Von
Titel: Rafael

Teil: 16 (Epilog)

Autor: Lona

Email: Lonasan@web.de

Genre: Reale Welt, Japan, Übersinnlich, Horror

Bewertung: ab 10

Warnung: Depri (glaube ich)und wieder mal SAP aber TOTAL 

Inhalt: Rafael ist ein Kind, das durch eine Vergewaltigung zu Welt kam. Er wird aus seiner Familie verstoßen, weil in ihm das Blut eines Dämonen schlummert. Zuerst ist er ziemlich niedergeschlagen, aber dann merkt er, dass er erst jetzt anfängt richtig zu Leben....

 

 

Teil 16 (Epilog -^.^-)

 

Hochzeitglocken!

 

„Dim...ah...was machst du...nein..ah!“

 

„Halt still, verdammt!“ 

 

„Dim, nicht...neeein!!!“

 

„Ich hab gesagt, du sollst dich nicht rühren!!!“

 

„Wo hast du deine Hände!!! Dim, nicht dort...schei...ah..“ 

 

„Noch ein Ton und dein Gesicht ist dran!“

 

„Schon gut! Aber mach’s nicht zu lang“

 

„...“

 

„Aah ...Dim, lass das endlich sein!“

 

„Raf! Ich hab gesagt, du solltest still halten!“

 

„Wa...“

 

Ein Keuchen entkommt meinem Mund, als ich endlich von dem Wahnsinn erlöst werde und Dim den großen Spiegel, den er umgedreht auf den Tisch vor mir gelegt hatte, so hinstellt, dass ich mein Gesicht wieder sehen kann.

 

„Dim, was zum...! Ich wusste, ich konnte dir nicht vertrauen! Verdammt, du wolltest sie kürzer schneiden, aber doch nicht so,“ schrie ich meinen Friseur an.

 

„Was denn? Das steht dir doch! Oder willst du der Meinung eines erfolgreichen Künstlers wiedersprechen?“

 

„Aber...“

 

„Kein aber!“ Dim zwingt mich dazu wieder in den Spiegel zu gucken. Und zeichnet die Konturen des 21jährigen Mannes im Spiegel vor mir nach.

 

„Siehst du nicht, dass du so viel männlicher, erwachsener und vor allem ordentlicher aussiehst?“

 

Das Spiegelbild des 21jährigen zieht eine beleidigte Grimasse. „Schon, aber....“

 

Der Rothaarige unterbricht mich jedoch: „Ja, ja, ich weiß...du wolltest dir die Haare so lange lang wachsen lassen, bis dein geliebter Zen zurückkommt, aber du bist zu einer Hochzeit eingeladen und ich will nicht, dass du vor deinen Freunden wie ein beharrter Orang - Utah auftauchst. Und Zen wird dich so beharrt auch nicht erkennen, wenn er überhaupt irgendwann zurückkommt!“

 

„Dim!“ Ich schaue ihn beleidigt an, gehe dann stumm und hole mir einen Besen zum Wegfegen der Haare auf dem kalten Boden der Küche.

 

„Tut mir Leid, das hätte ich nicht sagen sollen...aber es ist doch schon fünf Jahre her...“

 

„Na und! Er wird trotzdem zurückkommen...er hat’s mir versprochen...,“ flüstere ich, während ich die Haare im Müll entsorge.

 

„Aber wann... hm?“

 

Dim macht mir ständig Vorwürfe. Er glaubt nicht daran, dass Zen sein Versprechen hält. Mein bester Freund (von meinem Geliebten abgesehen) meckerte auch ständig, dass die von mir gemietete Wohnung für mich allein viel zu groß sei und dass er doch mit mir einziehen könnte und mir auch gern beim Haushalt helfen würde. Dabei hat er eigentlich eine eigene Wohnung. Aber ich glaube an Zen und halte immer ein Platz in meiner Nähe für ihn frei. Auch kochen tue ich meistens für zwei. Obwohl ich im Heim damals nie gekocht hatte, ist es sehr schnell zu einer Gewohnheit geworden.

 

 

„Raf!“  Der 22jährige, der erst vor wenigen Tagen seinen Geburtstag gefeiert hat, steht bereits an der Tür und wartet auf mich. Ich blicke noch das letzte Mal in den großen  Spiegel im Flur, der Anzug steht mir gut, aber Zen würde er bestimmt besser passen. Hm...und die Haare sind eigentlich gar nicht so schlecht. Eine sehr ordentliche Frisur nur der Pony wirkt etwas komisch, wegen der Locken, aber doch eigentlich sehr hübsch. Ich lächle mein Spiegelbild an. Dim hat wirklich Talent. „Rafael, ich warte nicht ewig!“ höre ich Dim wieder schreien und eile daraufhin zu Tür. „Ich bin auch schon fertig!“

 

 

Ich setze mich an einen Tisch, wie es auch noch ein paar andere Bekannte der Braut und des Bräutigers bereits getan hatten. Eine 16jährige blonde Schönheit mit hochgesteckten Haaren im weißen Kleid läuft zu mir: „Rafael-nisan, Rafael-nisan ich hab sie gesehen!

 

 

 

Die ist ja so was von schön! Und überhaupt ist hier alles wunder- ,wunder-, wunderschön!!!“ Das Mädchen dreht sich einmal im Kreis und schaut dann wieder zu mir. „Ach, schnapp doch nicht über Luise!“  Sie merkt zwar meine seltsame Laune, zeigt es aber nicht, sondern zwinkert und meint: „Ach ja, wer auch immer dir diesen Haarschnitt verpasst hat, hat echt Geschmack!“ Daraufhin läuft sie unserer Mutter entgegen, die gerade von der Braut zurückkehrt, dann läuft sie winkend zum anderen Tisch, zu unserer Mutter.

