Part 5

Part 22:

 

 

Dunkelheit umgarnte die dicken Flocken, die leise, vom Wind getragen, auf die weiße Schneedecke fielen. Ein eisiger Luftzug strömte durch das leicht geöffnete Fenster und obwohl er von Kalau ein Frösteln über den ganzen Körper trieb, blieb dieser stehen, starrte weiterhin durch die beschlagene Glasscheibe hinaus in die schwarze Nacht.

 

//Damals... Damals fielen die Schneeflocken genauso dicht wie heute...

 

„Komm' schon, Edu, hahaha! Steh' nicht da wie angefroren!“

 

Ein Schneeball traf mich im Gesicht und trieb mir kalte Tränen in die Augen, aber...

 

„Das bekommst du zurück, Heinrich!“

Ich sprang mit einem Satz auf meinen Bruder zu und riss ihn zu Boden. Wir waren davon wohl beide überrascht gewesen. Er, weil er meine Reaktion nicht erwartet, ich, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass er sich einfach würde nach hinten umfallen lassen...

„Da staunst du, was? Dass ich so stark bin, hättest du nicht gedacht!“

Er schmunzelte, lächelte mir offen und sanft ins Gesicht.

 

„Ich hätte nur nicht gedacht, dass du so schwer bist, Edu! Jetzt geh’ runter!“

Dann stieß er mich plötzlich von sich und wir beide balgten uns im Schnee, bis sich die eisige Nässe durch unsere dicken Jacken fraß.

Es war so schön damals... und wir waren beide glücklich, glücklich, bis mir die Anwesenheit eines Mannes das Blut in den Adern gefrieren und meinen Bruder verstummen ließ...

 

Wie aus dem Nichts...

ganz plötzlich stand er hinter mir, sein schwarzer Mantel,... wie ein Schatten über dem strahlenden Weiß der Landschaft.

Warme Hände - so kalt- umgriffen meinen jungen Körper und ich... erstarrte. Heinrich wich mir mit seinen Blicken aus, warum? Er sah mich nicht an...

 

Schämte er sich? Er sah mich nicht an... Aber schließlich war ich es doch, der von den schmalen Lippen des Mannes beinahe verschlungen wurde...

Wieso bist du nicht einfach gegangen? Als älterer Bruder hättest du wissen müssen, dass...

Wusstest du es?

 

Als wir drei aus dem Garten zurück in das Schloss unserer Eltern liefen, wollte ich die Zeit zurückdrehen...

Ich wünschte damals, ich wäre nicht mit dir ins Freie gegangen, wünschte, ich hätte nicht auf dich gehört... dann hätte ER nicht die Möglichkeit gehabt, mich zu...

Aber es war doch nicht deine Schuld! Es war meine, ganz allein meine...

Weißt du, wie bitter ein Kuss sein kann, wenn er dir aufgedrängt wird? Wie solltest du auch...//

 

Von Kalau wurde aus den Gedanken gerissen, als Kim sich plötzlich unter einem schweren Seufzen im Bett regte.

„Ist dir kalt, Kleiner?“ flüsterte der Graf, erwartete aber keine Antwort, denn er wusste, dass der Junge noch fest schlief. Mit einem zärtlichen Lächeln auf den Lippen ging er hinüber zu dem großen Bett, strich dem Jüngeren liebevoll die Haare aus der Stirn und deckte ihn bis zum Hals zu – ganz behutsam, bevor er ihm sanft einen Kuss auf die Wange drückte.

Er zog sich seinen Morgenmantel fester um die Schultern und verließ das Schlafgemach. Wie spät es war wusste er nicht, aber bis zum Sonnenaufgang würden noch einige Stunden dahinstreichen. Er war müde und dennoch ließen ihn seine Gedanken keine Ruhe finden, was ihn beinahe wahnsinnig machte.

Unsicher schienen seine Schritte zu sein, als er die große Treppe in die Vorhalle hinab stieg, wobei er sich mit der rechten Hand am Geländer festhielt, so wie er es sonst nie tat.

Die dicken zugezogenen Samtvorhänge verschluckten jeden noch so schwachen Strahl des Mondlichts, das draußen vielleicht hier und da durch die Wolken geblinzelt und sich auf der Unschuld des Schnees diffus reflektiert hätte.

