Why does he love him? - Kapitel III
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Als Hayao am nächsten Morgen erwachte, spürte er ein tiefes Glücksgefühl in
seiner Brust. Yukis Kopf war auf seinem Oberarm gebettet und seine Hand
ruhte friedlich auf Hayaos Hüfte. Er sog den Duft von Yukis Haaren ein und
strich dem schlafenden Jungen ein paar unbändige Strähnen aus dem Gesicht.
Dann ließ er seinen Kopf seufzend ins Kissen zurücksinken. Yuki verkaufte
seinen Körper also NUR des Geldes wegen und nicht, um gleichzeitig auch
noch Spaß zu haben? Er hatte gedacht, sein Freund verband das Angenehme
mit dem noch Angenehmeren, aber dem war anscheinend nicht so. Yuki wirkte
nicht gerade glücklich.
Andererseits war das ein absoluter Teufelskreis, in dem Yuki sich zu
befinden schien! Um glücklich zu sein und seine Sorgen vergessen zu können,
nahm sein Freund diese Drogen, das hatte Hayao inzwischen mitbekommen. Aber
für diese Drogen brauchte Yuki weit mehr Geld, als er besaß, und deshalb
verkaufte er sich an andere. Aber war es nicht genau das, WAS ihn so
unglücklich machte? Warum konnte er nicht einfach damit aufhören? Dann
brauchte er keine Drogen und folglich auch kein Geld mehr dafür. Aber
anscheinend war die Sache nicht so einfach, wie Hayao sich das vorstellte,
denn sonst hätte Yuki bestimmt schon längst von allein damit aufgehört! Der
dunkelhaarige Junge überlegte. Vielleicht könnte er ihn ja...?
Plötzlich bewegte Yuki sich. Hayao drehte den Kopf und blickte in die
wasserblauen Augen, die so hart blicken konnten. Im Moment schauten sie ihn
aber nur ein wenig verschlafen an. "Guten Morgen, Kleiner", murmelte Yuki.
"Morgen!" Hayao küsste Yuki auf die Stirn. "Gut geschlafen?"
"Ja." Yuki richtete seinen Oberkörper auf und streckte sich. Dabei gähnte
er herzhaft. Er wollte gerade aufstehen, als er abrupt von Hayao
festgehalten und auf die Matratze zurückgezogen wurde. "Was...?"
"Ich... ich wollte dich etwas fragen, Yuki", begann Hayao leise und begann,
mit den Fingerspitzen unsichtbare Kringel auf Yukis Brustkorb zu malen.
"Würdest du mir zuliebe aufhören, dir irgendwelche Drogen zu besorgen?"
Yuki starrte ihn erst entgeistert, dann leicht verärgert an. "Nein", sagte
er knapp. "Erstens weißt du, dass das nicht so einfach geht, das mit dem
Aufhören, meine ich. Und zweitens WILL ich das auch überhaupt nicht, weil
ich dieses Zeug brauche. Du kannst dir ja gar nicht vorstellen, was..."
Hayao unterbrach ihn, indem er Yuki einen Finger auf den Mund legte. "Das
habe ich mir schon gedacht", murmelte er und seine Stimme schwankte. Yuki
*war* abhängig - und er war absolut machtlos und konnte nichts dagegen tun.
Die einzige Chance war, endlich zu Frau Wataru zu gehen, doch dann wäre er
ein Verräter gewesen! Ein Verräter an Yuki und auch ein Verräter an sich
selbst! Aber wenigstens vor dem Verkaufen seines eigenen Körpers konnte er
seinen Freund doch bewahren, wenn: "Und... hättest du etwas dagegen, wenn
ich dich für mich allein... miete?"
"Mieten?" Yuki hob erstaunt die Augenbrauen.
"Ja. Ich gebe dir die fünfzehntausend Yen, die du wöchentlich verdienst und
du brauchst nicht mehr anschaffen gehen."
"Sei nicht dumm, Kleiner! Das ist ziemlich viel Geld ", gab Yuki zu
bedenken. "Warum willst du das tun?"
