Forgivable Sinner 13

Part 13: We are alone...

 

"Nun, mein lieber Eduard... dann werde ich mich jetzt verabschieden!"

Der Fürst sah dem Grafen genau ins Gesicht als er an ihm vorbei ging. Ein Dienstbursche öffnete ihm sogleich die Tür, doch bevor er hinaus ging, drehte er sich noch einmal um und fasste in seine Jackentasche.

"Ach ja... jetzt hätte ich ja beinahe das wichtigste vergessen. Hier, ich soll dir diese Einladung überbringen."

Er überreichte von Kalau einen weißen Umschlag mit den Initialen E. M..

"Der Brief ist von deiner Großcousine. Sie wird bald heiraten und der Ball soll schon einmal ein kleiner Vorgeschmack auf die eigentliche Feier sein..." Daraufhin verschwand er und mit ihm die Spannung, die die ganze Zeit im Raum gelegen hatte.

Eduard öffnete gerade das Couvert, als er eine sanfte Berührung an seiner Wange spürte, die gleichzeitig etwas brannte.

"Was tust du denn, Kim?"

Er blickte in das besorgte Gesicht des Jungen.

"Hat ER Euch diesen Kratzer im Gesicht hinterlassen?" Eduard tastete danach.

"Das ist nicht schlimm. Vermutlich ist das passiert, als ich die Treppen hinaufstieg. Ich habe mich schon einmal an der Leiste gestoßen..."

Kim schmunzelte auf einmal.

"Seht Ihr... das könnte mir nicht passieren! Manchmal ist es gar nicht so schlecht, ein paar Zentimeter kleiner zu sein..."

"... mach’ dich nur über mich lustig!...

Was ist... hast du Lust auf einen Ball?"

"Lust schon, aber Ihr wisst doch ganz genau, dass das nicht funktionieren würde." Ganz unerwartet beugte sich von Kalau zu Kim hinunter und küsste ihn. Er strich ihm durch die Haare.

"Dort kennt dich doch niemand..."

"Ihr meint, es hat sich noch nicht herumgesprochen?"

"Meinst du, Herzogin Catharina hat den gleichen Freundeskreis wie meine Großcousine?"

"Aber..."

"Amüsier’ dich einfach ein bisschen. Du kommst mit als... als ein sehr guter Freund von mir."

"Und wenn sie es trotzdem merken?"

"Mach’ dir keine Gedanken! Du findest bestimmt ein paar nette Mädchen, mit denen du tanzen kannst..."

/Aber... wenn ich doch... nur mit Euch tanzen will.../

 

/Das Schloss ist groß! Ich komme mir so winzig vor, in dieser menschenüberfüllten Halle. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, hierher zu kommen.../

"Entspann’ dich Kim!" Eduard klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. Ach ja, hier waren sie ja nicht mehr als... Freunde.

"Eduard! Wie schön, dass du gekommen bist! Ich hatte dir eine Einladung auf Schloss Hornbach bringen lassen, aber da du dort nicht anzutreffen warst... Ich bin so froh, dass Fürst Minsk dich doch noch aufgefunden hat. Damit hat er mir einen großen Gefallen getan... Du kommst heute gar nicht in Begleitung?"

Eduard packte Kim am Handgelenk und stupste ihn in das Sichtfeld seiner Cousine. "Ein Freund von mir. Er ist etwas schüchtern..."

Eduards Großcousine musste plötzlich lachen.

"Ich kann es kaum glauben... sollte sich der berüchtigte Graf Eduard von Kalau tatsächlich langsam einmal mit seinen Liebschaften etwas zur Ruhe gesetzt haben? Ich... erinnere mich an keine Begegnung mit dir, bei der du nicht eine neue Frau im Arm gehalten hast..."

"Jetzt halte ich eben einen Mann im Arm!"

Kim Herz begann auf einmal wild zu schlagen. Wie konnte Eduard nur so etwas sagen?!

Er blickte in das Gesicht der Cousine des Grafen. Sie war im ersten Moment kreidebleich geworden, aber nach ein paar Sekunden verzog sich der Schreck und sie lächelte wieder.

