Part 20

Part 20: Forgivable Sinner

"Ich... sterbe nicht, Kim!"

Eduard hob seine Hand zu Kims Gesicht, berührte es jedoch nicht, sondern ahmte die Bewegung nur nach. Seine grünen Augen lächelten.

"Geh’ jetzt... Du *husthusthust*... du solltest eigentlich gar nicht hier sein. In einer Woche sieht die Welt schon wieder anders aus. Mach’ dir keine Sorgen um mich. Das... wird schon wieder..."

Es klopfte an der Tür und Heinrich kam herein. "Ich will euch beide nicht stören, aber..."

Eduard sah Kim tief in die hellen Augen. "Heinrich wird sich um dich kümmern, Kim... Bitte *hust* lasst mich jetzt alleine. Ich würde gerne etwas schlafen."

Kim lächelte von Kalau an und verließ anschließend mit Heinrich das Schlafgemach.

Eduard blickte auf seine Bettdecke und seine Hände verkrampften sich. Er atmete schwer und eine einzelne Träne rann seine Wange hinab, bis sie schließlich in die Tiefe stürzte.

"Das ist absolut inakzeptabel, tut das nie wieder!"

Heinrich und Kim drehten sich erschrocken um und sahen, wie der Doktor mit großen Schritten auf sie zugeeilt kam.

"Ich habe Euch strengstens untersagt, auch nur in seine Nähe zu kommen! Jeglicher Kontakt mit dem Grafen muss in nächster Zeit vermieden werden!"

/Was???/

"Was macht Ihr noch hier? Ich dachte, Ihr hättet Euch bereits verabschiedet und wärt gegangen...?" Heinrich musterte den Doktor misstrauisch.

"Ich musste Eurem Personal noch Anweisungen geben, wie sie sich in der nächsten Zeit zu verhalten haben. Aber weicht mir nicht aus! Ich untersage Euch den Kontakt mit von Kalau!"

Kim spürte einen tiefen Schmerz in seinem Herzen.

"Soll Eduard etwa die ganze Zeit alleine sein?! Wir müssen uns um ihn kümmern!"

"Das werde ich tun! Ich werde jeden Tag zweimal vorbei kommen und nach ihm sehen..."

"Aber das... das könnt Ihr doch nicht von mir verlangen...?! Dass ich ihn nicht sehen darf... Wenigstens sehen..."

"Seid Ihr sein Bruder, ein Verwandter?"

Kim schüttelte vorsichtig den Kopf.

"Was soll denn die Fragerei? Ihr wisst doch, dass der Kleine hier Eduards Geliebter ist!"

Heinrich konnte das Geschwätz des Arztes nicht länger ertragen. Am liebsten wäre es ihm gewesen, ein anderer Doktor hätte Eduard untersucht, aber er war der einzige, der dazu auf die Schnelle bereit gewesen war.

Der Arzt setzte eine nachdenkliche Mine auf.

"Mhhmmm... ich war mir dessen nicht sicher..."

"Wovon redet Ihr?"

"Hattet Ihr..." er zögerte als er Kim ansah.

"Hattet Ihr Verkehr miteinander?"

Bei dieser Frage wurde Kim plötzlich rot. Heinrich legte seine Hand auf Kims Schulter.

"Wozu wollt Ihr das von dem Jungen wissen?"

"Ich denke, diese Krankheit... sie könnte wohl, nein es muss so sein..."

Heinrich lachte verachtungsvoll.

"Ihr versucht doch nicht etwa gerade zu sagen, dass mein Bruder Tuberkulose hat, weil er mit Kim geschlafen hat, oder?"

Der Arzt rückte seine Brille zurecht. "Ich sage, dass es anzunehmen wäre."

/Wegen... wegen... mir? Weil... weil wir uns liebten?!/

"Ich muss noch zu einer Patientin. Ich verabschiede mich. Auf Wiedersehen..."

Heinrich und Kim sagten kein Wort und warteten, bis der Doktor die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Kim stand da, wie erstarrt. "Wegen... mir?"

"Das wirst du ihm doch nicht glauben, Kim, oder?"

Heinrich schluckte als er bemerkte, dass Kim sich nicht regte. "Dieser Mann weiß nur nicht, wie er es sonst erklären soll. Wo Eduard sich diese Krankheit geholt haben könnte. Aber Kim, eines musst du mir glauben, ... es liegt nicht daran, dass ihr beide Männer seid und... miteinander geschlafen habt..."