Gerade als er seinen Fuß auf die kalten Marmorplatten setzen wollte, huschte eilig ein Schatten aus dem Empfangszimmer, ein kleines Kerzenlicht vor sich her tragend.

 

„Wer seid Ihr?“ erklang fest die dunkle Stimme Eduards und er konnte sehen, wie der Schatten augenblicklich stehen blieb, genauso überrascht zu sein schien, wie er selbst.

 

„Ich bin es nur, mein Herr! Das Dienstmädchen Anna...“

 

Für einen Moment schwiegen beide als der Graf sich der Magd näherte.

 

„Weshalb bist du um diese Zeit schon wach?“

 

Das Mädchen senkte beschämt die Augen, als er in das kleine Licht ihrer Kerze trat und die Flamme bronzen spielerisch die schlanke, dennoch männliche Silhouette ihres Herrn umspielte. Mit errötenden Wangen stellte sie fest, dass er nur seinen Morgenmantel trug, der ihm oberhalb des geknoteten Gürtels locker über die weitläufige Brust fiel.

„Ich habe Euch doch hoffentlich nicht geweckt? Es ist nur so, dass... dass Marie leider krank geworden ist und will ich all die Arbeiten erledigen, die nun auf mich fallen, so musste ich früh beginnen...“

„Soll das heißen, du hast diese Nacht gar nicht geschlafen, Anna?“

„Ich, also... um genau zu sein...“

Innerlich verdrehte sie die Augen, sie schimpfte sich selbst für ihr Stottern und dafür, dass sie ein einfaches Ja nicht über die Lippen bringen konnte. Schließlich antwortete sie mit einem Kopfnicken.

„Dann wird es Zeit, dass du dich endlich zu Bett begibst!“

Schüchtern sah sie dem Grafen in das ebenmäßige Gesicht, fühlte sich in diesem Augenblick sehr glücklich. Machte er sich tatsächlich Sorgen um sie?

 

„Geh’ jetzt schlafen, Anna! Morgen wird ein anstrengender Tag, wenn Kims Gäste eintreffen und ich habe keine Verwendung für eine Magd, die nicht im Stande ist, mit voller Kraft zu arbeiten!“

Anna fühlte sich bei diesen Worten jäh vor den Kopf gestoßen.

Also deswegen hatte er ihr befohlen, zu Bett zu gehen. Nur aus diesem Grund. Wie hätte sie auch annehmen können, dass...

Schmollend seufzte sie in sich hinein, verbeugte sich dann kurz und tief und tippelte langsam davon, in Richtung der Unterkünfte der Bediensteten.

Eduard indessen sah ihr mit schmalen Augen hinterher, hatte ein breites Grinsen in beiden Mundwinkeln.

 

 

 

Plötzlich durchzog ein dumpfes Wiehern die Stille, gefolgt von drei kräftigen Schlägen an das Eingangstor Hornbachs.

Eduard blieb still stehen, fragte sich, ob alles nur Einbildung war. Er blieb stehen, doch schon nach wenigen Augenblicken ertönte das Schlagen von neuem und als Anna ihr kleines Köpfchen um die Ecke des Ganges steckte, wusste er, dass es kein Trug war und sie es ebenfalls vernommen hatte.

„Herr?“ fragte das Mädchen mit leiser Stimme. „Herr... da ist jemand an der Tür. Habt Ihr es nicht gehört?... Möchtet Ihr, dass ich öffne?“

Doch von Kalau winkte mit einer ruhigen Handbewegung ab.

 

Das Klopfen wurde lauter, er ging zur Tür und noch bevor er fragen konnte, wer sich davor befand, erklang eine ihm wohlbekannte Stimme.

 

Verzweifelt.

So erstickt.

 

/Heinrich!/

 

„Edua... Eduard! Mach’ schon auf! Hört mich keiner? Öffnet verflucht noch mal diese Tür! Eduard! Bitte... so...“

Die Worte wurden leiser und es klang so, als würde sich von Kalaus Bruder gegen das Holz fallen lassen, an ihm hinab gleiten.