"Weil ich nicht will, dass du etwas machst, was dir keinen Spaß macht!"
"Hey, das Leben ist nicht immer so, wie man es sich wünscht", lachte Yuki
und erhob sich wieder. "Ich mache das Ganze ja auch freiwillig. Ich werde
schon nicht daran sterben. Versprochen!"
Bevor Hayao darauf antworten konnte, schreckten sie auf. Irgend jemand
klopfte gerade an die Tür! Ein verhaltenes Flüstern ertönte dahinter: "Was
ist, wenn er noch schläft? Er ist krank, wir sollten ihn nicht wecken."
"Es ist aber meine Pflicht, als Betreuerin nach ihm zu schauen", antwortete
eine andere Stimme, die eindeutig Fräulein Souchi gehörte.
"Scheiße!" Wie von der Tarantel gestochen - aber trotzdem so lautlos wie
möglich - sprang Yuki aus Hayaos Bett und rannte zu seinem eigenen.
Unterwegs stoppte er hastig und hob Hayaos Sachen vom Boden auf, von denen
er seinen Freund gestern Nacht befreit hatte. Schnell ließ er sich auf
seine Matratze fallen, verstaute die Klamotten unter seinem Kissen und zog
die weiße Bettdecke bis zur Nasenspitze. Keine Sekunde zu früh! Langsam
öffnete sich die Tür und der Kopf von Fräulein Souchi kam zum Vorschein.
Hayao stellte sich schlafend und es gelang ihm sogar, seinen Atem fast
gleichmäßig klingen zu lassen, obwohl er innerlich zitterte wie Espenlaub.
Fräulein Souchi kam an sein Bett, hinter ihr folgte John. Der junge
Engländer war der Aufseher, bei dem Yuki Hayao krank gemeldet hatte! Er
warf einen Blick in Richtung Yuki und dieser musste sich beherrschen, um
nicht erschrocken die Augen zusammenzukneifen. Das wäre ja wohl mehr als
eindeutig gewesen, dass er sich nur schlafend STELLTE!
"Hayao?" Fräulein Souchis Stimme klang sanft wie immer, als sie sich auf
der Kante des Bettes niederließ, in dem der Angesprochene lag. Hayao
öffnete die Augen und versuchte, verschlafen auszusehen. Fräulein Souchi
lächelte. "Na, geht's dir jetzt besser, mein kleiner Held?", fragte sie
leise. "Ich habe gehört, du hast Yuki in der Stadt vor ein paar
Schlägertypen gerettet. Ich wollte ja eigentlich schon gestern nach dir
sehen, aber Yuki hat mir versichert, dass er sich um dich kümmert, weil du
eh schläfst. Sonst wäre ich bestimmt noch einmal zu dir gekommen." Ihr
Lächeln
war unglaublich warm.
Hayao errötete. Was hatte Yuki denn da für einen Stuss erzählt? Hätte er
nicht einfach nur behaupten können, er fühle sich nicht gut? Nein,
stattdessen tischte sein Freund der Heimleiterin eine Lüge auf, die bei
genauerer Betrachtung total durchsichtig war! Selbst, wenn sie in der Stadt
gewesen wären - was ja schon eine Behauptung war, die mindestens zehn
seiner Freunde sofort widerlegen konnten - hatten sie sich nicht
vorschriftsmäßig bei ihr oder John abgemeldet. Und das wurde mit bis zu
einer Woche Stubenarrest bestraft.
Aber als er in Fräulein Souchis Augen blickte, sah er, dass sie über diese
Lüge Bescheid wusste. Ihr Blick war zwar nicht strafend, aber er war
eindeutig eine Mahnung! Und dann verstand er auch, warum sie diesmal ein
Auge zudrückte: "Alles Gute zum Geburtstag, Hayao. Ich weiß, es ist drei
Tage zu spät, aber wir standen so sehr unter Stress, dass ich es vollkommen
vergessen hatte." Sie seufzte und strich Hayao den gefärbten Pony aus der
Stirn. Dieser hoffte, dass sie nicht (aus welchem Grund auch immer)
bemerken würde, dass er nackt war. Es wurde nicht gerne gesehen, wenn man
ohne die vorgeschriebene Nachtbekleidung schlief. "Ich hoffe, beim nächsten
Mal feiert ihr weniger ausgelassen." Fräulein Souchi zwinkerte ihm zu. Dann
erhob sie sich, schaute noch einmal kopfschüttelnd zu Yuki und ging raus.
