Forgiveable Sinner 8

Part8: Caleidoscope IV

Ein seltsam fremder Geruch hing in der Luft am nächsten Abend. Sie saßen zu viert in einer Kutsche und waren auf dem Weg zum Ball der Herzogin. Kim hatte Eduard den ganzen Tag nicht gesehen. Er hatte versucht, ihm möglichst aus dem Weg zu gehen, wollte nicht an vergangene Nacht erinnert werden. Wollte nicht mehr seine eigenen Worte in seinem Kopf widerhallen hören, die er zum Grafen gesagt hatte. Er hatte sie so gemeint, aber er war sich nicht sicher, ob der Graf nicht nur mit ihm gespielt hatte und ob er sich jetzt bei seinem Bruder über ihn lustig machen würde. Vielleicht gerade jetzt, in diesem Moment. Eduard hatte den Prokters ausrichten lassen, dass er nachkommen wollte. Vorher hatte er noch einige wichtige Dinge zu erledigen. Kim war froh darüber. Er hätte nicht gewusst, wie er auf seine Anwesenheit reagiert hätte, wenn er so dicht in der Kutsche neben ihm, oder ihm gegenüber gesessen hätte. Er blickte aus dem Fenster und sah die Landschaft an ihnen vorbeiziehen. Es war kalt und es schneite.

"Du wirst sehen Sophie! Heute wird er bestimmt um deine Hand anhalten!" Die Stimme von Frau Prokter durchbrach die Stille, die schon seit ihrer Abfahrt geherrscht hatte.

Sophie blickte auf, lächelte ihre Mutter an, doch etwas in ihrem Gesichtsausdruck verriet, dass sie gar nicht so zuversichtlich war, wie es ihre Mutter gerne gesehen hätte. Um ihre Sorgen zu verstecken, senkte das Mädchen schnell wieder ihren Kopf.

"Sei nicht nervös, Liebes!" Ihre Mutter umfasste Sophies Hand mit einer liebevollen Berührung.

/Wenn ich doch nur auch daran glauben könnte, Mutter. Dass Eduard mich heute fragen wird. Aber er küsst mich ja nicht einmal, sieht mich nicht einmal richtig an... Ich glaube.../ Doch sie wollte das nicht glauben, konnte es auch nicht, denn so etwas gab es nicht. Natürlich hatte sie schon bemerkt, wie Eduard Kim ansah, wie seine Augen noch grüner glänzten, als sie es ohnehin schon taten, immer, wenn er ihrem Bruder in Gesicht blickte. Der erste Verdacht war ihr im Park gekommen. Sie hatte sich an das Frühstück erinnert, wie der Graf Kim berührt hatte, besorgt gefragt hatte, was mit seinem Gesicht passiert wäre... Doch das konnte nicht sein. Kim war doch ein Mann! Und sie hatte noch nie davon gehört, dass es auch Männer gab, die heirateten, oder sich liebten. So etwas war absolut undenkbar!

"Papa..." Mr. Prokter blickte starr auf seine Tochter, doch Sophie ließ sich nicht einschüchtern. Sie musste ihn einfach fragen und wenn sie die Antwort kannte, wären ihre Sorgen sicher wie weggeblasen.

"Papa... sag‘... hast du schonmal einen Mann geliebt?"

Kim zuckte zusammen. Er erschrak.

Stille, nur im Hintergrund das leise Knistern der Kutschräder auf dem steinigen Untergrund.

Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, er bakam keine Luft mehr. Hatte sie etwas bemerkt? Hatte sie vielleicht Eduard in sein Zimmer kommen sehen?!

Mr. Prokter sah versteinert auf seine Tochter.

"Wie kommst du darauf, Sophie?!" diese eisige Stimme!

"Es war dumm, entschuldige, Vater! Ich dachte nur..."

