Part
22:
Dunkelheit
umgarnte die dicken Flocken, die leise, vom Wind getragen, auf die weiße
Schneedecke fielen. Ein eisiger Luftzug strömte durch das leicht geöffnete
Fenster und obwohl er von Kalau ein Frösteln über den ganzen Körper trieb,
blieb dieser stehen, starrte weiterhin durch die beschlagene Glasscheibe hinaus
in die schwarze Nacht.
//Damals...
Damals fielen die Schneeflocken genauso dicht wie heute...
„Komm'
schon, Edu, hahaha! Steh' nicht da wie angefroren!“
Ein
Schneeball traf mich im Gesicht und trieb mir kalte Tränen in die Augen,
aber...
„Das
bekommst du zurück, Heinrich!“
Ich
sprang mit einem Satz auf meinen Bruder zu und riss ihn zu Boden. Wir waren
davon wohl beide überrascht gewesen. Er, weil er meine Reaktion nicht erwartet,
ich, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass er sich einfach würde nach
hinten umfallen lassen...
„Da
staunst du, was? Dass ich so stark bin, hättest du nicht gedacht!“
Er
schmunzelte, lächelte mir offen und sanft ins Gesicht.
„Ich
hätte nur nicht gedacht, dass du so schwer bist, Edu! Jetzt geh’ runter!“
Dann
stieß er mich plötzlich von sich und wir beide balgten uns im Schnee, bis sich
die eisige Nässe durch unsere dicken Jacken fraß.
Es
war so schön damals... und wir waren beide glücklich, glücklich, bis mir die
Anwesenheit eines Mannes das Blut in den Adern gefrieren und meinen Bruder
verstummen ließ...
Wie
aus dem Nichts...
ganz
plötzlich stand er hinter mir, sein schwarzer Mantel,... wie ein Schatten über
dem strahlenden Weiß der Landschaft.
Warme
Hände - so kalt- umgriffen meinen jungen Körper und ich... erstarrte. Heinrich
wich mir mit seinen Blicken aus, warum? Er sah mich nicht an...
Schämte
er sich? Er sah mich nicht an... Aber schließlich war ich es doch, der von den
schmalen Lippen des Mannes beinahe verschlungen wurde...
Wieso
bist du nicht einfach gegangen? Als älterer Bruder hättest du wissen müssen,
dass...
Wusstest
du es?
Als
wir drei aus dem Garten zurück in das Schloss unserer Eltern liefen, wollte ich
die Zeit zurückdrehen...
Ich
wünschte damals, ich wäre nicht mit dir ins Freie gegangen, wünschte, ich hätte
nicht auf dich gehört... dann hätte ER nicht die Möglichkeit gehabt, mich
zu...
Aber
es war doch nicht deine Schuld! Es war meine, ganz allein meine...
Weißt
du, wie bitter ein Kuss sein kann, wenn er dir aufgedrängt wird? Wie solltest
du auch...//
Von
Kalau wurde aus den Gedanken gerissen, als Kim sich plötzlich unter einem
schweren Seufzen im Bett regte.
„Ist
dir kalt, Kleiner?“ flüsterte der Graf, erwartete aber keine Antwort, denn er
wusste, dass der Junge noch fest schlief. Mit einem zärtlichen Lächeln auf den
Lippen ging er hinüber zu dem großen Bett, strich dem Jüngeren liebevoll die
Haare aus der Stirn und deckte ihn bis zum Hals zu – ganz behutsam, bevor er
ihm sanft einen Kuss auf die Wange drückte.
Er
zog sich seinen Morgenmantel fester um die Schultern und verließ das
Schlafgemach. Wie spät es war wusste er nicht, aber bis zum Sonnenaufgang würden
noch einige Stunden dahinstreichen. Er war müde und dennoch ließen ihn seine
Gedanken keine Ruhe finden, was ihn beinahe wahnsinnig machte.
Unsicher
schienen seine Schritte zu sein, als er die große Treppe in die Vorhalle hinab
stieg, wobei er sich mit der rechten Hand am Geländer festhielt, so wie er es
sonst nie tat.
Die
dicken zugezogenen Samtvorhänge verschluckten jeden noch so schwachen Strahl
des Mondlichts, das draußen vielleicht hier und da durch die Wolken geblinzelt
und sich auf der Unschuld des Schnees diffus reflektiert hätte.