"Ihr habt unheimliches Glück gehabt, dass Frau Wataru heute nicht da ist",
bemerkte John leise. "Sie hätte ganz sicher kein Auge zugedrückt - und wenn
du zehnmal Geburtstag hattest, Hayao!" Dann verließ auch er das Zimmer.
Die beiden Jungen atmeten auf, als die Tür wieder geschlossen wurde. Sofort
sprang Yuki auf und suchte seine Sachen zusammen, die wie immer in einer
Ecke lagen, wo Fräulein Souchi sie Gott sei Dank nicht entdeckt hatte. "Wir
haben Schwein gehabt, Kleiner", sagte er leise. "Sie denken wahrscheinlich,
du hättest dir bei deiner Feier einen Kater geholt." Er schlüpfte in seine
Jeans und war schon drauf und dran, das Zimmer zu verlassen, als Hayao
aufsprang und nackt zu ihm hin rannte.
"Bitte!" Er hielt Yuki am Arm fest und schaute ihn flehend an. "Nimm das
Geld und bleib allein bei mir... Bitte!"
Yuki zögerte, als Hayao erneut darauf zu sprechen kam. Das Geld konnte er
wirklich gut gebrauchen, gerade jetzt, wo ihm langsam sein Haschisch
ausging. Und die Aussicht auf diesen *zusätzlichen* Verdienst war schon
ziemlich verlockend! "Na schön, Kleiner. Dann gehöre ich ab jetzt dir."
"SUPER!" Hayao schmiegte sich an Yukis Brust. "Mein Yuki."
Dieser lächelte traurig. 'So süß und so naiv', dachte er. Nur widerwillig
konnte er akzeptieren, dass er ein wenig Mitleid mit Hayao verspürte...
Fast einen halben Monat lang hatte Hayao das Gefühl, im siebten Himmel zu
schweben. Jeden Sonntag gab er Yuki die versprochenen fünfzehntausend Yen,
die er teilweise von seinem Ersparten abzweigte und teilweise mit dem
Verrichten handwerklicher Arbeiten im Heim verdiente, die Frau Wataru
großzügig belohnte. Yuki nutzte seine freie Zeit jetzt öfter zu einem
Stadtbummel. Ihnen standen täglich zwei Stunden "Ausgang" zur Verfügung,
und auch wenn Hayao wusste, dass Yuki sich in dieser Zeit meistens neue
Drogen besorgte, verdrängte er den Gedanken daran ganz schnell wieder.
Manchmal, wenn Yuki genug "auf Lager" hatte - wie er es immer liebevoll
nannte - und nicht in die Stadt brauchte, nutzte er seine Freizeit auch zum
Verbessern seiner Kampftechniken. Er und Hayao hatten nicht täglich Sex,
meistens zwei oder dreimal in der Woche. Es war Hayao jedoch völlig egal,
wie oft oder ob überhaupt. Er war glücklich!
Aber die erste Veränderung fiel Hayao auf, als Yuki ihn zum dritten Mal in
einem Monat um tausend Yen Vorschuss bat. Beim ersten Mal hatte er es ihm
noch ohne zu zögern gegeben, aber dann kam ihm die Sache rätselhaft vor.
Wofür brauchte Yuki so viel Geld? Hatten seine Dealer die Preise erhöht?
Als er Yuki jedoch darauf ansprach, wich dieser seinen Fragen taktisch aus,
sodass Hayao es irgendwann genervt aufgab. Ab diesem Tag blieben die Fragen
nach Geld aus, aber Hayao hatte das Gefühl, dass sich seine Beziehung zu
Yuki wieder um ein paar Grad abgekühlt hatte.