 

Dim setzt sich neben mich. Meine Mutter und Luise sitzen am anderen Tisch bei den Eltern der beiden Glücklichen. Auch Dims Mutter ist dabei. Sie wurde sofort gehen gelassen, als Dim sie besuchen kam. Die Ärzte waren doch gar nicht so, wie Dim immer gedacht hatte, denn er meinte, sie würden sie behalten wollen, um Geld zu verdienen, aber das war nicht so. Und seine Mutter hatte ihm auch tatsächlich schon längst verziehen und war in Tränen ausgebrochen, als er zu ihr kam, denn das empfand sie als ein Verzeihen ihr gegenüber. Aber das ist schon lange her und wurde schon fast vergessen. Die Beiden leben zwar nicht zusammen, aber die Mutter wird regelmäßig von ihrem Sohn besucht.   

 

Der Hochzeitsmarsch und eine braunhaarige Frau im weißen Hochzeitskimono erscheint. Und dann der immer noch schüchtern wirkende dunkelhaarige Junge. Obwohl die Braut hinter dem Schleier eigentlich vorerst ihr Gesicht versteckt, sieht man Arina an, wie glücklich sie an diesem Tage ist.

 

Ich beobachte die Zeremonie, höre mir genau jeden einzelnen Satz an. Ich weiß, dass ich so was nie haben werde. Ich will es auch nicht, alles was ich will, ist, dass mein Partner zu mir zurückkehrt. Arina und Lui küssen sich, alle klatschen. Die Hochzeitfeier wird eröffnet. Eine Menschenmenge läuft zu den frischverheirateten, auch Dim. So bin ich einer der wenigen, die hinter dem Tisch sitzen bleiben. 

 

Es riecht förmlich nach guter Laune. Allein die Gestaltung des Gartens vor Arinas Haus soll einem gute Laune machen, aber ich kann es nicht genießen. Wie oft habe ich mich verstellt? Fünf Jahre lang tat ich so, als ob nichts wäre, allein Dim hatte gemerkt, dass ich sehr verstimmt war, aber ich selber merke es erst jetzt. Vielleicht steigt da ein wenig Neid in mir hoch, irgendwo aus einer Tiefe in mir. Immerhin sind Arina und Lui meine guten Freunde und natürlich freue ich mich für sie, aber....

 

Dim unterbricht meine Gedanken und stellt ein paar Teller auf den Tisch: „Hey Raf, das Essen schmeckt richtig gut!“ Ich weiß, dass er mich somit aufmuntern will, denn er weiß von wem die 90% des Buffets kommen. Ich hatte es heute morgen und zum Teil auch gestern vorbereitet, aber irgendwas zerreißt mich innerlich und ich kann auf sein Lob nicht antworten.

 

Ich steh auf und geh ohne ein Wort zu sagen weiter weg, weg von der Menschenmenge, weg von der guten Laune. Einfach allein sein, ein bisschen grübeln, vielleicht hilft’s, was es bis jetzt nie gemacht hat. Dim kennt mich, er läuft mir nicht hinterher, sondern tut so, als ob nichts wäre und geht weg zu den anderen, dafür bin ich ihm dankbar, denn der einzige, den ich jetzt an mich ranlassen würde, ist nicht da, dieser jemand ist auch der Grund für meine Trauer.

 

Hinter dem Haus ist auch der Garten, aber die Leute sind alle vorne und so weit ich weiß, wollte Arina die Partyfläche bis hierhin sowieso einschränken. So bin ich mir sicher, hier würde keiner hinkommen. Ich setze mich in den Schatten eines blühenden Kirschbaumes, da es in der Sonne im schwarzen Anzug zu heiß wäre. Es ist Sakurazeit, fast alle Menschen sind glücklich zu dieser Zeit, sie bereiten sich auf die Feier des Sakura vor, planen Reisen und ähnliches. Aber es sind eben nur FAST alle Personen zu dieser Zeit glücklich.

 

Ich ziehe meine Beine an mich und umschlinge sie mit meinen Armen, so wirke ich wie ein kleines hilfloses Kind und nicht wie ein 21jähriger Mann.

 

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, während ich so da saß. Ich glaub, ich war sogar eingenickt. Über was auch immer ich gedacht habe, es war immer Zen dabei und es brachte Trauer über mich, von welcher Sicht ich auch an ihn dachte. Ich liebe ihn und ich vermisse ihn, ich träume von ihm, ich sehe ihn sogar mit offenen Augen vor mir, aber auch nur so wie ich in Erinnerung behalten habe mit 16 und dann unsere letzte gemeinsame Nacht und dieses Gesicht. Ich halte mir den Kopf, ich weiß es fehlt nicht viel und ich fange an wie ein kleines Kind zu heulen. Und ich weine oft...seinetwegen.

 

Nein, diese Feier war wohl zu viel für mich. Ich höre die glücklichen Stimmen von der anderen Seite des Hauses und will weg, will in eine ruhige Ecke in mein einsames Zuhause, mich einsperren und traurige Musik hören, die meiner Laune gerecht wird, in das Kissen heulen und die wenigen alten Fotos von Zen angucken, von denen ich weiß, dass sie seinem jetzigen Aussehen gar nicht entsprechen.