"An solche Sünden denkt man nicht, Sophie!" Das Mädchen wich den harten Blicken ihres Vaters aus, suchte Schutz bei ihrem Bruder. Doch Kim blickte nur abwesend aus dem Fenster der Kutsche, verschloss sein Inneres vor den Worten seines Vaters, vor dem Gedanken, dass irgendjemand irgendetwas bemerkt haben könnte, was ihn und Eduard anbelangte. Er hoffte, dass dies alles nur ein böser Traum war. Und er würde sicher bald erwachen und dann mit einem tiefen Seufzer feststellen, dass nichts von dem wirklich geschehen war.

Aber er wachte nicht auf. Denn er schlief nicht.

Sophie war nicht dumm, nur zu naiv um zu wissen, dass es durchaus auch vorkam, dass sich zwei Männer liebten. Wie hätte sie es auch wissen sollen? Niemand redete über solche Dinge. Es gehörte sich einfach nicht und deshalb schwieg man sich darüber aus.

"Es ist eine Sünde! Die schlimmste, die du dir nur vorstellen kannst, Sophie!" Kim hatte nicht damit gerechnet, dass sein Vater noch etwas diesbezüglich sagen würde und so schreckte er förmlich zusammen als er das Blitzen in den Augen seines Vaters sah.

"Ein Mann ist nicht für einen anderen Mann geschaffen. Diese Liebe ist keine Liebe, sondern nur eine Abart des Menschseins! Bestraft müssen sie werden... hart bestraft für ein solches Vergehen!..."

"Schatz, bitte beruhige dich!" Frau Prokter redete beschwichtigend auf ihren Ehemann ein. Sie wusste ganz genau, dass seine Ideale und Prinzipien starr waren, festgefahren, durch nichts erschütterbar und sie wusste auch, dass er noch aufgebrachter reden würde. Sie wollte sich ihre gute Laune nicht von solch unsinnigen Gesprächen verderben lassen! Wieso sollten sie sich über Dinge aufregen, die sie ja letztendlich doch nicht betrafen?! (Betreffen uns nicht...)

/Sünde!/

Der Ball war bereits in vollem Gange als sie das Schloss der Herzogin Catharina betraten. Man nahm ihnen die Mäntel ab und führte sie in einen großen Saal, in dem reges Treiben herrschte. Damen mit roten Lippen und aufgesetzt künstlichem Lächeln tuschelten hinter ihren Fächern als sie die Neuankömmlinge erblickten. Auf der Tanzfläche tummelten sich Paare.

Sophies Augen strahlten und auch Frau Prokter konnte nicht anders, als zu lächeln. In dieser Hinsicht waren sich Mutter und Tochter sehr ähnlich. Mr. Prokter hatte eine steife Miene wie immer und Kim wollte am liebsten gar nicht hier sein. Er stöhnte innerlich. /Menschenmassen!/ Alles eitle Menschen, die die gemeinsten Dinge über einen verbreiten konnten. Gerüchte, die den Ruf eines jeden ganz und gar zerstören konnten. Wieder mal ein Abend, an dem er nur herumsitzen würde und versuchen müsste, sich die Zeit totzuschlagen.

"Meine neuen Gäste sind endlich angekommen! Ich hoffe, Ihr hattet eine angenehme Reise? Bitte, bitte, mischt Euch einfach unter uns!" Eine große schlanke Frau. Vermutlich an die 30 Jahre. Sie hatte ihre roten Haare nach oben gesteckt und trug ein schulterfreies Kleid mit weitem Ausschnitt. Catharina...

"Und du musst also Sophie sein, nicht wahr?" Sie lachte Sophie herzlich an. "Und dann bist du Kim!" Sie trat ganz nah an den Jungen heran, so nah, dass ihr Busen seinen Oberkörper streifte. Kim wurde rot und machte schnell einen Schritt zurück. "Uhm... ja... Madame... ich bin Kim. Freut mich sehr!"

/Wieso sieht sie mich so komisch an?!/

"Also... Kim, du wirst schon sehnsüchtigst erwartet! Mr. Prokter, darf ich Euch Euren Jungen mal für einen Moment entführen?"