Und dann kam hinzu, dass Yuki in letzter Zeit öfters schlagartig seine
Laune wechselte: Während er den ganzen Nachmittag über locker und
regelrecht aufgedreht war und manchmal überhaupt nicht genug von Hayao
bekommen konnte, war er abends oft missmutig, schrie ihn an oder schwieg
ganz einfach. Hayao wusste nicht, wie lange er das noch aushalten sollte!
Zweimal schon war er unmittelbar davor gewesen, bei Frau Wataru oder
Fräulein Souchi Meldung zu machen, aber dann kam ihm wieder in den Sinn,
dass er Yuki damit verlieren würde. Und das DURFTE einfach nicht passieren!
Immer, wenn Yuki dann wieder gute Laune hatte, vergaß (oder besser:
*verdrängte*) Hayao die Momente, in denen Yuki ihn total fertig gemacht
hatte. Vielleicht war es doch nicht so schlimm, wie er gedacht hatte.
Schließlich war jeder mal mies drauf...
"Hallo Hayao!" Der Angesprochene verlangsamte sein Tempo und wartete, bis
Hideki aufgeholt hatte. Sie rannten im Gleichschritt nebenher. "Du siehst
in letzter Zeit so munter aus", meinte Hideki grinsend. "Etwa verliebt?"
Hayao errötete leicht und starrte angestrengt nach vorne. Natürlich hatte
er nie einen Hehl aus seiner Beziehung zu Yuki gemacht, aber direkt darauf
angesprochen hatte ihn bisher noch keiner. Und erst recht nicht einer wie
Hideki, der nun weiß Gott Wichtigeres zu tun hatte! Der zwar äußerst
feminin wirkende, aber dennoch unheimlich kräftige und ausdauernde Sportler
war nämlich Schulsprecher, Leiter des Mangakurses und vertrat gleichzeitig
drei Sportclubs bei Wettkämpfen: er war Sprinter, Baseballer und
Kampfsportler im Besitz des blauen Gürtels.
"Wettrennen?", fragte Hayao statt einer Antwort und spurtete auch schon
los. Hideki hatte keine Mühe, ihn einzuholen, aber Hayao schaffte es
immerhin, beinahe zeitgleich mit ihm ins Ziel zu laufen.
"Du bist gut geworden, Hayao", meinte Hideki, als sie wieder zu Atem
gekommen waren. "Du hättest sicher genügend Ausdauer, um nebenher auch noch
Jiu Jitsu zu betreiben."
"Nein danke. Ich steh nicht so auf sinnloses Herumprügeln", winkte Hayao
ab. "Außerdem bin ich hier ganz zufrieden."
"Sinnloses Herumprügeln", schnaubte Hideki verächtlich. "Das nennt man
SELBSTVERTEIDIGUNG. Aber das hast du ja vielleicht nicht nötig", meinte er
spöttisch. "Du hast ja dein Schätzchen! Der wird dir bestimmt helfen."
"Bestimmt!", gab Hayao schnippisch zurück.
"Dazu müsste er sich bloß ab und zu mal wieder blicken lassen. Yoshiyuki
war nämlich schon über drei Monate nicht mehr im Club." Hideki seufzte.
"Na, egal, ich muss jetzt gehen. Man sieht sich, Hayao! Bis dann!"
"Bis... dann", murmelte Hayao verwirrt. *Yoshiyuki war nämlich schon über
drei Monate nicht mehr im Club.* Was hatte Hideki damit gemeint? Yuki
trainierte doch ziemlich oft, manchmal bis spät abends! Oder etwa nicht?
Yuki drückte Hayao einen Kuss auf die Wange. "Also, bis nachher! Die
anderen warten sicherlich schon. Ciao!" Hayao winkte ihm lächelnd hinterher
und wartete, bis Yuki die Tür von außen zugezogen hatte. Ein paar Sekunden
später öffnete er sie lautlos. Sein Blick fiel auf Yukis blonden Zopf, der
gerade hinter der Ecke verschwand. Das war gewiss nicht der Weg zum Dojo,
wo die Kampfsportart Jiu Jitsu betrieben wurde! Leise folgte er Yuki.
