Part 6: Caleidoscope II
Eduard legte seine Hand auf Kims rechtes Bein und beugte sich über ihn. Kims Herz klopfte wie wild und als sich ihre Blicke trafen
/von Kalau... so nah.../
merkte Kim, wie sich ein roter Schimmer über seine Wangen ausbreitete. Ihm war auf einmal so heiß. Noch immer ruhte Eduards Hand auf seinem Oberschenkel, mit der anderen strich er sanft über die Wange des Jungen. Kim wusste in diesem Augenblick nicht, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Noch nie war ihm eine andere Person so nahe gekommen, nicht auf diese Weise ... und vor allem nicht ein anderer Mann! Er bemühte sich krampfhaft auf dem Sofa noch einige Zentimeter nach hinten zu rutschen, seine Augen suchend auf eine Ausweichmöglichkeit gerichtet, als er plötzlich Eduards Hand in seinem Nacken spürte, die ihn zwang, dem Grafen direkt ins Gesicht zu sehen.
"Ganz ruhig Kim!" flüsterte von Kalau. Er hatte bemerkt, wie aufgeregt der Junge war und versuchte ihn durch seine Stimme etwas zu beruhigen.
Kim schluckte.
/Alles nur ein Traum Kim... Alles nur ein Traum! Du wirst auf der Stelle aufwachen!/ Doch dass es Realität war begriff er, als er von Kalaus Lippen auf seinem Mund spürte. /So warm.../. Aus Reflex hob Kim schnell seine linke Hand, wollte den Grafen davon abhalten, ihn zurückschieben, doch damit hatte Eduard vermutlich gerechnet, denn er war schneller gewesen und hatte inzwischen Kims Hand umfasst und sie vorsichtig zurück auf das Sofa gedrückt.
Kim spürte jetzt, wie von Kalau versuchte, mit seiner Zunge Kims Mund zu öffnen.
/Dürfen nicht.../ Doch nach kurzer Zeit gab Kim nach. Er ließ ihn gewähren, ihn in sich eindringen, wollte den Grafen in sich spüren...
/Ja,... genau so ... Kim!... Ich tu‘ dir nicht weh.../
Der Graf glitt mit seiner Hand nun langsam von Kims Oberschenkel aus nach oben. Fühlte seine schmale Hüfte, seine Brust durch den leichten Stoff seines Hemdes. Seine Finger strichen sanft, kaum spürbar über die Stelle seines Oberkörpers, von der er wusste, dass Kim dort ganz besonders empfindlich sein musste.
/Ja... genau hier!/ Kim gab‘ einen leichten Seufzer von sich, fast nicht hörbar und doch ein unumstößliches Signal für den Grafen, dass er den Jungen richtig eingeschätzt hatte. Seine Finger berührten immer wieder flüchtig die Stelle des Hemdes, unter der sich Kims Nippel verbargen...
Kim wusste nicht, was er tun sollte. Hätte er sich losreißen sollen, aufspringen und so schnell wie möglich aus dem Zimmer verschwinden sollen?! Was sie da taten, konnte unmöglich wahr sein. Sie... zwei Männer...
/Dürfen nicht!/ fuhr es ihm erneut durch den Kopf. Doch das schlimmste war, dass er es auch wollte. Wollte von Eduard angefasst werden, verführt werden, ihn küssen, seine Augen sehen, die sich ab und zu verschmälerten, wenn sich ihre Blicke trafen.
Spielte von Kalau nur mit ihm? War es alles nur ein Scherz? Oder waren seine Gefühle aufrichtig?
Eduard begann nun Kims oberste Hemdknöpfe zu öffnen. Er hielt seinen Blick auf Kims Brust geheftet als er dies tat, voller Sehnsucht immer mehr von dem Jungen zu bekommen. Mehr nackte Haut... so seiden und jung!
Wieder berührten sich ihre Lippen. Jeder spürte die Feuchtigkeit des anderen, wollte zusammenfließen mit dem anderen, eins mit ihm sein. Doch plötzlich ging die Tür zur Bibliothek auf.
Ein großer dunkler Schatten fiel in den Raum. Eduard atmete genervt aus und erhob sich. Kim stand ebenso auf, drehte dem Eindringling jedoch sofort den Rücken zu, in der Hoffnung er würde sein offenes Hemd nicht bemerken, das er jetzt versuchte schnell wieder zuzuknöpfen. In diesem Moment gingen ihm tausend Gedanken durch den Kopf und er brachte es einfach nicht fertig, sie zu ordnen. Dann hörte er plötzlich klackende Absätze auf dem Marmorboden, die auf sie zukamen.
"Eduard... Eduard... Eduard... Hab‘ ich mir doch gedacht, dass ich dich hier finde! Und noch dazu in Gesellschaft..." Die Stimme klang unangenehm gekünstelt und Kim hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Er wollte nichts hören, keine Worte, nicht jetzt, nicht jetzt... wo er sich so unsicher fühlte und den Blicken dieses Fremden ausgeliefert sah.
"Wenn du wusstest, dass hier jemand im Zimmer ist, wieso hast du dann nicht angeklopft?!" Kim konnte die Feindseligkeit hören, mit der der Graf geantwortet hatte.
"Eduard!... Bitte! Wieso dieser abschreckende Ton? So redet man doch nicht mit seinem Bruderherz!"
"Mit so einem Bruder wie dir schon!"
