Part 5

Part 14:

 

So schnell wie möglich hatte er das Schloss des Herzogs verlassen, war die Treppen hinabgerannt, die nur den Bediensteten zugänglich waren, um sich vor vorwurfsvollen Blicken der Gäste zu schützen. Er hatte nicht hinter sich gesehen, immer nur geradeaus und erst, als er allein in einer Kutsche saß, konnte er aufatmen. Die Fahrt kam ihm wie eine halbe Ewigkeit vor, das Schaukeln des Gefährtes drohte ihn sanft in den Schlaf zu wiegen. Nur die lähmenden Gedanken an die vergangenen Stunden hielten ihn wach und irgendwann kam die Kutsche zum Stehen.

 

Mit zitternden Knien stand Kim vor Schloss Hornbach, allein, in der Dunkelheit. Alles schien so friedlich still, nur das gleichmäßige Rauschen des Windes, der über die großen Grasflächen strich, störte die Ruhe.

Mit tiefen Atemzügen sog er die frische Luft in seine Lungen, die ihm das Gefühl von etwas  Freiheit gab.

 

/... dir wachsen keine Flügel.../

 

Kim wollte gerade seine Hand auf den kalten Knauf der Eingangstür legen, als auch schon von innen geöffnet wurde und Anna mit einem kupfer- schimmernden Kerzenlicht in der Hand erschien. Müde blinzelte sie ihren Herren durch die dichten Wimpern an und setzte dann ein Lächeln auf.

„Ich wusste doch, dass Ihr es seid.“

Kim trat ein und fragte verwundert mit monotoner Stimme, weshalb das Mädchen zu dieser Uhrzeit überhaupt noch auf den Beinen sei. Dann lief er, ohne auf eine Antwort zu warten, auf die große Treppe zu, die in sein Schlafgemach führte.

 

„Uhm... Herr?“ erklang das leise Flüstern Annas und Kim hielt in seiner Bewegung inne, um ihr einen eindringlichen, fast ärgerlichen Blick zuzuwerfen.

„Ihr seht müde aus und bitte verzeiht, wenn ich Euch unaufgefordert um diese Zeit noch anspreche, aber...“ Ihre Augen begannen zu funkeln, als sie stockte. Zuerst sah sie auf die kleine Kerze, die sie vor ihrem Körper in einem goldenen Ständer trug, beobachtete genau, wie sich die Flamme mit jedem klitzekleinen Luftzug veränderte. Dann erwiderte sie Kims Blick, wobei sie etwas errötete, aber standhaft blieb.

„Jemand erwartet Euch...“

Ihr Herz schlug schneller als sie die Veränderung in den Gesichtszügen ihres Herren erkannte, wie sich ein hoffnungsvoller Schimmer in seine Augen schlich, auch wenn dieser wenig später bereits wieder erlosch.

Kim bewegte seinen Mund, doch Worte drangen nicht hervor, so als habe er seine Stimme verloren. Erst schien er unschlüssig zu überlegen, aber dann drehte er sich auf der Treppe in die entgegengesetzte Richtung und stieg wieder hinab in die Vorhalle.

„Er ist also gekommen, ja?“ flüsterte er dann leise und Anna schlug sich die Hände verträumt vor den Mund, blinzelte Kim mit zusammengekniffenen Augen liebevoll an und nickte schließlich.

Stumm folgte er dem Mädchen zu einem kleinen Zimmer, durch dessen Tür bereits die Wärme eines angeschürten Kamins drang und aus dem leises Knistern verbrennenden Holzes zu hören war.

Kurz bevor Kim den Türgriff in die Hand nahm, lächelte er seinem Dienstmädchen freundlich zu.

„Ich danke dir, Anna. Du kannst jetzt wirklich schlafen gehen. Ich werde nichts weiter benötigen... heute Nacht.“ Kaum hatte er den Satz beendet, eilte die Magd auch schon davon, ohne sich noch einmal nach ihm umzusehen.

/Er ist also gekommen. Und er... erwartet mich... wartet schon lange?/

Als er seine linke Hand auf den Türknauf legte, zitterten leicht seine Beine und er atmete tief durch, um sich etwas zu beruhigen.

Leise öffnete er die Tür, sein Blick glitt an den goldenen Ornamenten hinab, die sich spielerisch in der Tiefe vereinten und dann wieder auseinander liefen, wie eine feinstrahlige Pfauenfeder. Die Augen hielt er gesenkt, als er den Raum betrat, er sah sich nicht um, sondern schloss hinter sich die Tür, bevor er erschöpft seinen Kopf an das dunkle Holz lehnte.