"Deine Späße werden aber auch immer geschmackloser..."

"Evelyn... dein Vater ist soeben angekommen!"

"Oh... mein Vater ist endlich zu Hause! Bitte entschuldigt mich! Getränke und das Buffet findet ihr dort und ansonsten... amüsiert euch einfach!"

Der Graf gab Evelyn noch einen Handkuss und bedankte sich.

"Siehst du, Kim... Keiner hat hier auch nur den leisesten Verdacht, dass wir... mehr als nur... Freunde sind..."

/...ein geschmackloser Scherz.../

Kim strich sich eine Strähne aus seinem Gesicht.

"Na schön... dann will ich mich hier mal ein bisschen umseh’n."

Eduard sah seinem Schützling hinterher. Kims schlanke Figur... seine schmalen Hüften, aber die männlichen Schultern... sie hatten so etwas... magisches an sich und fingen jedes mal seinen Blick.

"Du solltest ihm nicht so hinterher stieren, das könnte etwas auffällig sein..." Der Graf drehte sich um.

"Heinrich!"

Sein Bruder hob die Schultern. "Ja... dein armer kleiner vergessener Bruder Heinrich. Gib’s zu... nicht eine einzige, winzigkleine Sekunde hast du an mich gedacht!" Er wedelte mit einem weißen Umschlag vor Eduards Gesicht herum. "Aber... hahaaaa... so trifft man sich eben wieder! Ich bin zufälligerweise auch eingeladen worden. Hast du Evelyn schon geseh’n?"

Eduard nickte nur stumm.

/Wortkarger Kerl!/

"Ich würde ihr gerne meine Frau vorstellen."

"Du hast sie mit hierher gebracht?"

"Hast du was dagegen?"

Ein Kopfschütteln.

"Ah... da vorne ist sie ja! Warte hier, ich hab’ noch was mit dir zu bereden!"

Kim hatte sich indessen unter die Massen gemischt. Ihm war schon ganz schwindlig von dem süßlichen Duft der Parfums, die sich in dem stickigen Ballsaal vermischten. Mit einem Seufzer ließ er sich auf einen Stuhl fallen, der am Rand des Zimmers stand. Ein Bediensteter kam gerade vorbei und bot ihm ein Glas Champagner an.

Die Kühle des Getränks tat ihm gut. Er lehnte seinen Kopf zurück an die Wand.

"Na Süßer... Ihr hattet wohl ein Gläschen zuviel, was?" Eine auffällig geschminkte ältere Frau mit hohen Stöckelschuhen und eng abgeschnürter Taille stand vor ihm und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.

Kim wusste nicht, was er sagen sollte. Wenn er sie abweisen würde, wäre sie vielleicht zutiefst betrübt oder vielleicht machte sie sich andererseits auch einfach nur einen Spaß mit ihm.

"Madam... ich bin viel zu jung für Euch..."

Er hatte sie nicht zurückhalten können. Diese Worte waren einfach aus seinem Mund geflossen und hatten der Frau wohl deutlich genug zu verstehen gegeben, dass er sich nicht für sie interessierte. Es tat ihm leid, dass er sie so verletzt hatte, aber manchmal war die Wahrheit eben doch der beste Weg.

"Zu jung? Du solltest eher sagen zu unreif!" Damit drehte sie sich auf ihren Absätzen um und mischte sich wieder unter die Menge.

"Du hast ja tatsächlich auf mich gewartet! Das kommt selten vor, kleiner Bruder! Komm’ mit, ich will dir etwas zeigen..."

Heinrich führte Eduard in einen großen Saal, in dem sich vornehmlich Männer tummelten. Einige saßen zusammen an einem Tisch und redeten, andere hatten es sich auf den Sofas bequem gemacht, die hier überall standen. Der Graf ließ seinen Blick schweifen und wirkte plötzlich wie erstarrt.

"Ja... genau das wollte ich dir zeigen, Eduard! Also pass auf dich auf!"

