*****Forgiveable Sinner *****
Part1: FIRST CONTACT
"Widersprich mir nicht, Junge!... Wenn ich sage, du wirst uns begleiten, dann tust du das auch!"
"Vater, ich..." Kim wurde durch einen kräftigen Schlag in sein Gesicht unterbrochen. Sein Vater stand wutschnaubend vor ihm. Kim blickte zähneknirschend zur Seite um seinen stechenden Blicken auszuweichen. Wieso musste es jedesmal soweit kommen?! Er sah seine Schwester auf sich zukommen, ein Taschentuch in der Hand und Tränen in den erschrockenen Augen "Oniichan... oniichan! Hör auf Papa! Bitte, du tust ihm weh!" Mit ihrem Taschentuch tupfte sie Kims Wange ab. Vorsichtig nahm er ihre Hand "Ist schon gut Sophie! Er hat mir nicht weh getan." Er wollte seiner Schwester das ganze Drama ersparen, seiner Schwester und auch seiner Mutter, die weinend auf dem Sofa saß und sich vermutlich gerade wieder einmal einredete, dass ihrem Mann die Hand nur ausgerutscht war.
"Ist schon gut... ich werde euch begleiten! Aber erwartet nicht von mir, dass ich zu den Leuten besonders freundlich bin! Ich werde mitgehen, aber nicht um Euretwillen, Vater!" Er nahm seine Schwester bei der Schulter und verließ mit ihr das Zimmer, in dem ein Schweigen herrschte, das er nicht noch länger hätte aushalten können. Er würde nicht mehr den Untertan seines Vaters spielen. Nicht länger. Das hatten sie alle schon viel zu lange. Verdammt, er war doch schon 18 und doch... kam er sich diesem großgewachsenen breitschultrigen Mann gegenüber immer so... so hilflos vor.
/Vergiss ihn. Denk' nicht mehr darüber nach. Er ist dein Vater. Du solltest ihn nicht so
verachten!/
Jedesmal redete er sich das ein, doch immer wieder, wenn die zwei in letzter
Zeit aufeinander trafen, was zwar nicht oft geschah, aber dennoch oft genug, kam es zum Streit. Wegen jeder noch so kleinen Kleinigkeit... Aber egal. Er würde seine Familie mit auf Schloss Hornbach begleiten, auch wenn er nicht wusste, was er dort sollte. Es war seine Schwester, die nach einem Bräutigam Ausschau halten sollte, nicht er nach einer Braut. Vermutlich würde sie den jungen Mann, dem sie auf diesem Schloss Hornbach vorgestellt werden sollte, sowieso nicht leiden können und dankend ablehnen. Und was sollte er tun? Er würde auf seinem Zimmer bleiben und auf den Tag der Abreise warten. Und dann hatte sein Vater seinen Willen. Vermutlich ging es ihm gar nicht um seine Anwesenheit. Er wollte nur wieder einmal seine Vormachtstellung in der Familie beweisen. ... Er würde es Sophie zu liebe tun...
Es war kurz vor Mitternacht als sie an Schloss Hornbach ankamen. Der Mond erhellte den weißen Schnee, der überall lag und tauchte die Umgebung in einen hellen Schein. Schon als sie das große Eisentor durchquert hatten, sammelten sich sämtliche Leute zu ihrer Begrüßung auf dem riesigen Hofplatz von Hornbach. Kim spürte, wie ihn sein Vater, der ihm in der Kutsche direkt gegenübersaß, mit seinen Blicken durchbohrte. Er musste nichts sagen, Kim wusste genau, was er ihm zu verstehen geben wollte. "Mach mir keine Schande oder..." Kim dachte lieber nicht darüber nach, was geschehen würde, wenn er seinen Vater enttäuschte.
"Ahhhhhrrrr... wir sind da!" Sophie zappelte aufgeregt in der Kutsche herum. Ihre zierlichen kleinen Hände, die sie sorgfältig in ihre rosé- farbenen Samthandschuhe gesteckt hatte, lagen an der Fensterscheibe der Kutsche und Kim schmunzelte als er sah, wie sie mit weitgeöffnetem Mund alles Neue in ihrer Umgebung in sich einsog. Er liebte seine Schwester. Wenn sie in seiner Nähe war, fühlte er sich immer viel unbeschwerter und glücklicher. Er wünschte sich für sie nichts sehnlicher, als dass sie einmal in ihrem Leben glücklich werden würde. Vielleicht würde sie heute sogar schon den ersten Schritt in diese Richtung gehen, wenn ihr der junge Herr dieses Schlosses gefallen würde.
