Von

 

 

Titel: Rafael

Teil: 7

Autor: Lona

Email: Lonasan@web.de

Genre: Reale Welt, Japan, Übersinnlich, Horror

Bewertung: ab 10

Warnung: Sap(?)

Inhalt: Rafael ist ein Kind, das durch eine Vergewaltigung zu Welt kam. Er

Wird aus seine Familie verstoßen, weil in ihm das Blut eines Dämonen schlummert. Zuerst ist er ziemlich niedergeschlagen, aber dann merkt er, dass er erst jetzt anfängt richtig zu Leben....

 

 

Teil7

Der süße Schmerz

 

Ich saß in der Ecke unter dem Waschbecken auf dem kalten Boden. Die Sonne schickte ihre Sonnenstrahlen zu mir rüber, doch diese prallten an dem Spiegel über den Waschbecken ab, sie brachen und ihr Licht landete auf dem Boden vor der gegenüberliegenden Wand. Ich saß weder im Schatten noch im Licht. Die einen Tränen liefen meine Wangen hinab und tropften vom Kinn hinunter, die anderen hielten sich an den Seiten der Nase und stoppten bei meinen Lippen, wartend auf die nächsten Tränen, die sie weiterschubsen würden. Mein Mund war leicht geöffnet, ich schmeckte Salz. Meine Gedanken waren wie betäubt, immer wieder schoss mir ein und derselbe durch den Kopf und wenn er mein Bewusstsein erreichte, machte ich meinen Mund auf und flüsterte ihn  leise.

 

„Sie waren nicht gekommen, warum waren sie nicht gekommen?“

 

Die Sonne bewegte sich weiter, das Sonnenlicht war bereits bei der Wand. Ich verlor mein Zeitgefühl, nicht nur das, ich wusste nicht mehr, wo ich war, vergaß, was passiert war und dachte nicht einmal daran, was der Gedanke, der mich immer wieder besuchte zu bedeuten hatte. Ich flüsterte die Worte vor mich hin, ohne über sie nachzudenken. Mein Verstand war inzwischen völlig ausgeschaltet. Ich spürte meinen Körper nicht mehr, nur den Schmerz, der diesen erfüllte und doch war ich leer, als ob es mich nicht gäbe.

 

Ich saß nur da, so wie Dim mich zurückgelassen hatte, meine Hose und Unterwäsche hatte ich nicht wieder angezogen und überlegte nicht, wie ich da stehen würde, wenn jemand reinkommen würde, da ich in diesem Zustand gar nicht überlegen konnte. Und wer sollte schon hier reingehen, nein, auf diese Toilette geht selten einer, deswegen war Dim auch hier mit Lui....

 

 

Ein Geräusch drang in die Toilette und prallte an den kalten Wänden ab, eine sich öffnende Tür. Dann hörte ich Schritte und schließlich erläutete eine Stimme : „Hey, Klei...“ sie brach ab. Jemand kam um die Ecke und stand nun genau im Licht. Er schaute mich geschockt an. Er war erstarrt, dann lief er zu mir hin, doch ich nahm ihn nicht wahr.

 

Starke Hände nahmen mich an den Schultern, der Junge fragte mich etwas, doch seine Stimmer erreichte meinen Verstand nicht. Nur die Kraft in seinen Händen drang als Schmerz in mich hinein, ich riss mich los oder versuchte es wenigstens, schrie hysterisch vor mich hin: „Nein, nicht, sie werden nicht kommen...Nein...lass mich ...Ich will nicht...sie kommen mir nicht zu Hilfe...hör auf!!!“ Ich wehrte mich krampfhaft gegen den Griff des Jungen. „Sie waren nicht gekommen...sie werden nicht kommen...bitte nicht,“  flüsterte ich hilflos.

 

„Rafael! Ich bin’s doch!! Hey! Komm zu dir!“ Seine Stimme drang nun doch zur mir. Langsam hob ich meinen Blick zur dem Jungen, doch wegen der vielen Tränen war alles vor mir verschwommen. Ich nahm nur die Farben wahr. Das mir so vertraute, schwarze Haar und die wunderschönen, grünen Augen. Ich hörte die von mir so gemochte Stimme. „Rafael?“ Sie klang besorgt. Ich hauchte zu dem Jungen „Zen?...Warum...warum waren  sie nicht gekommen....?“ „Wovon redest du, wer war nicht gekommen?“ Die Antwort auf dieser Frage kam von alleine, ohne dass ich es kontrollieren konnte. „Die schwarzen Flügeln.....sie waren nicht da um mir zu helfen.“ 

 

Meine Augen gingen wieder zu. „Was?“ Zen schaute mich verständnislos an. „Oh Gott, du redest im Wahn! Wer...Welches Schwein hat dir das angetan!!??“ Ich spürte noch wie er mich fest an sich drückte, in seinen Armen füllte ich mich sicher. „Es tut mir Leid,“ flüsterte Zen bitter. Mein Verstand kam wieder zu sich, aber ich wünschte mir er hätte es nicht getan, denn plötzlich kamen all die Erringrungen. Ich fühlte, nahm wieder den Schmerz wahr. Etwas in mir explodierte und ich fiel in Ohnmacht.....

 

 

