Forgiveable Sinner 11

Part11: WHITE BIRD FLYING IN BLUE SKY

Kim lag auf seinem kleinen ungemütlichem Bett in seinem Zimmer. Er versuchte soviel wie möglich zu schlafen, dann waren die Stunden und Tage nicht so lang. Doch meistens gelang es ihm nicht. Genau wie jetzt. Am liebsten wäre er aufgestanden und hinausgegangen, in die frische Luft. Draußen war es nun nicht mehr so kalt. Sophie hatte ihm erzählt, dass inzwischen auch schon wieder einige Zugvögelchen zurückgekommen waren, die lustig an ihrem Zimmerfenster spielten und das erste Grün an den Bäumen abpickten. Doch, er konnte nicht hinaus. Er war eingesperrt und er hasste seine Eltern dafür.

Ein Poltern im Flur und ein leises Rascheln an der Tür. Kim wusste, dass es seine kleine Schwester war, die sich wieder einmal heimlich an seine Tür schlich. Kim stand auf. Er ging zur Tür und setzte sich, lehnte sich mit dem Rücken an das kalte Holz.

"Sophie, bist du da?"

Die Antwort kam nicht sofort.

"Oniichan... woher weißt du denn, dass ich es bin?"

Kim lächelte kaum merkbar.

"Du bist nicht zu überhören. Wenn sie nur mal nicht gemerkt haben, dass du hier hochgestiegen bist!..."

"Nööö... die sitzen unten und spielen Klavier! ...

...

Kim?"

"Mhmmm?"

"Ich hab' ihn heute geseh'n!"

Kim horchte auf. Sein Gesichtsausdruck wurde ernst und und er drehte sich zur Tür um, an die er seine Hand legte.

"Eduard?"

"Mhmmm!" Kim sah es nicht, doch er wusste, dass seine Schwester bei dieser Antwort heftig mit dem Kopf nickte.

"Wo?"

"In der Stadt! Ich war doch heute mit Lisa und ihrer Tante unterwegs. Da hab' ich ihn getroffen. Er verbarg sich hinter einem großen Mantel, wollte vermutlich unerkannt bleiben. Aber Kim... ich hab' ihn an seinen Augen erkannt. Sie sind noch... so schön wie damals als ich ihm zum ersten Mal ins Gesicht gesehen habe. Er hat sich nicht verändert... Oder doch... er wirkte so... allein und so... traurig! Ich hätte selber beinahe gleich anfangen müssen zu weinen, als er so zu mir herübergesehen hat!"

Kim legte auch noch seine zweite Hand an die Tür.

"Und? Hast du mit ihm geredet? Hat er was zu dir gesagt?"

"Es war... schwierig, weißt du. Man durfte uns nicht zusammen sehen. Ich hab' die Chance genutzt, als Lisa ihre Tante in einen Süßigkeitenladen gezogen hat. Da bin ich dann in diese Gasse gelaufen, die von dort nicht weit weg war. Und dann ist er gekommen. Ich hatte irgendwie gespürt, dass er mir etwas sagen wollte."

Sophie konnte hören, wir ihr Burder einen leisen Seufzer ausstieß.

Es war plötzlich alles still. Kim konnte nur seinen eigenen Atem hören.

"Oniichan... bitte... bitte halte noch etwas durch... Er... "

"Sophie Prokter, hab' ich dir nicht verboten, hier herauf zu kommen!" Sophie erschreckte sich so sehr, dass sie einen lauten Schrei ausstieß, als sie die dunkle Gestalt im Flur stehen sah. Es war ihr Vater und er durchbohrte sie mit seinen wütenden Blicken.

"Was hast du hier zu suchen, junge Dame?"

Sophie legte ihren unschuldigsten Gesichtsausdruck auf. "Ich... wollte doch nur einmal wissen, wie er sich fühlt. Ich hab' ihn schon so lange nicht mehr sprechen hören. Bitte, Papa... er ist doch... mein Bruder!"

"Der Junge ist krank, Sophie! Er könnte dich anstecken oder sonstetwas tun!"

Sophie eilte an dem großgewachsenen Mann vobei, die Treppe hinunter.

/Nein, Papa... Kim ist nicht krank! Nur... hoffnungslos verliebt!/

Mr. Prokter öffnete die Tür. Kim hatte sich wieder auf sein Bett gesetzt. Er sah seinen Vater nicht an, als er auf ihn zu kam. Er wusste, weshalb er hier war. Er würde ihn wieder fragen, ob er sich noch an den Namen des Grafen erinnere. Und Kim würde ihn laut aussprechen. Und dann würde er geschlagen werden. Mr. Prokter hielt schon immer Gewalt für die einzige Methode, jemanden zu "heilen". Inzwischen aber glaubte Kim, dass dieser Mann eine Art sadistische Ader hatte, denn er kam häuftig und seine Schläge wurden von Mal zu Mal härter. Doch Kim würde niemals vorgeben, Eduard vergessen zu haben. Niemals. Lieber ertrug er die Schmerzen, als ihn zu verleugnen.