 

Eine Träne hatte es jetzt schon geschafft zum Vorschein zu kommen, also wische ich sie weg und sehe das als ein Zeichen an, mich nach Hause zu beeilen. Ich gehe um das Haus herum, will mich bei Arina entschuldigen, aber als ich sie und Lui sich küssen sehe, überlege ich es mir anders und gehe einfach fort. Auf dem Weg zum Ausgang legt jedoch jemand einen Arm um meine Schultern, ich erschrecke und mein Herz setzt aus, aber es ist Dim, der völlig betrunken an mir hängt und etwas zu sagen versucht: „Wo willscht du denn so schnell hin...die Feier ik ischt doch erst....“ „Dim, wie kann man so schnell betrunken werden?“ versuchte ich so normal wie immer zu fragen, aber die Gereiztheit in meiner Stimme ist nicht zu überhören. „So schnell? Du warst seit fünf  Stunden verschollen!“ //Ganze fünf  Stunden?!// „Na und?“ Ich tue so, als ob ich beleidigt wäre, aus welchem Grund auch immer und gehe, laufe einen dunkelhaarigen jungen Mann mit einem Glas Wein, das er jedoch noch festhalten kann, um, entschuldige mich flüchtig und gehe, nein, ich laufe weiter.

 

Doch ich halte kurz vor dem Tor an, weiß aber nicht, wieso. Dim ist auch wieder hinter mir, er dreht mich zu sich um und schaut mich nur zu direkt an. „Was heißt „Na und“? Ich mach mir Sorgen,“ sagt der nüchterne Dim, aber daraufhin fügt der Betrunkene hinzu: „Ich liebe dich doch...immer noch! Man, vergiss diesen Zen! Er kommt nicht wieder! NIE! Er hat dich sitzen gelassen!“

 

Ich halte es nicht mehr aus und fange an zu weinen. „Nein, nein!“ Ich schreie und schüttele den Kopf, viele Augenpaare richten sich auf uns. Ich mache das Tor auf  und laufe weg. Mehrere Stimme schreien fast gleichzeitig meinen Namen und ich höre wie jemand ein Weinglas zu Boden fallen lässt und wie jemand losläuft, wahrscheinlich Dim, aber ich will ihm nicht zuhören. Ich laufe immer weiter, bis ich nicht mehr kann. Ich falle auf die Knie. Ich weiß nicht, wo ich bin. Unter mir ist ein Weg, der durch das Gehen der Menschen auf einer Wiese entstand, eine Art Steinsandweg und meine Knie schmerzen, aber ich kann mich nicht bewegen. Und ich weine hemmungslos. Ich will ihn wieder, doch langsam verliere ich den Glauben daran, dass er zurückkommt.

 

Schritte? Jemand läuft in meine Richtung, aber ich kann mich nicht umdrehen und nach ihm sehen. Es ist bestimmt Dim. Dass er mich bis hierhin verfolgen konnte, wundert mich. Ich spüre seine Nähe, da er genau hinter mich getreten ist.  „Puh, du bist ein echt guter Läufer! Immer noch... Aber was machst du denn für Theater? Die anderen machen sich doch Sorgen!“

 

Nein, das ist nicht Dim! Ich dreh mich mit Mühe um und sehe den jungen Mann, den ich vorhin angerempelt habe an. Seine Sonnenbrille glänzt so ähnlich wie das pechschwarze Haar in der Sonne und er reicht mir seine Hand. 

 

Ich weiß nicht, wen ich da vor mir habe, aber ich mag es nicht, mich vor Unbekannten unfreundlich zu benehmen, also nehme ich seine Hilfe an und stehe auf, aber gleich darauf falle ich wieder. Der Mann realisiert es viel zu spät und fängt mich deswegen nicht auf. Ich spüre pochenden Schmerz in meinem linkem Fuß.

 

„Was ist denn?“ fragt der junge Mann besorgt. „Wahrscheinlich bin ich mit dem Fuß beim Laufen umgeknickt, passiert mir öfters, wenn ich meinen Stress mit Laufen zu vertreiben versuche...,“ meine ich leise.

 

Der Mann geht neben mir in die Hocke: „Ich bring dich zurück “ Ich schüttle den Kopf: „Schon gut, ich will gar nicht zurück...wäre nett, wenn Sie den rothaarigen Jungen, Dim heißt er, benachrichtigen könnten, der bringt mich dann Heim...“ Der junge Mann hebt die linke Augenbraune hoch. //Ein Piercing?...so eines hatte Zen auch...aber er hatte auch einen Ohrring...// „Wieso willst du nicht zurück?“

 

 

„Ich weiß nicht, wieso ich es Ihnen erzähle, aber ich...ich freu mich für das Ehepaar, aber das erinnert mich an meine große Liebe, die mich verlassen hat und nicht zurückgekommen ist, obwohl sie es versprochen hatte....“ Ich schaue zu Boden, nicht zu dem Mann, ich mache keine Anstalten das Weinen zu unterdrücken. Der junge Mann hat mich sowieso schon mit Tränen in den Augen gesehen.

 

Ich realisiere nur am Rande, dass der Mann seine Brille abnimmt: „Und was ist jetzt? Magst du jetzt den anderen Leuten Gesellschaft leisten, Rafael?“

 

Ich verstehe nicht und schaue zu ihm hoch. Erkenne den Verlauf seines Pony: mit Gel hinter die beiden Ohren ordentlich geteilt und er lächelt mich an und dann sehe ich SIE, die wunderschönsten Augen, die ich je gesehen habe. Das warme Hellgrün lächelt mich an. Meine Augen dagegen zittern, mein Gehirn arbeitet. Ich überlege, ob es denn sein kann, aber der menschliche Instinkt und die Hormone überwältigen mich noch bevor ich meine Theorie abschließe. Ich werfe mich dem jungen Mann um den Hals und falle über ihm zu Boden. „Zeeeeeennnnnnn!!!!!!!!!!!“

 

Ich weine immer noch, aber diesmal vor Glück. Ja, das ist ER wirklich. Es ist sein Geruch, seine Wärme, all das habe ich nach 5 Jahren immer noch in Erinnerung. Ich schaffe zwischen unseren Gesichten ein bisschen Entfernung, mustere ihn und die verführerischen Lippen, diese lächeln mich gelassen an. Ich neige mich vor und berühre sie mit den meinen und ja, das ist auch sein Geschmack...außer seinem Aussehen hatte sich nichts an ihm verändert...oder doch? ER erwidert meinen Kuss nicht....