"Meinetwegen könnt Ihr ihn auch länger entführen!" Kims Vater hatte kein Interesse daran, was Catharina mit ihm vorhatte. Im Moment hielt er nämlich nur nach etwas Alkoholischem Ausschau. Kim wunderte sich immer wieder von neuem, wie widersprüchlich die Person seines Vaters doch war. Einerseits ein so starrhalsiger Mensch und andererseits ließ er sich von solchen Dingen wie Alkohol hinreißen. Doch er hatte keine Zeit mehr darüber weiter nachzudenken, denn die Herzogin drängte ihn schon gezielt in eine Richtung.

"Ich muss dich unbedingt ein paar netten jungen Herren vorstellen. Du wirst sie bestimmt mögen und ich bin mir sicher, dass ihr gut miteinander auskommen werdet. Sei nur nicht so schüchtern!" Und mit diesen Worten hatte sie ihm einen kleinen Schubs verpasst, so dass er vor eine Gruppe junger Männer stolperte, die ihn sofort aufmerksam musterten.

/Nein... ich hasse solche Situationen!/ Er stand erst einmal eine Weile einfach nur so da. Sie sahen ihn an, er sah sie an. Verlegen.

"Kim Prokter?" fragte plötzlich einer der Männer.

Kim nickte, wusste nicht, mit wem er es zu tun hatte, geschweige denn, was er eigentlich hier sollte.

"Endlich können wir dich einmal kennenlernen! Heinrich hat uns schon viel von dir erzählt."

/Heinrich?/

"Wie gefällt es dir so auf Schloss Hornbach? Hast du dich schon eingelebt?"

/Eingelebt?/

"Ich hatte... ehrlich gesagt nicht vor, mich einzuleben!" Kim lächelte. Wie kamen sie nur auf eine so absurde Idee...

"Was ist... Lust, mit uns was zu trinken?" Sie erwarteten keine Absage, denn noch während man ihn fragte, wurde schon dem Bediensteten deutlich gemacht, dass sie darauf warteten, mit Alkohol versorgt zu werden.

Ohne Kim zu fragen, zerrten sie ihn am Arm mit sich in ein verqualmtes Zimmer, in dem einige Couchen standen. Und auf eine dieser setzten sie sich. Zwei Männer neben Kim, einer rechts, der andere links, einer blieb hinter ihnen stehen und die anderen zwei setzten sich auf die Lehnen. Sie drückten Kim ein Glas Champagner in die Hand und Franz, der schwarzhaarige Mann, der rechts neben ihm saß, legte seinen Arm über Kims Schultern.

"Na, dann erzähl‘ doch mal ein bisschen, Kleiner! Wie lange seid ihr jetzt schon bei Eduard im Schloss?"

"Noch... nicht lange. Ein, zwei Tage!" Argh, er konnte nicht richtig nachdenken. Hier fühlte er sich viel zu eingeengt. Und überhaupt, wieso waren sie daran interessiert, ihn kennenzulernen? Er war ja doch nur Unterhaltung für diese hochmütigen Kerle, die sich einen Spaß daraus machten, ihn Husten zu sehen, nachdem sie ihm eine Zigarre in den Mund gesteckt hatten. Sie wussten vermutlich ganz genau, dass er nicht rauchte. Jedenfalls nahmen sie ihm die Zigarre danach wieder aus dem Mund. Ihren Spaß hatten sie schließlich gehabt!

"Und deine Schwester ist auch hier?"

"Ja!" Kim lächelte verträumt. "Ihr müsstet sie sehen! Sie ist bestimmt das bezaubernste Mädchen, das ihr jemals zu Gesicht bekommen habt!"

"Du musst uns nachher unbedingt deiner bezaubernden Schwester vorstellen!" Mit bösem Unterton schielte Franz zu einem der Männer, Ferdinand, und grinste dabei.

Kim verdrehte die Augen. Bitte, er konnte auch den Fiesling spielen! Und wenn es um seine Schwester ging, war er besonders dazu in der Lage! Niemand würde sich über sie lustig machen!

