Part 18

Part 18: CrimsonII

"Es... ist nicht so schlimm, wie es aussieht...Ich..."

"Nicht so schlimm?" Heinrich war Eduard ins Wort gefallen. Er lief mit langsamen Schritten auf den Grafen zu, wobei er ihn mit seinen Blicken visierte.

Eduard senkte seinen Kopf.

"Ich... gehe jetzt, Heinrich! Ich habe noch etwas sehr wichtiges zu tun. Bitte entschuldige mich!"

Schweigen, nur das ferne Klappern von Pferdehufen auf dem kalten Asphalt war zu hören.

Heinrich streckte seine Hand nach Eduards Schulter aus und hielt ihn fest.

"Ich war so dumm. Wieso bin ich nicht früher darauf gekommen? Ich hätte es doch sehen müssen, ich hätte dich kennen müssen... ... ... ... ... Kim weiß es nicht, hab’ ich recht?"

/O ja, wie recht ich doch habe. Ich sehe, wie du dich quälst. Hast du Schmerzen, Eduard? Hast du Schmerzen, die du versuchst, vor allen geheim zu halten?/

"Und du wirst es ihm auch nicht sagen, Heinrich!"

"Denkst du, dass du es noch lange verheimlichen kannst?"

"Es... wird bestimmt bald wieder besser."

"Hey... seht mich an, Graf von Kalau!" Heinrich legte seine Hand unter Eduards Kinn, doch Eduard entriss sich ihm mit einer raschen Bewegung.

"Ich mag es nicht, wenn du mich so nennst und das weißt du auch."

"Und ich mag es nicht, wenn du mit offenen Armen deinem eigenen Tod entgegenrennst."

/Wut! Ja, wie sehr sie sich doch in deinen unendlich tiefen Augen spiegelt. Du konntest deine Gefühle immer gut verbergen, aber wenn du wütend warst, hattest du immer diesen Glanz in den Augen. So wie jetzt.../

"Deswegen also die Geschäftsreisen, ja?"

Der Graf sagte kein einziges Wort.

"Du willst nicht, dass Kim mitbekommt, was mit dir los ist, richtig? Deswegen bist du ständig unterwegs. Er soll nicht merken, wie du hustest, wie du dein Hemd mit deinem eigenen Blut befleckst... Du brauchst einen Arzt!"

"Ich brauche keinen Arzt. Das wird schon wieder..."

"Wieso kannst du um Gottes Willen nicht einmal vernünftig sein?!"

*husthust*

"Ich... ich gehe jetzt..."

"Wo willst du hin?"

"... Minsk..."

Heinrichs Augen wurden immer größer, als dieser Namen über Eduards Lippen kam.

"Minsk..." flüsterte er leise.

"Aber..."

Von Kalau schüttelte den Kopf.

"Ich muss mit ihm... etwas klären."

"Ich kann dich nicht aufhalten, jetzt zu gehen, oder?"

Von Kalau lächelte müde und sah Heinrich ins Gesicht.

"Es geht mir bestimmt morgen schon wieder besser. Ich muss mich nur etwas ausruhen. Mach’ dir keine Sorgen um mich /Ich... ich bin es nicht wert.../."

Heinrich fühlte sich so verdammt hilflos. Er sah, wie sein Bruder mit unsicheren Bewegungen in die Kutsche einstieg. /Geh’ nicht, Eduard! Geh’... bitte nicht.../

Plötzlich hallte ein lautes Wiehern durch die Luft und Heinrich sah gerade noch, wie die Kutsche seines Bruders um die Ecke bog. Es war finster, doch er bildete sich ein, Eduard sehen zu können, wie er einen Finger auf seinen Mund gelegt hatte und ihn zum Schweigen aufforderte. /Du vertraust mir... /

Die Nachtluft, die durch das leicht geöffnete Fenster der Kutsche strömte, war kalt und Eduard schlang seinen Mantel noch fester um sich.

*husthusthust* *husthust* *husthusthusthust*

Seine Hand glitt an seine Brust, mit der anderen hielt er sich ein Taschentuch vor den Mund, auf dem sich deutlich rote Flecken abzeichneten. Sein Atem ging schwer und er lehnte sich erschöpft zurück.

/Ich hasse diesen Körper. Ich hasse ihn so sehr... Er hat dir Schmerzen bereitet Kim... anngggghhh... und er bereitet mir Schmerzen, die drohen, mich in ihrer Heftigkeit zu ersticken.../

"Ganz ruhig, Eduard! Es wird bestimmt gleich wieder besser (wird es das?)." Er versuchte, ruhiger zu atmen, tiefer einzuatmen, auch wenn es ihm schwer fiel.