/Er ist nah. Ich kann ihn spüren!/

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"Morgen müssen wir es durchziehen, Heinrich! Ich werde ihn da auf keinen Fall länger sitzen lassen!" Heinrich sah seinen Bruder besorgt an. "Du darfst nur nichts überstürzen, Eduard. Wir müssen einen günstigen Zeitpunkt abwarten..."

"Morgen ist der günstigste Zeitpunkt überhaupt! Ich hol' ihn da morgen raus! Prokter und seine Frau sind morgen abend nicht zu Hause!"

"Hat dir das die Kleine erzählt?"

"Sophie, ja!"

"Na schön, dann schlagen wir morgen nacht zu. Was ist mit den Bediensteten?"

"Das wird schon funktionieren!"

"Und der Arzt?"

"Dafür hab' ich gesorgt..." Heinrich bekam ein ungutes Gefühl als er das Funkeln in Eduards Augen sah.

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/Keine Sorge, oniichan... er wird dich heute befreien! Ich bin so glücklich.../

Sophie pfiff fröhlich ein Liedchen als sie mit dem Tablett in der Hand die Treppe zum zweiten Stock hinaufstieg. Ihre goldenen Locken wippten dabei und ihr ganzes Wesen strahlte Heiterkeit aus. Es war 21 Uhr und ihre Eltern hatten schon vor einer Stunde das Haus verlassen. Eduard wollte in einer halben Stunde hier sein. Doch jetzt war sie erst einmal an der Reihe. Sie war richtig stolz, dass sie einen so bedeutenden Teil der Befreiungsaktion übernehmen durfte.

Sie blieb vor einer purpurfarbenen Tür stehen, atmete einmal tief ein und klopfte dann ganz sacht an.

"Bitte herein..." Die Stimme des Geheimrates war äußerst unangenehm und Sophie verzog ihr hübsches Gesichtchen zu einer Grimasse. Wie gut, dass der dicke Doktor das nicht sehen konnte. Sie drückte die Klinke nach unten und trat in das geräumige Zimmer. Der Arzt saß an einem Tisch und blickte beschäftigt von seinem Buch auf, in welchem er vermutlich schon den ganzen Abend gelesen hatte.

"Oh, Sophie, Kind... Ihr seid so spät noch wach?"

Sophie lächelte ihn an. "Aber Herr Geheimrat... ich bin doch kein kleines Mädchen mehr und außerdem würde ich es mir um nichts in der Welt nehmen lassen, mich bei Euch zu bedanken."

"Bedanken? Aber wofür denn?"

"Na, dass ihr meinen Bruder wieder gesund macht!"

Der Doktor hob seine linke Augenbraue und schielte unter seinen zwei schmalen Brillengläsern hervor. "Nun ja, mein Kind... ich versuche es wirklich! Ich versuche es. Die Krankheit hält sich hartnäckig! Und meine Behandlungen scheinen bis jetzt noch keine Besserung zu zeigen. Es tut mir leid, dass ich Euch die Hoffnung so zunichte machen muss, aber..."

Sophie schüttelte mit ihrem Kopf.

"Aber Herr Geheimrat... bitte, macht Euch keine Vorwürfe. Wir sind Euch alle sehr dankbar für das, was ihr für Kim tut. Ihr seid sicherlich furchtbar müde, nicht wahr? Ihr arbeitet ja auch immer so lange bis in die Nacht. Hier, ich habe Euch einen Tee zubereitet!" Sie stellte das Tablett auf den Tisch und goss ihm eine Tasse voll ein.

"Probiert mal! Ich habe die Kräuter selbst mit Mutter gesammelt!"

"Ihr seid ein zu gutes Kind!"

/Ja, trinkt nur... Nicht mehr lange und Ihr werdet so müde sein, dass ihr vom Stuhl fallt. Euer Gerede kann ja keiner mitanhören. Liebes Kind. Was wisst Ihr denn schon?! Kim ist ein genauso liebes Kind. Und er ist nicht krank! Warum sieht das hier niemand ein? Was ist so schlimm daran, wenn er einen Mann liebt? Wenn doch nunmal nur Eduard ihn glücklich machen kann... wieso wollt ihr sie mit Gewalt außeinanderreißen? /

Sophie erschrak, als sie den dumpfen Schlag hörte.

"Huch... hab' wohl ein bisschen viel von dem Schlafmittel reingetan... Oder aber von Kalau hat mir falsche Anweisungen gegeben... Na egal, Hauptsache der schläft..."

Sofort huschte sie aus dem Zimmer und schloss sorgfältig die Tür hinter sich.

Pünktlich um halb zehn klopfte jemand an der Tür. Erste dreimal, dann zweimal schnell und dreimal langsam.

Sophie rannte zur Haustür und öffnete sie.