Der Graf blickte unerwartet zur Seite, wich den Blicken seines Bruders aus. "Was wolltest du mir zeigen, Heinrich? Doch nicht etwa, dass da Fürst Minsk sitzt, zusammen mit seinem Kreis an nichtsnutzigen Freunden?"

Heinrich sah Eduard eindringlich an. "Pass’ auf dich auf! Ich glaube, dass Interesse ist noch immer da!"

Von Kalau lächelte bitter. "Sei nicht albern. Ich ... bin nicht mehr der kleine, wehrlose Junge von damals, verstehst du?"

"Nein, dieser kleine Junge bist du tatsächlich nicht mehr. Aber... du bist... schön, Graf von Kalau!" Eduard wusste nicht wie ihm geschah, als Heinrich plötzlich seine Haare zurückstrich und ihn mit diesen feurigen Augen ansah.

"So schön, dass du manchmal sogar... sogar deinen eigenen Bruder verblendest..."

"Heinri..." Heinrich legte ihm den Zeigefinger auf die Lippen. "Tu’ wenigstens einmal was ich dir sage! Du denkst du bist groß, größer als er, dass gebe ich zu, aber was er damals mit einfachen Mitteln bewerkstelligen konnte, wird er heute mit anderen erreichen. Sei nicht so dumm, Eduard..." Heinrich seufzte tief, sah dem Grafen anschließend noch einmal in die Augen und verschwand dann, ohne auch nur ein weiteres Wort zu seinem Bruder zu sagen.

/Ich... bin nicht schön... meine Seele ist befleckt und raubt mir die Unschuld der Jugend.../

Von Kalau lehnte sich an die Wand, gleich neben der Tür. Ihm war es egal, ob ihn die anderen anstarrten oder nicht.

In einer Ecke hörte er es tuscheln. "Hey, habt ihr ihn geseh’n?"

"Wen meinst du denn?"

"Wenn mich nicht alles täuscht, ist heute Abend sogar Eduard hier!"

"Eduard? Der Lustknabe von Minsk?"

"Genau! Der hat sich vielleicht verändert..."

"Wie hast du ihn erkannt?"

"Ich konnte mich noch an seine Augen erinnern und an... seinen perfekten Körper!"

"Perfekt? Harharhar... wenn der tatsächlich der Lustknabe von Minsk war, dürfte nicht mehr so ganz perfekt sein... harharhar!"

"Pssst. Seid leise. Da kommt er!"

Eduard schritt langsam und stolz an ihnen vorbei, blieb dann kurz stehen. In ihm brannte eine Wut, doch er hielt sich zurück. - Nein, kein Sterbenswörtchen würde er zu ihnen sagen. Nicht zu diesem Abschaum...

/Kim... ich hoffe nur, dass man nicht mit dir darüber spricht... Würdest du mich dann verabscheuen? (Vielleicht. Vielleicht auch nicht... wer weiß das schon...)/

Eduard kam in den Ballsaal. Auf gewisse Weise wusste er, dass Kim hier war, aber er konnte ihn nirgendwo entdecken.

"Suchst du ihn?"

Eduard zog seine Augenbraue nach oben und grinste.

"Wie kommt es, dass ich dich ständig treffe, Heinrich?" Er musterte seinen Bruder, der sich wieder einmal unschuldig den Hinterkopf rieb.

"Spionierst du mir nach? Unterlass’ das!"

"Niemals würde ich dir nachspionieren! Was denkst du denn von mir? Wir beide ziehen uns eben magisch an...!"

Eduard wollte gerade gehen, als Heinrich seinen Arm ausstreckte und auf eine Schar von jungen Damen deutete.

"Versuch’s mal dort drüben... Der Kleine scheint bei der weiblichen Gattung ziemlich beliebt zu sein..."

"Weißt du,... was ich jetzt tun werde, Heinrich?"

Der Graf beugte sich zum Ohr seines Bruders...

"Ich werde..." Heinrichs Augen wurden immer größer.

"Das... das ist doch ein Scherz, oder?" Doch noch ehe er diesen Satz beendet hatte, war von Kalau schon in den Massen verschwunden.

"... so etwas würde er nicht tun... (Doch...)"

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