 

 

„Rafael! So jage uns doch nicht so einen Schrecken ein!“ schreit mich die Braut an, dann wendet sie sich an meinen Begleiter: „Arigatou Mister Li, dass Sie ihn zurückgebracht haben.“

 

„Aber gern geschehen, so was ist doch die Aufgabe eines Bodyguards?“

 

„Bodyguard?“ frage ich überrascht nach. Der Dunkelhaarige grinst nur.

 

„Wieso nicht? Mister Li ist erfahren und verlangt nicht viel....,“ erklärt Arina, wobei ich anfange zu lachen.

 

„Das der überhaupt etwas verlangt ....“

 

„Hey, wie redest du über Mister Li, er hat dir immerhin geholfen!“

 

„Nenn ihn doch nicht Mister Li!“

 

„Was soll das heißen!“ Arina guckt fragend zwischen mir und ihm hin und her, dann ergreift der „Mister Li“ zu Wort:

„Also gut gnädige Frau, ich werde Ihnen das Geheimnis von Mister Li zeigen,“ meinte er und nahm seine Brille ab.

 

„Und?“ meint die Dame nur.

 

 „Und,“ kontert Zen irritiert.

 

„Und wo ist da das Geheimnis?“ vervollständigt Arina ihre Frage, woraufhin ich antworte.

 

„O.K., dann werde ich wohl das Geheimnis lüften müssen. Der geheimnisvolle Mister Li ist kein anderer als Zen.“ meine ich schauspielerisch.

 

Stille. Keiner von beiden sagt was. Langsam fängt Zen wieder an zu grinsen, was ich schon längst tue. Dann klatscht Arina in die Hände. „Boa!“ Sie schnappt Zen bei der Hand und zieht ihn mit sich weiter nach vorne. “Hey!” schrei ich, Arina versteht meine Aufregung nur falsch und meinte nur: „Ich entführ deinen Schatzi nur für ganz kurz!“  Na toll und während sie ihn vorne allen vorstellt und von ihrer und meiner Mutter umarmen lässt, darf  ich hier mit einem schmerzendem Fuß stehen bleiben? 

 

Ich höre ein tiefes Ausatmen neben mir. „Jetzt ist er also doch  zurück, hm?“ Ich nicke auf Dims Frage. Dieser stellt sich vor mich und verdeckt mir die Sicht, so dass ich nicht sehe, wie Zen sich mit meiner Schwester unterhält. //Und ich dachte, er würde immer noch eifersüchtig sein...wohl nicht.//

 

 „Rafael...,“ flüstert der junge Mann neben mir. Ich schaue ihn an. „..er hat dich so lange warten lassen.“  Ich drehe mich weg. „Na und, was spielt das schon für eine Rolle....er ist wieder da und das...darüber bin ich mehr als glücklich...“ Eine Träne der Freude läuft mir über die Wange. 

 

Dims Gesicht nähert sich dem Meinem, er hat sich mit den Händen an der Wand hinter mir abgestürzt. Ich  spüre seinen warmen Atem an meiner Wange und dann die weichen Lippen die der salzigen Flüssigkeit den Weg abschneiden. Ich schließe die Augen. „Rafael...die ganzen fünf Jahre hatte er dir nicht einmal eine Postkarte geschickt, nicht angerufen, nichts. In dieser Zeit war ich für dich da. Ja, ich habe gehofft, er würde dich für immer verlassen und ich konnte seine Stelle einnehmen, aber ...“

 

„Wie kannst du nur?!“ schreie ich ihn an, als  ich ihm wieder in die Augen schaue. „Dim, ich liebe ihn und ich habe dir vertraut, aber dass du hinter meinem Rücken so was denkst! Du denkst auch nur an dich!“ Ich will mich losreißen, wieder weglaufen, aber als ich seine Hände von der Wand löse und mir so einen Weg zum Weglaufen freimache, schmerzt mein Fuß und ich falle, doch er fängt mich auf. Wir verharren in der Stellung und ich höre ihn „Gomen nasai...“ flüstern. Er will weitersprechen, aber hält inne, als auch er  Schritte wahrnimmt. Da wir uns noch nicht bewegt hatten, lege ich immer noch in seinen Armen und schaue zu Boden. Zwei pechschwarze Schuhe, kommen zum Vorschein. Langsam lass ich meine Augen nach oben wandern und schaue in Zens ernstes Gesicht. 

 

„Kampaiiiiiii,“ sagte dieser plötzlich laut mit einem breiten Grinsen einen Glas Rotwein hochhebend. Dann machte er ein fragendes Gesicht: „Habt ihr ein Problem?“

 

„Äh...“ Dim übergibt mich Zens Armen und geht mit den Worten: „Sein Fuß tut weh...“ gesenkten Kopfes weg. Zen start ihm nur kurz hinterher „Was denn?“ nuschelt er. Dann dreht er sich wieder zu mir, der ich in seinen Armen bin und bietet mir das Glas Wein an. „Auch mal ein Schluck?“  fragt er wieder breit lächelnd. Ich schüttelte den  Kopf und schmunzelnd: „Wie ein Kind...“

 

Zen hilft mir zu den Tischen zu gelangen. Auf dem kurzem Weg dahin schaue ich lächelnd zu ihm hoch, doch Zen erwidert meinen Blick nicht und schaut weiter nach vorne, sein Glas Wein in der linken Hand.