 

„Was willst du... Heinrich?... Diese Tür wird dir niemals mehr offen stehen!“ entgegnete der Graf, erwischte sich aber dabei, wie er die Hand bereits auf den Griff gelegt hatte.

 

„Lass’ mich eintreten, Eduard! Lass’ mich ein... Nein! Nein, geh’ nicht... Du kannst jetzt nicht gehen!“ hektische Atemzüge durchbrachen Heinrichs Stimme als er hörte, wie sich von Kalaus Schritte entfernten, beinahe verebbten.

 

Stille.

 

Ein leises ersticktes Fluchen.

 

Der Graf schloss seine Augen, hätte sich am liebsten auch die Ohren zugehalten, wollte die Rufe Heinrichs nicht mehr ertragen müssen.

 

/(Er ist dein Bruder.) Er hat mich verraten... Ich kann doch nicht... (Aber er ist doch dein Bruder!)/

 

„Eduard! Du sturer Mistkerl! Gib einmal nach! Öffne diese verfluchte Tür oder ich... oder ich... Sei doch nicht so dumm! Du weißt ja nicht... Edu.. ard... du weißt ja nicht, dass...“

Von Kalau biss die Zähne fest aufeinander, ballte beide Hände zu Fäusten, schluckte und versuchte, seiner Gefühle wieder Herr zu werden. Mit einem festen Ruck öffnete er.

 

/Was ist nur los mit dir, Heinrich?... Durchnässt stehst du vor dem Tor, keuchend, die feuchten Haarsträhnen kleben dir im Gesicht. Du starrst mich an. Starrst du mich an? – Fast so, als wolltest du mich anklagen. Doch ich weiche nicht zurück, tief ist der Schmerz in deinen leuchtenden Augen. Du trittst auf mich zu, faselst Worte, dir mir unbegreiflich sind.

 

„O mein Gott! O mein Gott!“

 

Immer und immer wieder. Welchen Gott meinst du? Ich mache einen Schritt zurück, weiß nicht, wie mir geschieht, als mich deine kalten Arme umfangen und du mich in eine Umarmung zwingst, die ich nicht wollte. Dein Atem ist warm... ich spüre ihn an meinem Nacken, er jagt mir ein Zittern über den Rücken, doch du weißt es nicht...

Wie gelähmt... ich bin wie gelähmt.

 

Warum?/

 

 

Heinrich fühlte die heftigen Atemzüge seines Bruders, doch er ließ ihn nicht los, verfestigte stattdessen nur die Berührung. Erst als Eduard versuchte, sich ihm zu entreißen, machte auch er einen kleinen Schritt rückwärts, legte aber seine kalte Hand an die Wange seines Bruders, beugte sich nahe an sein Ohr.

 

„Ihr müsst augenblicklich fort!“ flüsterte er leise, das Zittern in seiner Stimme jedoch deutlich hörbar.

„Beeilt euch, es bleibt nicht viel Zeit!“

Mit einem heftigen Ruck riss sich der Graf los, schwieg, verschmälerte misstrauisch die Augen.

Heinrich konnte sehen, dass seinem Bruder Worte auf der Zunge lagen, die er aber krampfhaft zurückhielt. Nur das Kräuseln in seinen Augenbrauen verriet, dass er innerlich einen Kampf mit sich selbst ausfocht. Er öffnete leicht die Lippen, senkte dann aber den Kopf, wendete sich ab.

„Geh!“

 

Ein einzelnes Wort.

Tief hallte es im ganzen Schloss, ließ Heinrichs Blut gefrieren.

Eduard lief auf die Treppe zu, die zu den Schlafgemächern führte, doch sein Bruder blieb stumm, starrte ihm nur still hinterher.

 

„Ich...“ stammelte er schließlich.

/Ignoriere mich nicht wieder.../

„Du scheinst nicht zu begreifen, Edu... Du scheinst nicht zu...“

„Nein!“ fuhr ihn der Graf unerwartet an. „Leider begreife ich nichts mehr! Es ist mitten in der Nacht, da stehst du auf einmal vor dem Tor, schlägst wie wild darauf ein. Dann sagst du mir, ich solle sofort verschwinden, ohne auch nur eine Erklärung abzugeben...“

Die Worte wurden stetig leiser, verschwanden irgendwann ganz in der Ruhe der Vorhalle.