 Die kühle Dunkelheit der Nacht umgibt mich, doch sie macht mir keine Angst, denn vor mir sehe ich Licht. Ich nähere mich diesem und beobachte, wie es groß wird, dann erkenne ich wer das Licht darstellt.  Eine junge Frau schwebt  vor mir. Sie  lächelt mich an, ihre schwarzen Locken werden vom Wind berührt und hochgehoben. Die hellblauen, fast weißen Augen blicken mich freundlich an. Das weiße Ballkleid lässt sie wie eine Prinzessin wirken. Ihre Schönheit verzaubert mich. Ich hebe meine Hand hoch, um die ihre, die sie mir entgegenstreckt zu berühren. Etwas hinter ihrem Rücken bewegt sich. Ich halte den Atem an und atme dann erleichtert aus, als sich ihre Flügel zeigen. Engelsflügel, weiß wie der Schnee, der noch nicht von den Fußspuren der Menschheit berührt wurde, wie die Wolken, die noch nicht genug Feuchtigkeit haben, um diese als Regen freizulassen, wie die Seele eines Kindes, die noch nicht von den Sünden beschmutzt wurde. So unglaublich rein, dass sie leuchten. Das Licht fällt auf ihre Locken und verleiht diesen einen silbernen Glanz. Die vollen Flügeln verzaubern mich. Wunderschön..... Doch der Zauber bricht, als sich mehrere Federn plötzlich lösen und zu Boden vor meinen Füßen fallen, wo ihr Licht erlischt und sie verblassen. Immer mehr Federn fallen tanzend zu Boden, um dort ihre Schönheit zu verlieren. Langsam senke ich meine Hand wieder und  blickte wieder zur dem gerade eben so schönem Engeln. Das wunderschöne weiße Ballkleid verschwindet, nun hat sie ein schwarzes Abendkleid an, das runterhängt. Ich beobachte, wie ihre Locken langsam verschwinden und zu glatten Haaren werden. Ihr Lächeln verschwindet und der Blick verfinstert sich, die Augen werden immer trüber und gleichzeitig dunkler, bis ihre Farbe braun wird, was eher wie ein Rotschwarz wirkt. Und dann färben sich ihre, inzwischen nicht mehr so vollen, Flügel schwarz. Das helle Licht um sie herum verschwindet und es wird wieder dunkel. Ich mache einen Schritt zurück, da ich mich vor diesem schwarzen Engel fürchte. Dann erblicke ich, wie sich etwas hinter dem Engel bewegt. Ein roter Mantel kommt zum Vorschein, ich erkenne wieder die Flügel eines Timorus. Dieser legt von hinten seine knochigen Hände an die Wangen des Engels. Dieser zuckt bei der kalten Berührung, lächelt zuerst traurig und dann zufrieden. Die Beiden Geschöpfe der Dunkelheit ziehen sich zurück und lassen mich stehen, dann erblicke ich einen Jungen vor mir. Er steht schon die ganze Zeit vor mir und beobachtete das Geschehen, nur von der anderen Seite, dann senkt er seinen Kopf und ich erkenne Dim wieder. Wie er mich angrinst...

 

Meine Augenglieder hoben sich schnell, obwohl die mir so schwer vorkamen. Die Kühle Luft neckte die Haut in meinem Gesicht, den Rest des Körpers bewahrte die warme Bettdecke vor der Kälte. Schweißperlen bildeten sich nun auf meinem Gesicht. Ich lag auf dem Rücken und blickte zur weißen Decke. Die Angst erfüllte meinen Körper. Nach der Finsternis in meinem Traum schien alles um mich weiß zu sein und außerdem roch es nach Medikamenten, war ich etwa in einem Krankenhaus?

 

Es fiel mir schwer meinen Kopf oder meine Glieder zur bewegen, aber ich tat es trotz des Schmerzes. Zuerst fiel mein Blick zum Fenster, zwar war es in dem Zimmer hell, aber das Licht kam von den starken Lampen oben, denn draußen herrschte völlige Dunkelheit. Dann erblickte ich Zen, der neben mir auf dem Stuhl saß und eingenickt war. Ich versuchte die Erinnerungen an das Geschehene zur verdrängen, doch es fiel mir schwer. Ich versuchte mich leise aufzurichten, um im Sitzen die Gedanken zu ordnen. Als ich mich aufsetzte, durchdrang mich plötzlich Schmerz, es war nur ein kurzer Augenblick, doch es ließ mich mit einem unkontrollierten Schmerzensschrei zurückfallen.

 

Schon war Zen wieder wach und blickte besorgt zur mir. „Du bist aufgewacht,“ sagte er mit einer Mischung aus Erleichterung und Freude, doch seine Augen waren sehr traurig. Ich versuchte abermals mich aufzurichten, aber Zen ließ es nicht zu und drückte mich zurück in das weiche Kissen. „Versuch nicht aufzustehen, du wirst dir weh tun.“ Ich befolgte seinen Rat. Zen fragte mich vorsichtig: „Wie geht’s dir denn?“  Ich schüttelte den Kopf. „Nicht gut...,“ sagte ich bitter und beobachtete wie Zen drauf reagierte. Er zuckte zusammen und schaute dann düster zur mir. Wir schwiegen einander an, dann fragte ich, wo wir seien. „Das ist das Krankenzimmer des Heims. Ich wollte dich eigentlich auf unser Zimmer bringen, aber sie haben es mir nicht erlaubt.“

 

Ich hob meine Hand und schaute mir das verbundene Handgelenk an. „Hast du mich verbunden?“ Mit einem traurigen Lächeln antwortete er: „Ja, ich wollte nicht, dass dich jemand außer mir berührt.“ Ich schaute ihn verständnislos an, dann sagte ich ebenfalls mit einem Lächeln: „Danke...“

 

„Wofür denn,“ fragte Zen vorwurfsvoll. „Na, dass du gekommen bist...“ Er ließ mich nicht aussprechen. „Nein, ich hätte früher kommen können, dann hätte ich es verhindern können. Rafael, ich bin dir eine Entschuldigung schuldig! Es tut mir Leid! Kannst du mir meinen Fehler jemals verzeihen!?“ Ich verstand nicht. „Wieso...du kannst doch nichts dafür...“ „Doch ich hätte...“ „Mit mir aufs Klo gehen,“ grinste ich, um meinen Freund zu beruhigen, doch er erwiderte das nicht mit einem Lächeln sondern mir einem entschuldigenden Blick.

 

Ich sah Zens verkrampfte Fäuste auf seinen Oberschenkeln und wie er sich vor Wut auf die Unterlippe biss. Er verursachte sich Schmerzen, aber wieso tat er das, wieso war er auf SICH SELBST sauer, er hatte doch gar nichts getan. Es tat weh ihn so zu sehen. Zen war so sehr in seinen Gedanken versunken, dass er nicht mehr wahrnahm, dass ich mich doch noch aufgerichtet hatte. Ich achtete nicht mehr auf meine Schmerzen und legte meine Hand auf seine Faust.