"Hallo Michiru!" Yuki sprach mit gedämpfter Stimme, aber Hayao verstand
hinter seiner Ecke trotzdem jedes Wort: "Tut mir Leid, dass ich gestern
nicht kommen konnte. Ich hatte noch etwas in der Stadt zu besorgen."
"Macht nichts, komm rein!" Das war eindeutig Michirus Stimme. Hayao lief
ein Schauer über den Rücken. Fochten Yuki und Michiru jetzt etwa schon
Privatkämpfe? Der grobe Michiru war nämlich für seine gefährlichen und
meist auch rücksichtslosen Angriffe gefürchtet. Er war aus dem Club
rausgeflogen, nachdem er mehrmals gegen andere gewalttätig geworden war.
Aber was wollte Yuki jetzt bei ihm? Doch nicht etwa...?
Nein, das konnte nicht sein! Yuki hatte ihm versprochen, dass er ihm,
Hayao, allein gehörte. Schließlich bekam er dafür sogar Geld, damit er sich
keine finanziellen Sorgen machen musste. Aber warum war er dann nicht wie
behauptet beim Kampfsport? Hayao war enttäuscht. Yuki hatte ihn angelogen!
Aber WARUM?
"Ich habe dich schon gesucht, Hayao!" Der braunhaarige Junge fuhr
erschrocken herum. Hinter ihm stand Frau Wataru, die einen Zettel in der
Hand hielt. "Wieso bist du nicht in deinem Zimmer? Und wo ist Yoshiyuki?"
"B-beim Kampfsport", log Hayao.
"So?" Frau Wataru zog ungläubig die Augenbrauen hoch, erwiderte aber
nichts. Stattdessen hielt sie Hayao den besagten Zettel in ihrer Hand hin.
"Was ist das?" Hayao nahm ihn entgegen und überflog ihn. Es war die
Zimmeraufteilung der neuen Schüler, die jeder im Heim bekam. Immerhin
besaßen die Älteren eine gewisse "Aufsichtspflicht" gegenüber den Neuen und
mussten natürlich wissen, wo genau diese anzutreffen waren.
"Gib Yoshiyuki bitte auch einen", verabschiedete sich die Heimleiterin.
"Ich habe jetzt keine Zeit, noch weiter nach ihm zu suchen. Und wenn du
schon mal hier bist...", sie reichte ihm neben Yoshiyukis noch zwei weitere
Zettel, "...kannst du Michiru und seinem Zimmernachbarn auch gleich ihre
geben. Danke!" Und weg war sie.
Hayao atmete tief durch. Das war knapp gewesen! Wenn Frau Wataru jetzt etwa
bei Michiru rein gegangen wäre und ihn und Yuki... Nein, so weit wollte er
erst gar nicht denken! Leise näherte er sich der Tür, hinter der Yuki
verschwunden war und schob die beiden Zettel für Michiru durch. Er würde
schon wissen, dass sie für ihn und seinen Nachbarn bestimmt waren. Seinen
und Yukis nahm Hayao mit auf ihr Zimmer.
Als er dort alleine saß und auf Yukis Rückkehr wartete, kamen ihm zu ersten
Mal seit Langem wieder ernste Zweifel: War es nicht unverantwortlich, was
er da tat? Yuki *war* drogenabhängig - da konnte er sich einfach nichts
mehr vormachen. Inzwischen verzog er sich jeden Abend mit irgendwelchen
Pulvern oder Tabletten auf die Toilette, um sich zu "entspannen", wie er es
nannte. Zwar hatte sein Freund dafür auch wieder abends gute Laune und er
sollte sich eigentlich nicht beklagen, aber wie weit sollte das noch gehen?
Hayao stand auf und ging ans Fenster. Die Sonne ging gerade unter und
tauchte den Himmel in ein blutrotes Licht. Wenn er jetzt zu Frau Wataru
gehen und ihr alles - außer die Sache mit Yukis Anschaffen - gestehen
würde, dann könnten sie Yuki bestimmt helfen, von seiner Abhängigkeit
wegzukommen. 'So schwer kann das ja nicht sein', dachte Hayao bedrückt.