/Wovor habe ich Angst... /

Zögerlich wendete er seinen Körper in Richtung Kamin. Das warme Licht, welches durch den Raum floss und viele Schatten an den umstehenden Schränken, Stühlen und Tischen warf, tauchte sein Gesicht in einen bronzenen Glanz.

Sein Blick heftete sich an die breiten Schultern des Grafen, der still auf dem kleinen Sofa saß, welches direkt vor dem Kamin stand. Er bewegte sich nicht, hatte vermutlich nicht gehört, dass Kim den Raum betreten hatte.

Mit langsamen Schritten näherte sich ihm der Junge, sprach jedoch kein Wort, sondern setzte sich einfach neben den großen Mann, dessen Lippen sich bei Kims Anblick leicht öffneten.

Viele Minuten verstrichen, in denen sie nichts sagten. Sie saßen einfach nur so da, nebeneinander und von Kalau hatte sanft seinen Arm um Kims Schultern gelegt, zog ihn näher an sich.

Wie gebannt starrten sie ins Feuer, beobachteten aufmerksam das knisternde Züngeln der gelben Flammen, bis Kim das Schweigen nicht mehr aushielt.

 

„Ich sagte Euch, Ihr solltet nicht auf mich warten...“

„...“

„Weshalb habt Ihr es dennoch getan?“

 

Kim wendete seine Augen auf das Gesicht des Grafen, der seinen Blick erwiderte, aber dennoch nichts sagte. Stattdessen zog er den Jungen näher zu sich, seine rechte Hand spielte mit dem obersten Knopf seines Hemdes. Leicht glitten von Kalaus Finger über Kims warme Haut, ertasteten die kleine Vertiefung, die zwischen seinen sich abzeichnenden Schlüsselbeinen lag. Kim schluckte, als er die sinnliche Berührung an seiner Brust spürte. Er fühlte seine Vernunft dahinschmelzen, ein warmes Feuer begann sich durch all seine Glieder auszubreiten und hüllte ihn in blindes Verlangen.

Dann schmeckte er Eduard auf seinen Lippen, ihre Zungen spielten miteinander, bis sich der Graf schließlich durchsetzte und den Jungen willenlos unter sich hatte. Immer weiter öffnete er Kims Hemd, mit jedem neuen Knopf schneller atmend. Kim legte seine Hände um von Kalaus Kopf, strich durch seine weichen haselnussbraunen Haare, die ihm daraufhin ungebändigt und wild in die blasse Stirn fielen, ihn noch verführerischer erscheinen ließen.

/So lange habe ich mich nach seinen Händen gesehnt, die mir Halt geben und mich dennoch mit ihren Zärtlichkeiten in den Wahnsinn treiben. Ich lasse mich fallen, will ich die Wahrheit nicht sehen? Nicht jetzt.../

Auf Eduards Miene zeichnete sich Verlangen ab, gemischt mit der Verzweiflung des Glücks, als er Kims Hals küsste. Wehrlos lag der Junge unter ihm, ließ es geschehen, als der Graf ihm das Hemd von Körper streifte und es auf den Boden warf. Ein siegreiches Lächeln schlich sich in von Kalaus Mundwinkel, als Kim ein leises Stöhnen entwich, dessen er sich vermutlich nicht bewusst war. Doch dann kniff der Junge plötzlich die Augen zu, seine Augenbrauen legten sich in Falten. Eduard hielt inne und sah ihn eindringlich an, strich ihm mit den Fingern zärtlich über die geröteten Wangen, bis Kim seinen Arm hob und ihn sich über die Augen legte.

„Was hast du?“ flüsterte der Graf leise und schluckte, als er das Zittern unter sich fühlte.

„Möchtest du, dass ich aufhöre?“

 

/Ich will die Wahrheit nicht sehen, doch sie drängt sich mir unerbittlich auf.../

Kim zögerte einen Moment, bevor er seine Faust an Eduards Brust stemmte und ihn so dazu brachte, zurück zu weichen, so dass er sich aufrichten konnte. Bebend stützte er sich nach oben, senkte den Kopf auf seine Brust und schämte sich für seine Nacktheit, weshalb er gleich nach seinem Hemd griff und es sich über den Oberkörper legte.

Von Kalau schloss seine Augen, durchdrang Kim mit seinem Schweigen.

