ihm beruhigend über den Rücken streichle.

 

 „Wie kann die eigene Mutter so was sagen?“

 

„Das hab ich auch gefragt, ich wollte wissen, wieso sie so gemein zu mir ist und dann hat sie gesagt, weil ich ihren Erwartungen nicht entspreche! Aber ich finde, sie fordert zu viel von mir, ich...“

 

Ich gehe auf die Knie in dem grünen Gras und streichele dem Rothaarigen durch das Haar.

 

„Das siehst du falsch Dim, vielleicht ist das ihre Art dich zu erziehen, immerhin ist sie alleinerziehend und fühlt sich verantwortlich, sie war wohl enttäuscht, aber nicht von dir, sondern viel mehr von ihren Methoden. Weißt du, im Streit sagt man Dinge, die man gar nicht so meint. Du hättest nicht im Zorn deine Bilder wegschmeißen sollen.“ Der Junge dreht seinen Kopf zum See, wo die Bilder verschwunden waren.

 

„Ich will nicht mehr zeichnen...“

 

„Aber wieso nicht, du kannst es doch.“

 

„Es macht keinen Sinn...die mag eh keiner angucken...“

 

„Doch, ich mag deine Bilder!“ Und das war nicht gelogen.

 

Der Junge legt sich ins Gras, seinen Kopf auf meinem Schoß platzierend und flüstert dann leise, während meine Finger wieder mit seinen Haaren spielen: „Wenn du bei mir bleibst, werde ich weiterzeichen und weitermalen...für dich...weil du mein einziger Freund bist...“  Ich schaue in die Ferne, als ich rede: „Ich kann nicht bestimmen wie lange ich bleiben darf, aber wenn die Zeit kommt, bleibe ich für immer bei dir....als Freund...es sei denn, du selber willst es verhindern...“

 

Der Junge richtet sich überrascht auf: „Aber wieso sollte ich es verhindern wollen!? Und wieso kannst du jetzt nicht bleiben!?“  Ich schaue in traurig an: „Deine Fragen werden noch rechtzeitig beantwortet....“ Ich fühle wie mein Körper leichter wird und ich weiß, dass ich gleich verschwinden werde. Ich stehe auf um Dim zu signalisieren, dass ich gehe, aber er hält mich am Ärmel fest: „Versprich mir, dass du bei mir bleibst!“

 

„Wenn es so weit ist....,“ sind meine letzten Wörter, bevor ich aus diesem Zeitraum verschwinde.

 

 Es regnet, als ich wieder an einer anderen Stelle erscheine. Ich bin auf einem Dach und schaue nach unten zur Straße voller Pfützen. Die Regentropfen fallen vom Himmel und prallen von dem dunklen Asphalt ab. Und da sehe ich ihn. Seit ich in seiner Zeit zum letzen Mal aufgetaucht bin, ist ein Jahr vergangen. ER ist 15, sieht aber fast genau so aus, wie ich ihn im Heim kennen lernte.  Ich fliege runter zu ihm.  Als Dim meinen Schatten den seinen zudecken sieht, schaut er zu mir hoch. Sein Blick ist kalt und finster, das ist der Dim, vor dem ich solche Angst hatte. „Was willst du hier,“ höre ich seine kalte Stimme, die mich zusammenzucken lässt. Ich gucke ihn überrascht an: „Ich...“

 

„Lass nur, geh wieder...ich brauche keinen selbsternannten Freund, der nur so selten auftaucht und immer ganz schnell wieder verschwindet, mir nicht zuhört und nur blöde Ratschläge von sich gibt!“ meint er, ohne mich anzuschauen. „Es tut mir Leid, aber das hängt nicht von mir ab, wann ich erscheine oder verschwinde...“ entschuldige ich mich, während ich ihn im Fliegen überhole und mich vor ihm auf den Boden stelle. Er sieht nicht so aus, als ob ihm der Regen was ausmachen würde, so bleibt er einfach stehen und schaut mich wütend an: „Ach nein und von wem hängt das ab?“

 

Ich zucke mit den Schultern: „Weiß nicht, vielleicht von denen da oben.“ meine ich und schaue hoch zum Himmel. „Ach, jetzt bist du doch ein Engel!“ Misstrauisch mustert er mich. „Und wo bleiben deine Federn?!“

Ein paar Leute gehen an uns vorbei und schauen den Rothaarigen an, dieser schmunzelt: „Weißt du was? Verschwinde, du bist doch nur eine Einbildung! Und tauchst auch nie auf, wenn ich dich rufe!“ Er geht an mir vorbei und lässt mich alleine im Regen stehen. Dann schreit er noch, ohne sich umzudrehen oder auf die verstörten Gesichter der Leute zu achten. „Ich brauch dich nicht, hau ab!“ Diesmal bin ich es, der das Verschwinden verursacht, weil ich nicht mehr länger „diesen“ Dim vor mir haben will und es auch nicht kann.  Ich bin bereits weg, spüre aber noch, dass Dim sich umgedreht hat und zu der Stelle, an der ich stand,  eine Weile geschaut hatte. Ist es Trauer, was er empfindet?