„Ich kann nicht mehr, Heinrich! Ich kann dir nicht mehr vertrauen!“

 

Heinrich atmete tief ein, legte ein liebevolles Schmunzeln auf die Lippen.

„Bitte, Kleiner!“ Seine Augen füllten sich mit Tränen...

„Ihr müsst von hier fort! Sie... suchen euch!“ Er holte einen kleinen weißen Brief aus der Jackentasche hervor, faltete ihn vorsichtig, mit zitternden Händen, auf.

„Sie suchen euch, dich, Kim... alle, die das gleiche Geschlecht dem anderen vorziehen. Ihr müsst aufbrechen, noch heute Nacht, denn morgen kann es schon zu spät sein!“ Als Eduard keine Reaktion zeigte, fuhr er bitter fort.

„Euere Namen werden in allen Zeitungen stehen, glaubt nicht, dass ihr irgendwo noch sicher seid... Eduard... bitte, lauft weg!“

 

/Rennt davon, vor dem grausamen Schicksal, welches euch immer verfolgen wird... ich will nicht, dass du... Ruhe. Man lässt euch keine Ruhe und ich bin so hilflos, kann euch nicht.../

 

„Ein Gesetz gegen Sodomie?“ bemerkte von Kalau sarkastisch, als er Heinrich den Zettel aus den Fingern riss und die ersten Zeilen las.

„Das kann nicht ihr Ernst sein!“

Gebrochen erklangen seine Worte, prallten ab an den hohen Wänden des Schlosses, hallten erbarmungslos  an ihnen wider.

„Wieso sollte ich dir glauben? Nenn’ mir einen...“

Mitten im Satz verstummte er plötzlich als ein ersticktes Wimmern an seine Ohren drang, das aus seinem Schlafgemach hervorzudringen schien.

 

/Kim!/

 

Schnell rannte er nach oben, nahm bei jedem Schritt zwei Stufen auf einmal, öffnete die schwere Tür.

K-I-M formten seine Lippen, als er den Jungen in einer Ecke des Zimmers sitzen sah, einen kleinen dunklen Gegenstand in der Hand haltend.

 

„Was machst du da, Kim?“

Zuerst kam keine Reaktion, nur ein Schluchzen durchzog die Dunkelheit, dann schließlich ein fast unwirklich leises „Ich... warte...“.

„Aber worauf denn...?“

 

„...“

 

„Kim?“

„Dass dieser Traum endlich zu Ende geht. Darauf, dass ich endlich aufwache, mir die helle Sonne ins Gesicht scheint und ich mich den ganzen Vormittag lang auf den Besuch meiner Schwester freuen kann...“

In der Finsternis konnte er nicht viel erkennen, aber er wusste, dass Kim ihn direkt ansah, ein müdes Lächeln im Gesicht und dennoch heiße Tränen in den Augen.

Er näherte sich dem Jungen, kniete sich neben ihn, und nachdem er ihm eine Hand auf die zitternden Schultern gelegt hatte, blickte er ihn eindringlich an.

 

„Hast du...“

Eine neue Flut dicker Tränen rollte über die Wangen des Jüngeren und er sprang plötzlich auf, warf sich um Eduards Hals, weinend.

„Ihr wart nicht mehr da als ich aufgewacht bin, und ich... ich lief, um Euch zu suchen.

Heinrich... Was tat Heinrich hier? Ich war froh, als ich sah, wie Ihr Euch umarmt habt, dachte, zwei Brüder hätten sich wieder versöhnt... Ich war so überaus froh darüber...“

 

Kims Hände glitten an seinen Kopf, verkrampften sich in den eigenen Haaren.

„Gestern noch dachte ich, heute würde ein schöner Tag, aber jetzt... jetzt...“

Eduard zog den Jungen näher an seine Brust, strich ihm tröstend über den Rücken.