Kim hatte sich nun zu den beiden umgedreht, sie beobachtet, wie sie mit eisernen Minen dastanden. Doch plötzlich legte sich bei beiden ein breites Grinsen über die Lippen. Mit festen Schritten gingen sie aufeinander zu und fielen sich in die Arme.
Kim verstand jetzt gar nichts mehr. Er hörte schallendes Gelächter.
"Hahaha... Mensch Edu... hab‘ ich dich vermisst!!!"
" Ja! Warst ja auch lange genug weg, Heinrich!"
Sie klopften sich gegenseitig mit den Händen auf den Rücken, noch immer fest umschlungen. Dann lösten sie sich voneinander und standen sich mit strahlenden Gesichtern gegenüber.
"Erzähl‘ mal... Kleiner! Was hast du so die letzten fünf Jahre ohne mich getrieben?!"
/Kleiner?! Wie kam Eduards Bruder dazu, den Grafen als ´Kleiner‘ zu bezeichnen?! Wenn einer von beiden kleiner war, dann war das Heinrich.../
"Nichts besonderes! War ganz schön langweilig hier! Wir hätten alle nicht gedacht, dass du’s mit diesem Flitt... mit... wie hieß sie?!... Margarete so lange aushalten würdest!"
Kim bemerkte einen kritischen Blick in Heinrichs Augen.
"Komm‘ schon Edu... bist du immer noch beleidigt, weil ich damals mit ihr durchgebrannt bin, ohne dir was davon zu erzählen?! Das ist doch jetzt schon so lange her!"
"Ich war nie beleidigt! Du weißt wie ich dazu stehe! Mach‘ mit deinem Leben, was du willst! Meinetwegen wirf es weg, verkauf‘ es oder mach‘ sonstwas damit! Ist mir egal!" Auf diese Antwort konnte Heinrich nicht anders. Er schnappte sich Eduards Kopf, klemmte ihn sich unter den Arm und strubbelte mit seiner Hand in seinen Haaren herum. "Arggghhhhh... du kleiner Mistkerl! Kannst du nicht einfach mal sagen... dass du dich freust, mich wieder zu sehen?!" Wieder lautes Lachen.
Kim bezweifelte nicht, dass es für den Grafen ein leichtes gewesen wäre, sich aus dem Griff seines Bruders zu befreien, aber vermutlich war dies seine Art, Heinrich zu zeigen, dass er ihm tatsächlich gefehlt hatte.
Plötzlich drehte sich Eduard zu Kim um, ging mit einem Lächeln, das vermutlich jeden verzaubert hätte, auf ihn zu. Kim senkte den Blick. Der Graf schmunzelte, denn er wusste, dass Kim die ganze Situation ziemlich peinlich sein musste. Vermutlich hatte der Junge einen großen Schreck bekommen als Heinrich so einfach hereingeplatzt war, sie gesehen hatte und danach noch solche Arroganz an den Tag gelegt hatte. Was er nicht wusste war, dass Heinrich bereits von Eduards Vorlieben für junge Männer wusste und dass er einen bei weitem besseren Charakter hatte, als er es vorgab.
Von Kalau legte zwei seiner Finger unter Kims Kinn und zwang ihn sanft dazu, ihm in die Augen zu sehen. Dann küsste er ihn. Kim schluckte, war verwirrt...
/Nein... nicht...!/
"Es ist schon in Ordnung, Kim!... Komm‘ jetzt... ich möchte dir jemanden vorstellen!" Er legte seine großen schlanken Hände auf Kims Schultern und führte ihn neben sich zu Heinrich.
"Darf ich bekannt machen?- Kim, das ist mein älterer Bruder Heinrich..."
/Älter? Ach so... daher der Ausdruck ´Kleiner‘.../
"...Und Heinrich... das hier ist Kim Prokter!"
Heinrich lächelte und Kim blinzelte mit den Augen, immer noch zurückhaltend und unsicher. Doch als ihm Heinrich die Hand gab löste sich ein Knoten in seinem Herzen und er spürte, dass er diesem Mann vertrauen konnte.
Er hätte nie vermutet, dass von Kalau und Heinrich Brüder sein könnten. Sie waren sich nicht gerade sehr ähnlich. Während Kim es liebte, wenn die abendliche Sonne das Haselnussbraun von Eduards Haaren in einen goldenen Schimmer tauchte, blendete ihn fast das helle Blond Heinrichs. Seine Augen waren kleiner als die Eduards, blau, fast grau und sein Mund nicht... nicht so... (sinnlich?).
Aber dennoch auch ein schöner Mann...
Ein Klopfen an der Tür. Schüchtern, leise, aber es ließ sie alle drei sofort in die Richtung starren, woher es kam.
"Das ist soeben für Euch angekommen, Herr!" Ein Dienstmädchen brachte mit trippelden, leichten Schritten einen weißen Briefumschlag auf den Grafen zu.
Absender: Catharina.
"Man lässt Euch bitten, umgehendst eine Antwort darauf zu schreiben."
Dann ging sie wieder und während Eduard den Brief öffnete entschuldigte sich Kim. Er wollte auf sein Zimmer gehen. Etwas Ruhe genießen, zu aufregend waren die letzten Minuten (Stunden?) gewesen.
Der Graf nickte ihm zu, wusste vermutlich, was sich gerade in Kim abspielte. Heinrich und Eduard blieben allein zurück...
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