 

Ich sitze auf einem Stuhl und beobachte wie Dim eine Nummer wählt, etwas sagt und den Telephonhörer wieder auflegt. Wir sind in der Wohnung von Dim und seiner Mutter, in der Küche. Dim hat gerade mit jemanden aus dem Irrenhaus gesprochen. Ich weiß nicht, worum es ging, denn Dim sagte immer nur: „ja“ oder „nein“, aber ich ahne nichts Gutes.  Er dreht sich zu mir um und grinst krank.

 

„Was willst du?“ Das ist nicht freundlich gemeint und das weiß ich, aber in seinen Augen sehe ich doch ein bisschen Freude mich wieder gesehen zu haben oder bilde ich mir das nur ein?

 

„Darf ich fragen, worum es ging, Dim?“  meine ich  sehr vorsichtig und erwarte ein „Nein“.

 

Der Junge schaut  zur Seite, dann redet er aber: „Ich bin vor kurzem 16 geworden und hatte wieder Streit mit meiner Mutter, aber diesmal mehr als je zuvor. Ich hab sie geschlagen und dann im Irrenhaus angerufen und gesagt, sie sollen sie abholen, sie sei verrückt. Und weißt du, es ist mir gelungen, mit ein paar Lügen und so.... Sie haben gesagt, es läge an dem Verlust ihres Mannes, aber sie ist gar nicht verrückt. Diese Ärzte finden immer etwas...aber das ist gut so... Sie haben angerufen und mir ein paar Fragen gestellt und ich habe wieder gelogen...“

 

„Willst du, dass sie da bleibt?“ frage ich geschockt, nie hätte ich erwartet, dass die Mutter Dims wegen ihm im Irrenhaus ist. Der Junge schweigt zuerst eine Weile. „Ich... ich weiß nicht...ich hab bloß Angst...Angst sie wiederzusehen. Sie ist mir böse, bestimmt!“

 

„Aber du kannst doch nicht einfach...du musst mit ihr reden!“

„Nein!!! Soll sie doch in der Klapsmühle verrückt werden! Ich verlasse dieses Scheißleben jetzt. Ich verlasse die Wohnung, geh in irgend ein Heim, bis ich eine Neue finde, aber zu diesem Leben will ich nicht zurückkehren!“  schreit er mich an.

 

„Dim aber dein Leben ist doch gar nicht so schlimm...tut mir leid, wenn es dich verletzt, aber du bist doch der, der das Leben schlimm aussehen lässt.....“

 

„Ach, halt doch den Mund, du hast mir nichts zu sagen, du bist doch nur ein Hirngespenst! So was wie Engel gibt’s nicht, es gibt euch nicht, es gibt keinen Gott, sonst hätte er mich nicht im Stich gelassen!“ schreit er wieder.

 

In diesem Moment wusste ich, dass er seinen Glauben an das Gute verloren hatte und ich konnte ihm nicht mehr helfen. Ich sah bereits die Krallen Timorus’ nach ihm greifen und ich konnte es nicht verhindern, als Timorus Stimme erklang, dass er diesem folgte....

 

Ich war wieder zurück, da wo meine Reise angefangen hatte, endete sie auch, ich war wieder im Timorusgebiet, auf dem leblosen Körber des Drachens. 

 

Meine Hand immer noch auf Dims Wange. Plötzlich löste sich der Zauber, das Blut vom Schwert tropfte nach unten und die Zeit nahm ihren Lauf. Es ertönten wieder die Schreie von Dim und auch dem Schwert, wie seltsam es auch klang.

 

Ich stand neben Dim, der, als er mich bemerkte, überrascht ausatmete. Er ließ von seiner Tat ab und senkte das Schwert. Die Schreie erstickten, aber die Schmerzen der anderen waren noch da, denn Zen atmete schwer und sein Aussehen hatte sich nicht verändert. Dim schaute zu mir und schrie mich dann an. „Was willst du hier! Ich hab doch gesagt, ich will dich nicht wiedersehen, du Einbildung. Du bist nicht echt!“ Der Rothaarige schubste mich, sodass ich ein paar Schritte zurücktaumelte, den Blickkontakt mit ihm aber weiter festhaltend. „Es gibt dich nicht!“ schrie der Junge weiter. Ich verstand zuerst nicht und auch Zen schaute überrascht dem Geschehnis zu.