Doch lange hielt Kim diese Masche nicht durch und schon gar nicht mehr, als Ferdinand sich plötzlich zu ihm hinab beugte und seinen Finger in Kims Hemdkragen schob. Der Junge beugte sich automatisch etwas zurück. Diese Berührung war widerwärtig! Doch an seinen Schultern war Franzs Arm, der ihn wieder nach vorne drückte. Daraufhin stand Kim einfach auf. Die ganze Angelegenheit war ihm einfach nicht geheuer.

Und er wäre mit Sicherheit auch gleich gegangen, wenn sich nicht so ein dicker Typ vor ihm aufgebäumt hätte und ihn mit seinem dicken Bauch wieder auf die Couch zurückgestoßen hätte. Die Männer lachten, doch Kim verzog keine Mine!

"Nimm‘ und diese kleinen Spielchen nicht für übel, Kleiner! Wir wollten bloß mal sehen, wie du reagierst!" schallendes Gelächter der anderen. Und Franz redete weiter:

"Willst du denn nicht deinen Champagner trinken? Hier, nimm einen kräftiegen Schluck!" Er nahm Kim das Glas aus der Hand und hielt es ihm an den Mund.

"Danke, ich kann alleine trinken!" Kim schnappte sich wieder sein Glas und trank es mit einem Zug leer. Die Männer sahen sich grinsend an.

"Holla... na wenn du dich da mal nicht überschätzt hast, Kim?!" Der Junge blickte auf. /Heinrich!/ Er hatte sich zur Gruppe gesellt.

"Ich will doch hoffen, dass ihr den Jungen ordentlich behandelt, Franz?" fragte er grinsend. Eigentlich war es eher eine Auffroderung.

"Aber natürlich... Würden wir uns denn jemals erlauben, einen deiner Freunde nicht angemessen zu behanedeln, Heinrich?!"

"Dann macht es euch auch sicher nichts aus, wenn ich ihn euch jetzt einfach mal entführe. Wenn euch sein Wohl so sehr am Herzen liegt... "

/Danke... Heinrich!/

Heinrich nahm Kim am Arm und zog ihn von der Couch hoch. Dann stellte er sich hinter ihn und führte ihn aus diesem ungemütlichen Raum. Zumindest empfand Kim diesen Raum als wenig gemütlich, doch für diese Kerle wie gerade eben, war er sicher das Paradies auf Erden.

Heinrich hatte Kim in ein weniger belebtes Zimmer gebracht.

"Lass‘ dich nicht mit solchen Typen ein, Kim!"

Sie standen sich gegenüber, doch Kim konnte ihm nicht ins Gesicht blicken. Er kam sich im Moment so klein vor, so ausgeliefert, obwohl er ganz genau wusste, dass Heinrich es nur gut mit ihm meinte.

"Uhm... vielen Dank! Dass Ihr mich da rausgeholt habt!" Das war das einzige, was er nach einer Weile hervorbrachte.

Heinrich fasste sich mit seiner Hand an die Stirn. "Bitte... lass‘ doch diese Höflichkeitsfloskeln! Einfach nur "du" ist in Ordnung! Ich wette, du siezt Eduard sogar noch!"

/Eduard!/ Kim erschrak bei diesem Namen. Richtig, Heinrich wusste ja über sie bescheid. Er hatte gesehen, wie sie sich geküsst hatten. Gestern... in der Bibliothek. Kim wurde rot... und dann fiel ihm etwas ein...

"Diese Männer meinten, dass DU ihnen von mir erzählt hättest?! Und jetzt sagts du, ich solle mich nicht mit ihnen einlassen?"