Aber anderseits liebte er Yuki. Dieser würde ihn hassen, wenn er ihm so
etwas antäte. Hayao liefen Tränen über die Wangen. Er hing sich aus dem
Fenster und ließ sie vom Wind trocknen. Unten standen einige der jüngeren
Schüler und winkten ihm zu. Hayao grüßte nicht zurück, er war in Gedanken
versunken. Was, wenn er jetzt einfach loslassen würde? Er war im vierten
Stock, seine Überlebenschance war also ziemlich gering. Wenn er tot war,
dann brauchte er sich auch nicht mehr um Yukis Probleme zu sorgen, dann
wäre er für immer frei! Vielleicht würde sein Freund dann auch endlich
aufwachen und einsehen, dass er ihn in den Tod getrieben hatte.
Hayao fand Gefallen an diesem Gedanken. Wenn er weg wäre, dann würde Yuki
sich schuldig fühlen und von selbst zu Frau Wataru gehen. 'Oder... oder
wird es ihm egal sein?' Woher sollte er denn wissen, ob Yuki ihn genauso
sehr liebte, wie er ihn? Sein Freund hatte nie eine Andeutung in dieser
Richtung gemacht. Dass sie "zusammen" waren, lag ja einzig und allein an
dem Geld, dass Yuki dafür bekam. 'Was soll ich denn machen?' Hayao setzte
sich aufs Fensterbrett und schaute nach unten. 'Wenn ich loslasse, kann es
mir schnuppe sein', dachte er schmerzhaft. In seinen Augen standen bereits
neue Tränen. 'Keiner liebt mich, keiner wird mich vermissen. Yuki hört mit
seinen Drogen auf und...' Hayao kam schlagartig zur Besinnung. Wie in
Trance stieg er vom Fensterbrett zurück in sein Zimmer, lehnte sich müde an
die Wand. Was tat er denn hier für einen Unsinn? Es würde niemandem helfen,
wenn er sich jetzt umbrachte. Anstatt im Selbstmitleid zu zerfließen,
musste er darauf achten, dass Yuki nicht weiter abrutschte. Und das fing
damit an, dass er es ihm sofort *verbat*, wieder anschaffen zu gehen!
"Ich bin wieder zurück, Kleiner! Hast du lange gewar-" Eine schallende
Ohrfeige schnitt Yuki das Wort ab. Hayao blickte ihn zornig an.
"Du hast mich belogen, Yuki! Du warst überhaupt nicht beim Jiu Jitsu."
Yuki setzte sofort zur Verteidigung an, aber als er in Hayaos dunkle Augen
schaute, nickte er schuldbewusst. "Nein, ich war nicht dort. Ich war..."
"Spar dir deine Ausreden", fauchte Hayao wütend. "Du hast mich
hintergangen! Ich hatte gedacht, du empfindest wenigstens so etwas wie
Freundschaft für mich. Aber stattdessen steckst du mein Geld ein und gehst
weiterhin heimlich anschaffen. Ich habe dich bei Michiru gesehen."
"Das ist doch überhaupt nicht wahr!", verteidigte sich Yuki. "Ja, es
stimmt, ich war bei Michiru. Aber hör mir doch erstmal zu, Kleiner!"
"Ich will deine dreckigen Lügen nicht mehr hören, Yuki! Wie lange machst du
das schon wieder? Von Anfang an?" Hayao wurde noch lauter, als er es eh
schon war. "Bist du schon so sehr von deinen verdammten Drogen abhängig
oder hält es dein Schwanz nicht mal eine Nacht ohne einen ordentlichen
Arschfick aus?" Bei diesem Wort spürte er einen scharfen Schmerz auf seiner
linken Wange. Diesmal war es Yuki, der zugeschlagen hatte.
"Ich finde, du gehst etwas zu weit, Kleiner", zischte er. "Wenn du mir
nicht zuhören willst, bitte schön, aber vergreife dich nicht im Ton!"