 

Zen reagierte mit einer schnellen Kopfbewegung, er schaute zu mir hoch. Ich merkte, dass mir die Worte fehlten. Was sollte ich schon sagen, sollte ich lügen und sagen, es ginge mir gut oder was? Ich wusste es nicht. „Bitte tue dir nicht weh, ich kann dich so nicht sehen...,“ bat ich. „Aber ich bin doch Schuld, dass du so leiden musst...,“ sagte er entschuldigend, worauf ich den Kopf schüttelte „Du bist überhaupt nicht Schuld, du...“ //Gott, ich kann schon wieder nichts sagen.//

 

Plötzlich fühlte ich mich verloren, Zen fand immer Worte um mich zu trösten, aber ich konnte ihm nicht helfen. „Tut mir Leid! Du hast mir immer helfen können, aber ich. ..ich..“ //Gott, jetzt entschuldigen wir uns gegenseitig, wie albern!!!// Eine innere Stimme machte sich vorwurfsvoll über mich und meine Lage lustig.

 

„Doch,“ hörte ich ihn sagen und schaute in das Grün seiner Augen. Sein Blick war in diesem Moment fest und entschlossen. „Hilf mir, das wieder gut zu machen.“ Ich legte meinen Kopf schief, ohne zu verstehen. „Sag mir, wer dir das angetan hat! Ich kann dir den Schmerz zwar nicht nehmen, aber ich werde wenigstens verhindern, dass er das noch mal tut!!“ //Noch mal?// Angst zeigte sich in meinen Augen. Ich schüttelte den Kopf, ich wollte nicht sagen, wer das war, es gab so viele Gründe, wieso ich das nicht sagen wollte.

 

Zen packte mich abermals an der Schulter. „Bitte, Rafael, er wird nicht locker lassen. Nicht bevor ihn jemand aufhält! Wer war das! Rafael, bitte!“ „Nein, er wird es nicht noch mal tun...,“ sagte ich zu mir selbst. „Doch,“ schrie Zen böse. „Woher willst du es denn wissen,“ schrie ich zurück.

 

„Du hast recht ...ich kann es nicht wissen, ich hatte so was nicht...“ „Und dann sagst du, er wird ....“ „Nicht aufhören bevor ihn jemand aufhält,“ unterbrach er mich. „Ich...ich weiß es, weil...“ Er brach schluchzend ab und war nicht mehr in der Lage zu sprechen, Tränen liefen ihm über die Wangen. „Zen?“ Ich war verunsichert, auf irgendeiner Weise hatte ich ihn verletzt. //Hab ich etwa schmerzhaften Erinnerungen ihn ihm geweckt, aber welche...nein, ich will es lieber nicht wissen!// „Ich war damals sechs, als meinem großen Bruder das wiederfahren ist... Sein Peiniger hat es immer wieder getan, bevor mein Bruder sich nicht endlich getraut hatte es unseren Pflegeeltern zu erzählen und ihn vor Gericht zu stellen.“ //Sein Bruder? Pflegeeltern?// Fragen ohne Antworten schossen mir durch den Kopf, doch diese wurde gleich vergessen, als Zen schnell seine Rede beendete: „Aber für meinen Bruder war es zu spät, er ist an Aids gestorben....er war damals 14,“ fügte er noch bitter hinzu.

 

Mein Herz machte einen Sprung und fing an schnell zu schlagen, das unangenehme Gefühl der Angst machte sich in mir breit, mir schien als würde gleich alles aus mir heraus kommen. „Aids?“ Unbewusste dachte ich laut: „Aber, wenn ich...ich...“ Doch so richtig konnte ich keine Gedanken zusammensetzen. Alle meine Muskeln verkrampften sich, Kälte füllte meinen Körper und ich fing an zu zittern. Tränen der Angst zeigten sich in meinen Augen...“Nein, das darf nicht sein... er...er hat mir so weh getan.“ Erinnerung brachten mich nur dazu noch mehr zu weinen. „Und wenn...wenn er Aids hat, dann...“

 

Hilflos hörte Zen meinem fast unverständlichen Gerede zu, er sah, wie ich zitterte. Alles, was er tun konnte, war mir die Wärme zu geben, die ich in diesem Moment wirklich brauchte. Er stand sehr schnell auf, um sich neben mich auf das Bett zu setzen und meinen zusammengekrampften Körper zur sich zu ziehen und mich fest an sich zu drücken.

„Schon gut, Rafael.“ „Gut? Was ist denn daran gut!!!“ Zens Wärme war zwar angenehm, aber sie beruhigte mich nicht. „Er...er raucht und wer weiß, was er sonst so tut... er.. er hatte bestimmt Aids! Zen! Ich hab Angst... ich...ich will nicht sterben!!!“ Mein Schluchzen ließ mich kaum reden, ich krallte mich an Zens Hemd und versuchte, obwohl es unmöglich schien, noch näher an ihn heranzurücken.

 

Dieser fing an mich zu wiegen. „Tsch....es ist gut, wer auch immer dieser Kerl war, er hatte kein Aids,“ sagte der Dunkelhaarige mit einer festen Stimme, die mich für diesen Moment ihm glauben ließ. Ich atmete tief ein, um mich wenigstens ein bisschen zu beruhigen, dann blickte ich zu ihm hoch. „Wie willst du das wissen, er...“ „Der HIV-Test ist negativ,“ hörte ich seine Erklärung. //Test?!?.. Negativ!!??// „Aber wie?“

  

„Das ist doch unwichtig. Hauptsache du bist nicht krank,“ lächelte er traurig. Ich weiß nicht, zum wievielten mal ich mich bereits entschuldigte: „Tut mir Leid, jetzt erzählst du mir von deinem Bruder und ich heule los und denke nur an mich, obwohl ich gar nicht...“ Ich kam nicht weiter, als Zen mich mit sanfter Gewalt von sich schob.