/Wo ist der Vorwurf in euerem Gesicht, den ich immer sah, wenn Ihr nicht bekommen habt, was Ihr wolltet?/

Aber stattdessen hörte er nur ein stilles Seufzen, das sich über die sinnlichen Lippen des Grafen schlich.

„Du fürchtest dich vor mir... Ich kann verstehen, wenn du...“

„Ihr versteht mich überhaupt nicht!“ brach es grob aus Kim hervor, dann lächelte er verzweifelt über seine eigenen Worte.

„Wie solltet Ihr auch... Ihr folgt blind Eurer Lust. Aber... Ihr überseht dabei, dass Ihr andere damit verletzt...“

„Niemals würde ich dich verletzten wollen...“

Sie sahen sich tief in die Augen, keiner wich den Blicken und Gefühlen des anderen.

„Ich rede ... nicht von mir, Eduard!“

„...“

„Euer Schweigen halte ich für Verleugnung. Wenn Euere Gemahlin davon wüsste, ich glaube, es würde sie in tiefe Trauer stürzen...“

„Wovon redest du, Kim?“

„Spielt nicht den Unwissenden! Ihr habt Schloss Wielnach einfach so verlassen, hab’ ich nicht recht?! Ohne ihr zu sagen, wohin Ihr gehen oder wann Ihr wieder kommen würdet... Habt Ihr mich auch auf diese Weise verleugnet, als Ihr Eure Affären mit zahlreichen Frauen auslebtet? Wieso sagtet Ihr nie, dass Ihr nur den Beischlaf von mir wolltet? Ihr hättet uns so viel ersparen können...“

Eduards Augen schimmerten feucht, als er in das Gesicht des Jungen blickte.

/Er senkt den Kopf... Sieht er es endlich ein? Fühlt er sich schuldig?/

„Ich weiß nicht... wie du darauf kommst, dass ich dir untreu war ,Kim! Und von welcher Gemahlin sprichst du? Ich kann deinen Worten nicht... folgen.“

Die Stimme des Grafen war schwach, fast unwirklich leise und tief.

Kim erschrak innerlich, als er von Kalau in sich zusammensinken sah, wie er seine Hand an die Stirn legte und mit glasigen Augen auf den Jungen starrte.

/Die Wirklichkeit hat noch niemanden glücklich gemacht.../

„Mein Gott, Kim...“ begann er schließlich mit unregelmäßigen Atemzügen zwischen den Worten.

„Ich weiß nicht, was man dir für Lügen über mich aufgetischt hat...  in den drei Jahren. Ich weiß nur, dass... ich dir niemals das Herz brechen wollte!“

Er fasste sich äußerlich wieder etwas und richtete sich auf, die Augen nicht von Kim abwendend, der angsterfüllt seiner Stimme zuhörte.

„Vertraust du mir so wenig, dass du anderen mehr glaubst, als mir?“

„Sie wusste von Eurer Narbe! Sie wusste, dass Ihr befleckt seid!“

„Die Narbe...“ Eduard schob seine Hand vorsichtig unter sein Hemd und strich mit den Fingerspitzen leicht über die Erinnerung an Minsk.

„Ja, sie ... verunstaltet mich. Aber... ich verbarg sie stets vor den Augen anderer, wann immer es mir möglich war...“

„Aber woher kannte dann sie...“

„Ich weiß es nicht.“

„Ihr wollt es nicht wissen!“

„...“

/Du irrst. Ich weiß es wirklich nicht.../

 

In diesem Augenblick knarrte die Tür und beide wendeten ihre Blicke in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Zuerst konnte man nicht viel erkennen, nur die schwarze Silhouette einer zierlichen Person, die sich langsam näherte. Fast schien sie zu schweben, auch wenn man deutlich das Klicken der Absätze ihrer Schuhe auf dem Marmorboden vernehmen konnte.  Erst, als das goldene Licht des Feuers ihre Züge bestrahlte, konnte man erkennen, wer es war.

„Alexandra...“ Die Stimme des Grafen klang fast erschrocken als er in das Gesicht der jungen Frau sah, dann jedoch seine Aufmerksamkeit wieder auf Kim richtete und zu lächeln versuchte.

/Ich kann das Entsetzen in deinen Augen sehen, Kim! Und nun begreife ich auch, weshalb du vor mir zurückweichst.../

Als Alexandra an die beiden herantrat und sie neugierig, aber auch ärgerlich musterte, wich Kim von Eduard und wollte aufstehen, was jedoch durch einen festen Handgriff an seinem Arm verhindert wurde.