"Herr? Wir sind bei Fürst Minsk angekommen. Kann ich noch etwas für Euch tun?" Der Kutscher war am kleinen Fenster der Kutsche erschienen und sah den Grafen erwartungsvoll an.

"Nein, nein, Johann. Ich danke dir. Es wird wohl eine Weile dauern, bis ich hiermit fertig bin. Du kannst nach Hause fahren. Ich werde mir dann eine andere Kutsche kommen lassen..."

"Ich kann auch auf Euch warten, wenn Ihr es wünscht..."

Eduard machte eine abfallende Handbewegung und der Kutscher verstand. Er ergriff von Kalaus Hand und half ihm beim Aussteigen.

"Ich möchte Euch ja nicht zu nahe treten, Herr, aber Ihr solltet Euch wieder einmal etwas ausruhen..."

Der Kutscher zuckte regelrecht zusammen, als er merkte, dass von Kalau ihn mit seinen grünen Augen kurz anblickte. Doch dann wandte er ihm sogleich den Rücken zu und lief zum Eingang der großen Residenz des Fürsten. Er wurde sogleich vom Dienstpersonal empfangen und man führte ihn, nachdem man ihm den Mantel abgenommen hatte, in ein kleines Zimmer.

"Ich wusste, dass du es früher oder später ohne mich nicht mehr aushalten würdest, mein lieber Eduard!"

Minsk saß in einem breiten Sessel und hatte die Beine übereinandergeschlagen. Eine Zigarre wanderte spielerisch in seiner Hand zwischen den Fingern hin und her. Der Fürst verschmälerte seine Augen als er den Grafen vor sich stehen sah.

"Es ist spät... also wollen wir uns gleich auf mein Schlafgemach begeben? Oder bevorzugst du doch die kalten Wände des Kellers? Ja, ich glaube, die würden die ganze Angelegenheit noch ein bisschen spannender machen..."

Eduard zog einen kleinen weißen Zettel aus seiner Jackentasche und legte ihn mit Nachdruck auf den braunen Tisch, der zwischen ihm und Minsk stand.

"Lasst das Gerede!" Von Kalau deutete mit seinem Zeigefinger auf das Papier.

"Wie oft soll ich Euch noch sagen, dass ich Schloss Hornbach nicht verkaufen werde?"

Minsk nahm einen Zug von seiner Zigarre und lächelte lustvoll.

"Ich lasse mich nicht so leicht abfertigen, Eduard! Du weißt, dass ich immer alles bekomme, was ich will!"

"Schloss Hornbach wird Euch nie gehören! Ich verkaufe es nicht an Euch!" *husthust*

"Es wäre bei mir in guten Händen..."

Über diese Bemerkung konnte Eduard nur bitter lächeln. /Verdammt... nicht jetzt... meine Brust... sie schmerzt.../

"Was ist denn los mit dir, Junge? Du wirkst auf einmal so blass..."

*husthusthust* Der Graf hielt sich beide Hände vor den Mund, doch er konnte es nicht verhindern. Er konnte nicht verhindern, dass wieder Blut floss.

"Oha... da hat sich wohl jemand was eingefangen..."

"Das tut nichts zur Sache, Minsk!"

"Das tut nichts zur Sache? Du kommst hier auf meine Residenz, schleppst diese Krankheit mit ein und das ganze tut nichts zur Sache, mein lieber Eduard? Du erstaunst mich immer wieder..."

Minsk stand auf und trat auf Eduard zu, der noch immer hustete.

"Ich... ich verkaufe Hornbach nicht. Nicht an Euch!"

"Eduard..."

/Schwarz... alles wird... so schrecklich schwarz.../ Die letzten Worte des Fürsten konnte von Kalau nicht mehr hören. Er schloss die Augen und sein Körper fiel zu Boden.

 

"Na, aus unseren Träumen wieder erwacht?" Als der Graf langsam und benommen die Augen aufschlug war das erste, was er sah, Minsks Gesicht, das sich neugierig über ihn gebeugt hatte. "Es ist jetzt schon fast Morgen, Kleiner. Du hast mich lange warten lassen."

Von Kalaus Blick schien noch etwas benommen und er konnte seine ganze Umgebung zuerst nur sehr verschwommen wahrnehmen. Doch als er sich über die Augen reiben wollte, spürte er, dass er seine Arme nicht bewegen konnte, ohne einen Schmerz in seinen Handgelenken hervorzurufen.

*husthust* Er wollte sich aufsetzen, doch auch das gelang ihm nicht.

/Er... hat... mich in Ketten gelegt?!/

"Mein lieber Eduard... sieh mich doch nicht so wütend an... Dachtest du etwa, dass ich die Gelegenheit nicht nutzen würde? Ich habe es einfach nicht über das Herz gebracht, dich so einfach nach Hause zu schicken."