"Ist alles nach Plan verlaufen?" Eduard richtete seinen Blick sofort in die obere Etage, doch mit seiner Hand hielt er das Mädchen an der Schulter, so dass sie unmissverständlich wusste, dass sie angesprochen war.

"Ja, er schläft!"

"Sehr gut! Wo ist Kim? Wir müssen uns beeilen..."

Sophie zögerte nicht lange und führte von Kalau die vielen Treppen zum Dachboden. Sie zeigte ihm das richtige Zimmer.

"Hast du den Schlüssel?"

Das Mädchen schüttelte kummervoll den Kopf. "Den nehmen meine Eltern immer mit." Sie überlegte kurz. "Nur der Arzt könnte einen haben."

"Hörzu Sophie. Am besten, deine Eltern wissen nicht, dass ich hier war. Ich könnte die Tür eintreten, aber dann wäre es ihnen sofort klar und Kim und ich hätten keine ruhige Minute mehr, verstehst du, was ich meine?" Sophie nickte. "Bitte geh' und hole den Schlüssel, aber mach' schnell..."

Sie rannte sogleich los.

Eduard legte seine Hand an die Tür.

"Kim?... Kim, ich bin es, bist du wach?"

"E... Eduard?" Kims Herz raste und er stolperte zur Tür, legte ebenfalls eine Hand an das Holz.

"Kim, wir holen dich da jetzt raus."

"Eduard... wie seid ihr denn...?"

Sie standen beide an der Tür, doch es war ihnen, als würde diese kahle Wand zwischen ihenen zerfließen und sie sich sehen können. Die Hände an genau der gleichen Stelle konnten sie die Wärme des anderen beinahe spüren und ihre Herzen schlugen im gleichen Takt, voller Sehnsucht, einander endlich wieder in die Arme schließen zu können.

"Puhh... ich hab' ihn!" Sophie hielt einen alten verrosteten Schüssel in ihrem blassen Händchen. Eduard nahm in und steckte ihn schnell ins Schloss. Die Tür knarrte. Kim fiel dem Grafen gleich in die Arme.

"Von Kalau... Ich..."

Eduard legte seinen Finger auf Kims Lippen. "Schhh, wir müssen leise sein. Die Diener des Hauses schlafen bestimmt noch nicht alle... Komm' jetzt, wir reden, wenn wir in Sicherheit sind!" Der Graf hob den Jungen auf seine Arme. Er war so froh, ihn endlich wieder bei sich zu haben, ihn zu spüren und ihn atmen zu hören. Es war wie Musik in seinen Ohren. Sophie trippelte hinter ihnen her. Sie war so unsagbar froh. Eine große Last war von ihrem kleinen Herzen gefallen, als sie die zwei Männer vor sich so laufen sah. Ja, Eduard und Kim, ihr geliebter Bruder Kim war endlich erlöst.

Kurz vor dem Ausgang setzte der Graf Kim ab, denn er hatte ihm zu verstehen gegeben, dass er sich von seiner Schwester noch verabschieden wollte. "Macht aber nicht so lange... Wir müssen von hier verschwinden!" Von Kalau gab Heinrich, der auf dem Kutschbock saß mit der Hand ein Zeichen, dass er sich zur Abfahrt bereit machen sollte.

"Ich... danke dir Sophie!" Kim lächelte, seine Augen strahlten, oder waren es Tränen, die da im Mondlicht so funkelten?

"Oniichan... ich... werde dich bestimmt vermissen!"

"Weine nicht, kleine Sophie. Wir werden uns wiedersehen! Ganz bestimmt, auch wenn es lange Zeit dauern sollte. Wir werden uns wieder sehen... Da bin ich mir ganz sicher!"

Das Mädchen nickte und wischte sich die schimmernden Perlen aus den blauen Augen. Kim küsste sie auf die Stirn und lief zur Kutsche. Eduard hielt die Tür offen und Kim stieg ein.

"Oniiiiichaaaan!..." Sophies Stimme wurde nun leise, war ein kaum mehr hörbares Flüstern.

"Vergiss... vergiss mich bitte nicht, oniichan..."

Kim lächelte noch einmal. "Niemals, Sophie!" Dann wurde die Tür geschlossen und Heinrich peitschte mit den Zügeln. Die Kutsche verschwand in der Nacht und Sophie ging ins Haus, als wäre nie etwas passiert.

Sie würde ihren Eltern erzählen, dass sie geschlafen hatte als es passierte. Und der Doktor? Er würde sich doch gar nicht mehr erinnern können, was überhaupt geschehen war. Vielleicht würde man alles auf ihn schieben und ihn sofort entlassen. Sophie traf doch keine Schuld. Sie war schließlich ein "gutes Kind" ...

 

Kim legte seinen Kopf an Eduards Brust und der Graf hielt ihn fest in seinen Armen. Er wollte ihn nie wieder gehen lassen. Nie wieder würde man sie trennen.

Er strich Kim eine Haarsträhne aus der Stirn.

"Nie wieder!"

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-to be continued-

 

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