Er setzt mich auf einen Stuhl und geht wortlos, um sich mit Arina zu unterhalten. Ich schaue ihm nach und frage mich, wieso der sich nicht sonderlich um mich kümmert. //Ach das bilde ich mir bestimmt ein...Arina und Lui haben eh viel mehr Beachtung verdient, immerhin ist es ihre Hochzeitsfeier...//

 

Jemand schnipselt mir vor den Augen, ich komm zu mir und schaue in das lächelnde Gesicht Luises. „Was?“ frage ich verwirrt. „Du siehst mir aber nicht besonders glücklich aus...“ Ich verstehe nicht: „Nani?“ Sie versucht zu erklären: „Na ja, ich hätte es mir anders vorgestellt, wenn du Ihn wiedersiehst!“  Ich lächele und schaue zu Zen und Arina: „Ach was, vielleicht unter anderen Umständen, aber das ist doch Arinas und Luis....“ Ich wiederhole mich, ich spüre, dass es nur eine Ausrede ist. Ich kann mich belügen, aber niemals meine Schwester, denn Luise kennt mich immer noch besser als ich mich selbst. Ich schaue wieder zu ihr hoch und erkenne an ihrem Gesicht, dass sie mir die Ausrede nicht abnimmt und auf etwas anderes wartet. Ich sage aber nichts, sondern versuche aufzustehen. Der Fuß tut immer noch weh, aber es ist auszuhalten, solange ich nicht mein ganzes Gewicht drauf verlagere. Deswegen nehme ich die angebotene Hilfe Luises auch nicht an.  Ich gehe zu  Zen und unterhalte mich mit.

 

 

Doch das Gespräch selber interessiert mich eher weniger, viel mehr will ich wissen wie Zen auf mich reagiert, er sagt aber nichts, schaut mich nicht mal an. Ich frage mich, was das denn soll. Langsam kann ich das Gespräch nicht mehr verfolgen, etwas in meiner Brust tut unangenehm weh und mir wird übel. Ich entschuldige mich und gehe weg, aber es ist nur Arina, die mir nachschaut. Zen erzählt weiter. Ich höre die Braut Zen fragen, was ich wohl habe, aber der zuckt darauf nur mit den Schultern wie ich feststelle, als ich kurz einen Blick zurückwerfe. 

 

Schon fast hüpfend erreiche ich die Eingangstür des Hauses von Arina und begebe mich hinein. Ich kenne mich hier fast wie in meiner kleiner Wohnung aus...unsere Wohnung, kann ich dazu denn „unsere“ sagen?  Er weiß ja noch nicht einmal was von, aber das wäre doch ein Gesprächsthema. Ich dreh mich mutig um, um nach draußen zu gehen halte dann aber inne.

 

Nein, würde er etwas wissen wollen, würden wir schon längst miteinander reden. Nach 5 Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, gibt es viel zu besprechen, aber es ist nicht so, dass er darüber reden will, scheint mir. Ich kenne Zen, normalerweise müsste er gleich nach dem Wiedersehen über mich herfallen, schnell nach irgendeinem Bett suchen und dann eben...er konnte sich noch nie beherrschen, niemals würde er sich für einen Bodyguard ausgeben können, ohne mitten in seiner Rolle alles zu verraten, er würde niemals warten bis nach seinem Typ gefragt wird, er würde sich sofort offenbaren....er war so ungeduldig, voller Energie, dachte oft nicht nach bevor er etwas tat...ich lächle traurig. Nein, das ist nicht Zen....nicht der, den ich kannte...diesen Zen kenne ich nicht...

 

Ich setze mich auf das rote Sofa im Wohnzimmer unter dem Fenster, lehne mich zurück und lege mein Kopf nach hinten auf die Lehne. Ich schaue eine Zeitlang zur Decke bis die Sicht wegen der aufgekommenen Tränen zu verschwimmen anfängt, dann mache ich sie zu. Schon wieder Tränen. Ich habe so oft geweint wegen ihm, dachte, es sei vorbei, wenn er wieder da ist, aber es stimmt nicht. Jetzt tut es nur noch mehr weh.....er ist so kalt und seine Augen. Ich zucke nur leicht zusammen, ja es waren seine Augen und sie lächelten, aber sie waren leer ...gefühllos. Was ist nur in den 5 Jahren geschehen...

 

Ich höre Schritte, aber ich brauche meine Augen nicht aufzumachen um zu erfahren, wer das ist. In den fünf Jahren in denen Zen weg war, habe ich mich mit Dim sehr gut befreundet und viel Zeit mit ihm verbracht und kenne nur zu gut seine Eigenschaften, wie ich jetzt mit geschlossenen Augen auch feststellen kann, dass er im Türrahmen anhielt und sich an die Tür lehnte. Ich weiß nicht wieso, aber ich erhoffe von ihm einen Trost, wobei ich mir doch eigentlich im Klaren bin, dass er der Letzte ist, der mich und Zen zusammen sehen will.