Gerade
als er seinen Fuß auf die kalten Marmorplatten setzen wollte, huschte eilig ein
Schatten aus dem Empfangszimmer, ein kleines Kerzenlicht vor sich her tragend.
„Wer
seid Ihr?“ erklang fest die dunkle Stimme Eduards und er konnte sehen, wie der
Schatten augenblicklich stehen blieb, genauso überrascht zu sein schien, wie er
selbst.
„Ich
bin es nur, mein Herr! Das Dienstmädchen Anna...“
Für
einen Moment schwiegen beide als der Graf sich der Magd näherte.
„Weshalb
bist du um diese Zeit schon wach?“
Das
Mädchen senkte beschämt die Augen, als er in das kleine Licht ihrer Kerze trat
und die Flamme bronzen spielerisch die schlanke, dennoch männliche Silhouette
ihres Herrn umspielte. Mit errötenden Wangen stellte sie fest, dass er nur
seinen Morgenmantel trug, der ihm oberhalb des geknoteten Gürtels locker über
die weitläufige Brust fiel.
„Ich
habe Euch doch hoffentlich nicht geweckt? Es ist nur so, dass... dass Marie
leider krank geworden ist und will ich all die Arbeiten erledigen, die nun auf
mich fallen, so musste ich früh beginnen...“
„Soll
das heißen, du hast diese Nacht gar nicht geschlafen, Anna?“
„Ich,
also... um genau zu sein...“
Innerlich
verdrehte sie die Augen, sie schimpfte sich selbst für ihr Stottern und dafür,
dass sie ein einfaches Ja nicht über die Lippen bringen konnte. Schließlich
antwortete sie mit einem Kopfnicken.
„Dann
wird es Zeit, dass du dich endlich zu Bett begibst!“
Schüchtern
sah sie dem Grafen in das ebenmäßige Gesicht, fühlte sich in diesem
Augenblick sehr glücklich. Machte er sich tatsächlich Sorgen um sie?
„Geh’
jetzt schlafen, Anna! Morgen wird ein anstrengender Tag, wenn Kims Gäste
eintreffen und ich habe keine Verwendung für eine Magd, die nicht im Stande
ist, mit voller Kraft zu arbeiten!“
Anna
fühlte sich bei diesen Worten jäh vor den Kopf gestoßen.
Also
deswegen hatte er ihr befohlen, zu Bett zu gehen. Nur aus diesem Grund. Wie hätte
sie auch annehmen können, dass...
Schmollend
seufzte sie in sich hinein, verbeugte sich dann kurz und tief und tippelte
langsam davon, in Richtung der Unterkünfte der Bediensteten.
Eduard
indessen sah ihr mit schmalen Augen hinterher, hatte ein breites Grinsen in
beiden Mundwinkeln.
Plötzlich
durchzog ein dumpfes Wiehern die Stille, gefolgt von drei kräftigen Schlägen
an das Eingangstor Hornbachs.
Eduard
blieb still stehen, fragte sich, ob alles nur Einbildung war. Er blieb stehen,
doch schon nach wenigen Augenblicken ertönte das Schlagen von neuem und als
Anna ihr kleines Köpfchen um die Ecke des Ganges steckte, wusste er, dass es
kein Trug war und sie es ebenfalls vernommen hatte.
„Herr?“
fragte das Mädchen mit leiser Stimme. „Herr... da ist jemand an der Tür.
Habt Ihr es nicht gehört?... Möchtet Ihr, dass ich öffne?“
Doch
von Kalau winkte mit einer ruhigen Handbewegung ab.
Das
Klopfen wurde lauter, er ging zur Tür und noch bevor er fragen konnte, wer sich
davor befand, erklang eine ihm wohlbekannte Stimme.
Verzweifelt.
So
erstickt.
/Heinrich!/
„Edua...
Eduard! Mach’ schon auf! Hört mich keiner? Öffnet verflucht noch mal diese Tür!
Eduard! Bitte... so...“
Die
Worte wurden leiser und es klang so, als würde sich von Kalaus Bruder gegen das
Holz fallen lassen, an ihm hinab gleiten.