„Hältst du etwa diese Frau für meine Gattin?“

Kim antwortete daraufhin nicht, sondern entriss sich dem Grafen und lief zu einem breiten Fenster um hinaus zu blicken.

 

/Sieh in die Dunkelheit der Nacht.

Wenn ich eine Seele hätte...

Sie wäre genauso schwarz.

Meinst du nicht auch?

Wieso fühle ich mich so schrecklich hilflos in diesem Augenblick? Alles zerbricht.../

 

„Pah... lieber würde ich mein Leben lang alleine bleiben, als mit so einem Grießgram wie Ihr es seid zusammen zu leben. Wie kommt Ihr dazu, mich als Euere Frau zu bezeichnen?!“

Die junge Frau stemmte entrüstet ihre Hände, an denen sie Samthandschuhe trug, in die schmalen Hüften. Ihr zorniger Gesichtsausdruck jedoch erlosch bald wieder, als sie bemerkte, dass all ihr Zetern fruchtlos blieb, weil der Graf seine grünen Augen auf den Jungen gerichtet hatte, der mit dem Gesicht zum Fenster etwas abseits stand. Sie stieß ein deutlich hörbares, fast genervtes Seufzen aus und hob dann ihren rechten Zeigefinger.

„Tut so etwas nie wieder, Eduard von Sinnt! Hört Ihr? Nie wieder! Ich bin vor Sorge fast umgekommen... Was meint Ihr denn was...“ Sie stockte und starrte ungläubig auf den großen Mann vor sich, der langsam von der Couch aufstand und mit sicheren, aber leisen Schritten auf den Jungen zuging, ihm anschließend die starken Arme um den zierlichen Körper schlang.

/Was tun die beiden da eigentlich?/

War sie denn Luft? Jedenfalls benahmen sich beide so, als wäre sie gar nicht anwesend. Sie verschmälerte ihre Augen zu kleinen Schlitzen, so dass sie alles nur sehr verschwommen sah. Mit laut schlagendem Herzen beobachtete sie, wie von Kalau seinen Kopf in den Nacken des Jungen legte, fast liebkosend, dabei die Arme immer fester schlingend.

/So kenne ich diesen Mann gar nicht. Er erscheint mir wie ausgewechselt.../

Erst jetzt wurde ihr durch die leisen Töne, die das Zimmer durchdrangen und fast wie ein verzweifeltes Weinen klangen, klar, dass der Jüngere Tränen vergoss.

/Ich sollte sie alleine lassen. Zwar weiß ich nicht, was das zu bedeuten hat, aber... Ich bin überflüssig und störend.../

Gerade, als sie sich in Richtung Tür drehen wollte und schon die Augen von den beiden gewendet hatte, fühlte sie eine leichte Berührung an ihrer Schulter und ohne, dass sie es gehört hatte, war der Junge auf sie zugetreten, der Graf stand hinter ihm.

 

„Geht nicht... Ich... möchte die Frau gerne kennen lernen, an die Eduard sein Herz verschenkte...“ sprach Kim leise und setzte dabei ein Lächeln auf, das von Alexandra warm erwidert wurde, auch wenn sie nicht verstand, von was der junge Herr vor ihr sprach.

„Sie ist nicht meine Gemahlin, Kim. Weshalb glaubst du mir nur nicht...?“

/So tief... Die Stimme so unendlich tief und sinnlich. Jedes Mal durchströmt sie mich wie ein warmer Windhauch.../

 

„Bitte setzt Euch!“ Kim deutete mit einer ruhigen Handbewegung auf einen Stuhl, der gegenüber des Sofas stand. Alexandra bedankte sich mit einem kleinen Knicks und nahm dann Platz, legte ihren Rock zurecht, nachdem sie sich hingesetzt hatte und faltete anschließend wartend ihre Hände in ihrem Schoß.

„Uhm... ich hoffe, Ihr nehmt mir mein unangemeldetes Eindringen nicht übel... Eure Magd öffnete mir und ich ließ sie aus Wut nicht zu Wort kommen...“

Von Kim bekam sie keine Antwort, er schien mit seinen Gedanken ganz woanders zu sein und nur oberflächlich zuzuhören. Vielleicht auch gar nicht, doch im Grunde kümmerte sie das nicht, denn sie war wegen des Grafen nach Schloss Hornbach gekommen. Und genau diesen musterte sie nun eindringlich, bis er ihre Blicke genervt erwiderte.