/Kim nickte, doch ich weiß nicht, ob er es mir wirklich glaubte. Er war manchmal so undurchsichtig. Immer dann, wenn er sich für irgendetwas verantwortlich fühlte. Ich kann nicht sagen, ob er es mir glaubte, ich weiß nur, dass ich recht hatte... Eine Woche verging und ich musste Kim sehr oft trösten und ihn aus seinen Alpträumen wecken, die er nachts so oft hatte. Er erzählte mir nie etwas davon, was er geträumt hatte, sondern lächelte mich immer nur an, nachdem er sich bei mir bedankt hatte. Und Eduard? Wir besuchten ihn trotzdem, auch wenn man es uns verboten hatte. Ich hätte es nicht ertragen können, meinen Bruder alleine zu wissen, ich nicht, und vor allem nicht Kim. Der Arzt kam jeden Tag zweimal. Einmal hätte er uns fast gesehen als wir aus Eduards Zimmer kamen, aber auch nur fast. Ich weiß, dass Kim jedes Mal Angst hatte, als der Arzt wieder aus Eduards Schlafgemach kam. Er hatte Angst, er könnte schlechte Neuigkeiten bringen und deswegen überließ er es immer mir, mit dem Doktor zu sprechen. Ich hasste diesen arroganten Kerl, mit seinen Thesen über Eduards Krankheit, mit seinen verachtenden Blicken auf meinen Bruder. Vielleicht konnte er es sich einfach nicht vorstellen, wie es ist, einen Mann zu lieben. Nicht zu begehren, sondern zu lieben. Aber das ist auch egal. Ich war froh, dass die kleine Sophie Kim besuchen kam. Ich merkte, wie sie ihm neue Hoffnungen gab. Ich bin ihr dafür so dankbar, denn sie schaffte das, was mir nie gelang./

Eineinhalb Jahre später...

Kim trat in den großen Schlosshof und dehnte sich. Die warmen Strahlen der goldenen Morgensonne schienen ihm ins Gesicht. Er hob seine Hand und hielt sie vor seine Augen, damit er in den wolkenlosen Himmel blicken konnte.

"Endlich ist es wieder Frühling!" Er sog die frische Luft in seine Lungen und breitete die Arme aus, in den naheliegenden Bäumen zwitscherten kleine Vögelchen und hüpften von Ast zu Ast.

Er stand eine ganze Weile einfach nur so da und blickte in das unendliche Blau. Dann spürte er eine warme Hand an seiner Schulter.

Er drehte sich nicht um, sondern lächelte nur sanft.

"Sieh’ in die Ferne.

Wie der Waldvögel Klang mit dem Rauschen des Baches mischt.

Dunkel die Erde voll göttlicher Kraft.

Zerfließet der Honig unter der Seide der Sonne...

Ist es nicht komisch, dass ich mir ausgerechnet dieses Gedicht gemerkt habe? ... ... ... Ich wünschte..."

...

...

...

"Was wünschtest du dir?"

...

...

...

"Der Himmel, so blau! Und alles ist so friedlich. Ich wünschte...

...

...

...

...er hätte es noch einmal sehen können."

Trauer überschattete sein Gesicht. Er legte seine Hand über die auf seiner Schulter.

Nur noch das Wehen des warmen Windes und das Rascheln der Blätter war zu hören.

"Ich wünschte, Eduard hätte es noch einmal sehen können..."

Schweigen.

Kim hob seine Hand und blickte auf seinen Ringfinger.

"Es war sein Abschiedsgeschenk, nicht wahr?"

Stille.

 

"Ja, sein Abschiedsgeschenk. Das Abschiedsgeschenk der Liebe meines Lebens...

...

...

...

...

Kim drehte sich um, neben ihm stand Heinrich, dessen Hand noch immer auf Kims Schulter lag. Sie sahen sich in die Augen, lächelten....

...

...

Wir lebten.

Wir liebten.

Für immer.

Und nie wieder.

Waren wir Sünder?

Unsere Herzen schlugen im gleichen Takt,...

...

...

...

...

was war so falsch daran???

 

 

FINIS  Forgivable Sinner

 

 

 

 

 

author’s notes:

Meine erste Fic ist beendet^^! Ich würde mich sehr über comments freuen (immer her mit der Kritik *^_~*). Und ein liebes Dankeschön an alle, die FS bis zum Ende mitverfolgt haben!

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