 

„Rafael...“ Der dunkelhaarige Junge sprach sanft meinen Namen aus. Er legte seine Hand an meine Wange und strich mir die Haare hinters Ohr, ließ seine Hand aber dort, als er sich meinem Gesicht näherte und flüsterte: „Es tut weh mich an ihn zu erinnern, aber damals war ich erst sechs, meinen Bruder kannte ich nur zwei Jahre.“ //Wie geht das denn,// war die alberne Frage, die ich mir aber verkniff, als ich den Ernst in den grünen Augen sah. „Weißt du, Zeit heilt alle Wunden, es bleiben die Narben, doch sie tun nicht mehr weh. Aber je größer die Wunde ist, desto größer muss der Zeitraum sein, damit diese sich schließt und das Geschehene vergessen wird. Über zehn Jahre sind seitdem vergangen, aber wenn ich mich an meine Narbe erinnere, fängt sie an weh zu tun. Und das, obwohl es nicht mal mir passiert ist, aber bei dir... ich will verhindern, dass du...soviel Leid in einem so großen Zeitraum...“ Ich unterbrach Zen: „Dim,“ meinte ich knapp.

 

Zen verstand zuerst nicht, worauf ich hinaus wollte, doch als er dies tat, richtete er sich abrupt auf: „Was? Er ...? Dieser.... Penner...!!!?? Den mach ich kalt!!“ Mit diesen Worten lief er los. Ich wollte ihn am Handgelenk packen und ihn aufhalten, doch ich war zur spät, verfehlte seine Hand und fiel vom Bett runter. Zen kriegte es jedoch nicht mit, da er in Wut verfallen war. Trotz des Schmerzes bemühte ich mich aufzustehen. Mit Mühe folgte ich Zen, der die Treppe hochgelaufen war zu Dims Zimmer. Ich fing an zu fluchen, die Treppe hochzugehen wäre zu schmerzhaft.

 

Himmel sei Dank schien Dim nicht da zu sein, denn Zen lief wieder runter. Da das Krankenzimmer unter der Treppe war, sah er nicht, dass ich bereits aufgestanden war. Er lief hinaus und ich blieb hinter der Wand stehen, denn ich nahm Dims Stimme war. Ich blickte raus und sah drei Personen.

 

Der rothaarige Junge unterhielt sich gerade mit seiner Cousine, die ihn wohl besuchen kam. Das Mädchen saß auf der Bank vor der Allee und Dim stand neben ihr unter der Laterne, die die beiden beleuchtete.

 

In diesem Moment erinnerte ich mich, wo ich Julia schon mal gesehen hatte, aber damals hielt ich sie für Dims Freundin, denn die beiden haben sich hier leidenschaftlich geküsst. Ich kam mit meinen Überlegungen nicht weiter, den Zens laute Stimme, wie er Dims Namen rief, unterbrach den Gedankenlauf. Ich konzentrierte mich wieder auf die Geschehnisse vor mir.

 

Zen bewegte sich mit schnellen Schritten auf den rothaarigen Jungen zu und schlug ihm ohne jegliche Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht, so stark, dass Dim auf die Bank hinter ihm fiel. Der Schrei des Mädchen erklang: „Schatz!?“ //Schatz? Was zum Teufel soll das!//  Auch Zen kriegte das seltsame Verhalten zwischen Dim und seiner „Cousine“ mit , doch er schien es zu verstehen, denn sein böser Blick verfinsterte sich noch mehr.

 

Er packte Dim am Kragen und zog ihn zur sich hoch. „Du perverses Schwein, ich konnte dich noch nie ausstehen!“ Zur meiner Überraschung grinste Dim: „Er hat’s also erzählt....Ist wohl tapferer als der kleine Lui.“ „Lui ,hast du ihn etwa auch? Du wirst niemals fähig sein, so was noch mal zu tun!“ Zens Stimme war bedrohlich leise, als er das sagte. „Na und, wer will verhindern, dass ich...“ Dim brach ab, denn Zen hatte ihm sein Knie zwischen die Beinen gerammt. //Oh Gott!// Dim spuckte Speichel und fiel mit offenem Mund und schmerzverzerrtem Gesicht zur Boden. Julia kniete neben ihrem „Schatz“ und schaute ihn besorgt an. „Ich werde es verhindern, indem ich einfach alles, was du DAFÜR brauchst, ´abtöte ´ !!!“ sagte Zen, den rothaarigen Jungen von oben anguckend. //Oh Gott, seine Drohung klingt so ernst!//  Jetzt meldete sich Julia wieder: „Du brutales Arschloch, was soll das? Er hat dir doch nichts...“ Auch sie ließ Zen nicht aussprechen, sondern gab ihr eine Ohrfeige. //Wieso schlägt er sie denn jetzt, wieso ist er plötzlich so brutal,// fragte ich mich, ohne meine Augen abzuwenden. „Du kleine Schlampe, solltest dich hier besser nicht einmischen, sonst werde ich dir deine Visage so verdrehen, dass du nicht mehr mit deinem Aussehen Jungs aufreißen kannst, so dass dich alle fürchten.“ Das orangehaarige Mädchen erschrak und hielt nun ihren Mund.

 

Dim kam langsam zur sich, er wischte mit dem Handrücken den Speichel weg und warf Zen einen bösen Blick zu. Er machte seinen Mund auf, um etwas zu sagen, doch statt Wörter kam aus seinem Mund ein Schrei, denn Zen hatte sein Gewicht auf das Bein verlagert, dessen Fuß er genau auf Dims Glied stellte.

 

Er kniete sich zu ihm rüber und flüsterte ihm dann drohend etwas ins Ohr. Etwas, was ich jedoch ebenfalls verstanden hatte, obwohl ich von ihnen entfernt stand. „Wenn du noch einmal nur einen Finger an MEINEN Rafael legst, töte ich dich, ist das klar?“ Dim konnte in seiner Lage nichts anderes tun als nicken. Zen richtet sich auf. „Dann sind wir uns einig!“

 

Der dunkelhaarige Junge drehte sich zur Tür und erblickte mich, da ich so von seinem Einsatz an Gewalt gebannt worden war, so dass ich mich nicht rechtzeitig verstecken konnte. Wir blickten uns erschrocken an. Dann machte ich einen Schritt zurück und in diesen Moment war Zen auch schon losgelaufen, um mit mir zur reden. Dim und Julia, die auf dem Gras knieten, waren vergessen.