 

„Tut mir leid...“ flüstere ich leise. „Wieso?“ fragt er. „Ich hätte dich nicht anschreien sollen, denn irgendwo hattest du ja Recht. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten würde, wenn ich an deiner Stelle sein würde, aber wahrscheinlich würde ich genau so denken...“ Ich rede nicht mehr, denn ich höre Dim auf mich zukommen. Ein Geräusch neben mir und ich weiß, dass der Rothaarige sich an meine Seite gesetzt hat und mich jetzt anschaut. Oft saßen wir so zusammen, so dass ich mir jetzt bildlich vorstellen kann, wie er auf dem Sofa sitzt. Seinen rechten Ellbogen auf die Lehne gelegt und mit der zweiten Hand an seinem rechten Bein, das er angewinkelt auf das Sofa gelegt hat. Ich höre ihn einatmen, weiß, dass er jetzt reden wird: „Nein, schon gut. Es war egoistisch von mir so zu denken. Aber auch wenn es sich kitschig anhört, ich will, dass du glücklich bist, egal mit wem. Bloß...bloß bereue ich es nicht derjenige sein zu können, der dich glücklich machen würde und ich...ich hab Angst, dich Zen anzuvertrauen...ich weiß nicht wieso...“ Ich  antworte nur mit einem „mh-mh.“ 

 

Ich spüre seine Wärme näher kommen und ich weiß, dass es Dims rechte Hand ist und dass er mir gleich ein paar inzwischen kurze Haare hinters Ohr streicht, das macht er immer, wenn wir nichts mehr zu sagen haben und uns ohne Worte in der vollkommen Stille verstehen. Es tut weh, denn ich versteh langsam, dass ich Dim viel näher bin als Zen, dass ich ihn besser kenne, als den Mann, den ich eigentlich liebe, der mich aber nach den 5 Jahren ignoriert. Auch meinen Kuss hat er nicht erwidert und da half keine Ausrede mehr, er hatte sich verändert, sehr verändert....

 

„Es hat nichts zu bedeuten...“ höre ich Dim sagen. „Hm?“

„Er hat sich verändert, aber er liebt dich noch immer...“ Dim hat verstanden, worüber ich gedacht hatte. Und ich glaube seinen Worten. Ich mache die Augen auf und kuschle mich an Dims Brust, damit er mich in die Arme nehmen kann, ich will weinen, alles rauslassen bei meinem besten Freund. Ich weiß, dass es kindisch wirkt einfach so weinen zu wollen, aber ich schaffe es nicht. Die Tränen sind nicht mehr da, nur die nassen Wangen. 

 

Ich spüre wie Dim mir über den Rücken streichelt und wie er am meinem Haar schnuppert. Dann löse ich mich von ihm und schaue zu ihm hoch. Ich kann in seinen Augen sehen, dass er sich nicht mehr zurückhalten kann, dass er das diesmal auch nicht vor hat. Und ich werde nicht weglaufen, diesmal nicht, nur dieses eine Mal. Ein letztes Mal lasse ich mich von Dim küssen, ich erwidere den Kuss nicht, laufe aber nicht weg und er fordert auch nicht viel, nur einen zarten Kuss, den er für sich behalten will, für immer in seinen Erinnerungen. 

 

Wir haben unsere Augen zu und merken nicht, dass sich uns jemand nähert, erst als dieser jemand anhielt. Wir lösen uns von einander und schauen zu Zen, der vor der Türschwelle stehen geblieben ist. Eigentlich müsste ich mich erschreckt haben oder so, aber da ist nichts, kein Gefühl, vollkommene Leere. Ich sehe wie in Zens Gesicht wieder Gefühle zurückkehren. Wie seine Augen zittern und er uns überrascht anschaut. Er macht seinen Mund auf, dann schließt er ihn aber und lächelt. Ich weiß nicht wieso, aber er lächelt wirklich und seine Augen sind wieder leer. „Wir wollten mal zum See hinter dem Haus gehen, ist nur  ca. 50 Meter entfernt, wollt ihr mitkommen, oder wärt ihr lieber alleine?“ 

 

Er denkt, dass Dim und ich..? Aber das stimmt nicht, ich ...? Er denkt, ich hätte ihn vergessen und was ist mit dem Kuss von vorhin...? Meine Gedanken gehen nicht zu Ende und ich mache keine einzige Andeutung etwas sagen zu wollen. Mein Inneres ist wie gestorben, nichts mehr ist drin, nicht mal Tränen. Und alles was ich denke oder normalerweise fühlen müsste, ist nicht da. „Sein Fuß tut doch weh....“ meint Dim. Zen nickt : „Dann werde ich den anderen sagen, ihr wollt bleiben, ja?“

 

Ich verfolge ohne jegliche Reaktionen, wie Dim plötzlich aufsteht und einen Theater wie ein Kind macht. Man stelle sich vor, wie ein 22jährige aufsteht und dann beleidigt meint, dass sei unfair, er wolle auch mitgehen und nicht den Babysitter spielen. Normalerweise würde ich hier lachen, aber wie gesagt, es war nicht drin - keine Reaktion. Zen meinte ich könne ja auch alleine bleiben, aber auch das verpasste mir nicht den erwarteten Schlag, jedenfalls fühlte ich das nicht. Und dann redete Dim voll den Unsinn, damit ich bloß nicht allein gelassen wurde und am besten Zen bleiben sollte. Ich weiß, dass er das alles absichtlich macht und sich deswegen so aufführt, aber Zen scheint ja nichts davon zu ahnen. Irgendwann willigt er doch ein und sofort läuft Dim an ihm vorbei. Ich schaue ihm nach und merke wie er mir zuzwinkert. Ich  tue auch nichts, als Zen sich neben mir setzt.