 

 „Und wenn... dann bist du doch nur hier um diese bescheuerte Welt zu retten, nicht war?! Du Abschaum des Himmels!“ Ich war schockiert über seine Wortwahl. So hielt er mich immer noch für einen Engel und hasste mich. „Nein, ich will DIR helfen und Zen, meinen Freuenden, deinen Freunden unseren Familien....und so was ist nun mal eine Welt!“ 

 

Der Junge schien sich erschrocken zu haben: „Rafael? Du bist es, Rafael? Aber die weißen Flügel...“

Ich ging wieder zu ihm und streckte meinen Arm aus, aber er wich zurück. Zuerst. Dann ließ er sich aber von mir durch die Haare streicheln. „Du warst also mein Engel von damals...“ flüstert er leise, wegschauend. „Kein Engel, nur ein Freund...“ wiederholte ich mich. Ich hatte es nicht erwartet, aber Dim lächelte mich plötzlich an, er legte seine Hand auf die meine und rieb seine Wange leicht an dieser. „Du bist es wirklich....“

 

„Dim...ich...es tut mir leid, dass ich dir damals nicht helfen konnte, aber lass mich dir jetzt helfen...“

 

Der Junge hielt inne und machte die Augen zu, unterbrach mich aber nicht.

 

„Du willst es vielleicht noch nicht begreifen, aber jeder hat seine eigene Welt und zu dieser Welt gehören Menschen, Erinnerungen und Erlebnisse, ob nun gute oder schlechte.“ Das hatte auch ich erst dann verstanden, als ich die Zeitreise durch Dims kleine Welt gemacht hatte. „Ich bin nicht wegen der großen Welt hier, sondern vielmehr wegen unserer kleinen. Und ich will dir helfen, deine kleine Welt schöner zu gestalten. Ich will dich wieder lachen sehen, wie damals mit vierzehn. Ich will dich Bilder malen sehen und den Glanz in deinen Augen. Deine Mutter hat dir sicher schon verziehen, du musst zu ihr gehen und mit ihr reden...Ich will dir helfen und doch liegt es an dir, deine eigene schöne Welt wiederzufinden.“

 

„Ich verstehe....“

 

Ich konnte mir ein glückliches Lächeln nicht verkneifen, endlich hatte er zugehört und es verstanden, doch da lag ich schon wieder falsch.

„...so habe ich das niemals gesehen...du meinst, wenn ich mich an einer Welt rächen sollte, dann nur an meiner?“

 

„Nein, nicht rächen. Vergiss dieses Wort!“ Aber Dim hörte mich wieder nicht, er stand noch viel zu sehr unter dem Bann der Zweifel, um ihn geschlungen von Timorus.

 

„...und ich bin der Kern meiner kleinen, abscheulichen Welt...also muss ich...ich wollte dich sowieso niemals töten...also erleichtert es mich, wenn ich nur mich...“ Er hob das Schwert und richtete es gegen sich selbst.

 

„Nein!“ schrie ich, aber meine Stimme verschmolz auch mit der von Zen und auch Timorus meldete sich wieder: „ Du bist der Schlüssel! Was ist mit deiner Bestimmung?! Du hast dich entschieden, wirf deine Macht nicht weg oder willst du als Nichts sterben?! Hör zu, du wirst so oder so mit dieser Welt sterben, aber entweder als einer der Gewinner oder als ein Opfer, ohne etwas gehabt zu haben!“

 

„Ich will nicht als ein „Nichts“ sterben....“ Dim zögerte, er wusste nicht weiter und auch mir fielen in diesem Moment keine Worte ein, aber dann meldete sich der geschwächte Zen zu Wort.

 

„Hör nicht auf ihn, Dim! Ohne dich ist er machtlos, sonst hänge er bestimmt nicht so an deiner Macht! Wir werden ihn besiegen, aber auch das nur zusammen. Auch wir würden es ohne dich nicht schaffen, Dim.“

 

Dim hörte ihm gespannt zu, aber rührte sich nicht: „Aber ich habe mich doch schon entschieden...“

 

„Genau! Beende das alles!“ hörten wir wieder Timorus Stimme, jetzt aber schreiend.

 

Rafael

 

 

 

Hier Ende 14...eigentlich wäre er noch länger, aber dann fehlte es an dem Dramatischem *fg*

Aber keine Angst, ich geh ja schon am 15ten schreiben *selber weiterschreiben will*, aber wegen der Schule fängt die Zeit an zu drängen^^

Lonsan@web.de

 

 

 

 

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