 

 

Ich setze mich auf das Krankenbett. In diesem Moment war Zen auch schon reingegangen und machte die Tür hinter sich zu. Ich schaute zur Boden und spürte gleichzeitig, wie sich Zens Blick in mich hineinbohrte. Er blieb an der Wand gelehnt stehen und sagte dann zur mir, es täte ihm leid, dass ich ihn so gesehen habe. Ohne meine Augen vom Boden abzuwenden, fragte ich: „Und sie...warum hast du das Mädchen geschlagen?“

 

Nun entfernte er sich von der Wand und ging auf mich zu, er setzte sich neben mich auf das Bett und redete ohne mich anzuschauen weiter: „Die beiden sind ein perfektes Paar, sie wollen nur ihren Spaß!“ „Was meinst du damit?“ Ich schaute nun wieder zur Zen. „Was soll ich schon damit meinen? Diese Julia wollte dich doch nur im Bett haben und Dim auch. Ich wette die beiden treiben es auch miteinander wie verrückt, nur um ihre Triebe zu befriedigen,“ gab Zen böse von sich.

 

 

Wir waren wieder auf unserem Zimmer, Zen hatte mir geholfen die Treppe hochzukommen. Ich lag auf dem breiten Bett und genoss die angenehme Musik, die Zen angeschaltet hatte. Der Grünäugige saß ebenfalls auf dem Bett, völlig in sich drin. Alles um ihn schien vergessen, den er nahm meine Stimme nicht wahr, als ich seinen Namen leise wiederholte. Erst als ich die Lautstärke hob, gab er ein „Hm?“ von sich.

 

Ohne meinen Blick zu ihm zur wenden, fragte ich: „Wieso tust du das alles für mich?“ „Was alles?“ Der Junge drehte sich nicht um. „Na ja, du setzt dich immer für mich ein, du hilfst mir immer aus meinen so oft vorkommenden Depressionen rauszukommen...“  Zen wollte anscheinend zuerst nicht antworten und suchte nach Worten. „Nun, du bist eben mein Freund ich würde für Arina das gleiche tun.“ „Würdest du sie auch DEIN nennen?“ Auf diese Frage drehte er sich um und auch ich schaute ihn an. „Warum hast du mich DEIN genannt,“ wiederholte ich die Frage.

 

„Weil...“ Ich lauschte seiner Antwort, unterbrach ihn nicht, denn mir kam es vor, dass es Zen sehr schwer fiel auf die Frage zu antworten. Dann entschloss er sich jedoch alles zu sagen, was auf seinem Herzen lag, denn  er redete weiter ohne zu stottern: „Ich will nicht, dass du von jemand anderem berührt wirst. Ich will der einzige sein, dem du völlig vertraust. Ja, du hast recht, ich bin wirklich sehr eifersüchtig, aber nicht nur, weil du mein Freund bist. Dahinter steckt mehr“ Er atmete tief ein, dann beugte er sich zur mir und strich mir die Haare aus der Stirn, so dass er nun mein ganzes Gesicht sah. Er drückte meinen Kopf sanft in das Kissen. //Mehr? Was meint er mit diesem „mehr“ ?// 

 

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Mit einer angenehmen Stimme hauchte er mir die Antwort ins Gesicht: „Ich liebe dich, Rafael“ Panik durchdrang meinen Verstand, als er mich dann auch noch küsste. Seine Lippen an die meinen presste. Die feuchte warme Zunge strich mir über die Lippen und brachte diese dazu sie gewähren zu lassen. Seine Zunge schob sich in meinen Mund  und forderte die meine zu einem Kampf heraus, doch die hielt ich zurück.

 

Seine Hand bewegte sich  hinunter zur meinem Hemd. Zen machte die Knöpfe auf, dann strich er mit seiner Handfläche über meine entblößte Haut. Sanft und gewaltlos waren seine Berührungen. Ich mochte das Gefühl, von ihm berührt zu werden, doch die Panik in mir ließ mich das Gefühl vergessen. Ich schubste ihn schließlich  von mir runter.

 

Mein Atem ging schwer als ich aufstand und zu ihm guckte. „Seid ihr denn alle hier nicht ganz dicht, wir beide sind Jungs!!!“ Nach dem Gesagten lief ich aus dem Zimmer. Ich wurde vergewaltigt und mein bester Freund will nichts anderes, als mich ebenfalls nehmen, obwohl wir beide männlich sind. Mein Hintern tat immer noch weh, aber nicht mehr so doll, dass ich die Treppe nicht mehr alleine hoch- oder runterlaufen konnte.

 

 

Ich lief in die Dunkelheit hinaus, der Mond hatte sich hinter den Wolken versteckt und so war es mir Recht. Ich machte vor der Allee; die von den Laternen beleuchtet wurde halt, aber wollte vor dem Licht fliehen und lief weiter um die Allee herum.

 

Die Wind war still und um mich herum waren keine Geräusche, keine Autos, nichts. Irgendwann erreichte ich eine Bank, die in der vollen Dunkelheit stand, da die Laterne neben ihr wohl ihren Geist aufgegeben hatte. Ich  setzte mich hin um  über das Geschehene nachzudenken.

Ich versuchte es von zwei verschiedenen Seiten zur bewerten.

 

Die Leere in mir wurde von allen möglichen Gefühlen gefüllt, als ich darüber nachdachte. Einerseits war ich sauer auf Zen, aber anderseits gab es doch gar keinen Grund dafür. Ich war sauer auf ihn, weil er mich liebte? Oder vielleicht, weil ich nicht wusste, ob er das ernst meinte. Doch da gab es auch das eine Gefühl, das so oft schon aufgetaucht war, als ich in Zens Nähe war. Der süße Schmerz in meiner Brust und die seltsamen bewegenden Gefühle in meinem Bauchbereich.

 

//Ich habe mich immer vor ihm gefürchtet und doch wollte ich ihm vertrauen. Ich habe ihm mindestens so vertraut, wie ich meiner Schwester vertraute....Luise, was sie wohl dazu sagen würde, welchen Rat würde sie mir geben?// Ich schmunzelte.