Von Kalau fror. Das alte Fenster mit dem schweren Holzrahmen war einen Spalt geöffnet und die kühle Herbstluft durchströmte das Zimmer. Es regnete in Strömen und für einen Moment war das gleichmäßige Prasseln der Regentropfen auf dem Fensterbrett das einzige Geräusch, das zu hören war.

"Du zitterst ja wie Espenlaub, Junge..."

Minsk machte einige Schritte auf den Grafen zu, dessen Hände hinter seinem Kopf am Bett gefesselt waren. "So jung... und schon so krank..."

Der Fürst spürte, wie von Kalau jetzt am liebsten auf ihn losgegangen wäre, doch dann grinste er, da er wusste, dass es unmöglich war.

"Wenn du heute besonders nett zu mir bist, Eduard... dann belohne ich dich vielleicht hinterher. – Vielleicht rufe ich dir einen Arzt..."

*husthusthusthust*

"Sieh’ dir nun das Laken an. Du bist ein kleiner böser Junge! Jetzt muss ich es schon wieder wechseln lassen..."

Eduard versuchte zu grinsen.

"Was habt Ihr nun vor, Fürst? Wollt Ihr mich vögeln und dann auch Blut spucken?"

Minsk trat noch näher an von Kalaus Bett. Eduard bemerkte, dass der Fürst Handschuhe trug.

"Es... ist tatsächlich ein Jammer."

Eduards Blick fiel auf Minsks Hose und er konnte deutlich sehen, wie erregt der Fürst war. Angewidert schloss er für einen Moment seine Augen.

"Ahh... du hast mich also durchschaut, was?" Langsam fuhr er sich mit der Hand zwischen die Beine.

"Das ist nicht nett, was du mit mir tust, Eduard! Du solltest damit aufhören, hörst du?" Als er dies sagte, glänzten seine Augen, als würde er jede Sekunde über den Grafen herfallen wollen. Doch die Tatsache, dass Eduard schwer krank war, hielt ihn davon ab. Stattdessen setzte es sich neben ihn aufs Bett und schob mit einer grazilen Langsamkeit die dünne Decke beiseite.

"Du hast in letzter Zeit ziemlich wenig gegessen, oder, Eduard? Du bist für deine Größe fast schon zu schlank..."

"Was redet Ihr wieder für einen Unsinn?"

Minsk schlug ihm ins Gesicht. "Oh... ich... ich sollte einen kranken Jungen wohl nicht schlagen. Aber manchmal machst du mich einfach viel zu wütend... Nun, wo waren wir stehen geblieben? Ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich dich vorhin, während du noch bewusstlos warst, entkleidet habe? Weißt du, es erregt mich genauso sehr, deinen Körper nackt unter diesem Laken zu wissen, wie ... wie... dich ganz entblößt vor mir zu haben." Und mit diesen Worten riss er mit einem Ruck die Decke von Eduards Körper.

"Ich muss mich korrigieren... So ist es doch noch etwas besser..." Er leckte sich mit seiner Zunge über die Oberlippe. Noch immer ruhte seine rechte Hand zwischen seinen eigenen Beinen.

*husthust* *husthusthusthust* *hust*

Eduard spürte, wie ihm sein eigenes Blut am Hals entlang lief, sich in der Vertiefung zwischen seinen beiden Schlüsselbeinen für kurze Zeit sammelte und dann über die Brust und an seiner Seite hinablief.

"Sie tut dir weh, nicht wahr? Deine Brust, sie schmerzt dich, habe ich nicht recht? Doch darum kann ich mich jetzt nicht kümmern. Ich bin jetzt bereit, dich zu nehmen..."

Eduard schreckte zusammen. "Ihr wollt mich...?"

Minsk hatte seinen Finger auf Eduards Mund gelegt. "Shhht, Kleiner." Dann klatschte er zweimal in die Hände und eine kleine Tür, die in ein Nebenzimmer führte, öffnete sich vorsichtig.

"Denkst du, ich bin so unvorsichtig und will mich bei dir anstecken? O nein, da hast du dich aber getäuscht!"

Eduard blickte zur Tür und seine Augen wurden immer größer, als er sah, wie ein junger Bediensteter hereinkam. Er war nackt und steuerte direkt auf den Fürsten zu. Ohne zu Zögern. Von Kalau bemerkte, wie ab und zu ein Scheuer Blick des jungen Mannes zu ihm herüberdrang.

"Ihr habt mich gerufen, mein Herr?"