„Was
willst du... Heinrich?... Diese Tür wird dir niemals mehr offen stehen!“
entgegnete der Graf, erwischte sich aber dabei, wie er die Hand bereits auf den
Griff gelegt hatte.
„Lass’
mich eintreten, Eduard! Lass’ mich ein... Nein! Nein, geh’ nicht... Du
kannst jetzt nicht gehen!“ hektische Atemzüge durchbrachen Heinrichs Stimme
als er hörte, wie sich von Kalaus Schritte entfernten, beinahe verebbten.
Stille.
Ein
leises ersticktes Fluchen.
Der
Graf schloss seine Augen, hätte sich am liebsten auch die Ohren zugehalten,
wollte die Rufe Heinrichs nicht mehr ertragen müssen.
/(Er
ist dein Bruder.) Er hat mich verraten... Ich kann doch nicht... (Aber er ist
doch dein Bruder!)/
„Eduard!
Du sturer Mistkerl! Gib einmal nach! Öffne diese verfluchte Tür oder ich...
oder ich... Sei doch nicht so dumm! Du weißt ja nicht... Edu.. ard... du weißt
ja nicht, dass...“
Von
Kalau biss die Zähne fest aufeinander, ballte beide Hände zu Fäusten,
schluckte und versuchte, seiner Gefühle wieder Herr zu werden. Mit einem festen
Ruck öffnete er.
/Was
ist nur los mit dir, Heinrich?... Durchnässt stehst du vor dem Tor, keuchend,
die feuchten Haarsträhnen kleben dir im Gesicht. Du starrst mich an. Starrst du
mich an? – Fast so, als wolltest du mich anklagen. Doch ich weiche nicht zurück,
tief ist der Schmerz in deinen leuchtenden Augen. Du trittst auf mich zu,
faselst Worte, dir mir unbegreiflich sind.
„O mein Gott! O mein Gott!“
Immer
und immer wieder. Welchen Gott meinst du? Ich mache einen Schritt zurück, weiß
nicht, wie mir geschieht, als mich deine kalten Arme umfangen und du mich in
eine Umarmung zwingst, die ich nicht wollte. Dein Atem ist warm... ich spüre
ihn an meinem Nacken, er jagt mir ein Zittern über den Rücken, doch du weißt
es nicht...
Wie
gelähmt... ich bin wie gelähmt.
Warum?/
Heinrich
fühlte die heftigen Atemzüge seines Bruders, doch er ließ ihn nicht los,
verfestigte stattdessen nur die Berührung. Erst als Eduard versuchte, sich ihm
zu entreißen, machte auch er einen kleinen Schritt rückwärts, legte aber
seine kalte Hand an die Wange seines Bruders, beugte sich nahe an sein Ohr.
„Ihr
müsst augenblicklich fort!“ flüsterte er leise, das Zittern in seiner Stimme
jedoch deutlich hörbar.
„Beeilt
euch, es bleibt nicht viel Zeit!“
Mit
einem heftigen Ruck riss sich der Graf los, schwieg, verschmälerte misstrauisch
die Augen.
Heinrich
konnte sehen, dass seinem Bruder Worte auf der Zunge lagen, die er aber
krampfhaft zurückhielt. Nur das Kräuseln in seinen Augenbrauen verriet, dass
er innerlich einen Kampf mit sich selbst ausfocht. Er öffnete leicht die
Lippen, senkte dann aber den Kopf, wendete sich ab.
„Geh!“
Ein
einzelnes Wort.
Tief
hallte es im ganzen Schloss, ließ Heinrichs Blut gefrieren.
Eduard
lief auf die Treppe zu, die zu den Schlafgemächern führte, doch sein Bruder
blieb stumm, starrte ihm nur still hinterher.
„Ich...“
stammelte er schließlich.
/Ignoriere
mich nicht wieder.../
„Du
scheinst nicht zu begreifen, Edu... Du scheinst nicht zu...“
„Nein!“
fuhr ihn der Graf unerwartet an. „Leider begreife ich nichts mehr! Es ist
mitten in der Nacht, da stehst du auf einmal vor dem Tor, schlägst wie wild
darauf ein. Dann sagst du mir, ich solle sofort verschwinden, ohne auch nur eine
Erklärung abzugeben...“
Die
Worte wurden stetig leiser, verschwanden irgendwann ganz in der Ruhe der
Vorhalle.