 

//Einen Rat?...Sie würde bestimmt sagen, ich solle auf mein Herz hören? Mein Herz, was sagte es denn? Was denke ich über Zen? Das muss ich zuerst herausfinden...erst dann kann ich über seine Gefühle urteilen.//

 

//Aber was empfinde ich denn für ihn? Freundschaft oder steckt da mehr hinter? Nein, nein , nein das ist nur Freundschaft, nicht mehr? Es ist keine Liebe! Wir sind beide Männer!!! //

 

//Beide Männer? Wer sagt, dass Männer sich nicht lieben dürfen. Die Gesellschaft! Aber für die Gefühle kann es doch keine Gesetzte geben!!! Abgesehen davon, dass wir das gleiche Geschlecht haben....wenn ich diese Tatsache vergesse, was dann? Wenn er ein Mädchen wäre...dann könnte ich mich in ihm verlieren...//

 

//Nein, so nicht. So ist die Formulierung der Frage falsch! Ich frage mich, ob ich ihn als einen Jungen lieben könnte, so wie er ist, ohne auf die Meinung der anderen zu achten?! So wie er ist...//

 

//Ja, so wie er ist, könnte ich ihn lieben, aber nur könnte....Liebe ist nicht nur bei jemandem sein zu wollen, nein, da steckt mehr dahinter, sonst würde die Freundschaft auch reichen... . Aber er meinte, er würde mich LIEBEN!!!//

 

//Lieben? Ich hab noch nie geliebt, was versteht man unter Liebe? Ich weiß, es ist mehr als Freundschaft, aber wie fühlt es sich an? Ich weiß es bestimmt nicht, aber wenn er behauptet mich zu lieben, konnte ich es an ihm sehen. Was tut man, wenn man jemanden liebt? Was hat er getan, was man nicht mehr Freundschaft nennen kann und wie hab ich darauf regiert?//

 

//Er hatte mich geküsst, so oft...heißt Liebe etwa, jemanden schmecken zu wollen?// Ich schmunzelte abermals.

 

//Als er mich küsste, sagte ich, ich fände es abartig, aber tat ich das denn wirklich? Hab ich das denn nicht eher genossen? Oh doch, das habe ich, ja, ich mag es, wenn er mich zärtlich berührt, ich mag es, wenn er mich küsst, ich mag die Wärme seiner Nähe. Aber nach den warmen Berührungen und süßen Küssen kommt was anderes...// Bei diesem Gedanken musste ich an Zen denken, würde es bedeuten, dass Zen mir auch so weh tun würde?

 

//Alle Leute die lieben, treiben es irgendwann, aber wenn wir beide...Nein nicht daran denken...es hat nichts damit  zu tun!// Ich hielt mir mit beiden Händen den Kopf

 

//Gott!!! Ich weiß nicht, was mit mir los ist! Dieser Junge hat mich schon immer so sehr angemacht. Seine Augen, sein Körper, das Schwarz seiner Haare, seine Stimme, seine Art, einfach alles an ihm. Nein, ich kann nicht sagen, ich wolle nicht weitergehen. Ich bin mir aber im Klaren, dass ich seine Berührungen nicht unangenehm finde. Vielleicht sollte ich es versuchen, aber was dann, wenn ich ihn nicht liebe?//

 

//Oh Gott!!!! Woher soll ich denn wissen, ob ich das tue oder nicht, ohne mit diesem Gefühl Erfahrung zu haben.// Ich grinste wie ein Wahnsinniger

 

//Und an wen wende ich mich, an Gott?!!! Ich Idiot, Homosexualität gilt doch als eine Sünde. Wenn Gott mir antworten könnte, würde er sagen, es wäre falsch, aber Gottes Meinung interessiert mich nicht. Soll ich doch in die Hölle kommen, aber wenn ich ihn wirklich liebe, ist es das Wert....bestimmt ist es das dann wert.

 

//....aber zuerst muss ich erfahren, ob ich das tue....zuerst müsste mir jemand erklären, was Liebe ist, dann könnte ich mir auf meine Frage antworten...Ob ich ihn nun liebe... //

 

 

Ich stand vor dem großen Haus, bereits vor der Tür, doch ich wagte es nicht zu klingeln oder anzuklopfen. Ich war mir nicht sicher, ob sie mir helfen könnte. Wenn ich sie frage, was Liebe sei, würde sie bestimmt mit der Gegenfrage antworten, wieso ich das wissen will und wer * die Glückliche* ist und dann...

 

 

Die Tür ging auf, ich traute zuerst meinen Augen nicht, als ich in diesem Haus den schwarzhaarigen Lui nur in Boxershorts sah. Wie ne Salzstange blieb ich stehen, als er mich reinbat. Dann fand ich wieder zu mir und war auch schon über die Türschwelle gegangen.

 

Beschämt schaute der Junge zur Boden und spielte mit den Fingern. „Ich..ich will mich ent...ES TUT MIR LEID,“ sagte er schnell und versuchte so gut wie möglich meinem Blick zu entweichen. Ich lächelte sanftmütig, als er stotterte: „Ich...ich meine du...du bist meinet wegen..weil du mich schützen wolltest hat Dim dich...er hat...“ Ich legte meine Hand auf Luis Schulter, so dass er nun zu mir schaute, immer noch mit dem Lächeln. „Du könntest nicht dafür, wirklich nicht.“ Ich musste schmunzeln. „Ich bin eben nur ein Maulheld.“ Ich wusste nicht, wieso, doch obwohl das, was Dim mir angetan hatte und wie er mich verletzt und erniedrigt hatte mir schreckliche Angst und unangenehme Erinnerungen verschuf, fiel es mir leicht, fast zu leicht, darüber zu reden, ob es an Zens Unterstützung lag. //Zen! Ja, ich bin wegen ZEN...!/

 

Nasse Füße betreten den Raum, in dem Lui und ich uns befanden, die Wassertopfen glitten die schlanken Körperteile des Eingetretenen herab und die von der Feuchtigkeit geglätteten und verdunkelten Haare hingen die Schulter der Person herunter und klebten an deren nassem Gesicht. Einen Handtuch um den Körper gewickelt stand Arina in der Tür und schaute uns verblüfft an, na ja, eigentlich nur mich. Röte schoss mir ins Gesicht. //Oh Gott, die beiden haben doch nicht miteinander...DIESE BEIDEN!!??//

 

Mein Gesichtsausdruck schien meine Gedanken zu offenbaren, denn ich hörte fast gleichzeitig von den beiden die laute Frage: „Woran denkst du denn?!!“ Und dann nur Arinas Stimme: „Er leistet mir zwar Gesellschaft, aber nicht mehr!!“ Jetzt waren wir alle drei rot. Als wir das alle gleichzeitig merkte, mussten wir lachen. In diesem kurzen Augenblick meldeten sich wieder die Bewegungen in meinem Inneren, ich dachte es wäre eine Art Erinnerung, wieso ich hier war. Doch dies war es nicht....