„Beruhige dich, Kim! Beruhige dich. Es wird alles...“

„Nein! Gerade das ist es ja! Nichts wird gut. Begreift Ihr denn nicht? Niemals wird unser Leben gut, weil man... man uns einfach nicht gehen lässt!“

 

Inzwischen hatte auch Heinrich das Zimmer betreten. Schweigend stand er in der Tür, die Miene schmerzlich von Trauer überschattet, die Zähne fest aufeinander gebissen.

 

/Es tut mir so leid.../

 

„Ich will nicht, Eduard. Lasst uns hier bleiben.“

„Ihr könnt nicht bleiben. Wenn man euch findet...“ mischte sich Eduards Bruder ein, wurde aber gleich vom Grafen unterbrochen.

„Was dann? Wenn man uns findet... was erwartet uns dann?“

 

/Trennung? Einsamkeit! Qualen? Ihr wisst es so gut wie ich. Vielleicht nehmen sie euch... Vielleicht wird man euch der Männlichkeit berauben... Ihr müsst.../

„Ihr müsst fliehen, es gibt keinen anderen Weg!“

 

„...“

 

„Aber wohin denn?! Wir wissen doch nicht einmal wohin! Was... was soll denn aus uns werden? Heinrich... nirgendwo werden wir sicher sein, du hast es vorhin doch selbst gesagt, also wie stellst du dir eine Flucht vor?“ fragte Kim bitter, belächelte den blonden Mann dann, als dieser ihn nur mitleidig ansah, aber keine Antwort gab.

 

/Ich wünschte, ich könnte euch sagen, wohin ihr gehen sollt, doch bin ich ebenso ratlos wie ihr es seid./

 

„Zögert nicht länger. Nehmt die Pferde, legt euch andere Namen zu und brecht endlich auf. Der Morgen ist nicht weit und die Dunkelheit kann euch vielleicht ein wenig Vorsprung verschaffen...“

Kim schluckte, kniff kurz die Augen zusammen und stand ohne weitere Worte auf, lief auf Heinrich zu, wobei er ihn mit seinen Blicken fixierte.

„Versprichst du mir etwas? Du musst mir ein Versprechen geben, an das du dich auch halten wirst.“

Ein kaum deutliches Nicken.

„Hier! Gib das bitte meiner Schwester. Ich wollte es ihr... selbst überreichen, heute Abend, aber wie es aussieht...“ und ein bitteres Schmunzeln legte sich in sein verweintes Gesicht „... werde ich wohl nicht mehr dazu kommen.“

Ein leises Seufzen erklang, als Kim das kleine Päckchen, welches er schon die ganze Zeit über fest in der Hand gehalten hatte, Heinrich übergab.

 

„Ich sattle die Pferde. Zieht euch an und packt das Notwendigste ein!“

Heinrich wendete beiden Männern augenblicklich den Rücken zu und verließ das Schlafgemach, ohne sich noch einmal umzublicken.

 

Kim indessen rührte sich nicht, stand regungslos da und zuckte zusammen, als von Kalau plötzlich beide Arme von hinten um ihn legte.

„Kim?“ flüsterte Eduard sanft und fühlte, wie ein Zittern den Körper des Jungen erbeben ließ.

 

„Ich habe Angst, Graf! Ich habe... so große Angst, dass mir die Glieder in Fesseln gelegt zu sein scheinen...“

 

...

 

/Jetzt küsst Ihr mich. Ich hatte... Ich hatte so darauf gehofft, dass Ihr es tun würdet.

Einst habt Ihr versprochen, mir immer nahe zu sein. Aber solche Tage wie dieser tragen Ohnmacht in Eure Worte und Ihr selbst wisst, dass es schwer sein wird, dieses Versprechen zu halten, wenn der Rest der Welt gegen uns steht...

Ich bin all dem so überdrüssig. Ihr seid es doch auch, aber Eure Lippen schweigen, schweigen bis in alle Ewigkeit, hab’ ich nicht Recht? Ihr ertragt es und... für diese Stärke bin ich Euch dankbar. Unsere Liebe ist Sünde, dennoch lassen wir nicht von ihr ab, verschließen nur die Augen vor der Wahrheit (Ist es denn die Wahrheit?). Das ist... der einzig richtige Weg für uns... Der einzige Weg, der uns überhaupt noch offen steht./

 

 

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