„Ich
kann nicht mehr, Heinrich! Ich kann dir nicht mehr vertrauen!“
Heinrich
atmete tief ein, legte ein liebevolles Schmunzeln auf die Lippen.
„Bitte,
Kleiner!“ Seine Augen füllten sich mit Tränen...
„Ihr
müsst von hier fort! Sie... suchen euch!“ Er holte einen kleinen weißen
Brief aus der Jackentasche hervor, faltete ihn vorsichtig, mit zitternden Händen,
auf.
„Sie
suchen euch, dich, Kim... alle, die das gleiche Geschlecht dem anderen
vorziehen. Ihr müsst aufbrechen, noch heute Nacht, denn morgen kann es schon zu
spät sein!“ Als Eduard keine Reaktion zeigte, fuhr er bitter fort.
„Euere
Namen werden in allen Zeitungen stehen, glaubt nicht, dass ihr irgendwo noch
sicher seid... Eduard... bitte, lauft weg!“
/Rennt
davon, vor dem grausamen Schicksal, welches euch immer verfolgen wird... ich
will nicht, dass du... Ruhe. Man lässt euch keine Ruhe und ich bin so hilflos,
kann euch nicht.../
„Ein
Gesetz gegen Sodomie?“ bemerkte von Kalau sarkastisch, als er Heinrich den
Zettel aus den Fingern riss und die ersten Zeilen las.
„Das
kann nicht ihr Ernst sein!“
Gebrochen
erklangen seine Worte, prallten ab an den hohen Wänden des Schlosses, hallten
erbarmungslos an ihnen wider.
„Wieso
sollte ich dir glauben? Nenn’ mir einen...“
Mitten
im Satz verstummte er plötzlich als ein ersticktes Wimmern an seine Ohren
drang, das aus seinem Schlafgemach hervorzudringen schien.
/Kim!/
Schnell
rannte er nach oben, nahm bei jedem Schritt zwei Stufen auf einmal, öffnete die
schwere Tür.
K-I-M
formten seine Lippen, als er den Jungen in einer Ecke des Zimmers sitzen sah,
einen kleinen dunklen Gegenstand in der Hand haltend.
„Was
machst du da, Kim?“
Zuerst
kam keine Reaktion, nur ein Schluchzen durchzog die Dunkelheit, dann schließlich
ein fast unwirklich leises „Ich... warte...“.
„Aber
worauf denn...?“
„...“
„Kim?“
„Dass
dieser Traum endlich zu Ende geht. Darauf, dass ich endlich aufwache, mir die
helle Sonne ins Gesicht scheint und ich mich den ganzen Vormittag lang auf den
Besuch meiner Schwester freuen kann...“
In
der Finsternis konnte er nicht viel erkennen, aber er wusste, dass Kim ihn
direkt ansah, ein müdes Lächeln im Gesicht und dennoch heiße Tränen in den
Augen.
Er
näherte sich dem Jungen, kniete sich neben ihn, und nachdem er ihm eine Hand
auf die zitternden Schultern gelegt hatte, blickte er ihn eindringlich an.
„Hast
du...“
Eine
neue Flut dicker Tränen rollte über die Wangen des Jüngeren und er sprang plötzlich
auf, warf sich um Eduards Hals, weinend.
„Ihr
wart nicht mehr da als ich aufgewacht bin, und ich... ich lief, um Euch zu
suchen.
Heinrich...
Was tat Heinrich hier? Ich war froh, als ich sah, wie Ihr Euch umarmt habt,
dachte, zwei Brüder hätten sich wieder versöhnt... Ich war so überaus froh
darüber...“
Kims
Hände glitten an seinen Kopf, verkrampften sich in den eigenen Haaren.
„Gestern
noch dachte ich, heute würde ein schöner Tag, aber jetzt... jetzt...“
Eduard
zog den Jungen näher an seine Brust, strich ihm tröstend über den Rücken.
„Beruhige
dich, Kim! Beruhige dich. Es wird alles...“
„Nein!