"Komm her, mein kleiner Liebling! Ach nein Hans, bevor wir beginnen, musst du erst noch das Fenster dort ganz aufmachen. Ich will, dass unser Besuch die ganze Schönheit des regnerischen Morgens sehen kann." Dabei lachte er laut auf. Hans tat wie ihm befohlen worden war und lief dann erneut zum Fürsten, der sich inzwischen zum Tisch begeben hatte, der etwa zwei Meter vom Bett entfernt stand, in welchem Eduard lag.

Von Kalau wollte nicht darüber nachdenken, was kommen würde. Er wollte... wollte einfach nur wieder zu Hause sein, bei Kim, ihn in den Arm nehmen, seine Wärme spüren. Es war wirklich dumm gewesen hierher zu kommen und zu glauben, er wäre durch seine Krankheit sicher vor den lustvollen Gedanken des Fürsten.

Er wurde plötzlich zurück in die Realität geholt, als er ein leises Stöhnen des Bediensteten vernahm. Er blickte hinüber, zu Minsk, der nun hinter dem jungen Mann stand und sich in gleichmäßigem Rhythmus immer wieder nach vorne und zurück bewegte.

"Was siehst du mich denn so erschrocken an, Eduard?"

"Lasst den Jungen gehen!"

"O... dieser Junge hier ist zufällig nur zwei Jahre jünger als du und ihm gefällt, was ich mit ihm tue. Aber darauf kommt es gar nicht an, Eduard! Denn im Grunde ist er mir wertlos."

Von Kalau bemerkte den bitteren Gesichtsausdruck auf Hans’ Gesicht.

"Ihr seid so ein kranker Mistkerl, Min..." *husthusthusthust* *husthust*

"Uhhh.." Hans stöhnte wieder, als Minsk von neuem in ihn eindrang.

"Shhht... Hans. Heute musst du dich ganz leise verhalten... Hörst du es denn nicht? Dieses wunderbare Geräusch? Das schwere Atmen dieses Prachtstückes an Mann, das da in meinem Bett liegt? Hör’ genau hin und sei ganz still..."

Es war Eduard gar nicht mehr aufgefallen, was er für Schwierigkeiten beim Atmen hatte. Aber Minsk hatte recht. Er musste die Luft regelrecht in seine Lungen zwingen und von Atemzug zu Atemzug fiel es ihm schwerer.

Die feucht-kalte Luft die durch das weit geöffnete Fenster strömte sorgte dafür, dass ihm noch kälter wurde, dass sein ganzer Körper zitterte, seine Lippen schon fast blau wurden.

"Uh...uh... hast... uh… hast du gewusst, Eduard… uh, verdammt Hans, halt’ still... hast du gewusst Eduard... dass unser Klima tödlich für dich ist? Spürst du, wie sich die feuchte Luft in deinen Lungen festfrisst? Uh... arrrgghhh... ich ... huh... ich liebe es, wenn du dich mit deinem eigenen Blut bekleckerst. Weißt du... ich... uh uh.. ich stelle mir vor, dass du es bist, der hier gerade vor mir steht... dass du es bist, den ich gerade nehme. Spürst du mich in dir, Eduard?"

/Ich... ich spüre... nichts mehr. Nur noch... diese verfluchten Schmerzen in meiner Brust, die nicht enden wollen und mich fortziehen wollen, zurück in die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit. Vielleicht ist es besser zu gehen, vielleicht...ist.../

Er hatte seine Augen nur halb geöffnet, Schweißperlen standen auf seiner Stirn und das Heben und Senken seiner Brust war sehr unregelmäßig. Er sah plötzlich, wie Minsk zu Boden geschlagen wurde, wie Hans aus dem Zimmer rannte und wie sich ein ihm bekanntes Gesicht über ihn beugte. Heinrich.

"Heinr..."

"Shhht, Eduard. Sag jetzt nichts!" In der Ferne vernahm von Kalau noch die Stimme eines Dienstmädchens: "Fürst, Herr... es tut mir leid. Ich... ich konnte ihn nicht aufhalten, er ist einfach hereingekommen und..."

"Eduard... du musst jetzt ganz ruhig bleiben, ja? Du hast hohes Fieber, hörst du?" Eduard lächelte nur schwach. Dann fühlte er, wie sich sein eiskalter Körper wieder etwas aufwärmte, spürte, wie Heinrich seinen Mantel um seinen Bruder legte, ihn abkettete und ihn dann beim Gehen stützte.

"Komm Eduard. Es wird alles wieder gut..."

"Wie...?"

"Wie ich hierher komme? Als Kim mir heute morgen erzählt hat, du wärst noch nicht zu Hause, wusste ich, dass etwas vorgefallen sein musste. Du hättest auf mich hören sollen, Kleiner!"

Das war alles, woran er sich erinnern konnte. Danach war alles nur noch schwarz.

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