"Seht ihr ihn schon? Könnt ihr ihn sehen? Wo ist er... wo ist Graf Hornbach???" Sophies Vater hustete als er das hörte. "Schatz,... zappel' doch nicht so herum! Du wirst ihn noch früh genug kennenlernen! Außerdem... solltest du ihn nicht Graf Hornbach nennen! Er hat das Schloss von seinem Onkel übernommen. Der hieß so, aber er heißt von Kalau. Graf von Kalau!" Mutter hatte sich eingemischt als sie bemerkte, wie die Unwissenheit ihrer Tochter den Vater erschreckt hatte.
"Graf von Kalau..." sprach Sophie mit zuckersüßer Stimme nach und Kim konnte deutlich den verträumten Ausdruck in ihren Augen sehen. Seine Schwester war schön! Vielleicht noch etwas jung mit ihren 15 Jahren, aber durchaus begehrenswert. Jeder Mann, der sie ablehnte, musste nicht ganz bei Verstand sein. Sie trug ein rosarotes Kleid mit verspielten Rüschen an den Ärmeln und ein leichter Seidenschleier bedeckte ihre schmalen Schultern. Ihre Perlenohrringe funkelten und das goldene Haar glänzte im Mondlicht. "Was siehst du mich so an, oniichan?" fragte Sophie plötzlich und Kim bemerkte, dass er sie tatsächlich angestarrt hatte. "Ich
bewundere dich nur, Sophie! Du siehst heute... sehr hübsch aus!"
"Oooch... du machst dich ja bloß wieder über mich lustig... blllllllll!" Kim lachte als er
den Gesichtsausdruck seiner Mutter sah. Er wusste genau, wie unangenehm es ihr war, wenn Sophie das tat. - Wenn Sophie die Zunge herausstreckte... Doch sie hatte keine Zeit mehr, sich darüber aufzuregen, weil kurze Zeit später auch schon die Tür der Kutsche geöffnet wurde.
"Ich darf Sie herzlich auf Schloss Hornbach begrüßen! Hatten Sie eine angenehme Reise?" fragte ein Diener.
Sophie nickte schüchtern als sie ausstieg. Die Mägde und Diener begannen schon, die
Gepäckstücke abzuladen und sie auf die Zimmer zu bringen. "Fühlen Sie sich hier wie
zu Hause! Der Graf wird Sie morgen früh gleich empfangen. Er meinte, dass Sie sich nach der langen Reise vermutlich erst einmal ausruhen wollten... Ich darf mich übrigens als Ihre private Bedienstete vorstellen, Monsieur Prokter." Kims Vater antwortete darauf nur mit einem strengen Kopfnicken. Als sie alle ausgestiegen waren, deutete der Stallmeister den Bediensteten die Kutsche wegzufahren.
Kim ging hinter seiner Schwester auf das riesige Schloss zu. An ihrer Haltung konnte er erkennen, dass sie enttäuscht war. Wie gerne hätte er sie jetzt tröstend in die Arme genommen und ihr gesagt, dass sie nicht traurig sein sollte, dass der Graf sie nicht empfangen hatte. Was war das für ein Gastgeber, der sich nicht wenigstens einmal für ein paar Minuten zeigte, wenn seine Gäste ankamen?!
Er würde seine Gründe dafür haben!
Kims Blicke wanderten zum Sternenhimmel. Es war keine einzige Wolke zu sehen. Er liebte den Duft der kalten Winterluft. Sie roch so rein. Sein Blick senkte sich wieder, doch da erblickte er am Rande eines Balkons im zweiten Stock eine Person. Mit ziemlicher Sicherheit war es ein Mann, denn er hatte kurze Haare, breite Schultern und war verdammt groß. Er hätte ihn auf 1,95m geschätzt. Aber aus dieser Entfernung war das schlecht zu sagen. Was tat er da oben? So mitten in der Nacht? Kim fuhr ein Schauer über den Rücken, als er bemerkte, dass er sie vermutlich beobachtete, denn er hatte seinen Kopf genau in ihre Richtung gewandt. Aber vielleicht täuschte er sich auch. Kim senkte seinen Blick zu Boden und stand nur eine Weile so da. "Oniichan! Wo bleibst du denn?!" Sophie zerrte ihren Bruder am Arm und zog ihn mit sich in das Schloss. Kim blickte sich nicht noch einmal um.
******************************