 

„Magst du dich vielleicht hinlegen?“ fragt Zen abwesend, während er mit den Blumen in der  Vase am Tisch neben dem Sofa spielt. Ich schüttle den Kopf, aber irgendwann muss ich anfangen wieder zu reden, wozu Dims Blamage: „Ich will nach Hause, aber da kannst du mir auch nicht helfen...“ Zen wechselt das Thema: „Bist du mit dem Jungen zusammen?“ Ich wundere mich über seine Art zu reden, so, als ob er mich gar nicht kennt und auch Dim nicht. Ich weiß, dass wenn ich jetzt meinen Mund aufmache, meine Stimme anfängt zu zittern, denn beim Gedanken, dass Zen mich nicht kennt, wird mir übel, denn erst vor kurzem hatte ich den Gedanken ihn nicht zu kennen. So schüttelte ich auf seine Frage nur wieder mit dem Kopf.

 

Schon wieder lässt Zen dass Thema beiseite. Er lehnt sich zurück und schaut zu der gegenüberliegenden Wand auf das Gemälde und dann doch wieder nicht, denn sein Blick ist unkonzentriert, das sehe ich auch aus dem Augenwinkel. „Das Heim ist nicht weg, ich könnte dich hinbringen.“ Ich schmunzele beleidigt. „Glaubst du wirklich, dass ich mit 21 immer noch in dem Heim leben würde?“ Er zuckt mit den Schultern. Ich bin dem Ausrasten nah, weiß aber nicht wieso, also erzähle ich, hoffe auf einen Gespräch: „Ich miete eine Wohnung...“ Er sagt nichts, also rede ich weiter: „...Ich arbeite an mehreren Stellen und mach eine Ausbildung, daher das Geld für die Wohnung....es ist viel Stress...aber sie ist sowieso zu groß für mich.“ Er stellt keine Fragen, so tue ich das selbst und komme mir beinah lächerlich vor:

„Wieso das alles? Weil ich gehofft habe, dass, wenn du zurückkommst, du in diese Wohnung einziehen würdest...ABER DU IGNORIERST MICH JA, ALS OB DU MICH GAR NICHT KENNEN WÜRDEST!!!“ Den letzten Satz schrie ich, während ich aufstand und zu meinem Freund guckte, der schaut mich nur wegen der Veränderung der Laune überrascht an.

 

Im letzen Moment finde ich mich auf dem Boden kniend wieder. Es war nicht nur der verletze Fuß der den Sturz verursachachte, sondern auch die Schwäche, die mich plötzlich überkam und da waren sie wieder die Tränen. Ich kam mir erbärmlich vor und versteckte mein  Gesicht, aber jetzt, wo es nicht mehr willkommen war, hörte das Weinen nicht mehr auf. 

 

„Es steht dir...“ höre ich Zen leise sagen und schaue fragend zu ihm hoch, wegen der verschwommenen Sicht realisiere ich kaum, wie Zen aufsteht und abermals neben mir in die Hocke geht. Er streichelt mir eine Strähne weg. „Die kurzen Haare meine ich...“ Noch bevor ich weiß, was ich sage, meine ich: „Danke, hat Dim gemacht.“ Ich ohrfeige mich innerlich, aber zu meiner Überraschung ignoriert Zen auch diese Anmerkung. Nein, der ist wirklich anders....

 

„Wo ist denn die Wohnung?“ fragt er und ich will wissen, welche Wohnung er den meint, ich weiß, dass er weiß,  dass ich weiß, welche Wohnung er  meint, aber er weiß auch, was ich hören will. „UNSERE Wohnung!“ Ich lächele und sage ihm, die Wohnung ist  hinter dem See, zu dem die anderen gegangen sind, man muss weiter durch den großen Park. Er nickt und bevor ich was dagegen tun kann, hebt er mich hoch und trägt mich aus dem Haus.

 

Die Eltern sehen wir im Garten, die waren wohl geblieben. Sie winken uns zu. Zen sagt ihnen schnell bescheid, dass er mich nach Haus bringen würde und schon sind wir außerhalb des Veens Gebietes. „Zen willst du mich den ganzen Weg tragen?“ frage ich eigentlich noch unsicher. Daraufhin presst er mich noch mehr an sich und deutet mit dem Kopf auf ein Motorrad. „Das ist aber Dims?“ meine ich. Er sagt nichts.

 

Schließlich sitze ich hinten auf dem Motorrad und dann holt der Dunkelhaarige Dims Schlüssel aus seiner Tasche und zeigt ihn mir vor. „Woher...?“  Er grinst: „Du warst so abwesend, dass du’s nicht gemerkt hast, was?“  Ich versteh nicht. Dann setzt sich mein Freund vorne auf die Maschine und startet diese. „Er ist wirklich ein guter Freund, Rafael!“ Das Fahrzeug fängt an zu brummen. Und wir fahren los durch die Straßen.

 

Dann durch den Weg auf dem grünen Feld, wo „Mister Li“ mich vorhin gefunden hat. Starker Wind weht in die gleiche Richtung, in die wir fahren, als ob er uns zeigen will, dass wir uns beeilen sollen. Und da an der Seite ist auch der See und unsere glücklich verheirateten, die 16jährige Luise, Dim und noch ein paar andere Gäste. Sie drehen sich zu uns, als sie das Geräusch des Fahrzeugs wahrnehmen. Ich winke denen wie ein kleines Kind glücklich zu, Luise macht es mir gleich, allerdings fliegt im nächsten Moment ihr weißer Strohhut weg und die ganze Aufmerksamkeit ist dann auf die fliegende Kopfbedeckung gerichtet. Alle versuchen diese wieder aufzufangen, nur Zen und ich sorgen uns nicht darum, sondern fahren weiter.