 

 

Wir saßen an dem kleinen Tisch auf den Kissen kniend, Arina hatte uns Jasmintee gemacht und war gerade dabei uns diesen zu servieren. Inzwischen hatte sie ihren Kimono angezogen, in dem sie ab und zu zu Hause rumlief. Auch Lui gab sie einen, damit er nicht halbnackt durchs Haus läuft, nur ich war normal angezogen geblieben.

 

„Und was ist es denn, worüber du mit uns reden wolltest,“ fragte Lui, der neben mir saß. Sein Blick wurde trüber, er dachte in diesen Moment wohl, dass es vor allem um die Vergewaltigung ging. Ich lächelte ihn ermutigend und beruhigend an. „Nein nicht deswegen..“ Zwischen uns erschien plötzlich Arina: „Worum geht es denn,“ fragte sie mit ihren süßen Stimme. Die meinen und Luis Augen weiterten sich. Meine Frage war: „DU weißt nichts davon?“ Und bei Lui hieß es: „Nicht jetzt!!“ Anscheinend hatte er nichts erzählt. //Aber wieso? Ich denke, die beiden sind zusammen, ich hab’s Zen doch auch erzählt...aber ich und Zen sind gar nicht zusammen!!!// „Scheiße.“ Ich fluchte laut.

 

Das war der richtige Moment das Thema zu wechseln und zu meiner eigentlichen Frage zu kommen, die beiden guckten mich erwartungsvoll an. In Luis Augen sah ich den Satz: „So rette doch die Situation, verdammt!!“ Und in den Augen von Arina war nur Neugier und Erwartung. //Aber was soll ich fragen? Was ist Liebe? Oder was haltet ihr von Beziehungen zwischen Schwulen? Quatsch die zweite Frage interessiert mich eher weniger. Was Jetzt?// Im selben Moment stellte Arina die selbe Frage: „Was jetzt?!“

 

Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen. Was sollte ich schon tun, ich war gekommen um es zu klären, ich hatte keine andere Wahl. „Zen....“ fing ich an. Nur bei diesem einen Wort zeigte sich Erleichterung auf Luis Gesicht, doch Arina reichte es nicht. „Ich wollte mit euch über Zen reden, na ja, eigentlich über mich...er hat nämlich gesagt er...“ Ich merkte, dass ich es nicht auszusprechen wagte. Doch aus einem unerklärlichen Grund schienen die beiden Gesprächspartner mich zu verstehen oder bildete ich mir das ein. Die beiden lächelten.

 

Das Lächeln kannte ich, es war das geheimnisvolle und doch offene Lächeln, dass mir mal Arina und Zen geschenkt hatten, als sie von ihren „Favoriten“ gesprochen hatten, damals wusste ich noch nicht, dass ICH Zens „Favorit“ war.  Die wussten es also wirklich.

 

„Er hat’s dir also endlich erzählt,“ hörte ich die sanfte Stimme von Arina, die in diesem Moment mir ihren noch nassen Locken spielte. Ja, sie wussten es!!! „Aber wie...wieso seid ihr denn so locker drauf, er ist doch ein Junge und ich...“ „Na und ...“ diesmal war es Luis Stimme. „..kannst du ihn deswegen nicht verstehen?“ Arina berichtigte ihn: „WILLST du ihn deswegen nicht verstehen?“

 

Ich schüttelte leicht den Kopf: „Nein, das ist es nicht....ich kann ihn nicht verstehen, weil...weil ich nicht weiß, was Liebe ist...“ Meine beiden Gesprächspartner sagten nichts. „Versteht ihr nicht? Ich weiß nicht was das ist! Ich hab noch nie geliebt!“ Arina rückte sich näher an mich. „Denkst du etwa, du könntest ihn auch lieben, wenn du wissen würdest was Liebe ist , aber ist das SO nicht falsch...“

 

Abermals schüttelte ich den Kopf: „Ich...ich will mich nicht ihn in verlieben, wenn ich weiß was Liebe ist. Ich will bloß wissen, ob... ob ich ihn nicht bereits Liebe.....“

 

„Aber da können wir dir doch nicht helfen, du musst doch selber wissen, in wen du verliebt bist,“ sagte Lui. „Aber ich...“ //Woher soll ich denn wissen, wie sich Verliebtsein anfühlt?//

 

Endlich schien Arina mir helfen zu wollen, sie hielt sich an meinem Ärmel fest und schaute zu ihren Händen, dann fragte sie leise: „Wie findest du denn Zen....ich meine wie fühlst du dich bei Zen, in seiner Nähe?“ Als sie den Satz beendete, schaute sie zu mir hoch, um in meinen Augen zu sehen, denn dort war die Antwort zu sehen.

 

Meine Augen blitzten auf: „In seiner Nähe? Ich... ich fühl mich wohl...ich meine, wenn er da ist und mir seine Wärme gibt, dann ist es um mich geschehen...“ Ich musste lächeln. Ja, genau so war das. Zuerst stotterte ich, als ich meine Gefühle beschrieb. Röte zeigte sich auf meinen Wangen, aber irgendwann ließ ich mir freien Lauf und erwähnte auch den süßen Schmerz, der immer auftauchte als ich bei Zen war. „...so schmerzhaft, dass es einen zu zerreißen droht, aber so süß, dass man es nicht loslassen will...“  Dann fing Arina plötzlich an zu lachen und auch Lui machte das gleiche.