Hayao schaute seinen Zimmernachbarn mit einer Mischung aus Zorn und
Unsicherheit an. Yuki hatte inzwischen eine gewisse Abwehrstellung ihm
gegenüber eingenommen und beobachtete seinen Freund vorsichtig. Was war nur
in ihn, Hayao, gefahren? Wieso war er plötzlich so ausgerastet, ohne zu
wissen, was überhaupt bei Michiru passiert war? "E-es tut mir Leid",
wisperte er. "Entschuldige, dass ich das gesagt habe!" Hayao legte seine
kühle Hand an die brennende Wange und schaute Yuki mit seinen braunen,
eindeutig um Verzeihung bittenden Augen an.
"Nein, MIR tut es Leid", antwortete Yuki und schaute Hayao erschrocken an.
Dessen Wange war sogar schon angeschwollen, soviel Kraft hatte in Yukis
trainierter Hand gelegen. Er hatte sich für einen Augenblick tatsächlich
nicht mehr unter Kontrolle gehabt! "Ich bin müde und habe wahrscheinlich
etwas überreagiert", sagte er und seine Stimme klang fast weinerlich. "Aber
mir geht's in Moment nicht so gut, Kleiner."
"Bist du krank?", fragte Hayao und musterte Yuki genauer. Sein Gesicht war
blass, blasser noch als sonst. Er hatte dunkle Augenringe, die er jeden
morgen so lange mit Make-Up bearbeitete, bis sie nicht mehr auffielen. "Es
ist das Zeug, das du rauchst, nicht wahr?", fragte Hayao bitter.
"Nicht nur, Kleiner!" Yuki ließ sich seufzend aufs Bett fallen. "Mi-", er
stockte, "Jemand, den ich kenne, hat mir etwas neues besorgt, was noch viel
besser ist." Er setzte sich wieder auf. "Hast du schon einmal den Begriff
'Kokain' gehört?" Hayao nickte. "Es ist ein irres Gefühl, wenn du das
schnupfst!" Yukis Augen glänzten. "Es macht dich so... so glücklich, so
locker! Du vergisst für eine Weile den ganzen Scheiß um dich herum." Er
seufzte wieder. "Aber es ist verdammt teuer! Und ich habe kaum noch Geld."
Hayao schaute ihn entsetzt an. "Du bist davon abhängig, Yuki!", brüllte er
auf einmal. Yuki schaute seinen Freund mit leerem Blick an. "Wach doch
endlich mal auf! Du kannst so nicht weitermachen!"
"Willst du petzen gehen, oder wie?", fragte Yuki scharf. "Das würdest du
mir nicht antun, das weiß ich, Kleiner!" Der blonde Junge sprang plötzlich
auf und trat auf Hayao zu. "Du liebst mich, Kleiner, vergiss das nicht! Du
würdest mich NIE verraten. Nein... Das könntest du nicht!"
"Und... und wenn ich es doch tue?", fragte Hayao leise. Yukis stechender
Blick machte ihm auf einmal Angst. "Ich will dir doch nur helfen, Yuki..."
"Damit hilfst du mir aber nicht!" Yuki ergriff Hayaos Oberarme und hielt
ihn fest. Seine eisblauen Augen blickten hart und gefühllos. "Wenn du Frau
Wataru auch nur ein Wort davon sagst, dann bringe ich mich um!"
Hayao starrte Yuki wortlos an. "Das... das meinst du nicht ernst",
flüsterte er tonlos, aber Yukis Gesichtsausdruck belehrte ihn eines
Besseren. "Das kannst du nicht machen!"
"Dann hilf mir, Kleiner, anstatt zu Frau Wataru zu rennen. Hilf mir,
verdammt noch mal!" Yuki schüttelte Hayaos Körper, bis dieser sich mit
Gewalt von ihm losriss. "Gib mir noch mehr Geld. Wenn ich an das Zeug ran
komme, geht's mir auch wieder besser! Bitte, Kleiner!"