 

Schließlich erreichen wir die Wohnung. Zen lässt das Motorrad unten stehen. Nur ein Glück, dass wir im ersten Stock leben, da muss mich Zen nicht wieder hocheben, und ich schaffe es selbst bis zur Eingangstür zu hüpfen. Aber schön wär’s!  Da mache ich die Tür auf und schon spüre ich keinen Boden unter den Füßen und fühle mich wie die Braut, die über die Türschwelle getragen wird, was  mir zwar seltsam vorkommt, aber ein gewisses Glücksgefühl verursacht.

 

Er setzt mich auf das Doppelbett, ich rechne damit, dass er sich die Wohnung anschaut, aber er ist doch zu unberechenbar. Er setzt sich mit Füßen auf das Bett und schaut mich  an: „Also...“

 

„Was?“

 

„Du willst doch reden, nicht?“ Das weiß ich nicht und das sage ich auch und leg mich in voller Länge auf das Bett, schaue zuerst zu der Decke, dann zu Zen: „Ich glaub, ich will lieber zuhören...erzähl!“

 

„Na ja, ich war...“ Ich unterbreche ihn und wundere mich selber über meine Courrage ihm solche Fragen zu stellen: „Nein, ich will wissen, wieso du mich ignoriert hast, mit mir nicht richtig reden wolltest, nicht ein mal meinen Kuss erwidert hast und...“ Er legt einen Finger auf meine Lippen, nachdem er immer noch im Schneidersitz an mich rangerückt war. „Lass mich doch erst mal ausreden, Schatz...“ Ich beruhige mich, wenn er mich so nennt, muss er mich doch immer noch lieben...oder?

 

„In China hat mir der Lehrer einiges beigebracht an Kraft und so. Aber er sagte immer, ich sei unkonzertiert und dass meine Gedanken stets woanders waren ...“ Er streichelt mir durch das Haar und lächelt sanft. „Und wahrlich habe ich immer an was anderes Gedacht... Ich habe immer an DICH gedacht, wollte so schnell wie möglich die Leere in mir vertreiben und zu dir zurückkehren...“ Ich erwidere sein Lächeln und er spricht weiter. „Mein Lehrer wollte mich dich vergessen lassen...ja...ja, ich wollte es ja auch nicht, aber wollte ich mehr Ki haben, musste ich das tun. Zwei  Jahre habe ich allein dafür gebraucht, dich aus meinen Gedanken zu vertreiben...du kannst dir gar nicht denken, wir schwer es mir viel...“

 

Seine Stimme ist rau und unterdrückt, er wird doch nicht, aber bevor ich schauen kann, ob Zen nun weint oder ich es mir eingebildet habe, steht er auf und geht zum Fenster an einer anderen Wand, lehnt seine Stirn dagegen. „Ich hab gelernt mich zu beherrschen, meine Gefühle zu unterdrücken und mich zu verstellen ....ich hab gelernt leer zu sein....meine Gedanken und alles andere zu zügeln....nur so konnte ich mein Ki ausüben...nur so konnte ich das Schwert so leuchten lassen, wie in deinen Händen...nur so konnte ich mein Ziel erreichen um danach zu dir zu kommen....und ich hab’s geschafft...“

 

Ich richte mich auf und im Schneidersitz sitzend beobachte ich ihn. Er greift in die Hosentasche und lässt seine Faust wieder zum Vorschein kommen. Streckt den Arm weiter zur Seite und macht die Hand auf. Ein Lichtstrahl erscheint und wird zu dem heiligen Schwert in seinen Händen und das Licht von diesem ist wahrlich stark und blendet mich sogar, so dass ich außer dem Schwert selbst gar nichts sehen kann. „Aber um welchen Preis.....“ höre ich Zen sagen.

 

Ich wundere mich, soll jetzt noch etwas viel Schlimmeres kommen, als dass er mich vergessen musste, aber Gott sei dank ist es nicht der Fall. Er lässt das Schwert sich wieder zu einem kleinen roten Stein verwandeln und versteckt es in seiner Hosentasche. Dann dreht er sich zu mir um. Ich sehe immer noch bunte Flecken vor meinen Augen und kann sein Gesichtausdruck noch nicht erkennen. „Gott, Rafael, hätte ich nicht gelernt meine Gefühle zu kontrollieren, würde ich über dich herfallen, als ich dich reingehen sah.....“  Ich schmunzele und da sehe ich auch sein Grinsen über beide Ohren und durchsichtige Tränen, die sich ihren Weg nach unten bahnen.

 

Im nächsten Augenblick ist er auch bei mir und umarmt mich fest. Ich erwidere die Umarmung und verstecke mein Gesicht in seiner Halsbeuge, auch ich muss jetzt weinen. Aber nach so langer Zeit sind es die wirklichen Tränen der Freude, die mir über die Wangen laufen.

 

Salzig schmecken sie, von Tränen befeuchtete Lippen, die sich berühren. Ein zarter Kuss der immer wilder wird.

Endlich sind sie wieder beieinander, zwei ausgewählte Seelen, die nacheinander riefen, nacheinander griffen und sich nun endlich erreicht haben. Nie mehr gehen wir auseinander oder lassen uns trennen. Nicht mal der Tod wird uns scheiden, da die Seelen der Ausgewählten unsterblich sind...

 

*Ende*

 

Rafael

 

Rafael ist ja so ne Heulsuse ^ ^“

 

Tja, und das hier ist doch tatsächlich das Ende ^.^

Wie hat’s euch denn so gefallen -^_^-

 

Lona

 

Lonasan@web.de

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

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