„Ihr sagtet, Ihr würdet nicht lange bleiben. Inzwischen sind drei Stunden vergangen und... da soll ich mir keine Gedanken machen?“

„Was sind drei Stunden schon... ich wartete 3 Jahre!“

Alexandra räusperte sich und spielte einen Augenblick nervös an ihrem Samthandschuh, den sie sich von den Fingern zog und dann wieder anlegte, da sie diese Bemerkung nicht ganz verstand.

„Hättet Ihr mir gesagt, ich solle ohne Euch zurückreisen, wäre ich Euch nicht hierher gefolgt...“

„Ich bin kein kleines Kind...“

Kim bemerkte, wie die junge Frau mit den Worten rang.

„Manchmal kommt Ihr mir aber so vor! Es ist spät, Eduard! Ich möchte nicht mit Euch diskutieren. Versteht endlich, dass Ihr es Euch nicht leisten könnt, Euch von mir längere Zeit zu entfernen!“

Auf von Kalaus Miene spiegelte sich Bitterkeit wider und er hob seine Hand an seine Stirn.

„Habt Ihr wieder Kopfschmerzen?“

„Nein...“

„Ihr seid übermüdet. Lasst uns fahren!“

Kim hatte nicht bemerkt, wie er bei den Worten Alexandras seine Hand immer fester in das weitärmlige Hemd des Grafen verkrampft hatte. Erst als Eduard ihn von der Seite ansah und sanft seine Wange berührte, wurde es ihm bewusst. Aber es war ihm inzwischen egal. Vielleicht hatte sein Vater ja recht gehabt, als er sagte, dass der Graf seinen Verstand vergiftete.

/So egal. So egal. Ich weiß nur, dass... ich ihn nicht... wieder... Bitte nicht.../

Er schloss seine Augen und lehnte sich an von Kalaus Schultern. Wenig später legte der Graf seinen Arm um ihn.

„Ich werde heute nacht hier bleiben. Ich bleibe nun... für immer hier. Denn das ist... mein Schloss... und dieser Junge hier...“

Mit liebevoller Zärtlichkeit strich er Kim eine braune Strähne seines Haares aus der Stirn.

Er erwiderte mit vielsagenden Blicken Alexandras erschrockenen blassen Gesichtsausdruck.

Verwirrt stand sie mit einem Ruck auf und wich einen kleinen Schritt zurück.

„Ihr wollt damit also sagen, dass...“

„Dass ich bei ihm bleiben werde.“

/Für immer? Ich wünschte, für immer.../

„Ihr braucht mich...“

„Ich komme auch ohne Euch zurecht...“

„Nein... Ihr braucht mich!“

„Denjenigen, den ich brauche... halte ich in meinen Armen...“

„Aber das kann nicht Euer Ernst sein!“

„Nennt mir einen Grund, weshalb ich scherzen sollte!“

„Aber ich...“ /Ich kann Euch nicht so einfach gehen lassen.../

„Niemals könntet Ihr mit einem Mann wie mir zusammen leben. Ihr habt es selbst gesagt...“

„Ich meinte es nicht...“

„Ich gab ihm ein Versprechen...“

„...?“

„Ich versprach ihm, nicht zu sterben!“

Alexandra schlug sich die Hände vor die Augen, in denen dicke Tränen standen.

„Ja... ich versprach es ihm und hielt... daran fest!“

„Nein... Ich war es, die Euch den Lebensmut zurückgab, als sie... als ER Euch allein gelassen hat!“

„Die Trennung von ihm war eine einzige Lüge... für die weder ich, noch er etwas kann!“

Eduard sprach ruhig, was die junge Frau fast wütend machte, wäre nicht die Traurigkeit größer gewesen, die ihr das Herz abschnürte.

„Ich dachte... Ihr...“ Sie stotterte unter den zittrigen Atemzügen.

„Ihr dachtet, dass ich Euch liebe?“

„...“ /Ich war mir sicher!/

„Ich habe Euch nie Hoffnungen gemacht!“

„Aber dass es ein Junge... sein...“

„Verurteilt mich. Hasst mich.“

„Das tue ich bereits. Ihr macht Euch schuldig!“

/Schuldig. Für immer./

 

Alexandra sah dem Grafen noch einmal fest in das Gesicht, konnte jedoch keine Gefühlsregung in der kalten Miene erkennen. Die heißen Tränen verschleierten ihr die Sicht und mit einem lauten stoßartigen Seufzer wendete sie sich ab, bevor sie hastig aus dem Zimmer stürmte.

 

/Ihr scheint nicht zu verstehen... Ihr habt Euch falsch entschieden.../

 

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