Gerade das ist es ja! Nichts wird gut. Begreift Ihr denn nicht? Niemals wird
unser Leben gut, weil man... man uns einfach nicht gehen lässt!“
Inzwischen
hatte auch Heinrich das Zimmer betreten. Schweigend stand er in der Tür, die
Miene schmerzlich von Trauer überschattet, die Zähne fest aufeinander
gebissen.
/Es
tut mir so leid.../
„Ich
will nicht, Eduard. Lasst uns hier bleiben.“
„Ihr
könnt nicht bleiben. Wenn man euch findet...“ mischte sich Eduards Bruder
ein, wurde aber gleich vom Grafen unterbrochen.
„Was
dann? Wenn man uns findet... was erwartet uns dann?“
/Trennung?
Einsamkeit! Qualen? Ihr wisst es so gut wie ich. Vielleicht nehmen sie euch...
Vielleicht wird man euch der Männlichkeit berauben... Ihr müsst.../
„Ihr
müsst fliehen, es gibt keinen anderen Weg!“
„...“
„Aber
wohin denn?! Wir wissen doch nicht einmal wohin! Was... was soll denn aus uns
werden? Heinrich... nirgendwo werden wir sicher sein, du hast es vorhin doch
selbst gesagt, also wie stellst du dir eine Flucht vor?“ fragte Kim bitter,
belächelte den blonden Mann dann, als dieser ihn nur mitleidig ansah, aber
keine Antwort gab.
/Ich
wünschte, ich könnte euch sagen, wohin ihr gehen sollt, doch bin ich ebenso
ratlos wie ihr es seid./
„Zögert
nicht länger. Nehmt die Pferde, legt euch andere Namen zu und brecht endlich
auf. Der Morgen ist nicht weit und die Dunkelheit kann euch vielleicht ein wenig
Vorsprung verschaffen...“
Kim
schluckte, kniff kurz die Augen zusammen und stand ohne weitere Worte auf, lief
auf Heinrich zu, wobei er ihn mit seinen Blicken fixierte.
„Versprichst
du mir etwas? Du musst mir ein Versprechen geben, an das du dich auch halten
wirst.“
Ein
kaum deutliches Nicken.
„Hier!
Gib das bitte meiner Schwester. Ich wollte es ihr... selbst überreichen, heute
Abend, aber wie es aussieht...“ und ein bitteres Schmunzeln legte sich in sein
verweintes Gesicht „... werde ich wohl nicht mehr dazu kommen.“
Ein
leises Seufzen erklang, als Kim das kleine Päckchen, welches er schon die ganze
Zeit über fest in der Hand gehalten hatte, Heinrich übergab.
„Ich
sattle die Pferde. Zieht euch an und packt das Notwendigste ein!“
Heinrich
wendete beiden Männern augenblicklich den Rücken zu und verließ das
Schlafgemach, ohne sich noch einmal umzublicken.
Kim
indessen rührte sich nicht, stand regungslos da und zuckte zusammen, als von
Kalau plötzlich beide Arme von hinten um ihn legte.
„Kim?“
flüsterte Eduard sanft und fühlte, wie ein Zittern den Körper des Jungen
erbeben ließ.
„Ich
habe Angst, Graf! Ich habe... so große Angst, dass mir die Glieder in Fesseln
gelegt zu sein scheinen...“
...
/Jetzt
küsst Ihr mich. Ich hatte... Ich hatte so darauf gehofft, dass Ihr es tun würdet.
Einst
habt Ihr versprochen, mir immer nahe zu sein. Aber solche Tage wie dieser tragen
Ohnmacht in Eure Worte und Ihr selbst wisst, dass es schwer sein wird, dieses
Versprechen zu halten, wenn der Rest der Welt gegen uns steht...
Ich
bin all dem so überdrüssig. Ihr seid es doch auch, aber Eure Lippen schweigen,
schweigen bis in alle Ewigkeit, hab’ ich nicht Recht? Ihr ertragt es und... für
diese Stärke bin ich Euch dankbar. Unsere Liebe ist Sünde, dennoch lassen wir
nicht von ihr ab, verschließen nur die Augen vor der Wahrheit (Ist es denn die
Wahrheit?). Das ist... der einzig richtige Weg für uns... Der einzige Weg, der
uns überhaupt noch offen steht./
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