 

Als sie ihren Lachkrampf anhielt, wischte sie vorerst ihre Tränen weg. Dann warf sie sich zurück zu dem lächelnden Lui und landete auf seinem Schoß, was den Jungen zum Erröten brachte. Ein paar immer noch nicht ganz trockene Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht und blieben dort liegen, als sie lächelnd und irgendwie erleichtert sagte. „Und ob!“ Ich verstand zuerst nicht und zeigte ihr das, indem ich eine Augenbrauen hochhob. “Und ob du verliebt bist,“ sagte sie nun den vollständigen Satz. Lui strich ihr die Strähnen aus dem Gesicht und ohne mich anzugucken sagte er dann: „Das schmerzhafte Gefühl, dass du erwähnt hast, das kommt doch nur bei Zen, oder?“ Er sah zu mir auf, um mein Nicken zu registrieren. Dann sprach Arina weiter: „Wenn du es schon nicht loslassen willst, bleib bei Zen.“

 

Ich legte meine Hand auf die Brust, woher der Schmerz kam, auch jetzt, wo ich nur an ihn zu denken brauchte. „Ist ...ist es Liebe..dieses Gefühl,“ fragte ich unsicher. Fast gleichzeitig verneinten die beiden meine Frage. Arina und Lui erklärten mir gemeinsam ihre gemeinsame Meinung. 

 

„Das ist nicht die Liebe.“

„Liebe als Gefühl gibt es so nicht.“

„Liebe beinhaltet viele Gefühle.“

„Schmerz,  Zufriedenheit, Lust, und viele andere Gefühle.“

„Und das Wichtigste von diesen ist wohl das Glück“

„Ja, das ist das von dir angesprochene Gefühl.“

„Du verspürst das Gefühl jedes Mal, wenn du lachst oder dich freust, über was auch immer.“

„Nur ist in diesen Beispielen das Gefühl nicht so stark, wie wenn du mit jemandem zusammen bist, den du wirklich magst.“

„Und schon gar nicht, wenn du bei jemandem bist, den du LIEBST, dann ist das süße Gefühl fast eine Qual.“

 „Eine süße Qual,“ lächelte ich schließlich, als ich sie verstand.

 

Ja, sie hatten recht, es war Glück. Als ich vorhin gekommen bin und mit ihnen gelacht hatte, war das Gefühl in einer kleinen Menge auch da. Und wenn ich bei ihm so glücklich bin, wieso soll ich den davor weglaufen, wieso soll ich das fürchten? „Wenn du es nicht loslassen willst, bleib bei Zen,“ hatte Arina gesagt und genau das würde ich tun. Ich würde zur Zen gehen und ihm sagen, dass ich gerne bei ihm bleiben würde, weil ICH IHN LIEBE.

 

//Ich Liebe Zen wirklich, schon so lange! Nur weil er ein Junge ist, hab ich den Gedanken verdrängt, aber so was hatte ich noch nie erlebt! Ja, ja, ich lieb Zen....Zen...//

 

„Arigatou,“ schrie ich, als ich bereits am Ausgang war und in meine Schuhe schlüpfte. Die verblüfften und doch erleichterten Freunde ließ ich zurück und lief raus. Als ich auf der Straße war, sah ich durch eine offene Schiebetür auf der Veranda, wie sich die beiden küssten. Und schon wieder stieg in mir das schmerzhafte Gefühl des Glücks hoch, ob es daher kam, dass ich mich für die beiden freute oder weil ich mir gerade vorgestellt hatte, das gleiche gemeinsam mit Zen zu tun, wusste ich nicht. Aber ich wusste, dass ich glücklich war und ich fragte mich wie hoch würde mein Glücksthermometer steigen, wenn ich erst mal bei Zen ankommen war und ihm sagte, dass ich ihn LIEBE und wie sehr.

 

  

Ich eilte glücklich und erwartungsvoll durch die Straßen, wich der Dunkelheit aus. Das breite Lächeln auf meinem Gesicht ließ mich mich noch besser fühlen. Der helle Mond versteckte sich nicht mehr hinter den Wolken, ich lief im Licht der Laternen durch die Allee und erblickte, dass die Bank auf der ich vorhin saß auch nicht mehr in der Dunkelheit stand, da die Laterne neben dieser wieder Licht schenkte und zwar einem Pärchen, das auf der Bank saß.

 

Ich wollte so schnell wie möglich bei Zen ankommen, aber alles um mich herum schien gegen mich zu sein. Die Allee wurde an einer Stelle wegen irgendwelchen Bauarbeiten gesperrt und das war eigentlich die Abkürzung. Ich lief um die Stelle, machte einen großen Kreis und schließlich verlief ich mich dann total. Ich konnte mich noch nie nachts gut orientieren.

 

Irgendwann landete ich in einer dunklen Gasse ohne Licht, das Glücksgefühl hatte mich bereits verlassen, stattdessen war ich erfüllt mit Angst und genervt war ich auch, das konnte doch nicht wahr sein. Ich hatte mir bereits vorgestellt, wie ich bei Zen angekommen wäre, wie ich ihm um den Hals fallen würde und wenn er mich verblüfft anguckt, würde ich ihn küssen und dann würde ich es ihm sagen, aber zuerst müsste ich überhaupt zur Zen kommen, verdammt!!

 

In der dunklen Gasse war kaum etwas zu erkennen, fast als ob ich in reiner Dunkelheit wäre, so still und ohne jeglichen Anzeichen des Lebens erschien diese Art von Gang. Dann dämmerte es mir plötzlich, ich erinnerte mich an meinen Traum von heute. Die Dunkelheit, in der ich mich befand war gar keine Dunkelheit, es war genau DIESE GASSE!!

 

Mir schwante Böses! Das unangenehme Gefühl verschlimmerte sich. Einerseits war ich froh hier zu sein und meinem Traum folgen zu können oder war es nur Zufall und ich hatte mir was eingebildet? Ich wusste es nicht genau, doch ich wollte dem auf den Grund gehen. //Dann sag ich es ihm eben später und wenn es Morgen ist, aber jetzt will ich wissen, was das zu bedeuten hat!//

 

Ich konnte mich nicht mehr wirklich an meinen Traum erinnern, es kam immer Stück für Stück. „Ich hoffe bloß keines der Stücke kommt zu spät.“ Ich sah vor mir endlich Licht. //Der Engel?// Aber das war es nicht.....

 

Rafael

 

 

Arigatou – danke

 

Hoffentlich war ich nicht ZU gemein mit dem Ende ^.^

Ach was soll’s wie hat’s euch denn so gefallen ^_^

 

Lonasan@web.de

 

 

 

You must set the /tmp/ad_network_ads.txt file to be writable (check file name as well).