"Das ist wieder mal typisch für Franz! Wenn ich dich mal erwähnt habe in seiner Gegenwart, dann nur in dem Sinne, dass Eduard euch engeladen hat. Aber bitte... ich hab‘ doch keine Storys über dein Leben augeplaudert, geschweige denn sonstwelche Andeutungen gemacht! Franz benutzt dieses "soundso hat mir schon viel von dir erzählt" immer gerne als Überleitung. So sehe ich das! Und ich wäre bestimmt der letzte Mensch, der sich in Dinge einmischt, die ihn im Grunde gar nichts angehen!" Er kratzte sich am Kopf, aus Verlegenheit. Das mochte Kim an Heinrich. Er war ehrlich und verbarg seine Gefühle nicht. Und er brachte ihn innerlich auch zum Schmunzeln. Er und Eduard, sie waren so verschieden...

"Was wirst du jetzt tun?"

"Was meinst du?" Kim blickte Heinrich fragend an.

"Na... was wirst du mit dem angebrochenen Abend machen?"

Kim seufzte hörbar.

"Weiß nicht. Jetzt werde ich erst einmal ein bisschen Luft schnappen. Und dann seh‘ ich weiter!"

"Na ja, bis Eduard kommt, wirst du dir die Zeit wohl noch alleine totschlagen können!" Gerade als Kim noch eine Bemerkung machen wollte und sich umdrehte, verschwand Heinrich auch schon hinter einer der Türen, die in einen anderen Saal führten.

Die kühle Nachtluft tat gut auf seinem heißen Gesicht. Er stand auf dem Balkon, hatte die Gesellschaft verlassen, ganz einfach, indem er durch eine große Glastür geschlüpft war und diese dann hinter sich geschlossen hatte. Niemand hatte bemerkt, dass er hier hinaus gegangen war. Niemand.

Er spürte einen kalten Windhauch über seine Haut fahren und fröstelte. Aber alles war besser als im Schloss zu sein. Bei diesen aufgeblasenen, arroganten... Kim fluchte!

Eine ganze Zeit lang stand er einfach nur so da, genoss die Einsamkeit und lauschte der Musik im Hintergrund, die aus dem Tanzsaal selbst bis hierher zu hören war.

Kim lehnte sich über die Mauer und blickte in die schwarze Nacht.Es schneite nicht mehr. Die Wolken hatten sich verzogen und der Himmel funkelte voller kleiner weißer Lichter. Das eine heller als das andere. Kim kniff die Augen zusammen. Da hörte er auf einmal, wie sich eine Tür hinter ihm öffnete und er drehte sich um. Ein dunkler Schatten.

/Von Kalau!/

Keiner der beiden sagte etwas und Kim wandte sich gleich wieder dem Himmel zu.

Er hörte Eduards Schritte auf den steinigen Platten, wie er sich ihm langsam näherte.

"Amüsierst du dich gut?" Er blieb dicht hinter dem Jungen stehen. Kim konnte seinen warmen Atem in seinem Nacken spüren.

"Seh‘ ich so aus?!" Eduard musste lächeln. Er hatte mit so einer Antwort durchaus gerechnet.

/Seine starken Arme. Er legt sie um meinen Körper... Uhh... mir wird so warm. Ich spüre seine weichen Haare an meinem Gesicht, seine Haut an der meinen und ich fühle, dass er recht hatte.

---- Unsere Herzen schlagen im gleichen Takt ----

So schnell, so unkontrollierbar schnell. ich möchte ihm in die Augen sehen, diesem wunderschönen Mann! Diese grünen Perlen, die mir jedes mal den Atem nehmen. Doch wenn ich drohe zu ersticken, dann ist er da und küsst mich... und ich lebe wieder./

/SÜNDE!!!/

Kim riss sich vom Grafen los. Er entfernte sich zwei Schritte von ihm.

"Was ist los, Kim?"

Der Junge schluckte.

"Edua... es geht... nicht! Ihr könnt nicht... nicht... mich! Nicht mich!" Kims Stimme war immer leiser geworden. Von Kalau kniff die Augen zusammen und hob seine Augenbraue. Wieder dieses Lächeln in seinem Mundwinkel!