"I-ich habe k-kein Geld mehr", stotterte Hayao, jetzt selbst den Tränen
nahe. Was war nur aus seinem geliebten Yuki geworden? Er benahm sich
total... krank! Ja, Yuki war KRANK! Aber er konnte ihn doch deswegen nicht
verraten! Vielleicht sollte er Yuki klarmachen, dass auch anderen sein
merkwürdiges Verhalten aufgefallen war? Es gab zwei Schüler aus den unteren
Klassen, die Hayao daraufhin angesprochen hatten sowie John, der ihn für
ein Gespräch über Yukis mögliche Probleme unauffällig beiseite genommen
hatte. Aber Hayao hatte alles auf den Prüfungsstress geschoben, dem die
Schüler seines Jahrgangs unterlagen. Allerdings lernte Yuki in letzter Zeit
überhaupt nicht mehr! "Und Frau Wataru hat zur Zeit keine Arbeit für mich."
"Scheiße!" Yuki fuhr sich durch sein blondes Haar, das ihm wirr ins Gesicht
hing. Hayao fiel auf, dass die Hand seines Freundes zitterte. Yuki würde
kaputtgehen, wenn er ihm nicht half! Und er würde sich umbringen, wenn
Hayao ihn verriet. Es gab keinen Ausweg! Außer...
"Ist es sehr schwer, was du machst?", platzte Hayao heraus.
"Hä?" Yuki verstand nicht genau, worauf sein Freund plötzlich hinaus
wollte. "Wovon redest du jetzt schon wieder?"
"Von deinem Nebenverdienst", antwortete Hayao leise. "Ich will dir helfen!
So schlimm kann das ja nun auch wieder nicht sein, oder?"
"Das... das würdest du wirklich tun?" Yuki war plötzlich voll bei Sinnen.
"Es würde dir helfen, nicht wahr?", gab Hayao als indirekte Antwort. "Wenn
du mir versprichst, dass du dir nichts Schlimmeres als dieses Kokain
besorgst, dann werde ich es versuchen." Er schluckte unsicher. "Kokain ist
doch nicht lebensgefährlich, oder?"
"Ich passe auf, Kleiner", antwortete Yuki lächelnd. Er musste Hayao nicht
klarmachen, dass auch Kokain zum Tod führen konnte. Nein, er hatte sich
unter Kontrolle und würde es ganz sicher nicht überdosieren! "Versprochen!"
"Also, dann mache ich es... für dich!"
"Bist du dir ganz sicher", hakte Yuki noch einmal nach. Er zitterte vor
innerer Erregung. Die Aussicht auf neues Geld war schon zu Greifen nahe! Er
musste Hayao nicht einmal beeinflussen. Seine Selbstmorddrohung hatte
anscheinend schon gereicht. Yuki verstand zum ersten Mal, was der Spruch
'Liebe macht blind' bedeutete. Aber es betraf ja nicht seine "Augen"!
"Ja, ich tue es!" Das war Hayaos letztes Wort...
Heute war Hayaos erster Tag in seinem neuen "Job"!
"Bist du dir sicher, dass du das wirklich tun willst?", fragte Yuki ein
letztes Mal und hauchte Hayao einen Kuss auf die Stirn. Er hatte natürlich
nicht wirklich die Absicht, Hayao noch einmal umzustimmen. Er wusste, er
hatte seinen Freund soweit, dass er es für ihn tat. "Noch könntest du..."
"Nein, ich ziehe das jetzt durch!", unterbrach Hayao ihn.
"Dann nimm wenigstens das hier." Yuki reichte ihm eine kleine Tablette.
"Was ist das?" Hayao betrachtete das weiße Stück Chemie in seiner Hand.
"Sind das etwa... Drogen?"
"Nicht so richtig", druckste Yuki herum und vermied es, Hayao in die Augen
zu schauen. "Man nennt das Amphetamin. Das hilft dir, die Sache lockerer
anzugehen. Glaub mir, es ist zu deinem eigenen Besten."
Hayao spielte noch einen Moment zögernd mit der Tablette und steckte sie
dann in den Mund. 'Es ist eh schon zu spät für Rückzieher', dachte er und
folgte Yuki mit weichen Knien...
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So, Ende Teil drei. Ich merke schon, ich kann nicht sonderlich spannend
schreiben. Irgendwie langweilig... *schluchz*