/Verdammt! Warum versteht er nicht?! Er quält mich... Mich... (und sich auch?... und sich auch!). Wir dürfen nicht.../

"Eduard... bitte verst..."

/Ein Kuss?! Jetzt?! Hier?!/

Kim stieß den Grafen von sich.

"Verdammt von Kalau! Was soll das?!" Er wischte sich mit seinem Ärmel über den Mund.

/Hasst du mich denn so sehr... Kim Prokter?/

Kim wollte gehen. Doch Eduard versperrte ihm den Weg. Ihre Blicke trafen sich, hefteten sich aneinander, doch Kim konnte nicht lange standhalten. Er senkte seinen Kopf, Tränen fielen. Von Kalau nahm Kims Hand, doch der Junge entriss sie ihm sofort wieder. Er schluchzte.

Ein Funke glänzte in den Augen des Grafen. Nicht länger!... Dieses Spielchen würde er nicht länger mitspielen! Er packte Kim grob am Arm, zwang ihn, ihn anzusehen.

"Rede mit mir Kim! Was soll denn das ganze Theater?!"

"Was das ganze soll?!- Das frage ich Euch! Ich komme hierher und bei jeder... bei jeder Gelegenheit versucht ihr, mich zu verführen! Ja... Eure Augen

/nicht nur Eure Augen.../

sind verteufelt schön, aber... verflucht...versteht ihr denn nicht?! Ich bin ein Junge... ein Mann!" Seine Stimme ging in ein verzweifeltes Schluchzen über.

"Und Ihr, von Kalau...- Ihr seid auch ein Mann!"

Eine Weile herrschte Stille.

"Wie schön, dass du das bemerkt hast." flüsterte Eduard mit sarkastischem Unterton. Und kurz darauf spürte er einen dumpfen Schmerz auf seiner Wange. Kims Reaktion war unerwartet gewesen.

"Lasst mich los... ihr tut mir..."

"Weh?- Ist es das Kim Prokter? Du hast also Angst, dass ich dir weh tun könnte?! Du hast also Angst davor, von einem anderen Mann, von mir, berührt zu werden?! Du vertraust mir nicht, hab‘ ich recht? Du kannst dir nicht vorstellen, mit mir zu schlafen oder mit mir zu leben, weil du immer diese Angst in dir hättest, ich könnte dir weh tun!"

Kim konnte ihn nicht ansehen und Eduard verfestigte seinen Griff um Kims Arm.

"Ist es nicht so, Kim?! Antworte!"

"Verdammt... und wenn es so ist, was dann?!" schrie er plötzlich aus vollem Hals.

"Was, wenn ich wirklich davor Angst habe?! Wollt Ihr mich dann nicht mehr? Wollt ihr mich wegwerfen, als wäre ich nur irgendein Ding, mit dem man spielen kann, das man nach einmaligem Gebrauch wieder wegschmeißen kann, so als hätte man es niemals gekannt?! Ihr bekommt doch immer alles, was ihr wollt. Ist es nicht so? - Ist es nicht so? Und Euch ist es doch ganz egal, was andere fühlen... Ihr seid egoistisch... ihr..."

Der Graf hörte zu, ein geheimnisvolles Funkeln in seinen Augen. Doch dann hatte er sich nicht länger unter Kontrolle. Er begehrte diesen Jungen da vor sich so sehr, so verteufelt sehr und er würde sich jetzt holen, was er wollte.

Kim weinte noch immer und Eduard hielt ihn nun an beiden Schultern, zog ihn zu sich heran und küsste ihn. Ihre Lippen verschmolzen, ihre Körper wurden eins und Kim war alles egal. Vielleicht wollte er es auch, vielleicht wusste er einfach, dass er nichts dagegen hätte tun können... vielleicht nannte man das auch einfach nur Liebe!

Und dann öffnete sich die Tür.

Sie erschraken und trennten sich schnell voneinander. Kim wurde schwindelig. War es wegen des Alkohols oder war es...wegen...

"Vater..." Er formte dieses Wort lautlos mit seinen Lippen.

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